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Herders Conversations-Lexikon. Bd. 5. Freiburg im Breisgau, 1857.

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zukam. Im späteren Mittelalter bildeten die Schöppenstühle in den Städten Gerichtscollegien, welche den eigentlichen Obrigkeiten die Urtheilssprüche fertigten.


Schöffer, Peter, s. Buchdruckerkunst.


Schölcher, Victor, geb. 1804 zu Paris, Publicist und Verschwörer, wurde 1848 durch die Februarrevolution Unterstaatssecretär im Marineministerium, setzte die Negeremancipation durch, stimmte, von Guadeloupe in die Nationalversammlung gewählt, mit dem Berge, lebt seit 1852 zu Brüssel in der Verbannung.


Schöll, Max Samson Friedrich, geb. 1766 zu Harskirchen im Nassauischen, war 1799 als Jurist in Straßburg, später Buchhändler in Basel, trat 1814 als Hofrath in preuß. Dienste, wurde 1819 vortragender Rath bei dem Staatskanzler Hardenberg, st. 1833. Schrieb mehre historische Werke in franz. Sprache, die wegen der Stellung des Verfassers ihre Lobredner fanden; das beste ist noch die Fortsetzung der Traites etc. des Christ. Wilh. Koch (s. d.).


Schöll, Adolf, geb. 1805 zu Brünn, 1842 Professor der Archäologie zu Halle, 1843 Director der Kunstanstalten zu Weimar. Schriften: "Sophokles" Frankf. 1842; "Briefe u. Aufsätze von Göthe" Weimar 1846; "Göthe's Briefe an Frau von Stein" 3 Bde., Weim. 1848 bis 1851.


Schöllkraut, s. Chelidonium.


Schömann, Georg Friedr., Philolog, geb. 1793 zu Stralsund, seit 1826 Professor in Greifswalde, schrieb über den attischen Proceß, die griech. Rechtsalterthümer, gab den Isäus, Cicero's Schrift de natura Deorum u. dgl. heraus und lieferte lat. Programme (dissertatio de Phorcyne, recitentia Homeri, de Pandora etc.), die ihm den Ruf eines tüchtigen Gelehrten in seinem Fache erhalten.


Schömberg, s. Schomberg.


Schön, s. Aesthetik. - S.e Künste, solche, welche die Darstellung des S.en zum Zwecke haben, gegenüber den technischen. S.e Wissenschaften nennt man Poesie und Redekunst. S.e Seele, sehr feinfühlendes Frauenzimmer (nach Göthes "Bekenntnisse einer schönen Seele"), oft ironisch; S.geist (bel esprit), witziger und wenigstens halbpoetischer Mensch.


Schön, Martin (bei den Italienern Buonmartino), der größte Maler der oberdeutschen Schule des 15. Jahrh., geb. zu Kalenbach, gest. 1486 zu Kolmar. Sein berühmtestes Gemälde, eine Mutter Gottes, ist im Kolmarer Münster: andere in der Pinakothek zu München.


Schön, Heinrich Theodor von, geb. 1770 zu Löbegallen in Lithauen, trat 1792 in preuß. Staatsdienst, war 1809 Regierungspräsident zu Gumbinnen, einer der thätigsten Männer im Sinne Steins, wirkte 1813 unmittelbar nach dem russ. Feldzuge zur Erhebung der Provinz Preußen wesentlich mit, wurde 1814 Oberpräsident in Ost- u. Westpreußen, 1840 Staatsminister, konnte sich mit dem Quasiconstitutionalismus von damals nicht befreunden und zog sich 1842 auf sein Gut Arnstadt zurück.


Schönaich, genauer S.-Karolath-Beuthen, Christoph Otto, Freiherr von, geb. 1725 zu Amtitz in der Niederlausitz, reimte als sächs. Kürassierlieutenant ein Heldengedicht "Hermann oder das befreite Deutschland" zusammen, an dem die heutige Kritik nur die ersten 8 Verse erträglich findet, das aber dem Verfasser die Ehre eintrug, von Gottsched dazu berufen zu werden, Klopstock und die Klopstockianer poetisch zusammenzusäbeln. Er krönte den S. feierlich zum Dichter, dieser vergalt den Liebesdienst, indem er gegen Bodmer und Klopstock die Satire losließ: Die ganze Aesthetik in einer Nuß u. s. f., allein die Satire hatte lediglich den Erfolg, Gottsched völlig außer Credit zu bringen und die Namen S. und "elender Poet" für 50 u. mehr Jahre gleichbedeutend zu machen. S. st. 1807.


Schönbein, Christian Friedrich, geb. 1799 zu Metzingen (bei Reutlingen) in Württemberg, seit 1829 Professor der Chemie in Basel, entdeckte das Collodium, die Schießbaumwolle, das Ozon.


Schönborn, uraltes rheinländisches, seit 1701 reichsgräfliches Geschlecht, das Mainz 2 Erzbischöfe gab: Joh. Philipp, gest. 1673, u. Lothar Franz, gest. 1729, Würzburg u. Bamberg den Fürstbischof Friedrich Karl, gest. 1746.

zukam. Im späteren Mittelalter bildeten die Schöppenstühle in den Städten Gerichtscollegien, welche den eigentlichen Obrigkeiten die Urtheilssprüche fertigten.


Schöffer, Peter, s. Buchdruckerkunst.


Schölcher, Victor, geb. 1804 zu Paris, Publicist und Verschwörer, wurde 1848 durch die Februarrevolution Unterstaatssecretär im Marineministerium, setzte die Negeremancipation durch, stimmte, von Guadeloupe in die Nationalversammlung gewählt, mit dem Berge, lebt seit 1852 zu Brüssel in der Verbannung.


Schöll, Max Samson Friedrich, geb. 1766 zu Harskirchen im Nassauischen, war 1799 als Jurist in Straßburg, später Buchhändler in Basel, trat 1814 als Hofrath in preuß. Dienste, wurde 1819 vortragender Rath bei dem Staatskanzler Hardenberg, st. 1833. Schrieb mehre historische Werke in franz. Sprache, die wegen der Stellung des Verfassers ihre Lobredner fanden; das beste ist noch die Fortsetzung der Traités etc. des Christ. Wilh. Koch (s. d.).


Schöll, Adolf, geb. 1805 zu Brünn, 1842 Professor der Archäologie zu Halle, 1843 Director der Kunstanstalten zu Weimar. Schriften: „Sophokles“ Frankf. 1842; „Briefe u. Aufsätze von Göthe“ Weimar 1846; „Göthe's Briefe an Frau von Stein“ 3 Bde., Weim. 1848 bis 1851.


Schöllkraut, s. Chelidonium.


Schömann, Georg Friedr., Philolog, geb. 1793 zu Stralsund, seit 1826 Professor in Greifswalde, schrieb über den attischen Proceß, die griech. Rechtsalterthümer, gab den Isäus, Cicero's Schrift de natura Deorum u. dgl. heraus und lieferte lat. Programme (dissertatio de Phorcyne, recitentia Homeri, de Pandora etc.), die ihm den Ruf eines tüchtigen Gelehrten in seinem Fache erhalten.


Schömberg, s. Schomberg.


Schön, s. Aesthetik. – S.e Künste, solche, welche die Darstellung des S.en zum Zwecke haben, gegenüber den technischen. S.e Wissenschaften nennt man Poesie und Redekunst. S.e Seele, sehr feinfühlendes Frauenzimmer (nach Göthes „Bekenntnisse einer schönen Seele“), oft ironisch; S.geist (bel esprit), witziger und wenigstens halbpoetischer Mensch.


Schön, Martin (bei den Italienern Buonmartino), der größte Maler der oberdeutschen Schule des 15. Jahrh., geb. zu Kalenbach, gest. 1486 zu Kolmar. Sein berühmtestes Gemälde, eine Mutter Gottes, ist im Kolmarer Münster: andere in der Pinakothek zu München.


Schön, Heinrich Theodor von, geb. 1770 zu Löbegallen in Lithauen, trat 1792 in preuß. Staatsdienst, war 1809 Regierungspräsident zu Gumbinnen, einer der thätigsten Männer im Sinne Steins, wirkte 1813 unmittelbar nach dem russ. Feldzuge zur Erhebung der Provinz Preußen wesentlich mit, wurde 1814 Oberpräsident in Ost- u. Westpreußen, 1840 Staatsminister, konnte sich mit dem Quasiconstitutionalismus von damals nicht befreunden und zog sich 1842 auf sein Gut Arnstadt zurück.


Schönaich, genauer S.-Karolath-Beuthen, Christoph Otto, Freiherr von, geb. 1725 zu Amtitz in der Niederlausitz, reimte als sächs. Kürassierlieutenant ein Heldengedicht „Hermann oder das befreite Deutschland“ zusammen, an dem die heutige Kritik nur die ersten 8 Verse erträglich findet, das aber dem Verfasser die Ehre eintrug, von Gottsched dazu berufen zu werden, Klopstock und die Klopstockianer poetisch zusammenzusäbeln. Er krönte den S. feierlich zum Dichter, dieser vergalt den Liebesdienst, indem er gegen Bodmer und Klopstock die Satire losließ: Die ganze Aesthetik in einer Nuß u. s. f., allein die Satire hatte lediglich den Erfolg, Gottsched völlig außer Credit zu bringen und die Namen S. und „elender Poet“ für 50 u. mehr Jahre gleichbedeutend zu machen. S. st. 1807.


Schönbein, Christian Friedrich, geb. 1799 zu Metzingen (bei Reutlingen) in Württemberg, seit 1829 Professor der Chemie in Basel, entdeckte das Collodium, die Schießbaumwolle, das Ozon.


Schönborn, uraltes rheinländisches, seit 1701 reichsgräfliches Geschlecht, das Mainz 2 Erzbischöfe gab: Joh. Philipp, gest. 1673, u. Lothar Franz, gest. 1729, Würzburg u. Bamberg den Fürstbischof Friedrich Karl, gest. 1746.

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[110/0111] zukam. Im späteren Mittelalter bildeten die Schöppenstühle in den Städten Gerichtscollegien, welche den eigentlichen Obrigkeiten die Urtheilssprüche fertigten. Schöffer, Peter, s. Buchdruckerkunst. Schölcher, Victor, geb. 1804 zu Paris, Publicist und Verschwörer, wurde 1848 durch die Februarrevolution Unterstaatssecretär im Marineministerium, setzte die Negeremancipation durch, stimmte, von Guadeloupe in die Nationalversammlung gewählt, mit dem Berge, lebt seit 1852 zu Brüssel in der Verbannung. Schöll, Max Samson Friedrich, geb. 1766 zu Harskirchen im Nassauischen, war 1799 als Jurist in Straßburg, später Buchhändler in Basel, trat 1814 als Hofrath in preuß. Dienste, wurde 1819 vortragender Rath bei dem Staatskanzler Hardenberg, st. 1833. Schrieb mehre historische Werke in franz. Sprache, die wegen der Stellung des Verfassers ihre Lobredner fanden; das beste ist noch die Fortsetzung der Traités etc. des Christ. Wilh. Koch (s. d.). Schöll, Adolf, geb. 1805 zu Brünn, 1842 Professor der Archäologie zu Halle, 1843 Director der Kunstanstalten zu Weimar. Schriften: „Sophokles“ Frankf. 1842; „Briefe u. Aufsätze von Göthe“ Weimar 1846; „Göthe's Briefe an Frau von Stein“ 3 Bde., Weim. 1848 bis 1851. Schöllkraut, s. Chelidonium. Schömann, Georg Friedr., Philolog, geb. 1793 zu Stralsund, seit 1826 Professor in Greifswalde, schrieb über den attischen Proceß, die griech. Rechtsalterthümer, gab den Isäus, Cicero's Schrift de natura Deorum u. dgl. heraus und lieferte lat. Programme (dissertatio de Phorcyne, recitentia Homeri, de Pandora etc.), die ihm den Ruf eines tüchtigen Gelehrten in seinem Fache erhalten. Schömberg, s. Schomberg. Schön, s. Aesthetik. – S.e Künste, solche, welche die Darstellung des S.en zum Zwecke haben, gegenüber den technischen. S.e Wissenschaften nennt man Poesie und Redekunst. S.e Seele, sehr feinfühlendes Frauenzimmer (nach Göthes „Bekenntnisse einer schönen Seele“), oft ironisch; S.geist (bel esprit), witziger und wenigstens halbpoetischer Mensch. Schön, Martin (bei den Italienern Buonmartino), der größte Maler der oberdeutschen Schule des 15. Jahrh., geb. zu Kalenbach, gest. 1486 zu Kolmar. Sein berühmtestes Gemälde, eine Mutter Gottes, ist im Kolmarer Münster: andere in der Pinakothek zu München. Schön, Heinrich Theodor von, geb. 1770 zu Löbegallen in Lithauen, trat 1792 in preuß. Staatsdienst, war 1809 Regierungspräsident zu Gumbinnen, einer der thätigsten Männer im Sinne Steins, wirkte 1813 unmittelbar nach dem russ. Feldzuge zur Erhebung der Provinz Preußen wesentlich mit, wurde 1814 Oberpräsident in Ost- u. Westpreußen, 1840 Staatsminister, konnte sich mit dem Quasiconstitutionalismus von damals nicht befreunden und zog sich 1842 auf sein Gut Arnstadt zurück. Schönaich, genauer S.-Karolath-Beuthen, Christoph Otto, Freiherr von, geb. 1725 zu Amtitz in der Niederlausitz, reimte als sächs. Kürassierlieutenant ein Heldengedicht „Hermann oder das befreite Deutschland“ zusammen, an dem die heutige Kritik nur die ersten 8 Verse erträglich findet, das aber dem Verfasser die Ehre eintrug, von Gottsched dazu berufen zu werden, Klopstock und die Klopstockianer poetisch zusammenzusäbeln. Er krönte den S. feierlich zum Dichter, dieser vergalt den Liebesdienst, indem er gegen Bodmer und Klopstock die Satire losließ: Die ganze Aesthetik in einer Nuß u. s. f., allein die Satire hatte lediglich den Erfolg, Gottsched völlig außer Credit zu bringen und die Namen S. und „elender Poet“ für 50 u. mehr Jahre gleichbedeutend zu machen. S. st. 1807. Schönbein, Christian Friedrich, geb. 1799 zu Metzingen (bei Reutlingen) in Württemberg, seit 1829 Professor der Chemie in Basel, entdeckte das Collodium, die Schießbaumwolle, das Ozon. Schönborn, uraltes rheinländisches, seit 1701 reichsgräfliches Geschlecht, das Mainz 2 Erzbischöfe gab: Joh. Philipp, gest. 1673, u. Lothar Franz, gest. 1729, Würzburg u. Bamberg den Fürstbischof Friedrich Karl, gest. 1746.

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Zitationshilfe: Herders Conversations-Lexikon. Bd. 5. Freiburg im Breisgau, 1857, S. 110. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_conversationslexikon05_1857/111>, abgerufen am 19.10.2020.