Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra. [Bd. 1]. Chemnitz, 1883.

Bild:
<< vorherige Seite
Vom Krieg und Kriegsvolke.

Von unsern besten Feinden wollen wir nicht ge¬
schont sein, und auch von Denen nicht, welche wir
von Grund aus lieben. So lasst mich denn euch die
Wahrheit sagen!

Meine Brüder im Kriege! Ich liebe euch von
Grund aus, ich bin und war Euresgleichen. Und ich
bin auch euer bester Feind. So lasst mich denn euch
die Wahrheit sagen!

Ich weiss um den Hass und Neid eures Herzens.
Ihr seid nicht gross genug, um Hass und Neid nicht
zu kennen. So seid denn gross genug, euch ihrer
nicht zu schämen!

Und wenn ihr nicht Heilige der Erkenntniss sein
könnt, so seid mir wenigstens deren Kriegsmänner.
Das sind die Gefährten und Vorläufer solcher Heiligkeit.

Ich sehe viel Soldaten: möchte ich viel Kriegs¬
männer sehn! "Ein-form" nennt man's, was sie tra¬
gen: möge es nicht Ein-form sein, was sie damit ver¬
stecken!

Ihr sollt mir Solche sein, deren Auge immer nach
einem Feinde sucht -- nach eurem Feinde. Und bei

Vom Krieg und Kriegsvolke.

Von unsern besten Feinden wollen wir nicht ge¬
schont sein, und auch von Denen nicht, welche wir
von Grund aus lieben. So lasst mich denn euch die
Wahrheit sagen!

Meine Brüder im Kriege! Ich liebe euch von
Grund aus, ich bin und war Euresgleichen. Und ich
bin auch euer bester Feind. So lasst mich denn euch
die Wahrheit sagen!

Ich weiss um den Hass und Neid eures Herzens.
Ihr seid nicht gross genug, um Hass und Neid nicht
zu kennen. So seid denn gross genug, euch ihrer
nicht zu schämen!

Und wenn ihr nicht Heilige der Erkenntniss sein
könnt, so seid mir wenigstens deren Kriegsmänner.
Das sind die Gefährten und Vorläufer solcher Heiligkeit.

Ich sehe viel Soldaten: möchte ich viel Kriegs¬
männer sehn! „Ein-form“ nennt man's, was sie tra¬
gen: möge es nicht Ein-form sein, was sie damit ver¬
stecken!

Ihr sollt mir Solche sein, deren Auge immer nach
einem Feinde sucht — nach eurem Feinde. Und bei

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0068" n="62"/>
        <div n="2">
          <head>Vom Krieg und Kriegsvolke.<lb/></head>
          <p>Von unsern besten Feinden wollen wir nicht ge¬<lb/>
schont sein, und auch von Denen nicht, welche wir<lb/>
von Grund aus lieben. So lasst mich denn euch die<lb/>
Wahrheit sagen!</p><lb/>
          <p>Meine Brüder im Kriege! Ich liebe euch von<lb/>
Grund aus, ich bin und war Euresgleichen. Und ich<lb/>
bin auch euer bester Feind. So lasst mich denn euch<lb/>
die Wahrheit sagen!</p><lb/>
          <p>Ich weiss um den Hass und Neid eures Herzens.<lb/>
Ihr seid nicht gross genug, um Hass und Neid nicht<lb/>
zu kennen. So seid denn gross genug, euch ihrer<lb/>
nicht zu schämen!</p><lb/>
          <p>Und wenn ihr nicht Heilige der Erkenntniss sein<lb/>
könnt, so seid mir wenigstens deren Kriegsmänner.<lb/>
Das sind die Gefährten und Vorläufer solcher Heiligkeit.</p><lb/>
          <p>Ich sehe viel Soldaten: möchte ich viel Kriegs¬<lb/>
männer sehn! &#x201E;Ein-form&#x201C; nennt man's, was sie tra¬<lb/>
gen: möge es nicht Ein-form sein, was sie damit ver¬<lb/>
stecken!</p><lb/>
          <p>Ihr sollt mir Solche sein, deren Auge immer nach<lb/>
einem Feinde sucht &#x2014; nach <hi rendition="#g">eurem</hi> Feinde. Und bei<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[62/0068] Vom Krieg und Kriegsvolke. Von unsern besten Feinden wollen wir nicht ge¬ schont sein, und auch von Denen nicht, welche wir von Grund aus lieben. So lasst mich denn euch die Wahrheit sagen! Meine Brüder im Kriege! Ich liebe euch von Grund aus, ich bin und war Euresgleichen. Und ich bin auch euer bester Feind. So lasst mich denn euch die Wahrheit sagen! Ich weiss um den Hass und Neid eures Herzens. Ihr seid nicht gross genug, um Hass und Neid nicht zu kennen. So seid denn gross genug, euch ihrer nicht zu schämen! Und wenn ihr nicht Heilige der Erkenntniss sein könnt, so seid mir wenigstens deren Kriegsmänner. Das sind die Gefährten und Vorläufer solcher Heiligkeit. Ich sehe viel Soldaten: möchte ich viel Kriegs¬ männer sehn! „Ein-form“ nennt man's, was sie tra¬ gen: möge es nicht Ein-form sein, was sie damit ver¬ stecken! Ihr sollt mir Solche sein, deren Auge immer nach einem Feinde sucht — nach eurem Feinde. Und bei

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/nietzsche_zarathustra01_1883
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/nietzsche_zarathustra01_1883/68
Zitationshilfe: Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra. [Bd. 1]. Chemnitz, 1883, S. 62. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nietzsche_zarathustra01_1883/68>, abgerufen am 21.04.2019.