Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Münter, Balthasar: Bekehrungsgeschichte des vormaligen Grafen [...] Johann Friederich Struensee. Kopenhagen, 1772.

Bild:
<< vorherige Seite



was bey seinem Tode zu demselben gehört hat, wird wie-
der lebendig werden. So wie der Mensch, sagte hier
der Graf, bey seiner ersten Entstehung gleichsam in einem
Punct concentrirt ist, so kann es sich auch wohl bey der
Wiederherstellung seines Leibes nach dem Tode verhalten.
Vielleicht ist der Nervensaft der Keim des neuen Leibes,
und das Wesentliche des alten, welches Gott zur Aufer-
stehung aufbewahrt. Gewiß ist wenigstens, fuhr ich
fort, daß der neue Leib aus dem alten, der gleichsam der
Saame des neuen ist, hervorwachsen, und das Wesent-
liche des alten Leibes in sich fassen wird. 1 Cor. 15, 35-38.
Wir können also mit Wahrheit behaupten, jeder werde
seinen eignen Leib wieder erhalten. Der neue Leib wird
den alten an Vollkommenheit weit übertreffen. 1 Cor.
15, 42-44. Er wird zu den Absichten, Geschäfften und
Freuden des künftigen Lebens geschickt seyn, so wie die-
ser unser Leib für das itzige gemacht ist. Er wird nach
dem Ausspruche Pauli Phil. 3, 21. dem verklärten Leibe
Christi ähnlich seyn.

Was versteht man denn unter einem verklärten
Leibe? fragte mich hier der Graf. Jch antwortete: Ei-
gentlich kann ich Jhnen das nicht sagen. Verstehen Sie
darunter einen Leib, der nach der Beschaffenheit des künf-
tigen Lebens veredelt und verfeinert ist, so werden Sie sich
wenigstens keinen unrichtigen Begriff machen, wenn er
gleich die Sache nicht erschöpft. Sie wissen, daß es
viel feinere Materie giebt, als diejenige, woraus dieser
unser Leib besteht. Z. Ex. Licht, Aether. Vielleicht
werden wir in der Auferstehung Leiber von so gerei-
nigter und feiner Materie erhalten. Und der gewöhnli-
che Begriff des Worts verklären, scheint damit über-
einzustimmen.

Die Vernunft kann es nicht beweisen, daß die
Auferstehung der Todten unmöglich sey. Soll der Mensch,

wie
O 3



was bey ſeinem Tode zu demſelben gehoͤrt hat, wird wie-
der lebendig werden. So wie der Menſch, ſagte hier
der Graf, bey ſeiner erſten Entſtehung gleichſam in einem
Punct concentrirt iſt, ſo kann es ſich auch wohl bey der
Wiederherſtellung ſeines Leibes nach dem Tode verhalten.
Vielleicht iſt der Nervenſaft der Keim des neuen Leibes,
und das Weſentliche des alten, welches Gott zur Aufer-
ſtehung aufbewahrt. Gewiß iſt wenigſtens, fuhr ich
fort, daß der neue Leib aus dem alten, der gleichſam der
Saame des neuen iſt, hervorwachſen, und das Weſent-
liche des alten Leibes in ſich faſſen wird. 1 Cor. 15, 35-38.
Wir koͤnnen alſo mit Wahrheit behaupten, jeder werde
ſeinen eignen Leib wieder erhalten. Der neue Leib wird
den alten an Vollkommenheit weit uͤbertreffen. 1 Cor.
15, 42-44. Er wird zu den Abſichten, Geſchaͤfften und
Freuden des kuͤnftigen Lebens geſchickt ſeyn, ſo wie die-
ſer unſer Leib fuͤr das itzige gemacht iſt. Er wird nach
dem Ausſpruche Pauli Phil. 3, 21. dem verklaͤrten Leibe
Chriſti aͤhnlich ſeyn.

Was verſteht man denn unter einem verklaͤrten
Leibe? fragte mich hier der Graf. Jch antwortete: Ei-
gentlich kann ich Jhnen das nicht ſagen. Verſtehen Sie
darunter einen Leib, der nach der Beſchaffenheit des kuͤnf-
tigen Lebens veredelt und verfeinert iſt, ſo werden Sie ſich
wenigſtens keinen unrichtigen Begriff machen, wenn er
gleich die Sache nicht erſchoͤpft. Sie wiſſen, daß es
viel feinere Materie giebt, als diejenige, woraus dieſer
unſer Leib beſteht. Z. Ex. Licht, Aether. Vielleicht
werden wir in der Auferſtehung Leiber von ſo gerei-
nigter und feiner Materie erhalten. Und der gewoͤhnli-
che Begriff des Worts verklaͤren, ſcheint damit uͤber-
einzuſtimmen.

Die Vernunft kann es nicht beweiſen, daß die
Auferſtehung der Todten unmoͤglich ſey. Soll der Menſch,

wie
O 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0225" n="213"/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
was bey &#x017F;einem Tode zu dem&#x017F;elben geho&#x0364;rt hat, wird wie-<lb/>
der lebendig werden. So wie der Men&#x017F;ch, &#x017F;agte hier<lb/>
der Graf, bey &#x017F;einer er&#x017F;ten Ent&#x017F;tehung gleich&#x017F;am in einem<lb/>
Punct concentrirt i&#x017F;t, &#x017F;o kann es &#x017F;ich auch wohl bey der<lb/>
Wiederher&#x017F;tellung &#x017F;eines Leibes nach dem Tode verhalten.<lb/>
Vielleicht i&#x017F;t der Nerven&#x017F;aft der Keim des neuen Leibes,<lb/>
und das We&#x017F;entliche des alten, welches Gott zur Aufer-<lb/>
&#x017F;tehung aufbewahrt. Gewiß i&#x017F;t wenig&#x017F;tens, fuhr ich<lb/>
fort, daß der neue Leib aus dem alten, der gleich&#x017F;am der<lb/>
Saame des neuen i&#x017F;t, hervorwach&#x017F;en, und das We&#x017F;ent-<lb/>
liche des alten Leibes in &#x017F;ich fa&#x017F;&#x017F;en wird. 1 Cor. 15, 35-38.<lb/>
Wir ko&#x0364;nnen al&#x017F;o mit Wahrheit behaupten, jeder werde<lb/>
&#x017F;einen eignen Leib wieder erhalten. Der neue Leib wird<lb/>
den alten an Vollkommenheit weit u&#x0364;bertreffen. 1 Cor.<lb/>
15, 42-44. Er wird zu den Ab&#x017F;ichten, Ge&#x017F;cha&#x0364;fften und<lb/>
Freuden des ku&#x0364;nftigen Lebens ge&#x017F;chickt &#x017F;eyn, &#x017F;o wie die-<lb/>
&#x017F;er un&#x017F;er Leib fu&#x0364;r das itzige gemacht i&#x017F;t. Er wird nach<lb/>
dem Aus&#x017F;pruche Pauli Phil. 3, 21. dem verkla&#x0364;rten Leibe<lb/>
Chri&#x017F;ti a&#x0364;hnlich &#x017F;eyn.</p><lb/>
        <p>Was ver&#x017F;teht man denn unter einem verkla&#x0364;rten<lb/>
Leibe? fragte mich hier der Graf. Jch antwortete: Ei-<lb/>
gentlich kann ich Jhnen das nicht &#x017F;agen. Ver&#x017F;tehen Sie<lb/>
darunter einen Leib, der nach der Be&#x017F;chaffenheit des ku&#x0364;nf-<lb/>
tigen Lebens veredelt und verfeinert i&#x017F;t, &#x017F;o werden Sie &#x017F;ich<lb/>
wenig&#x017F;tens keinen unrichtigen Begriff machen, wenn er<lb/>
gleich die Sache nicht er&#x017F;cho&#x0364;pft. Sie wi&#x017F;&#x017F;en, daß es<lb/>
viel feinere Materie giebt, als diejenige, woraus die&#x017F;er<lb/>
un&#x017F;er Leib be&#x017F;teht. Z. Ex. Licht, Aether. Vielleicht<lb/>
werden wir in der Aufer&#x017F;tehung Leiber von &#x017F;o gerei-<lb/>
nigter und feiner Materie erhalten. Und der gewo&#x0364;hnli-<lb/>
che Begriff des Worts verkla&#x0364;ren, &#x017F;cheint damit u&#x0364;ber-<lb/>
einzu&#x017F;timmen.</p><lb/>
        <p>Die Vernunft kann es nicht bewei&#x017F;en, daß die<lb/>
Aufer&#x017F;tehung der Todten unmo&#x0364;glich &#x017F;ey. Soll der Men&#x017F;ch,<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">O 3</fw><fw place="bottom" type="catch">wie</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[213/0225] was bey ſeinem Tode zu demſelben gehoͤrt hat, wird wie- der lebendig werden. So wie der Menſch, ſagte hier der Graf, bey ſeiner erſten Entſtehung gleichſam in einem Punct concentrirt iſt, ſo kann es ſich auch wohl bey der Wiederherſtellung ſeines Leibes nach dem Tode verhalten. Vielleicht iſt der Nervenſaft der Keim des neuen Leibes, und das Weſentliche des alten, welches Gott zur Aufer- ſtehung aufbewahrt. Gewiß iſt wenigſtens, fuhr ich fort, daß der neue Leib aus dem alten, der gleichſam der Saame des neuen iſt, hervorwachſen, und das Weſent- liche des alten Leibes in ſich faſſen wird. 1 Cor. 15, 35-38. Wir koͤnnen alſo mit Wahrheit behaupten, jeder werde ſeinen eignen Leib wieder erhalten. Der neue Leib wird den alten an Vollkommenheit weit uͤbertreffen. 1 Cor. 15, 42-44. Er wird zu den Abſichten, Geſchaͤfften und Freuden des kuͤnftigen Lebens geſchickt ſeyn, ſo wie die- ſer unſer Leib fuͤr das itzige gemacht iſt. Er wird nach dem Ausſpruche Pauli Phil. 3, 21. dem verklaͤrten Leibe Chriſti aͤhnlich ſeyn. Was verſteht man denn unter einem verklaͤrten Leibe? fragte mich hier der Graf. Jch antwortete: Ei- gentlich kann ich Jhnen das nicht ſagen. Verſtehen Sie darunter einen Leib, der nach der Beſchaffenheit des kuͤnf- tigen Lebens veredelt und verfeinert iſt, ſo werden Sie ſich wenigſtens keinen unrichtigen Begriff machen, wenn er gleich die Sache nicht erſchoͤpft. Sie wiſſen, daß es viel feinere Materie giebt, als diejenige, woraus dieſer unſer Leib beſteht. Z. Ex. Licht, Aether. Vielleicht werden wir in der Auferſtehung Leiber von ſo gerei- nigter und feiner Materie erhalten. Und der gewoͤhnli- che Begriff des Worts verklaͤren, ſcheint damit uͤber- einzuſtimmen. Die Vernunft kann es nicht beweiſen, daß die Auferſtehung der Todten unmoͤglich ſey. Soll der Menſch, wie O 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/muenter_bekehren_1772
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/muenter_bekehren_1772/225
Zitationshilfe: Münter, Balthasar: Bekehrungsgeschichte des vormaligen Grafen [...] Johann Friederich Struensee. Kopenhagen, 1772, S. 213. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/muenter_bekehren_1772/225>, abgerufen am 24.02.2020.