Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Neitzschitz, Georg Christoph von: Sieben-Jährige und gefährliche WeltBeschauung Durch die vornehmsten Drey Theil der Welt Europa/ Asia und Africa. Bautzen, 1666.

Bild:
<< vorherige Seite

Siebenjährige Welt-Beschauung.
er ihrer im 4. Cap. seines Hohenl. gedencket und spricht: Sein
Königreich/ oder unter demselben die Christliche Kirche gemei-
net/ sey wie ein Garten-Brunn und wie ein Brunn lebendiger
Wasser/ die von Libanon fliessen.

Jnsonderheit aber ist an solchen Brunnen nicht ohne
Verwunderung zu sehen/ daß an dem Gemäuer/ worüber
weiland das Wasser geführet worden/ eine Materiin grosser
Menge henget/ welche anzusehen ist/ als Bimsstein/ ja auch
leicht ist/ als ein Bimsstein und von dem Wasser also worden
ist wegen deß stetigen Rinnens. Niemand solte es glauben daß
ietzo ein Stein seyn solte/ welches vor Jahren dünnes und leichte
Wasser gewesen/ wennichs nicht selber hätte mit Augen gesehen.
Deßwegen habe ich zum Wahrzeichen 2. ziemliche Stücke abge-
schlagen und dieselben mit in die Christenheit heraus genommen.

Das VIII. Capitul.

Von meiner Reise nach Ptolemais und dem Berge Karmel
und was unterwegs und allda zu sehen gewesen.

NAch dem wir nun die Nacht bey diesem Brunnen zuge-
bracht und der Morgen anbrach/ wir uns auch bey den-
selben wol umgesehen hatten/ sind wir den 12. Augusti wi-
der aufgewesen und drauff zum weissen Meer kommen/ zur
lincken Hand aber hatten wir Gebürge/ da wir denn so fort
nahe am Meer über gantz kreidenweiß Gebürge gar gefährlich
hin reisen musten.

Da ist der erste Caffar, oder Türckis Zoll/ welcher in einem
daselbst zu dem Ende erbauten Hause/ an welchem unten an
der Mauer ein schöner frischer Brunn/ gegen über aber hart
am Meere ein viereckichter starcker stumpffer Wach-Thurm
liegt/ eingenommen wird und muß iede Person einen Real geben
vor unsere Person wiewol wir durch Herrn Fabern erhielten/
daß wir nur ein vierthel eines Reals geben dorfften.

Als wir nun unsern Zoll erlegt hatten/ und unsere

Strasse

Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung.
er ihrer im 4. Cap. ſeines Hohenl. gedencket und ſpricht: Sein
Koͤnigreich/ oder unter demſelben die Chriſtliche Kirche gemei-
net/ ſey wie ein Garten-Brunn und wie ein Brunn lebendiger
Waſſer/ die von Libanon flieſſen.

Jnſonderheit aber iſt an ſolchen Brunnen nicht ohne
Verwunderung zu ſehen/ daß an dem Gemaͤuer/ woruͤber
weiland das Waſſer gefuͤhret worden/ eine Materiin groſſer
Menge henget/ welche anzuſehen iſt/ als Bimsſtein/ ja auch
leicht iſt/ als ein Bimsſtein und von dem Waſſer alſo worden
iſt wegen deß ſtetigen Rinnens. Niemand ſolte es glauben daß
ietzo ein Stein ſeyn ſolte/ welches vor Jahren duͤnnes uñ leichte
Waſſer geweſen/ weñichs nicht ſelber haͤtte mit Augen geſehen.
Deßwegen habe ich zum Wahrzeichen 2. ziemliche Stuͤcke abge-
ſchlagen und dieſelben mit in die Chꝛiſtenheit heraus genom̃en.

Das VIII. Capitul.

Von meiner Reiſe nach Ptolemais und dem Berge Karmel
und was unterwegs und allda zu ſehen geweſen.

NAch dem wir nun die Nacht bey dieſem Brunnen zuge-
bracht und der Morgen anbrach/ wir uns auch bey den-
ſelben wol umgeſehen hatten/ ſind wir den 12. Auguſti wi-
der aufgeweſen und drauff zum weiſſen Meer kommen/ zur
lincken Hand aber hatten wir Gebuͤrge/ da wir denn ſo fort
nahe am Meer uͤber gantz kreidenweiß Gebuͤrge gar gefaͤhrlich
hin reiſen muſten.

Da iſt der erſte Caffar, oder Tuͤrckiſ Zoll/ welcher in einem
daſelbſt zu dem Ende erbauten Hauſe/ an welchem unten an
der Mauer ein ſchoͤner friſcher Brunn/ gegen uͤber aber hart
am Meere ein viereckichter ſtarcker ſtumpffer Wach-Thurm
liegt/ eingenom̃en wird und muß iede Perſon einen Real geben
vor unſere Perſon wiewol wir durch Herrn Fabern erhielten/
daß wir nur ein vierthel eines Reals geben dorfften.

Als wir nun unſern Zoll erlegt hatten/ und unſere

Straſſe
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0275" n="269"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Siebenja&#x0364;hrige Welt-Be&#x017F;chauung.</hi></fw><lb/>
er ihrer im 4. Cap. &#x017F;eines Hohenl. gedencket und &#x017F;pricht: Sein<lb/>
Ko&#x0364;nigreich/ oder unter dem&#x017F;elben die Chri&#x017F;tliche Kirche gemei-<lb/>
net/ &#x017F;ey wie ein Garten-Brunn und wie ein Brunn lebendiger<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er/ die von Libanon flie&#x017F;&#x017F;en.</p><lb/>
            <p>Jn&#x017F;onderheit aber i&#x017F;t an &#x017F;olchen Brunnen nicht ohne<lb/>
Verwunderung zu &#x017F;ehen/ daß an dem Gema&#x0364;uer/ woru&#x0364;ber<lb/>
weiland das Wa&#x017F;&#x017F;er gefu&#x0364;hret worden/ eine <hi rendition="#aq">Materi</hi>in gro&#x017F;&#x017F;er<lb/>
Menge henget/ welche anzu&#x017F;ehen i&#x017F;t/ als Bims&#x017F;tein/ ja auch<lb/>
leicht i&#x017F;t/ als ein Bims&#x017F;tein und von dem Wa&#x017F;&#x017F;er al&#x017F;o worden<lb/>
i&#x017F;t wegen deß &#x017F;tetigen Rinnens. Niemand &#x017F;olte es glauben daß<lb/>
ietzo ein Stein &#x017F;eyn &#x017F;olte/ welches vor Jahren du&#x0364;nnes un&#x0303; leichte<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er gewe&#x017F;en/ wen&#x0303;ichs nicht &#x017F;elber ha&#x0364;tte mit Augen ge&#x017F;ehen.<lb/>
Deßwegen habe ich zum Wahrzeichen 2. ziemliche Stu&#x0364;cke abge-<lb/>
&#x017F;chlagen und die&#x017F;elben mit in die Ch&#xA75B;i&#x017F;tenheit heraus genom&#x0303;en.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#fr">Das</hi> <hi rendition="#aq">VIII.</hi> <hi rendition="#fr">Capitul.</hi> </head><lb/>
            <argument>
              <p> <hi rendition="#c">Von meiner Rei&#x017F;e nach <hi rendition="#aq">Ptolemais</hi> und dem Berge Karmel<lb/>
und was unterwegs und allda zu &#x017F;ehen gewe&#x017F;en.</hi> </p>
            </argument><lb/>
            <p><hi rendition="#in">N</hi>Ach dem wir nun die Nacht bey die&#x017F;em Brunnen zuge-<lb/>
bracht und der Morgen anbrach/ wir uns auch bey den-<lb/>
&#x017F;elben wol umge&#x017F;ehen hatten/ &#x017F;ind wir den 12. Augu&#x017F;ti wi-<lb/>
der aufgewe&#x017F;en und drauff zum wei&#x017F;&#x017F;en Meer kommen/ zur<lb/>
lincken Hand aber hatten wir Gebu&#x0364;rge/ da wir denn &#x017F;o fort<lb/>
nahe am Meer u&#x0364;ber gantz kreidenweiß Gebu&#x0364;rge gar gefa&#x0364;hrlich<lb/>
hin rei&#x017F;en mu&#x017F;ten.</p><lb/>
            <p>Da i&#x017F;t der er&#x017F;te <hi rendition="#aq">Caffar,</hi> oder Tu&#x0364;rcki&#x017F; Zoll/ welcher in einem<lb/>
da&#x017F;elb&#x017F;t zu dem Ende erbauten Hau&#x017F;e/ an welchem unten an<lb/>
der Mauer ein &#x017F;cho&#x0364;ner fri&#x017F;cher Brunn/ gegen u&#x0364;ber aber hart<lb/>
am Meere ein viereckichter &#x017F;tarcker &#x017F;tumpffer Wach-Thurm<lb/>
liegt/ eingenom&#x0303;en wird und muß iede Per&#x017F;on einen Real geben<lb/>
vor un&#x017F;ere Per&#x017F;on wiewol wir durch Herrn Fabern erhielten/<lb/>
daß wir nur ein vierthel eines Reals geben dorfften.</p><lb/>
            <p>Als wir nun un&#x017F;ern Zoll erlegt hatten/ und un&#x017F;ere<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Stra&#x017F;&#x017F;e</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[269/0275] Siebenjaͤhrige Welt-Beſchauung. er ihrer im 4. Cap. ſeines Hohenl. gedencket und ſpricht: Sein Koͤnigreich/ oder unter demſelben die Chriſtliche Kirche gemei- net/ ſey wie ein Garten-Brunn und wie ein Brunn lebendiger Waſſer/ die von Libanon flieſſen. Jnſonderheit aber iſt an ſolchen Brunnen nicht ohne Verwunderung zu ſehen/ daß an dem Gemaͤuer/ woruͤber weiland das Waſſer gefuͤhret worden/ eine Materiin groſſer Menge henget/ welche anzuſehen iſt/ als Bimsſtein/ ja auch leicht iſt/ als ein Bimsſtein und von dem Waſſer alſo worden iſt wegen deß ſtetigen Rinnens. Niemand ſolte es glauben daß ietzo ein Stein ſeyn ſolte/ welches vor Jahren duͤnnes uñ leichte Waſſer geweſen/ weñichs nicht ſelber haͤtte mit Augen geſehen. Deßwegen habe ich zum Wahrzeichen 2. ziemliche Stuͤcke abge- ſchlagen und dieſelben mit in die Chꝛiſtenheit heraus genom̃en. Das VIII. Capitul. Von meiner Reiſe nach Ptolemais und dem Berge Karmel und was unterwegs und allda zu ſehen geweſen. NAch dem wir nun die Nacht bey dieſem Brunnen zuge- bracht und der Morgen anbrach/ wir uns auch bey den- ſelben wol umgeſehen hatten/ ſind wir den 12. Auguſti wi- der aufgeweſen und drauff zum weiſſen Meer kommen/ zur lincken Hand aber hatten wir Gebuͤrge/ da wir denn ſo fort nahe am Meer uͤber gantz kreidenweiß Gebuͤrge gar gefaͤhrlich hin reiſen muſten. Da iſt der erſte Caffar, oder Tuͤrckiſ Zoll/ welcher in einem daſelbſt zu dem Ende erbauten Hauſe/ an welchem unten an der Mauer ein ſchoͤner friſcher Brunn/ gegen uͤber aber hart am Meere ein viereckichter ſtarcker ſtumpffer Wach-Thurm liegt/ eingenom̃en wird und muß iede Perſon einen Real geben vor unſere Perſon wiewol wir durch Herrn Fabern erhielten/ daß wir nur ein vierthel eines Reals geben dorfften. Als wir nun unſern Zoll erlegt hatten/ und unſere Straſſe

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/neitschitz_reise_1666
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/neitschitz_reise_1666/275
Zitationshilfe: Neitzschitz, Georg Christoph von: Sieben-Jährige und gefährliche WeltBeschauung Durch die vornehmsten Drey Theil der Welt Europa/ Asia und Africa. Bautzen, 1666. , S. 269. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/neitschitz_reise_1666/275>, abgerufen am 22.10.2019.