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Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830.

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Historischer Theil.
kalb, in der gesenkteren L. einen Bogen haltend. Die Gesichtszüge
streng und archaistisch (§. 94.), die Haare gescheitelt, mit Drahtlöckchen
über der Stirn. Zusammenzusetzen aus den Milesischen Münzen
(Seleukos Nikator restituirte das Bild) Pellerin Recueil des
Med. de peuples T. ii. tb. 57. fg.
39 u. sonst, der Bronze
Specimens of ancient sculpture pl. 12., dem Kopfe im britt.
Mus. Spec. pl. 5., und manchen Marmorbildern (Bonus Even-
tus
). Völkel in Welkers Zeitschr. i, 1. S. 162. Schorns Kunstbl.
1821 N. 16.


Ehrenbildsäulen (andriantes).

187. Die Athletenbilder, welche die Kunst auf
das Leben hinwiesen, beginnen nach den vorhandenen
Nachrichten mit Olymp. 58., aber werden sogleich sehr
2zahlreich und beschäftigen die vorzüglichsten Künstler. Ob-
gleich in der Regel keineswegs eigentliche Porträtstatuen,
waren sie doch bestimmt, die körperliche Tüchtigkeit und
3Ausbildung im Andenken zu erhalten, und deuteten oft
auch durch Stellung und Bewegung die eigenthümliche
Kunst des Kämpfers an. Der Menschenfigur gesellt sich
in diesen Anathemen das Roß.

1. Paus. vi, 18, 5. nennt als die ersten nach Olympia geweihten
Athleten: Praxidamas von Aegina Ol. 58. (von Cypressen), Rhexi-
bios von Opus Ol. 61. (von Feigenholz). Noch älter war in-
deß die alterthümlich steife Bildsäule (Ol. 53.) des Arrhachion von
Phigalia, der als Todter zu Olympia gekränzt worden war.

2. Olympiae omnium qui vicissent statuas dicari mos
erat. Eorum vero qui ter ibi superavissent, ex membris
ipsarum similitudine expressa, quas iconicas vocant,

Plin. xxxiv, 9.

3. Glaukos der Karystier, epitedeiotatos kheironomesai,
war von Glaukias von Aegina skiamakhon dargestellt, Paus. vi,
10, 1. Vgl. Xenoph. Memor. iii, 10. Oti men, ephe, o
Kleiton, alloious poieis dromeis te kai palaistas kai
puktas kai pagkratiastas, oro te kai oida.

88. Außer diesen Siegern in heiligen Weltkämpfen
waren Bildsäulen von Individuen in dieser Zeit noch sehr
selten; ihre Weihung setzt immer ganz besondere Veran-

Hiſtoriſcher Theil.
kalb, in der geſenkteren L. einen Bogen haltend. Die Geſichtszüge
ſtreng und archaiſtiſch (§. 94.), die Haare geſcheitelt, mit Drahtlöckchen
über der Stirn. Zuſammenzuſetzen aus den Mileſiſchen Münzen
(Seleukos Nikator reſtituirte das Bild) Pellerin Recueil des
Med. de peuples T. ii. tb. 57. fg.
39 u. ſonſt, der Bronze
Specimens of ancient sculpture pl. 12., dem Kopfe im britt.
Muſ. Spec. pl. 5., und manchen Marmorbildern (Bonus Even-
tus
). Völkel in Welkers Zeitſchr. i, 1. S. 162. Schorns Kunſtbl.
1821 N. 16.


Ehrenbildſäulen (ἀνδριάντες).

187. Die Athletenbilder, welche die Kunſt auf
das Leben hinwieſen, beginnen nach den vorhandenen
Nachrichten mit Olymp. 58., aber werden ſogleich ſehr
2zahlreich und beſchaͤftigen die vorzuͤglichſten Kuͤnſtler. Ob-
gleich in der Regel keineswegs eigentliche Portraͤtſtatuen,
waren ſie doch beſtimmt, die koͤrperliche Tuͤchtigkeit und
3Ausbildung im Andenken zu erhalten, und deuteten oft
auch durch Stellung und Bewegung die eigenthuͤmliche
Kunſt des Kaͤmpfers an. Der Menſchenfigur geſellt ſich
in dieſen Anathemen das Roß.

1. Pauſ. vi, 18, 5. nennt als die erſten nach Olympia geweihten
Athleten: Praxidamas von Aegina Ol. 58. (von Cypreſſen), Rhexi-
bios von Opus Ol. 61. (von Feigenholz). Noch älter war in-
deß die alterthümlich ſteife Bildſäule (Ol. 53.) des Arrhachion von
Phigalia, der als Todter zu Olympia gekränzt worden war.

2. Olympiae omnium qui vicissent statuas dicari mos
erat. Eorum vero qui ter ibi superavissent, ex membris
ipsarum similitudine expressa, quas iconicas vocant,

Plin. xxxiv, 9.

3. Glaukos der Karyſtier, ἐπιτηδειότατος χειρονομῆσαι,
war von Glaukias von Aegina σκιαμαχῶν dargeſtellt, Pauſ. vi,
10, 1. Vgl. Xenoph. Memor. iii, 10. Ὅτι μὲν, ἔφη, ὦ
Κλείτων, ἀλλοίους ποιεῖς δρομεῖς τε καὶ παλαιστὰς καὶ
πύκτας καὶ παγκρατιαστὰς, ὁρῷ τε καὶ οἶδα.

88. Außer dieſen Siegern in heiligen Weltkaͤmpfen
waren Bildſaͤulen von Individuen in dieſer Zeit noch ſehr
ſelten; ihre Weihung ſetzt immer ganz beſondere Veran-

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[62/0084] Hiſtoriſcher Theil. kalb, in der geſenkteren L. einen Bogen haltend. Die Geſichtszüge ſtreng und archaiſtiſch (§. 94.), die Haare geſcheitelt, mit Drahtlöckchen über der Stirn. Zuſammenzuſetzen aus den Mileſiſchen Münzen (Seleukos Nikator reſtituirte das Bild) Pellerin Recueil des Med. de peuples T. ii. tb. 57. fg. 39 u. ſonſt, der Bronze Specimens of ancient sculpture pl. 12., dem Kopfe im britt. Muſ. Spec. pl. 5., und manchen Marmorbildern (Bonus Even- tus). Völkel in Welkers Zeitſchr. i, 1. S. 162. Schorns Kunſtbl. 1821 N. 16. Ehrenbildſäulen (ἀνδριάντες). 87. Die Athletenbilder, welche die Kunſt auf das Leben hinwieſen, beginnen nach den vorhandenen Nachrichten mit Olymp. 58., aber werden ſogleich ſehr zahlreich und beſchaͤftigen die vorzuͤglichſten Kuͤnſtler. Ob- gleich in der Regel keineswegs eigentliche Portraͤtſtatuen, waren ſie doch beſtimmt, die koͤrperliche Tuͤchtigkeit und Ausbildung im Andenken zu erhalten, und deuteten oft auch durch Stellung und Bewegung die eigenthuͤmliche Kunſt des Kaͤmpfers an. Der Menſchenfigur geſellt ſich in dieſen Anathemen das Roß. 1 2 3 1. Pauſ. vi, 18, 5. nennt als die erſten nach Olympia geweihten Athleten: Praxidamas von Aegina Ol. 58. (von Cypreſſen), Rhexi- bios von Opus Ol. 61. (von Feigenholz). Noch älter war in- deß die alterthümlich ſteife Bildſäule (Ol. 53.) des Arrhachion von Phigalia, der als Todter zu Olympia gekränzt worden war. 2. Olympiae omnium qui vicissent statuas dicari mos erat. Eorum vero qui ter ibi superavissent, ex membris ipsarum similitudine expressa, quas iconicas vocant, Plin. xxxiv, 9. 3. Glaukos der Karyſtier, ἐπιτηδειότατος χειρονομῆσαι, war von Glaukias von Aegina σκιαμαχῶν dargeſtellt, Pauſ. vi, 10, 1. Vgl. Xenoph. Memor. iii, 10. Ὅτι μὲν, ἔφη, ὦ Κλείτων, ἀλλοίους ποιεῖς δρομεῖς τε καὶ παλαιστὰς καὶ πύκτας καὶ παγκρατιαστὰς, ὁρῷ τε καὶ οἶδα. 88. Außer dieſen Siegern in heiligen Weltkaͤmpfen waren Bildſaͤulen von Individuen in dieſer Zeit noch ſehr ſelten; ihre Weihung ſetzt immer ganz beſondere Veran-

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Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Handbuch der Archäologie der Kunst. Breslau, 1830, S. 62. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_kunst_1830/84>, abgerufen am 11.08.2020.