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Neitzschitz, Georg Christoph von: Sieben-Jährige und gefährliche WeltBeschauung Durch die vornehmsten Drey Theil der Welt Europa/ Asia und Africa. Bautzen, 1666.

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Siebenjährige Welt-Beschauung.

Die folgende Nacht hatten wir gar guten Wind und sind
der Jnsul Locaso zur lincken Hand vorbey passiret, die ich Mor-
gens früh drauff den 29. Maij von ferne gesehen/ den Tag aber
über biß auf halben Abend wards wider stille/ deßwegen/ als
wir früh um 7. Uhr bey Capo di Candia, allwo der gute beque-
me Port/ Policastro, ist/ an kamen/ sind wir allda liegen blie-
ben. Da uns aber der Wind wider gut ward/ haben wir die Jn-
sul Candia zur rechten Handwerts gantz verlassen und diesen
gantzen Tag kein ander Land mehr/ als ietzt gedachtes Capo,
oder Ecke von Candia gesehen/ welches wie das Ende dieses
Königreichs war.

Den 30. Maij zur Nacht war gar kein Wind/ sondern
befandt sich untern Wasser/ dahero das Meer sehr ungestüm
und unruhig war/ daß die Wellen das Schiff von einer
Seite zur andern mit erschrecklichen Krachen und Prasseln
warffen. Darauff erhub sich gar ein guter Wind und hielt
denselben gantzen 31. Maij Tag und Nacht im Hintertheil deß
Schiffs starck an und sahen wir nirgends kein Land.

Weil wir aber von Zante auß biß nach Alexandrien in E-
gypten wegen der Meer-Räuber/ so Mohren und Türcken
waren/ grosse Gefahr und Unsicherheit zubefürchten hatten/
liessen wir/ derselben vorzukommen/ auf dem höchsten Mast-
baum von den Boßknechten Wechsels weise fleissige Wache
halten/ biß wir endlich mit Freuden nach Alexandrien kamen
nach außgestandener vielfaltigen Gefahr und Noth/ welche
unmüglich alle zuerzehlen ist.

Das dritte Buch.

Begreifft die Reise in Egyypten herum und was allda
allenthalben denckwürdiges zu sehen ist.

Cap.
S 2
Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.

Die folgende Nacht hatten wir gar guten Wind und ſind
der Jnſul Locaſo zur lincken Hand vorbey pasſiret, die ich Mor-
gens fruͤh drauff den 29. Maij von ferne geſehen/ den Tag aber
uͤber biß auf halben Abend wards wider ſtille/ deßwegen/ als
wir fruͤh um 7. Uhr bey Capo di Candia, allwo der gute beque-
me Port/ Policaſtro, iſt/ an kamen/ ſind wir allda liegen blie-
ben. Da uns aber der Wind wider gut ward/ haben wir die Jn-
ſul Candia zur rechten Handwerts gantz verlaſſen und dieſen
gantzen Tag kein ander Land mehr/ als ietzt gedachtes Capo,
oder Ecke von Candia geſehen/ welches wie das Ende dieſes
Koͤnigreichs war.

Den 30. Maij zur Nacht war gar kein Wind/ ſondern
befandt ſich untern Waſſer/ dahero das Meer ſehr ungeſtuͤm
und unruhig war/ daß die Wellen das Schiff von einer
Seite zur andern mit erſchrecklichen Krachen und Praſſeln
warffen. Darauff erhub ſich gar ein guter Wind und hielt
denſelben gantzen 31. Maij Tag und Nacht im Hintertheil deß
Schiffs ſtarck an und ſahen wir nirgends kein Land.

Weil wir aber von Zante auß biß nach Alexandrien in E-
gypten wegen der Meer-Raͤuber/ ſo Mohren und Tuͤrcken
waren/ groſſe Gefahr und Unſicherheit zubefuͤrchten hatten/
lieſſen wir/ derſelben vorzukommen/ auf dem hoͤchſten Maſt-
baum von den Boßknechten Wechſels weiſe fleiſſige Wache
halten/ biß wir endlich mit Freuden nach Alexandrien kamen
nach außgeſtandener vielfaltigen Gefahr und Noth/ welche
unmuͤglich alle zuerzehlen iſt.

Das dritte Buch.

Begreifft die Reiſe in Egyypten herum und was allda
allenthalben denckwuͤrdiges zu ſehen iſt.

Cap.
S 2
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[137/0143] Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Die folgende Nacht hatten wir gar guten Wind und ſind der Jnſul Locaſo zur lincken Hand vorbey pasſiret, die ich Mor- gens fruͤh drauff den 29. Maij von ferne geſehen/ den Tag aber uͤber biß auf halben Abend wards wider ſtille/ deßwegen/ als wir fruͤh um 7. Uhr bey Capo di Candia, allwo der gute beque- me Port/ Policaſtro, iſt/ an kamen/ ſind wir allda liegen blie- ben. Da uns aber der Wind wider gut ward/ haben wir die Jn- ſul Candia zur rechten Handwerts gantz verlaſſen und dieſen gantzen Tag kein ander Land mehr/ als ietzt gedachtes Capo, oder Ecke von Candia geſehen/ welches wie das Ende dieſes Koͤnigreichs war. Den 30. Maij zur Nacht war gar kein Wind/ ſondern befandt ſich untern Waſſer/ dahero das Meer ſehr ungeſtuͤm und unruhig war/ daß die Wellen das Schiff von einer Seite zur andern mit erſchrecklichen Krachen und Praſſeln warffen. Darauff erhub ſich gar ein guter Wind und hielt denſelben gantzen 31. Maij Tag und Nacht im Hintertheil deß Schiffs ſtarck an und ſahen wir nirgends kein Land. Weil wir aber von Zante auß biß nach Alexandrien in E- gypten wegen der Meer-Raͤuber/ ſo Mohren und Tuͤrcken waren/ groſſe Gefahr und Unſicherheit zubefuͤrchten hatten/ lieſſen wir/ derſelben vorzukommen/ auf dem hoͤchſten Maſt- baum von den Boßknechten Wechſels weiſe fleiſſige Wache halten/ biß wir endlich mit Freuden nach Alexandrien kamen nach außgeſtandener vielfaltigen Gefahr und Noth/ welche unmuͤglich alle zuerzehlen iſt. Das dritte Buch. Begreifft die Reiſe in Egyypten herum und was allda allenthalben denckwuͤrdiges zu ſehen iſt. Cap. S 2

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Zitationshilfe: Neitzschitz, Georg Christoph von: Sieben-Jährige und gefährliche WeltBeschauung Durch die vornehmsten Drey Theil der Welt Europa/ Asia und Africa. Bautzen, 1666. , S. 137. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/neitschitz_reise_1666/143>, abgerufen am 15.10.2019.