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Neitzschitz, Georg Christoph von: Sieben-Jährige und gefährliche WeltBeschauung Durch die vornehmsten Drey Theil der Welt Europa/ Asia und Africa. Bautzen, 1666.

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Siebenjährige Welt-Beschauung.

Der Wein ist in dieser Jnsul trefflich guthes kauffs und
kaum halb so theuer/ als zu Venedig/ sintemal ein Pocal
7. biß 8. Solt/ zu Venedig aber wol 16. Solt gilt/ das ist zwey
Groschen 8. Pfenning nach Meißnischer Müntze: Ein Pocal
aber hält guth anderthalbe Kanne.

Das IV. Capitul.

Von unserm Auffbruch zu Corsula.

ALs wir nun lange mit Schmertzen auf guthen Wind ge-
wartet/ in dem uns an einer Seiten lauter schwartz trü-
bes Gewölcke schreckete/ an anderer Seiten schön heller
Sonnenschein anblickete und unsere Hoffnung zur See zoge/
sind wir den 4. Maij früh/ wiewol ohne Wind im Port aufge-
brochen und haben auf der Barka unser Schiff an Seilen
ins Meer ziehen lassen/ biß endlich ein Wind aufgestanden/ der
die Segel gefüllet und uns der Jnsul Augusta zugetrieben/ wel-
che klein ist/ gegen Abend aber sind wir der Jnsul Melitae, so
groß ist zur rechten Hand vorbey passiret/ da wir den gantzen
Tag fast contrari Wind gehabt.

Den 5. Maij haben wir stets laviren müssen und hatten
wir den Wind im Vordertheil deß Schiffs/ also/ daß wir zur
rechten Hand die Jnsul Melite gar nahe/ zur lincken Hand a-
ber der Rapuser Land hatten. Und weil der coatrari Wind sehr
starck warde/ sind wir gegen Abend bey der Ponta, oder Ecke
der Jnsul Melite zwischen Rapusar Land zur Lincken und der
Jnsul Schopona zur Rechten in Bocca di Stanphono von der
Stadt Stanphono nahe vorbey gelanffen.

Bocca di Stanphono ist ein geschlossener Port/ sonderlich
wol verwahret.

Den 6. Maij ist der Wind sehr starck im Fördertheil deß
Schiffs im Port gewesen/ daß also den gantzen Tag biß Abend

grosse
Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.

Der Wein iſt in dieſer Jnſul trefflich guthes kauffs und
kaum halb ſo theuer/ als zu Venedig/ ſintemal ein Pocal
7. biß 8. Solt/ zu Venedig aber wol 16. Solt gilt/ das iſt zwey
Groſchen 8. Pfenning nach Meißniſcher Muͤntze: Ein Pocal
aber haͤlt guth anderthalbe Kanne.

Das IV. Capitul.

Von unſerm Auffbruch zu Corſula.

ALs wir nun lange mit Schmertzen auf guthen Wind ge-
wartet/ in dem uns an einer Seiten lauter ſchwartz truͤ-
bes Gewoͤlcke ſchreckete/ an anderer Seiten ſchoͤn heller
Sonnenſchein anblickete und unſere Hoffnung zur See zoge/
ſind wir den 4. Maij fruͤh/ wiewol ohne Wind im Port aufge-
brochen und haben auf der Barka unſer Schiff an Seilen
ins Meer ziehen laſſen/ biß endlich ein Wind aufgeſtanden/ der
die Segel gefuͤllet und uns der Jnſul Auguſta zugetrieben/ wel-
che klein iſt/ gegen Abend aber ſind wir der Jnſul Melitæ, ſo
groß iſt zur rechten Hand vorbey pasſiret/ da wir den gantzen
Tag faſt contrari Wind gehabt.

Den 5. Maij haben wir ſtets laviren muͤſſen und hatten
wir den Wind im Vordertheil deß Schiffs/ alſo/ daß wir zur
rechten Hand die Jnſul Melite gar nahe/ zur lincken Hand a-
ber der Rapuſer Land hatten. Und weil der coatrari Wind ſehr
ſtarck warde/ ſind wir gegen Abend bey der Ponta, oder Ecke
der Jnſul Melite zwiſchen Rapuſar Land zur Lincken und der
Jnſul Schopona zur Rechten in Bocca di Stanphono von der
Stadt Stanphono nahe vorbey gelanffen.

Bocca di Stanphono iſt ein geſchloſſener Port/ ſonderlich
wol verwahret.

Den 6. Maij iſt der Wind ſehr ſtarck im Foͤrdertheil deß
Schiffs im Port geweſen/ daß alſo den gantzen Tag biß Abend

groſſe
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[114/0120] Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Der Wein iſt in dieſer Jnſul trefflich guthes kauffs und kaum halb ſo theuer/ als zu Venedig/ ſintemal ein Pocal 7. biß 8. Solt/ zu Venedig aber wol 16. Solt gilt/ das iſt zwey Groſchen 8. Pfenning nach Meißniſcher Muͤntze: Ein Pocal aber haͤlt guth anderthalbe Kanne. Das IV. Capitul. Von unſerm Auffbruch zu Corſula. ALs wir nun lange mit Schmertzen auf guthen Wind ge- wartet/ in dem uns an einer Seiten lauter ſchwartz truͤ- bes Gewoͤlcke ſchreckete/ an anderer Seiten ſchoͤn heller Sonnenſchein anblickete und unſere Hoffnung zur See zoge/ ſind wir den 4. Maij fruͤh/ wiewol ohne Wind im Port aufge- brochen und haben auf der Barka unſer Schiff an Seilen ins Meer ziehen laſſen/ biß endlich ein Wind aufgeſtanden/ der die Segel gefuͤllet und uns der Jnſul Auguſta zugetrieben/ wel- che klein iſt/ gegen Abend aber ſind wir der Jnſul Melitæ, ſo groß iſt zur rechten Hand vorbey pasſiret/ da wir den gantzen Tag faſt contrari Wind gehabt. Den 5. Maij haben wir ſtets laviren muͤſſen und hatten wir den Wind im Vordertheil deß Schiffs/ alſo/ daß wir zur rechten Hand die Jnſul Melite gar nahe/ zur lincken Hand a- ber der Rapuſer Land hatten. Und weil der coatrari Wind ſehr ſtarck warde/ ſind wir gegen Abend bey der Ponta, oder Ecke der Jnſul Melite zwiſchen Rapuſar Land zur Lincken und der Jnſul Schopona zur Rechten in Bocca di Stanphono von der Stadt Stanphono nahe vorbey gelanffen. Bocca di Stanphono iſt ein geſchloſſener Port/ ſonderlich wol verwahret. Den 6. Maij iſt der Wind ſehr ſtarck im Foͤrdertheil deß Schiffs im Port geweſen/ daß alſo den gantzen Tag biß Abend groſſe

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Zitationshilfe: Neitzschitz, Georg Christoph von: Sieben-Jährige und gefährliche WeltBeschauung Durch die vornehmsten Drey Theil der Welt Europa/ Asia und Africa. Bautzen, 1666. , S. 114. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/neitschitz_reise_1666/120>, abgerufen am 19.10.2019.