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Natorp, Paul: Sozialpädagogik. Stuttgart, 1899.

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lichen wie sprachlichen und geschichtlichen, in das rechte Ver-
hältnis zu setzen sei. Man sieht aber schon voraus, dass diese
Frage uns dann auch über die Mittelstufe hinaus und zum
letzten Stadium der Bildung hinüberführen wird.

§ 31.
Uebergang zur dritten Stufe. Philosophische Bestandteile
des Unterrichts, insbesondere Ethik als Lehrfach.

Elemente, die entweder unmittelbar zur Philosophie ge-
hören oder doch auf sie hinführen, finden sich in allem bisher
betrachteten Unterricht verstreut. So ist die Mathematik nicht
nur thatsächlich eine Schule logischen Denkens, sondern sie
kann es auch kaum vermeiden, das Logische unmittelbar zum
Ausdruck zu bringen, so in den Formen des euklidischen Be-
weisverfahrens. Nicht minder kommen die logischen Bestand-
teile des Sprachunterrichts im Grammatischen und Rhetorischen*)
sachgemäss auch zu direkter Aussprache. Hier wie dort handelt
es sich zwar nur um eine äussere Beschreibung des logischen
Verfahrens, nicht um jene logische Elementarlehre, von der
erst Kants "transcendentale" Logik den Begriff gegeben; diese
stellt zugleich die Auflösung der alten "Metaphysik" dar, die
Auflösung nicht im Sinne der Aufhebung, sondern der Erfül-
lung, der wahreren Beantwortung ihres besser erkannten Pro-
blems. Aber selbst diese gründlicher verstandene Logik birgt
sich, und verbirgt sich kaum, in den Elementen der Mathe-
matik und mathematischen Naturwissenschaft. Ein mathe-
matischer Unterricht, wie ihn Simons**) beschreibt, würde sehr
wirksam sein, den philosophischen Sinn nach dieser an erster
Stelle wichtigen Seite zu erwecken; nur müsste er in gleichem
Geiste durch die Elemente der Mechanik durchgeführt werden
und zum guten Schluss wenigstens den Ausblick eröffnen auf
eine mathematische Einheit der Naturkräfte, wie sie seit Hertz

*) Vortreffliche Ausführungen hierüber bei E. Laas, Der deutsche
Aufsatz. 2. Aufl. Berlin 1877. Einl. S. 10 ff.
**) Rechnen und Mathematik. In Baumeisters Handb. d. Erz.- und
Unterrichtslehre f. höh. Schulen. München 1895.

lichen wie sprachlichen und geschichtlichen, in das rechte Ver-
hältnis zu setzen sei. Man sieht aber schon voraus, dass diese
Frage uns dann auch über die Mittelstufe hinaus und zum
letzten Stadium der Bildung hinüberführen wird.

§ 31.
Uebergang zur dritten Stufe. Philosophische Bestandteile
des Unterrichts, insbesondere Ethik als Lehrfach.

Elemente, die entweder unmittelbar zur Philosophie ge-
hören oder doch auf sie hinführen, finden sich in allem bisher
betrachteten Unterricht verstreut. So ist die Mathematik nicht
nur thatsächlich eine Schule logischen Denkens, sondern sie
kann es auch kaum vermeiden, das Logische unmittelbar zum
Ausdruck zu bringen, so in den Formen des euklidischen Be-
weisverfahrens. Nicht minder kommen die logischen Bestand-
teile des Sprachunterrichts im Grammatischen und Rhetorischen*)
sachgemäss auch zu direkter Aussprache. Hier wie dort handelt
es sich zwar nur um eine äussere Beschreibung des logischen
Verfahrens, nicht um jene logische Elementarlehre, von der
erst Kants „transcendentale“ Logik den Begriff gegeben; diese
stellt zugleich die Auflösung der alten „Metaphysik“ dar, die
Auflösung nicht im Sinne der Aufhebung, sondern der Erfül-
lung, der wahreren Beantwortung ihres besser erkannten Pro-
blems. Aber selbst diese gründlicher verstandene Logik birgt
sich, und verbirgt sich kaum, in den Elementen der Mathe-
matik und mathematischen Naturwissenschaft. Ein mathe-
matischer Unterricht, wie ihn Simons**) beschreibt, würde sehr
wirksam sein, den philosophischen Sinn nach dieser an erster
Stelle wichtigen Seite zu erwecken; nur müsste er in gleichem
Geiste durch die Elemente der Mechanik durchgeführt werden
und zum guten Schluss wenigstens den Ausblick eröffnen auf
eine mathematische Einheit der Naturkräfte, wie sie seit Hertz

*) Vortreffliche Ausführungen hierüber bei E. Laas, Der deutsche
Aufsatz. 2. Aufl. Berlin 1877. Einl. S. 10 ff.
**) Rechnen und Mathematik. In Baumeisters Handb. d. Erz.- und
Unterrichtslehre f. höh. Schulen. München 1895.
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[301/0317] lichen wie sprachlichen und geschichtlichen, in das rechte Ver- hältnis zu setzen sei. Man sieht aber schon voraus, dass diese Frage uns dann auch über die Mittelstufe hinaus und zum letzten Stadium der Bildung hinüberführen wird. § 31. Uebergang zur dritten Stufe. Philosophische Bestandteile des Unterrichts, insbesondere Ethik als Lehrfach. Elemente, die entweder unmittelbar zur Philosophie ge- hören oder doch auf sie hinführen, finden sich in allem bisher betrachteten Unterricht verstreut. So ist die Mathematik nicht nur thatsächlich eine Schule logischen Denkens, sondern sie kann es auch kaum vermeiden, das Logische unmittelbar zum Ausdruck zu bringen, so in den Formen des euklidischen Be- weisverfahrens. Nicht minder kommen die logischen Bestand- teile des Sprachunterrichts im Grammatischen und Rhetorischen *) sachgemäss auch zu direkter Aussprache. Hier wie dort handelt es sich zwar nur um eine äussere Beschreibung des logischen Verfahrens, nicht um jene logische Elementarlehre, von der erst Kants „transcendentale“ Logik den Begriff gegeben; diese stellt zugleich die Auflösung der alten „Metaphysik“ dar, die Auflösung nicht im Sinne der Aufhebung, sondern der Erfül- lung, der wahreren Beantwortung ihres besser erkannten Pro- blems. Aber selbst diese gründlicher verstandene Logik birgt sich, und verbirgt sich kaum, in den Elementen der Mathe- matik und mathematischen Naturwissenschaft. Ein mathe- matischer Unterricht, wie ihn Simons **) beschreibt, würde sehr wirksam sein, den philosophischen Sinn nach dieser an erster Stelle wichtigen Seite zu erwecken; nur müsste er in gleichem Geiste durch die Elemente der Mechanik durchgeführt werden und zum guten Schluss wenigstens den Ausblick eröffnen auf eine mathematische Einheit der Naturkräfte, wie sie seit Hertz *) Vortreffliche Ausführungen hierüber bei E. Laas, Der deutsche Aufsatz. 2. Aufl. Berlin 1877. Einl. S. 10 ff. **) Rechnen und Mathematik. In Baumeisters Handb. d. Erz.- und Unterrichtslehre f. höh. Schulen. München 1895.

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Zitationshilfe: Natorp, Paul: Sozialpädagogik. Stuttgart, 1899, S. 301. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/natorp_sozialpaedagogik_1899/317>, abgerufen am 23.04.2019.