Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Niebuhr, Barthold Georg: Römische Geschichte. T. 2. Berlin, 1812.

Bild:
<< vorherige Seite

sche, beyde publilische, und zuletzt die sempronischen
und die des Drusus, so erinnert der Nahme des L. Genu-
cius, welchen Livius als den Verfasser der Rogation ge-
gen den Zinshandel nennt, an jenen Tribun der für seine
Pflichttreue meuchelmörderischen Tod litt. So wäre nach
hundert dreyßig Jahren ein Rächer aus seinen Gebeinen
erstanden, und hätte seine Manen durch endliche Feststel-
lung der plebejischen Freyheit beruhigt.

Kriegsgeschichte von 389 bis 411.

An den Kriegen dieses Zeitraums bewährt es sich,
daß die licinische Gesetzgebung die Republik von widerna-
türlichen Fesseln befreyte, welche sie, traurig und elend,
gegen das Ausland in Ohnmacht hielten. Bis hieher sind
nur die innern Lebensbestrebungen diesen tödtenden
Zwang zu brechen in der römischen Geschichte der Auf-
merksamkeit werth gewesen: von nun an beginnt die Ent-
wickelung Roms in seinem Beruf die Völker zu beherr-
schen. Die Klagen über den Druck der Abgaben verstum-
men, die Unmöglichkeit ihnen zu genügen ist verschwun-
den, weil die Republik zu dem Genuß ihres reichen Eigen-
thums zurückgekehrt war 34): kein Widerspruch gegen
Aushebungen läßt sich vernehmen, sondern Klage wenn
Soldaten wider ihren Willen von den Fahnen entlassen
werden; so schnell war die Nation kriegslustig geworden,
so reich war sie an Kriegstugenden und Soldaten, seit-

34) Und daß sie verstummen, die vor dem licinischen Ak-
kergesetz verzweiflungsvollen Klagen, beweißt hinlänglich,
daß erst durch dieses die Besitzsteuer hergestellt ward.

ſche, beyde publiliſche, und zuletzt die ſemproniſchen
und die des Druſus, ſo erinnert der Nahme des L. Genu-
cius, welchen Livius als den Verfaſſer der Rogation ge-
gen den Zinshandel nennt, an jenen Tribun der fuͤr ſeine
Pflichttreue meuchelmoͤrderiſchen Tod litt. So waͤre nach
hundert dreyßig Jahren ein Raͤcher aus ſeinen Gebeinen
erſtanden, und haͤtte ſeine Manen durch endliche Feſtſtel-
lung der plebejiſchen Freyheit beruhigt.

Kriegsgeſchichte von 389 bis 411.

An den Kriegen dieſes Zeitraums bewaͤhrt es ſich,
daß die liciniſche Geſetzgebung die Republik von widerna-
tuͤrlichen Feſſeln befreyte, welche ſie, traurig und elend,
gegen das Ausland in Ohnmacht hielten. Bis hieher ſind
nur die innern Lebensbeſtrebungen dieſen toͤdtenden
Zwang zu brechen in der roͤmiſchen Geſchichte der Auf-
merkſamkeit werth geweſen: von nun an beginnt die Ent-
wickelung Roms in ſeinem Beruf die Voͤlker zu beherr-
ſchen. Die Klagen uͤber den Druck der Abgaben verſtum-
men, die Unmoͤglichkeit ihnen zu genuͤgen iſt verſchwun-
den, weil die Republik zu dem Genuß ihres reichen Eigen-
thums zuruͤckgekehrt war 34): kein Widerſpruch gegen
Aushebungen laͤßt ſich vernehmen, ſondern Klage wenn
Soldaten wider ihren Willen von den Fahnen entlaſſen
werden; ſo ſchnell war die Nation kriegsluſtig geworden,
ſo reich war ſie an Kriegstugenden und Soldaten, ſeit-

34) Und daß ſie verſtummen, die vor dem liciniſchen Ak-
kergeſetz verzweiflungsvollen Klagen, beweißt hinlaͤnglich,
daß erſt durch dieſes die Beſitzſteuer hergeſtellt ward.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0469" n="453"/>
&#x017F;che, beyde publili&#x017F;che, und zuletzt die &#x017F;emproni&#x017F;chen<lb/>
und die des Dru&#x017F;us, &#x017F;o erinnert der Nahme des L. Genu-<lb/>
cius, welchen Livius als den Verfa&#x017F;&#x017F;er der Rogation ge-<lb/>
gen den Zinshandel nennt, an jenen Tribun der fu&#x0364;r &#x017F;eine<lb/>
Pflichttreue meuchelmo&#x0364;rderi&#x017F;chen Tod litt. So wa&#x0364;re nach<lb/>
hundert dreyßig Jahren ein Ra&#x0364;cher aus &#x017F;einen Gebeinen<lb/>
er&#x017F;tanden, und ha&#x0364;tte &#x017F;eine Manen durch endliche Fe&#x017F;t&#x017F;tel-<lb/>
lung der plebeji&#x017F;chen Freyheit beruhigt.</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head><hi rendition="#g">Kriegsge&#x017F;chichte von 389 bis 411</hi>.</head><lb/>
        <p>An den Kriegen die&#x017F;es Zeitraums bewa&#x0364;hrt es &#x017F;ich,<lb/>
daß die licini&#x017F;che Ge&#x017F;etzgebung die Republik von widerna-<lb/>
tu&#x0364;rlichen Fe&#x017F;&#x017F;eln befreyte, welche &#x017F;ie, traurig und elend,<lb/>
gegen das Ausland in Ohnmacht hielten. Bis hieher &#x017F;ind<lb/>
nur die innern Lebensbe&#x017F;trebungen die&#x017F;en to&#x0364;dtenden<lb/>
Zwang zu brechen in der ro&#x0364;mi&#x017F;chen Ge&#x017F;chichte der Auf-<lb/>
merk&#x017F;amkeit werth gewe&#x017F;en: von nun an beginnt die Ent-<lb/>
wickelung Roms in &#x017F;einem Beruf die Vo&#x0364;lker zu beherr-<lb/>
&#x017F;chen. Die Klagen u&#x0364;ber den Druck der Abgaben ver&#x017F;tum-<lb/>
men, die Unmo&#x0364;glichkeit ihnen zu genu&#x0364;gen i&#x017F;t ver&#x017F;chwun-<lb/>
den, weil die Republik zu dem Genuß ihres reichen Eigen-<lb/>
thums zuru&#x0364;ckgekehrt war <note place="foot" n="34)">Und daß &#x017F;ie ver&#x017F;tummen, die vor dem licini&#x017F;chen Ak-<lb/>
kerge&#x017F;etz verzweiflungsvollen Klagen, beweißt hinla&#x0364;nglich,<lb/>
daß er&#x017F;t durch die&#x017F;es die Be&#x017F;itz&#x017F;teuer herge&#x017F;tellt ward.</note>: kein Wider&#x017F;pruch gegen<lb/>
Aushebungen la&#x0364;ßt &#x017F;ich vernehmen, &#x017F;ondern Klage wenn<lb/>
Soldaten wider ihren Willen von den Fahnen entla&#x017F;&#x017F;en<lb/>
werden; &#x017F;o &#x017F;chnell war die Nation kriegslu&#x017F;tig geworden,<lb/>
&#x017F;o reich war &#x017F;ie an Kriegstugenden und Soldaten, &#x017F;eit-<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[453/0469] ſche, beyde publiliſche, und zuletzt die ſemproniſchen und die des Druſus, ſo erinnert der Nahme des L. Genu- cius, welchen Livius als den Verfaſſer der Rogation ge- gen den Zinshandel nennt, an jenen Tribun der fuͤr ſeine Pflichttreue meuchelmoͤrderiſchen Tod litt. So waͤre nach hundert dreyßig Jahren ein Raͤcher aus ſeinen Gebeinen erſtanden, und haͤtte ſeine Manen durch endliche Feſtſtel- lung der plebejiſchen Freyheit beruhigt. Kriegsgeſchichte von 389 bis 411. An den Kriegen dieſes Zeitraums bewaͤhrt es ſich, daß die liciniſche Geſetzgebung die Republik von widerna- tuͤrlichen Feſſeln befreyte, welche ſie, traurig und elend, gegen das Ausland in Ohnmacht hielten. Bis hieher ſind nur die innern Lebensbeſtrebungen dieſen toͤdtenden Zwang zu brechen in der roͤmiſchen Geſchichte der Auf- merkſamkeit werth geweſen: von nun an beginnt die Ent- wickelung Roms in ſeinem Beruf die Voͤlker zu beherr- ſchen. Die Klagen uͤber den Druck der Abgaben verſtum- men, die Unmoͤglichkeit ihnen zu genuͤgen iſt verſchwun- den, weil die Republik zu dem Genuß ihres reichen Eigen- thums zuruͤckgekehrt war 34): kein Widerſpruch gegen Aushebungen laͤßt ſich vernehmen, ſondern Klage wenn Soldaten wider ihren Willen von den Fahnen entlaſſen werden; ſo ſchnell war die Nation kriegsluſtig geworden, ſo reich war ſie an Kriegstugenden und Soldaten, ſeit- 34) Und daß ſie verſtummen, die vor dem liciniſchen Ak- kergeſetz verzweiflungsvollen Klagen, beweißt hinlaͤnglich, daß erſt durch dieſes die Beſitzſteuer hergeſtellt ward.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/niebuhr_roemische02_1812
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/niebuhr_roemische02_1812/469
Zitationshilfe: Niebuhr, Barthold Georg: Römische Geschichte. T. 2. Berlin, 1812, S. 453. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/niebuhr_roemische02_1812/469>, abgerufen am 21.03.2019.