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Neitzschitz, Georg Christoph von: Sieben-Jährige und gefährliche WeltBeschauung Durch die vornehmsten Drey Theil der Welt Europa/ Asia und Africa. Bautzen, 1666.

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Siebenjährige Welt-Beschauung.
wieder in Oesterreich lieget und 4. Meilen von Edenburg/ ge-
speiset/ sintemahl der Fluß Leithau/ Ungern und Oesterreich
voneinander scheidet.

Von hier sind wir auf Windpässing kommen. Jst ein
Marckt über der Leithauer Brücken gelegen/ allwo es ein schö-
nes Kloster hat oben auf einem Berge liegend Minoriten
S. Franc.
Ordens. Von dar auf Hohenau gegen Abend kommen
zwey Meilen/ da wir auch über Nacht verblieben. Deß folgen-
den Tages haben wir die übrigen zwey Meilen vollends biß
nach Wien vollbracht/ allda wir den 20. Febr. früh um 7. Uhr
in grimmiger Kälte und scharffen Winde ankommen. Habe
mich demnach alsbald mit einem Türckischen Kleide und an-
derer zur Reise nach Jerusalem behörender Nothdurfft ver-
sehen und mich also/ so viel müglich/ auf den Weg geschickt
gemacht.

Das II. Capitul.

Von meinem Auffbruch zu Wien und Fort-
zuge.

NAch dem ich nun also zur Reise fertig war/ habe ich mich
den 5. Martij st. n. früh Morgens um 9. Uhr im Namen
der heiligen Dreyfaltigkeit zu Wien auffgemacht und sel-
bigen Tag noch 1. nach Dreissigkirchen 4. Meilen von Wien ge-
legen/ gereiset. Jst gar ein lustig Dorff und hat um die Kirche
einen Graben mit Wasser/ eine Mauer und Brücke übers
Wasser/ anzusehen/ wie ein Kloster.

Den 6. Martij sind wir über die Neustädter Heide/ so 7.
Meilen lang und biß nach Klockenitz gehet/ gereiset 2. auf Sa-
lanau und so förters um 2. Uhr 3. zur Neustadt angelanget vier
Meilen. Jst eine feine lustige Stadt und eine Bischöffliche Re-
den
tz.


Den

Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.
wieder in Oeſterreich lieget und 4. Meilen von Edenburg/ ge-
ſpeiſet/ ſintemahl der Fluß Leithau/ Ungern und Oeſterreich
voneinander ſcheidet.

Von hier ſind wir auf Windpaͤſſing kommen. Jſt ein
Marckt uͤber der Leithauer Bruͤcken gelegen/ allwo es ein ſchoͤ-
nes Kloſter hat oben auf einem Berge liegend Minoriten
S. Franc.
Ordens. Von dar auf Hohenau gegen Abend kommen
zwey Meilen/ da wir auch uͤber Nacht verblieben. Deß folgen-
den Tages haben wir die uͤbrigen zwey Meilen vollends biß
nach Wien vollbracht/ allda wir den 20. Febr. fruͤh um 7. Uhr
in grimmiger Kaͤlte und ſcharffen Winde ankommen. Habe
mich demnach alsbald mit einem Tuͤrckiſchen Kleide und an-
derer zur Reiſe nach Jeruſalem behoͤrender Nothdurfft ver-
ſehen und mich alſo/ ſo viel muͤglich/ auf den Weg geſchickt
gemacht.

Das II. Capitul.

Von meinem Auffbruch zu Wien und Fort-
zuge.

NAch dem ich nun alſo zur Reiſe fertig war/ habe ich mich
den 5. Martij ſt. n. fruͤh Morgens um 9. Uhr im Namen
der heiligen Dreyfaltigkeit zu Wien auffgemacht und ſel-
bigen Tag noch 1. nach Dreiſſigkirchen 4. Meilen von Wien ge-
legen/ gereiſet. Jſt gar ein luſtig Dorff und hat um die Kirche
einen Graben mit Waſſer/ eine Mauer und Bruͤcke uͤbers
Waſſer/ anzuſehen/ wie ein Kloſter.

Den 6. Martij ſind wir uͤber die Neuſtaͤdter Heide/ ſo 7.
Meilen lang und biß nach Klockenitz gehet/ gereiſet 2. auf Sa-
lanau und ſo foͤrters um 2. Uhr 3. zur Neuſtadt angelanget vier
Meilen. Jſt eine feine luſtige Stadt und eine Biſchoͤffliche Re-
den
tz.


Den
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[94/0100] Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. wieder in Oeſterreich lieget und 4. Meilen von Edenburg/ ge- ſpeiſet/ ſintemahl der Fluß Leithau/ Ungern und Oeſterreich voneinander ſcheidet. Von hier ſind wir auf Windpaͤſſing kommen. Jſt ein Marckt uͤber der Leithauer Bruͤcken gelegen/ allwo es ein ſchoͤ- nes Kloſter hat oben auf einem Berge liegend Minoriten S. Franc. Ordens. Von dar auf Hohenau gegen Abend kommen zwey Meilen/ da wir auch uͤber Nacht verblieben. Deß folgen- den Tages haben wir die uͤbrigen zwey Meilen vollends biß nach Wien vollbracht/ allda wir den 20. Febr. fruͤh um 7. Uhr in grimmiger Kaͤlte und ſcharffen Winde ankommen. Habe mich demnach alsbald mit einem Tuͤrckiſchen Kleide und an- derer zur Reiſe nach Jeruſalem behoͤrender Nothdurfft ver- ſehen und mich alſo/ ſo viel muͤglich/ auf den Weg geſchickt gemacht. Das II. Capitul. Von meinem Auffbruch zu Wien und Fort- zuge. NAch dem ich nun alſo zur Reiſe fertig war/ habe ich mich den 5. Martij ſt. n. fruͤh Morgens um 9. Uhr im Namen der heiligen Dreyfaltigkeit zu Wien auffgemacht und ſel- bigen Tag noch 1. nach Dreiſſigkirchen 4. Meilen von Wien ge- legen/ gereiſet. Jſt gar ein luſtig Dorff und hat um die Kirche einen Graben mit Waſſer/ eine Mauer und Bruͤcke uͤbers Waſſer/ anzuſehen/ wie ein Kloſter. Den 6. Martij ſind wir uͤber die Neuſtaͤdter Heide/ ſo 7. Meilen lang und biß nach Klockenitz gehet/ gereiſet 2. auf Sa- lanau und ſo foͤrters um 2. Uhr 3. zur Neuſtadt angelanget vier Meilen. Jſt eine feine luſtige Stadt und eine Biſchoͤffliche Re- dentz. Den

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Zitationshilfe: Neitzschitz, Georg Christoph von: Sieben-Jährige und gefährliche WeltBeschauung Durch die vornehmsten Drey Theil der Welt Europa/ Asia und Africa. Bautzen, 1666. , S. 94. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/neitschitz_reise_1666/100>, abgerufen am 27.01.2020.