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Neitzschitz, Georg Christoph von: Sieben-Jährige und gefährliche WeltBeschauung Durch die vornehmsten Drey Theil der Welt Europa/ Asia und Africa. Bautzen, 1666.

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Siebenjährige Welt-Beschauung.

Als wir nun vom Tische aufgestanden/ sind wir zu höchst
aufs Kloster/ weils oben gantz eben und ohne Tach war/ und
darneben sehr hoch/ hinauf geführet worden/ da man denn
die gantze Stadt Babylon/ guthes Theils übersehen können/
wie denn auch das uf dem hohen Berge liegende Castel und
Paschen-Hauß in alt Cairo.

Vor Mittage bin ich durch zwey Griechische Münche uf
Befehl ihres Obristen wiederum nach des Herrn Santho
Hauß/ allwo ich mich vor meinem abreisen vorhin aufgehal-
ten und herrlich tractiret worden war/ einen ziemlichen Weg
begleitet worden. Denn das soll also der Brauch seyn/ wie
man mich berichtet/ daß man die Pilgrim/ wenn sie vom Ber-
ge Sinai wieder zurück kommen/ auf solche Masse in ihre Her-
bergen/ oder Quartire begleitet.

Bey gedachten Herrn Santho Venetianischen und Hol-
ländischen Consul/ bin ich biß auff den 28. Julii und also/ biß
zu meiner gäntzlichen Abreise verblieben und überaus wol in
einem und andern der Nothdurft nach in acht genommen
worden/ welches denn in solcher wilden Frembde kein gerin-
ges Stück der Liebe ist und solte wol in Teutschland/ mitten
in der erleuchteten Christenheit/ ein seltzam Wilpret seyn/ ehe
man solche Liebe und Wolthaten finden solte/ wenn man gleich
bey hellem Tage mit Diogenis brennender Laterne umsuchen
würde.

Das VI. Capitul.

Von dem/ was ich noch bey meiner Wieder Kunft zu
Babylon/ oder Alkair gesehen.

DAs Castell zu Babylon wird so genau in acht genom-
men/ daß kein Mensch hinauf gelassen wird/ er sey denn
gar wohl bekannt. Jch hatte aber allda einen sonderba-
ren guthen Freund/ welcher ein Doctor Medicina war/ de Kroy

genan-
Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.

Als wir nun vom Tiſche aufgeſtanden/ ſind wir zu hoͤchſt
aufs Kloſter/ weils oben gantz eben und ohne Tach war/ und
darneben ſehr hoch/ hinauf gefuͤhret worden/ da man denn
die gantze Stadt Babylon/ guthes Theils uͤberſehen koͤnnen/
wie denn auch das uf dem hohen Berge liegende Caſtel und
Paſchen-Hauß in alt Cairo.

Vor Mittage bin ich durch zwey Griechiſche Muͤnche uf
Befehl ihres Obriſten wiederum nach des Herrn Santho
Hauß/ allwo ich mich vor meinem abreiſen vorhin aufgehal-
ten und herrlich tractiret worden war/ einen ziemlichen Weg
begleitet worden. Denn das ſoll alſo der Brauch ſeyn/ wie
man mich berichtet/ daß man die Pilgrim/ wenn ſie vom Ber-
ge Sinai wieder zuruͤck kommen/ auf ſolche Maſſe in ihre Her-
bergen/ oder Quartire begleitet.

Bey gedachten Herrn Santho Venetianiſchen und Hol-
laͤndiſchen Conſul/ bin ich biß auff den 28. Julii und alſo/ biß
zu meiner gaͤntzlichen Abreiſe verblieben und uͤberaus wol in
einem und andern der Nothdurft nach in acht genommen
worden/ welches denn in ſolcher wilden Frembde kein gerin-
ges Stuͤck der Liebe iſt und ſolte wol in Teutſchland/ mitten
in der erleuchteten Chriſtenheit/ ein ſeltzam Wilpret ſeyn/ ehe
man ſolche Liebe und Wolthaten finden ſolte/ wenn man gleich
bey hellem Tage mit Diogenis brennender Laterne umſuchen
wuͤrde.

Das VI. Capitul.

Von dem/ was ich noch bey meiner Wieder Kunft zu
Babylon/ oder Alkair geſehen.

DAs Caſtell zu Babylon wird ſo genau in acht genom-
men/ daß kein Menſch hinauf gelaſſen wird/ er ſey denn
gar wohl bekannt. Jch hatte aber allda einen ſonderba-
ren guthen Freund/ welcher ein Doctor Medicina war/ de Kroy

genan-
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[230[236]/0242] Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. Als wir nun vom Tiſche aufgeſtanden/ ſind wir zu hoͤchſt aufs Kloſter/ weils oben gantz eben und ohne Tach war/ und darneben ſehr hoch/ hinauf gefuͤhret worden/ da man denn die gantze Stadt Babylon/ guthes Theils uͤberſehen koͤnnen/ wie denn auch das uf dem hohen Berge liegende Caſtel und Paſchen-Hauß in alt Cairo. Vor Mittage bin ich durch zwey Griechiſche Muͤnche uf Befehl ihres Obriſten wiederum nach des Herrn Santho Hauß/ allwo ich mich vor meinem abreiſen vorhin aufgehal- ten und herrlich tractiret worden war/ einen ziemlichen Weg begleitet worden. Denn das ſoll alſo der Brauch ſeyn/ wie man mich berichtet/ daß man die Pilgrim/ wenn ſie vom Ber- ge Sinai wieder zuruͤck kommen/ auf ſolche Maſſe in ihre Her- bergen/ oder Quartire begleitet. Bey gedachten Herrn Santho Venetianiſchen und Hol- laͤndiſchen Conſul/ bin ich biß auff den 28. Julii und alſo/ biß zu meiner gaͤntzlichen Abreiſe verblieben und uͤberaus wol in einem und andern der Nothdurft nach in acht genommen worden/ welches denn in ſolcher wilden Frembde kein gerin- ges Stuͤck der Liebe iſt und ſolte wol in Teutſchland/ mitten in der erleuchteten Chriſtenheit/ ein ſeltzam Wilpret ſeyn/ ehe man ſolche Liebe und Wolthaten finden ſolte/ wenn man gleich bey hellem Tage mit Diogenis brennender Laterne umſuchen wuͤrde. Das VI. Capitul. Von dem/ was ich noch bey meiner Wieder Kunft zu Babylon/ oder Alkair geſehen. DAs Caſtell zu Babylon wird ſo genau in acht genom- men/ daß kein Menſch hinauf gelaſſen wird/ er ſey denn gar wohl bekannt. Jch hatte aber allda einen ſonderba- ren guthen Freund/ welcher ein Doctor Medicina war/ de Kroy genan-

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Zitationshilfe: Neitzschitz, Georg Christoph von: Sieben-Jährige und gefährliche WeltBeschauung Durch die vornehmsten Drey Theil der Welt Europa/ Asia und Africa. Bautzen, 1666. , S. 230[236]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/neitschitz_reise_1666/242>, abgerufen am 22.10.2019.