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Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 1069, Czernowitz, 06.08.1907.

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Czernowitzer Allgemeine Zeitung 6. August 1907

[Spaltenumbruch] Vergebung des Elektrizitätswerkes in Suczawa an eine österr.
Firma an Stelle der in Aussicht genommenen ungarischen
Gesellschaft mit Erfolg zu intervenieren.

Soweit es tunlich ist und die beschränkten Mittel der
Sektion es ermöglichten, hat dieselbe ihre Mitglieder von
allen wichtigen die Judustrie betreffenden Aktionen durch
Zirkulare in Kenntnis gesetzt und ihre Mitwirkung erbeten,
so bei verschiedenen Tarifangelegenheiten, Arbeitsvergebung
und Handelskonventionen betreffenden Fragen. In zwei
großen die Bundeszentrale in Wien bewegenden Angelegen-
heiten und zwar der Schaffung von Arbeits-
geberverbänden und die abgelaufene
Reichsratswahlen
betreffend, konnte allerdings die
Sektionsleitung auf Grund wiederholter Sitzungsbeschlüsse
nicht im Sinne der Bundesleitung tätig sein. Die Frage der
Arbeitsgeberverbände ist für sie nicht aktuell um die Ver-
schärfung der Gegensätze zwischen Arbeitgeber und Arbeit-
nehmer speziell in unserem Lande tunlichst zu vermeiden. Auch
eine Anteilnahme der Sektion an den abgelaufenen Reichs-
ratswahlen hat sich mit Rücksicht auf die politische Kon-
stellation in der Bukowina als durchaus unzulässig erwiesen
und hat die Erfahrung gelehrt, daß selbst in den Industrie-
zentren des Westens nach dieser Richtung trotz zielbewußter
Aktion und der großen hiefür aufgewendeten Fonds kein Erfolg
zu erzielen war. Die Sektionsleitung war stets bemüht, an
sie gestellten Anforderungen in ihren zahlreichen Vorstands-
sitzungen, sowie durch direktes Eingreifen des Obmannes
Herrn Baurat Gregor, somie des Referenten gerecht zu
werden und war auch die direkte Einflußnahme der Sektion
bei den Lokalbehörden, wie mit Genugtuung konstatiert werden
kann, jederzeit von Erfolg begleitet und bleibt nur zu wünschen,
daß unsere einheimischen Industriellen Gelegenheit nehmen
mögen, sich der Sektion in allen vorkommenden Fällen öfters
zu bedienen, als es leider bisher der Fall gewesen ist.




Polizeiliche Statistik.

Ueber die Tätigkeit der Sicherheitswache im I. Halbjahre
1907 hat uns die Polizeidirektion einige statistische Daten zur
Verfügung gestellt, die vielfach auch für die Oeffentlichkeit inter-
essant sind, und die wir daher unseren Lesern im Nachstehenden
mitteilen.

Im abgelaufenen Halbjahre 1907, wurden von der
Sicherheitswach 1579 Arretierungen vorgenommen und 3713
schriftliche Meldungen und Anzeigen erstattet. Von diesen Amts-
handlungen erfolgten wegen: Majestätsbeleidigung 1, öffentlicher
Gewalttätigkeit 59, Kindesmord 1, leichter und schwerer körper-
licher Beschädigung 68, boshafter Beschädigung fremden Eigen-
tums 68, gefährlicher Drohung 28, Diebstählen 355, Betrug und
Veruntreuung 49, Fundverheimlichung 3, Einmengung in Amts-
handlungen 35, Wachebeleidigung 30, Uebertretung des Waffen-
patentes 10, Vagabondage 132, Kuppelei 2, Entführung 2,
Verletzung der öffentlichen Sittlichkeit 1, geheimer Prostitution 1,
Reversion 26, Bettlens 67, Desertion 1, Verwendung Un-
mündiger als Kutscher 15, aufsichtlosen Fuhrwerkes 136,
Schnellfahrens 135, Vernachlässigung bösartiger Hunde 46,
Betretens feuergefährlicher Orte mit offenem Lichte 3, Fenster-
putzens ohne Sicherheitsgürtel 3, Tierquälerei 272, Ueber-
tretung der Fiakerordnung 291, Uebertretung der Fahrordnung
87, Uebertretung des Hausierpatentes 27, Uebertretung der Ge-
werbeordnung 9, Uebertretung der Sperrstundenvorschriften 136,
Uebertretung der Sonntagsruhevorschriften 420, Passagever-
stellung 112, Nichtbestreuung der Trottoire 199, Nichtabschlagen
der Eiszapfen 3, Uebertretung des Vogelschutzgesetzes 12, Nicht-
abraupung der Obstbäume 363, Exzesses 323, nächtlicher Ruhe-
störung 36, polizeiwidrigen Verhaltens 200, Nichtfolgeleistung
47, Veranstaltung von Musikproduktionen ohne Lizenz 9.

Zur Ausweisleistung wurden 87 verdächtige In-
dividuen angehalten. Vorführungen über Befehl, dann auf Grund
der Beschreibungen im Polizeianzeiger kamen in 107 Fällen
vor. Anzeigen über Funde und Verluste wurden in 19 Fällen
entgegen genommen. Die Beanstängungen von Tierquälerei,
deren Zahl 272 betrug, waren auf die einzelnen Wachstuben
verteilt, hauptsächlich am Wachzimmer Bahnhof und zwar in
106 Fällen wahrzunehmen, während die Wachposten Polizei-
direktion und Ringplatz mit 57 respektive 80 Fällen folgen,
was sich aus der Natur der örtlichen Verhältnisse ergibt. Die
291 Arretierungen und Anzeigen von Fiakern erfolgen zumeist
wegen unbefugter Aufstellung, Stoppelns, (Herumhausierens mit
den Wagen auf den Straßen und Belästigung der Passanten),
wie auch insbesondere wegen Taxüberschreitungen und ungestümen
Benehmens gegen die Fahrgäste.

Von den obausgewiesenen 403 Beanständungen wegen
Trunkenheit weisen die Wachposten Polizeidirektion respektive
Ringplatz, 129 respektive 123 Fälle als Höchstziffern aus,
woraus sich ergibt, daß hier nicht nur am meisten Alkohol
vertilgt wird, sondern auch die meisten Schänken sich befinden. Unter
den 26 Revertenten befanden sich oft abgestrafte Verbrecher,
denen auch große Diebstähle nachgewiesen werden konnten und
die nun für längere Zeit unschädlich gemacht sind. Die 132 Be-
anständungen wegen Vagabondage bedeuten insoferne einen
Fortschritt zum Bessern, als der größte Teil der Vaganten
auswärts zuständige Individuen waren, die als nicht nach
Czernowitz gehörig abgeschoben werden konnten, wodurch die
Stadt von vielen Elementen, die subsistenz- und bestimmungslos
herumzogen und daher eigentumsgefährlich schienen, gesäubert
wurde. Die Zahl 420 der Beanständungen wegen Nichtein-
haltung der Sonntagsruhevorschriften spricht deutlich für die
Berechtigung der bezüglichen Klagen der Handelsangestellten.
Die 12 wegen Uebertretung des Vogelschulgesetzes beanständeten
Personen sind hauptsächlich in Rosch und Klokuczka zu suchen
und ist diesen professionellen Frevlern durch Abnahme der
Fangapparate und Erstattung der Anzeige an den Stadtmagistrat
das Handwerk so ziemlich gelegt worden. Bei Selbstmorden und
Selbstmordversuchen intervenierte die Sicherheitswache in
6 Fällen, und gelang es einem Wachmanne durch besonnenes
und rasches Eingreifen einen Selbstmord zu verhindern. Wegen
Irrsinnsverdachtes wurden 23 Personen angehalten. In 72
Fällen wurde von der Sicherheitswache verunglückten Personen
[Spaltenumbruch] direkt und außerdem bei plötzlichen Erkrankungen auf der
Straße, bei Unfällen cr. 48 Personen indirekte erste Hilfe
geleistet.

Auch dem namentlich in den Vorstädten vorkommenden
Betreten feuergefährlicher Orte mit offenem Licht wurde seitens
der Sicherheitswache die gebotene Aufmerksamkeit zugewendet
und, wie erwähnt, in drei Fällen Uebertretungen des bezüglichen
strafgesetzlichen Verbotes wahrgenommen, worüber dem Gerichte
die Anzeige erstattet wurde. Durch nachsichtslose Beanständung
solcher Kontraventionen dürfte diesem Unfuge, der bereits auf
ein Minium beschränkt wurde, hoffentlich bald vollends gesteuert
werden. Bei Bränden intervenierte die Sicherheitswache in
69 Fällen, wobei sie vielfach bis zum Eintreffen der Feuerwehr
sich bestimmend am Rettungswerk beteiligte. Streitschlich-
tungen
kamen durch die Sicherheitswache in 389 Fällen
vor, wovon allein 209 Fälle auf den Wachposten Bahnhof und
119 auf das Wachzimmer Ringplatz entfallen. Vom aktuellem
Interesse sind 109 Wahrnehmungsmeldungen, die sich mit ver-
schiedenen öffentlichen Mißständen beschäftigen und 316 schrift-
liche Meldungen, die speziell den Czernowitzer Straßengebrechen
gewidmet waren. Die 59 Fälle öffentlicher Gewalttätigkeit fallen
größtenteils in die Zeit der Reichsratswahlen. Wegen Ueber-
tretungen des Wahlschutzgesetzes wurden 30 Arretierungen vor-
genommen. Außerdem wurden während der Reichsratswahlen
38 Personen wegen verschiedener Polizeidelikte von der
Sicherheitswache beanständet.

Abgesehen von den Interventionen der Sicherheitswache
bei zahlreichen öffentlichen Versammlungen, öffentlichen Feier-
lichkeiten, Umzügen, Begräbnissen und dergleichen, wobei außer
der diensthabenden Mannschaft häufig Abteilungenvon 40--50
Mann in den Dienst gestellt werden mußten, waren im abge-
laufenen Halbjahre zu Inspektionszwecken bei Theater, Vor-
stellungen, Tanzunterhaltungen, Volksfesten, Singspielhallenpro-
duktionen, Zirkus und zu sonstigen öffentlichen Darbietungen
insgesamt 1449 Mann kommandiert. Diese Ziffern erschöpfen
aber lange nicht die Tätigkeit der Sicherheitswache im abge-
laufenen Halbjahre, da viele Amtshandlungen derselben, wie
Abmahnungen mit positivem Erfolge, Ratschläge oder Aus-
künfte und dergleichen naturgemäß gar nicht evident gehalten
werden können.




Auszeichnungen.

Der Kaiser hat gestattet, daß der
Vorstand der Güterdirektion des Bukowiner gr.-or. Religions-
fondes, Hofrat Josef Ullman in Czernowitz das Groß-
offizierskreuz des königlich-rumänischen Ordens "Stern von
Rumänien" und die königlich rumänische Jubiläumsmedaille
Karol 1., der Domänenrat der Güterdirektion des Bukowiner
gr.-or. Religionsfondes Regierungsrat Zdenko Trinks in
Czernowitz und der Landesamtsdirektor Regierungsrat Anton
Zachar in Czernowitz das Kommandeurkreuz des königlich
rumänischen Ordens "Krone von Rumänien", der Finanzwach-
kommissär Friedrich Malinowski in Unter-Synoutz
die königlich rumänische Medaille für Tapferkeit und Treue
zweiter Klasse und unser Landsmann der Privatdozent
Dr. Demeter Ritter v. Tabora in Preßburg das Offiziers-
kreuz der königlich rumänischen Ordens "Krone von Rumänien"
annehmen und tragen dürfen.

25jähriges Dienstjubiläum.

Der Kanzleioffiziant
des hiesigen Landesgerichtes Franz Nowacek feierte am
3. d. M. sein 25jähriges Dienstjubiläum. Aus diesem Anlasse
wurden ihm seitens seiner Kollegen Ovationen zuteil.

Der VIII. Zionistenkongreß.

Wir erhalten folgende
Zuschrift: Nach einem fast 2000jährigen Schlummer wurde
vor 12 Jahren das jüdische Volk durch Dr. Theodor Herzl
zu neuem Leben geweckt. In dem alten Volke regt sich der
Trieb nach Regenerierung. Das erwachende Verlangen nach
Organisation findet seinen Ausdruck in der stets wiederkehren-
den Einberufung der zionistischen Kongresse, durch welche ein
Forum geschaffen wurde, wo laut und deutlich die Wünsche
des jüdischen Volkes verkündet, und das Zusammengehörigkeits-
gefühl proklamiert wurde. Dieser Versuch der Bildung einer
parlamentarischen Körperschaft, muß als gelungen bezeichnet
werden. Denn einerseits wurden bis nun die Bestrebungen
der Kongresse mit Achtung und Aufmerksamkeit bei allen
Kulturvölkern verfolgt, andererseits hat diese Institution durch
ihr mustergiltiges Funktionieren es vermocht, viele Mißver-
ständnisse in Betreff der jüdischen Frage aufzuklären und
Anfeindungen gegen das jüdische Volk die Spitze abzubrechen,
Leistungen, welche den Erfolg hatten, daß mächtige Regierungen
in den Kongressen die legalen Vertreter des jüdischen Volkes
zu sehen sich gewöhnt haben. In wenigen Tagen hält der
Zionismus neuerlich Heerschau ab. In wenigen Tagen werden
unsere Gesinnungsgenossen, die Führer und Förderer unserer
großen Idee aus allen Teilen der Welt im Haag zusammen-
kommen, um auf dem VIII. zionistischen Kongresse neuerlich
Zeugnis ablegen für das jüdische Volk. Sein Programm, die
Fülle und Wichtigkeit, des von ihm zu bewältigenden Ma-
terials gestaltet ihn zu bedeutsamen Arbeitstagen: Reform
des Organisations-Statutes, Ausbau des Nationalfondes, Be-
richt und Kritik der praktischen Palästinaarbeit und nicht in
letzter Linie die Konzentration aller jüdischen Parteischattierungen
auf der Tagesordnung. Aus diesem Grunde kann man mit
Recht sagen, daß der herannahende Kongreß sich zu einem
der bedeutungsvollsten gestalten wird. Aufgabe der Juden ist
es nunmehr die Bedeutung des Kongresses durch Kundgebungen
zu Gunsten desselben zu erhöhen, wodurch andererseits den
gewählten Delegierten nochmals die Größe ihrer Aufgabe
vor Augen geführt wird. Diese Aktion muß überall plan-
mäßig geleitet und in sachlicher Form gehalten sein. Damit
ist auch eines der besten Mittel zur Verbreitung des zionisti-
schen Gedankens gegeben. Die akademische Verbindung "He-
bronia" hat sich die Aufgabe gestellt, diese Aktion durchzu-
führen. In der Landesauptstadt Czernowitz, wie in allen
jüdischen Gemeinden der Bukowina wird die akademische Ver-
bindung "Hebronia" öffentliche Versammlungen abhalten, in
denen ihre Redner über die Tagesordnung des VIII. Kon-
gresses und Tendenz des Zionismus referieren werden. Ich
wende mich nun an alle jüdischen Gemeinden und zionistischen
[Spaltenumbruch] Vereine in der Bukowina, sowie an alle jene, welche der
zionistischen Idee wohlwollend gegenüberstehen, mit der Bitte,
durch eifrige Agitation für den zahlreichen Besuch dieser Ver-
sammlungen Sorge zu tragen. Jakob Gertler, dz. Senior
der akademischen Verbindung "Hebronia".

Gutsankauf.

Großgrundbesitzer Marku Fischer hat
das Landtafelgut Annahof bei Wiznitz um 60.000 Kronen
käuflich an sich gebracht.

Trauerfeier.

Die akademische Verbindung "Hebronia"
veranstaltet aus Anlaß des Ablebens des jüdischen Dichters
Morris Rosenfeld, am Mittwoch den 7. d. M.
um halb 5 Uhr nachmittags auf ihrer Bude Stein-
gasse Nr. 23 I. Stock eine Trauerfeier, bei welcher Herr
stud. jur. Leon Hornstein dem verblichenen Dichter einen
Nachruf halten wird. Gäste willkommen.

Bauarbeiten in der Schweiz.

Wir werden vom
Magistratspräsidium um Aufnahme folgender Zeilen ersucht:
In diesem Jahre wird in der Schweiz im Baugewerbe vor-
aussichtlich eine lebhafte Nachfrage nach fremden Arbeitern
sich ergeben. Die Bausaison dauert von Anfangs März bis
Ende November. Die Arbeitslöhne betragen 0·50 bis 0·60
Franks per Stunde für Maurer, 0·38 bis 0·48 Franks per
Stunde für Handlanger und 0·28 bis 0·37 Franks per
Stunde für Pflasterbuben. Eine Kündigung findet nicht statt.
Der Lohn wird per Stunde wirklicher Arbeitszeit bemessen
und am ersten Zahltage, entsprechend den Leistungen des
Arbeiters festgesetzt. Alle 14 Tage ist Zahltag, die Aus-
zahlung findet nach Schluß der Arbeit statt. Vorschüsse
werden keine gegeben. Es müssen daher die Arbeiter wenigstens
soviel Bargeld mitbringen, daß sie durch 14 Tage leben
können, wenn anders sie nicht durch Kontrahierung s[ch]wer zu
tilgender Schulden von vorneherein in eine bedrängte Lage
kommen wollen. Es ist Vorschrift, daß jeder Arbeiter gegen
Unfall versichert werde. Die normale Arbeitszeit beträgt in
der Regel im Sommer 10 Stunden, im Winter richtet sie
sich nach der Tageshelle, beträgt jedoch nicht weniger als acht
Stunden. Für Sonntags- und Nachtarbeit, sowie für Ueber-
zeit, d. h. von mehr als 10 Stunden per Tag, wird ein
Zuschlag von 50 Prozent gewährt; ebenso wird für Arbeit,
bei welcher der Arbeiter im Wasser stehen muß, bis zu
50 Prozent Zuschlag bezahlt. Um Unannehmlichkeiten bei
den Schweizer Behörden zu vermeiden, ist es vorteilhaft,
wenn die Arbeiter mit auf die Schweiz lautenden Reise-
legitimationen sich versehen.

"Mädchenhändler".

Mit Bezugnahme auf dem unter
dem vorstehenden Titel in unserer Sonntagsnummer erschienenen
Artikel, in dem es hieß, daß sich in Czernowitz auch einige
wenige Kellner und Friseure dazu hergeben, den Mädchen-
händlern Handlangerdienste zu leisten, werden wir von den
Vorständen der Genossenschaft der Kellner,
beziehungsweise Friseure
darauf aufmerksam gemacht,
daß es sich dabei keineswegs um Mitglieder dieser beiden
Genossenschaften, die ein solches Vorgehen ihren Angehörigen
strengstens ahnden würden, handeln kann. Wir stehen nicht
an, festzustellen, daß es nur einem bei der Korrektur über-
sehenen Flüchtigkeitsfehler zuzuschreiben ist, wenn die betreffende
Stelle fälschlich so ausgelegt werden kann, als seien die
Helfershelfer jenes lichtscheuen Gesindels vornehmlich unter
den Kellnern und Friseuren zu suchen. Eine solche Auffassung
wäre übrigens schon aus dem Grunde vollkommen haltlos,
weil sowohl die Kellner als auch die Friseure in Berufs-
organisationen zusammengefaßt sind, die mit anerkennenswerter
Strenge darüber wachen, daß sich nicht unlautere Elemente
in dieselben hineindrängen. Uebrigens betonen wir, daß nach
den authentischen Informationen, die unseren Ausführungen
zugrundelagen, die Zutreiber weder Kellner noch
Friseure
sind, sondern Individuen, die sich -- das Kind
muß ja einen Namen haben und der polizeiliche Meldezettel
verlangt die Angabe eines Berufes -- Kellner oder Friseure
nennen, ohne aber diesen Berufen anzugehören. Sie sind
nämlich berufsmäßig "arbeitslos". Trotzdem übrigens das
Wörtchen "angeblich" in dem zitierten Satz irrtümlich aus-
geblieben ist, enthält derselbe doch keineswegs einen kollektiven
Vorwurf gegen die Angehörigen zweier ehrenwerter Berufe;
räudige Schafe gibt es ja bekanntlich in jeder Herde. Um
aber Mißverständnissen vorzubeugen, stellen wir hiemit nochmals
ausdrücklich fest, daß es nur einem Versehen zuzuschreiben ist,
wenn dieser Satz in einem Sinne ausgelegt werden kann, der
natürlich durchaus nicht beabsichtigt war.

Auswanderung.

Mit dem Zuge Nr. 318 und 322
sind vorgestern 2 hierländische Bauern (Bezirk Suczawa)
und 13 russische Emigranten nach Amerika gefahren. Mit dem
Zuge Nr. 322 sind gestern 16 rumänische Emigranten nach
Amerika abgereist.

Ein gewalttätiger Militärist.

Im angeheitertem
Zustande erschien gestern nachmittags der Zugsführer Karl
B. des 41. Inf.-Reg. im Hause der Karoline Koczara
Kaliczanka Nr. 138 und begann mit ihr einen Streit. Da
sie ihm das Haus verwies, begann er sie mit Fäusten zu
bearbeiten und bedrohte die Frau sogar mit dem Bajonett.
Der intervinierende Sicherheitswachmann forderte den Zugs-
führer vergebens mehrmals auf, das Haus zu verlassen; da
alle Ermahnungen nichts fruchteten, erklärte er ihn für
arretiert und mußte ihn mit Gewalt aus der Wohnung
entfernen. Während der Eskorte versetzte er dem Wachmanne
einen Faustschlag vor die Brust und suchte sich durch Flucht
der Arretierung
zu entziehen. Er wurde jedoch ein-
geholt und entwaffnet, worauf es erst dem Sicherheitswach-
mann mit schwerer Mühe gelang, den gewalttätigen Soldaten
der Polizeidirektion zu überstellen. Von hier aus wurde er
bald von einer durch den Journalbeamten requirierten
Militärpatrouille abgeholt und der Kaserninspektion überstellt.

Sountagsruhe.

Wegen Nichteinhaltung der Sonntags-
ruhevorschriften wurden gestern von der Sicherheitswache
24 hiesige Geschäftsleute beanständet und polizeilicherseits dem
Stadtmagistrate angezeigt.


Czernowitzer Allgemeine Zeitung 6. Auguſt 1907

[Spaltenumbruch] Vergebung des Elektrizitätswerkes in Suczawa an eine öſterr.
Firma an Stelle der in Ausſicht genommenen ungariſchen
Geſellſchaft mit Erfolg zu intervenieren.

Soweit es tunlich iſt und die beſchränkten Mittel der
Sektion es ermöglichten, hat dieſelbe ihre Mitglieder von
allen wichtigen die Juduſtrie betreffenden Aktionen durch
Zirkulare in Kenntnis geſetzt und ihre Mitwirkung erbeten,
ſo bei verſchiedenen Tarifangelegenheiten, Arbeitsvergebung
und Handelskonventionen betreffenden Fragen. In zwei
großen die Bundeszentrale in Wien bewegenden Angelegen-
heiten und zwar der Schaffung von Arbeits-
geberverbänden und die abgelaufene
Reichsratswahlen
betreffend, konnte allerdings die
Sektionsleitung auf Grund wiederholter Sitzungsbeſchlüſſe
nicht im Sinne der Bundesleitung tätig ſein. Die Frage der
Arbeitsgeberverbände iſt für ſie nicht aktuell um die Ver-
ſchärfung der Gegenſätze zwiſchen Arbeitgeber und Arbeit-
nehmer ſpeziell in unſerem Lande tunlichſt zu vermeiden. Auch
eine Anteilnahme der Sektion an den abgelaufenen Reichs-
ratswahlen hat ſich mit Rückſicht auf die politiſche Kon-
ſtellation in der Bukowina als durchaus unzuläſſig erwieſen
und hat die Erfahrung gelehrt, daß ſelbſt in den Induſtrie-
zentren des Weſtens nach dieſer Richtung trotz zielbewußter
Aktion und der großen hiefür aufgewendeten Fonds kein Erfolg
zu erzielen war. Die Sektionsleitung war ſtets bemüht, an
ſie geſtellten Anforderungen in ihren zahlreichen Vorſtands-
ſitzungen, ſowie durch direktes Eingreifen des Obmannes
Herrn Baurat Gregor, ſomie des Referenten gerecht zu
werden und war auch die direkte Einflußnahme der Sektion
bei den Lokalbehörden, wie mit Genugtuung konſtatiert werden
kann, jederzeit von Erfolg begleitet und bleibt nur zu wünſchen,
daß unſere einheimiſchen Induſtriellen Gelegenheit nehmen
mögen, ſich der Sektion in allen vorkommenden Fällen öfters
zu bedienen, als es leider bisher der Fall geweſen iſt.




Polizeiliche Statiſtik.

Ueber die Tätigkeit der Sicherheitswache im I. Halbjahre
1907 hat uns die Polizeidirektion einige ſtatiſtiſche Daten zur
Verfügung geſtellt, die vielfach auch für die Oeffentlichkeit inter-
eſſant ſind, und die wir daher unſeren Leſern im Nachſtehenden
mitteilen.

Im abgelaufenen Halbjahre 1907, wurden von der
Sicherheitswach 1579 Arretierungen vorgenommen und 3713
ſchriftliche Meldungen und Anzeigen erſtattet. Von dieſen Amts-
handlungen erfolgten wegen: Majeſtätsbeleidigung 1, öffentlicher
Gewalttätigkeit 59, Kindesmord 1, leichter und ſchwerer körper-
licher Beſchädigung 68, boshafter Beſchädigung fremden Eigen-
tums 68, gefährlicher Drohung 28, Diebſtählen 355, Betrug und
Veruntreuung 49, Fundverheimlichung 3, Einmengung in Amts-
handlungen 35, Wachebeleidigung 30, Uebertretung des Waffen-
patentes 10, Vagabondage 132, Kuppelei 2, Entführung 2,
Verletzung der öffentlichen Sittlichkeit 1, geheimer Proſtitution 1,
Reverſion 26, Bettlens 67, Deſertion 1, Verwendung Un-
mündiger als Kutſcher 15, aufſichtloſen Fuhrwerkes 136,
Schnellfahrens 135, Vernachläſſigung bösartiger Hunde 46,
Betretens feuergefährlicher Orte mit offenem Lichte 3, Fenſter-
putzens ohne Sicherheitsgürtel 3, Tierquälerei 272, Ueber-
tretung der Fiakerordnung 291, Uebertretung der Fahrordnung
87, Uebertretung des Hauſierpatentes 27, Uebertretung der Ge-
werbeordnung 9, Uebertretung der Sperrſtundenvorſchriften 136,
Uebertretung der Sonntagsruhevorſchriften 420, Paſſagever-
ſtellung 112, Nichtbeſtreuung der Trottoire 199, Nichtabſchlagen
der Eiszapfen 3, Uebertretung des Vogelſchutzgeſetzes 12, Nicht-
abraupung der Obſtbäume 363, Exzeſſes 323, nächtlicher Ruhe-
ſtörung 36, polizeiwidrigen Verhaltens 200, Nichtfolgeleiſtung
47, Veranſtaltung von Muſikproduktionen ohne Lizenz 9.

Zur Ausweisleiſtung wurden 87 verdächtige In-
dividuen angehalten. Vorführungen über Befehl, dann auf Grund
der Beſchreibungen im Polizeianzeiger kamen in 107 Fällen
vor. Anzeigen über Funde und Verluſte wurden in 19 Fällen
entgegen genommen. Die Beanſtängungen von Tierquälerei,
deren Zahl 272 betrug, waren auf die einzelnen Wachſtuben
verteilt, hauptſächlich am Wachzimmer Bahnhof und zwar in
106 Fällen wahrzunehmen, während die Wachpoſten Polizei-
direktion und Ringplatz mit 57 reſpektive 80 Fällen folgen,
was ſich aus der Natur der örtlichen Verhältniſſe ergibt. Die
291 Arretierungen und Anzeigen von Fiakern erfolgen zumeiſt
wegen unbefugter Aufſtellung, Stoppelns, (Herumhauſierens mit
den Wagen auf den Straßen und Beläſtigung der Paſſanten),
wie auch insbeſondere wegen Taxüberſchreitungen und ungeſtümen
Benehmens gegen die Fahrgäſte.

Von den obausgewieſenen 403 Beanſtändungen wegen
Trunkenheit weiſen die Wachpoſten Polizeidirektion reſpektive
Ringplatz, 129 reſpektive 123 Fälle als Höchſtziffern aus,
woraus ſich ergibt, daß hier nicht nur am meiſten Alkohol
vertilgt wird, ſondern auch die meiſten Schänken ſich befinden. Unter
den 26 Revertenten befanden ſich oft abgeſtrafte Verbrecher,
denen auch große Diebſtähle nachgewieſen werden konnten und
die nun für längere Zeit unſchädlich gemacht ſind. Die 132 Be-
anſtändungen wegen Vagabondage bedeuten inſoferne einen
Fortſchritt zum Beſſern, als der größte Teil der Vaganten
auswärts zuſtändige Individuen waren, die als nicht nach
Czernowitz gehörig abgeſchoben werden konnten, wodurch die
Stadt von vielen Elementen, die ſubſiſtenz- und beſtimmungslos
herumzogen und daher eigentumsgefährlich ſchienen, geſäubert
wurde. Die Zahl 420 der Beanſtändungen wegen Nichtein-
haltung der Sonntagsruhevorſchriften ſpricht deutlich für die
Berechtigung der bezüglichen Klagen der Handelsangeſtellten.
Die 12 wegen Uebertretung des Vogelſchulgeſetzes beanſtändeten
Perſonen ſind hauptſächlich in Roſch und Klokuczka zu ſuchen
und iſt dieſen profeſſionellen Frevlern durch Abnahme der
Fangapparate und Erſtattung der Anzeige an den Stadtmagiſtrat
das Handwerk ſo ziemlich gelegt worden. Bei Selbſtmorden und
Selbſtmordverſuchen intervenierte die Sicherheitswache in
6 Fällen, und gelang es einem Wachmanne durch beſonnenes
und raſches Eingreifen einen Selbſtmord zu verhindern. Wegen
Irrſinnsverdachtes wurden 23 Perſonen angehalten. In 72
Fällen wurde von der Sicherheitswache verunglückten Perſonen
[Spaltenumbruch] direkt und außerdem bei plötzlichen Erkrankungen auf der
Straße, bei Unfällen cꝛ. 48 Perſonen indirekte erſte Hilfe
geleiſtet.

Auch dem namentlich in den Vorſtädten vorkommenden
Betreten feuergefährlicher Orte mit offenem Licht wurde ſeitens
der Sicherheitswache die gebotene Aufmerkſamkeit zugewendet
und, wie erwähnt, in drei Fällen Uebertretungen des bezüglichen
ſtrafgeſetzlichen Verbotes wahrgenommen, worüber dem Gerichte
die Anzeige erſtattet wurde. Durch nachſichtsloſe Beanſtändung
ſolcher Kontraventionen dürfte dieſem Unfuge, der bereits auf
ein Minium beſchränkt wurde, hoffentlich bald vollends geſteuert
werden. Bei Bränden intervenierte die Sicherheitswache in
69 Fällen, wobei ſie vielfach bis zum Eintreffen der Feuerwehr
ſich beſtimmend am Rettungswerk beteiligte. Streitſchlich-
tungen
kamen durch die Sicherheitswache in 389 Fällen
vor, wovon allein 209 Fälle auf den Wachpoſten Bahnhof und
119 auf das Wachzimmer Ringplatz entfallen. Vom aktuellem
Intereſſe ſind 109 Wahrnehmungsmeldungen, die ſich mit ver-
ſchiedenen öffentlichen Mißſtänden beſchäftigen und 316 ſchrift-
liche Meldungen, die ſpeziell den Czernowitzer Straßengebrechen
gewidmet waren. Die 59 Fälle öffentlicher Gewalttätigkeit fallen
größtenteils in die Zeit der Reichsratswahlen. Wegen Ueber-
tretungen des Wahlſchutzgeſetzes wurden 30 Arretierungen vor-
genommen. Außerdem wurden während der Reichsratswahlen
38 Perſonen wegen verſchiedener Polizeidelikte von der
Sicherheitswache beanſtändet.

Abgeſehen von den Interventionen der Sicherheitswache
bei zahlreichen öffentlichen Verſammlungen, öffentlichen Feier-
lichkeiten, Umzügen, Begräbniſſen und dergleichen, wobei außer
der dienſthabenden Mannſchaft häufig Abteilungenvon 40—50
Mann in den Dienſt geſtellt werden mußten, waren im abge-
laufenen Halbjahre zu Inſpektionszwecken bei Theater, Vor-
ſtellungen, Tanzunterhaltungen, Volksfeſten, Singſpielhallenpro-
duktionen, Zirkus und zu ſonſtigen öffentlichen Darbietungen
insgeſamt 1449 Mann kommandiert. Dieſe Ziffern erſchöpfen
aber lange nicht die Tätigkeit der Sicherheitswache im abge-
laufenen Halbjahre, da viele Amtshandlungen derſelben, wie
Abmahnungen mit poſitivem Erfolge, Ratſchläge oder Aus-
künfte und dergleichen naturgemäß gar nicht evident gehalten
werden können.




Auszeichnungen.

Der Kaiſer hat geſtattet, daß der
Vorſtand der Güterdirektion des Bukowiner gr.-or. Religions-
fondes, Hofrat Joſef Ullman in Czernowitz das Groß-
offizierskreuz des königlich-rumäniſchen Ordens „Stern von
Rumänien“ und die königlich rumäniſche Jubiläumsmedaille
Karol 1., der Domänenrat der Güterdirektion des Bukowiner
gr.-or. Religionsfondes Regierungsrat Zdenko Trinks in
Czernowitz und der Landesamtsdirektor Regierungsrat Anton
Zachar in Czernowitz das Kommandeurkreuz des königlich
rumäniſchen Ordens „Krone von Rumänien“, der Finanzwach-
kommiſſär Friedrich Malinowski in Unter-Synoutz
die königlich rumäniſche Medaille für Tapferkeit und Treue
zweiter Klaſſe und unſer Landsmann der Privatdozent
Dr. Demeter Ritter v. Tabora in Preßburg das Offiziers-
kreuz der königlich rumäniſchen Ordens „Krone von Rumänien“
annehmen und tragen dürfen.

25jähriges Dienſtjubiläum.

Der Kanzleioffiziant
des hieſigen Landesgerichtes Franz Nowacek feierte am
3. d. M. ſein 25jähriges Dienſtjubiläum. Aus dieſem Anlaſſe
wurden ihm ſeitens ſeiner Kollegen Ovationen zuteil.

Der VIII. Zioniſtenkongreß.

Wir erhalten folgende
Zuſchrift: Nach einem faſt 2000jährigen Schlummer wurde
vor 12 Jahren das jüdiſche Volk durch Dr. Theodor Herzl
zu neuem Leben geweckt. In dem alten Volke regt ſich der
Trieb nach Regenerierung. Das erwachende Verlangen nach
Organiſation findet ſeinen Ausdruck in der ſtets wiederkehren-
den Einberufung der zioniſtiſchen Kongreſſe, durch welche ein
Forum geſchaffen wurde, wo laut und deutlich die Wünſche
des jüdiſchen Volkes verkündet, und das Zuſammengehörigkeits-
gefühl proklamiert wurde. Dieſer Verſuch der Bildung einer
parlamentariſchen Körperſchaft, muß als gelungen bezeichnet
werden. Denn einerſeits wurden bis nun die Beſtrebungen
der Kongreſſe mit Achtung und Aufmerkſamkeit bei allen
Kulturvölkern verfolgt, andererſeits hat dieſe Inſtitution durch
ihr muſtergiltiges Funktionieren es vermocht, viele Mißver-
ſtändniſſe in Betreff der jüdiſchen Frage aufzuklären und
Anfeindungen gegen das jüdiſche Volk die Spitze abzubrechen,
Leiſtungen, welche den Erfolg hatten, daß mächtige Regierungen
in den Kongreſſen die legalen Vertreter des jüdiſchen Volkes
zu ſehen ſich gewöhnt haben. In wenigen Tagen hält der
Zionismus neuerlich Heerſchau ab. In wenigen Tagen werden
unſere Geſinnungsgenoſſen, die Führer und Förderer unſerer
großen Idee aus allen Teilen der Welt im Haag zuſammen-
kommen, um auf dem VIII. zioniſtiſchen Kongreſſe neuerlich
Zeugnis ablegen für das jüdiſche Volk. Sein Programm, die
Fülle und Wichtigkeit, des von ihm zu bewältigenden Ma-
terials geſtaltet ihn zu bedeutſamen Arbeitstagen: Reform
des Organiſations-Statutes, Ausbau des Nationalfondes, Be-
richt und Kritik der praktiſchen Paläſtinaarbeit und nicht in
letzter Linie die Konzentration aller jüdiſchen Parteiſchattierungen
auf der Tagesordnung. Aus dieſem Grunde kann man mit
Recht ſagen, daß der herannahende Kongreß ſich zu einem
der bedeutungsvollſten geſtalten wird. Aufgabe der Juden iſt
es nunmehr die Bedeutung des Kongreſſes durch Kundgebungen
zu Gunſten desſelben zu erhöhen, wodurch andererſeits den
gewählten Delegierten nochmals die Größe ihrer Aufgabe
vor Augen geführt wird. Dieſe Aktion muß überall plan-
mäßig geleitet und in ſachlicher Form gehalten ſein. Damit
iſt auch eines der beſten Mittel zur Verbreitung des zioniſti-
ſchen Gedankens gegeben. Die akademiſche Verbindung „He-
bronia“ hat ſich die Aufgabe geſtellt, dieſe Aktion durchzu-
führen. In der Landesauptſtadt Czernowitz, wie in allen
jüdiſchen Gemeinden der Bukowina wird die akademiſche Ver-
bindung „Hebronia“ öffentliche Verſammlungen abhalten, in
denen ihre Redner über die Tagesordnung des VIII. Kon-
greſſes und Tendenz des Zionismus referieren werden. Ich
wende mich nun an alle jüdiſchen Gemeinden und zioniſtiſchen
[Spaltenumbruch] Vereine in der Bukowina, ſowie an alle jene, welche der
zioniſtiſchen Idee wohlwollend gegenüberſtehen, mit der Bitte,
durch eifrige Agitation für den zahlreichen Beſuch dieſer Ver-
ſammlungen Sorge zu tragen. Jakob Gertler, dz. Senior
der akademiſchen Verbindung „Hebronia“.

Gutsankauf.

Großgrundbeſitzer Marku Fiſcher hat
das Landtafelgut Annahof bei Wiznitz um 60.000 Kronen
käuflich an ſich gebracht.

Trauerfeier.

Die akademiſche Verbindung „Hebronia“
veranſtaltet aus Anlaß des Ablebens des jüdiſchen Dichters
Morris Roſenfeld, am Mittwoch den 7. d. M.
um halb 5 Uhr nachmittags auf ihrer Bude Stein-
gaſſe Nr. 23 I. Stock eine Trauerfeier, bei welcher Herr
stud. jur. Leon Hornſtein dem verblichenen Dichter einen
Nachruf halten wird. Gäſte willkommen.

Bauarbeiten in der Schweiz.

Wir werden vom
Magiſtratspräſidium um Aufnahme folgender Zeilen erſucht:
In dieſem Jahre wird in der Schweiz im Baugewerbe vor-
ausſichtlich eine lebhafte Nachfrage nach fremden Arbeitern
ſich ergeben. Die Bauſaiſon dauert von Anfangs März bis
Ende November. Die Arbeitslöhne betragen 0·50 bis 0·60
Franks per Stunde für Maurer, 0·38 bis 0·48 Franks per
Stunde für Handlanger und 0·28 bis 0·37 Franks per
Stunde für Pflaſterbuben. Eine Kündigung findet nicht ſtatt.
Der Lohn wird per Stunde wirklicher Arbeitszeit bemeſſen
und am erſten Zahltage, entſprechend den Leiſtungen des
Arbeiters feſtgeſetzt. Alle 14 Tage iſt Zahltag, die Aus-
zahlung findet nach Schluß der Arbeit ſtatt. Vorſchüſſe
werden keine gegeben. Es müſſen daher die Arbeiter wenigſtens
ſoviel Bargeld mitbringen, daß ſie durch 14 Tage leben
können, wenn anders ſie nicht durch Kontrahierung ſ[ch]wer zu
tilgender Schulden von vorneherein in eine bedrängte Lage
kommen wollen. Es iſt Vorſchrift, daß jeder Arbeiter gegen
Unfall verſichert werde. Die normale Arbeitszeit beträgt in
der Regel im Sommer 10 Stunden, im Winter richtet ſie
ſich nach der Tageshelle, beträgt jedoch nicht weniger als acht
Stunden. Für Sonntags- und Nachtarbeit, ſowie für Ueber-
zeit, d. h. von mehr als 10 Stunden per Tag, wird ein
Zuſchlag von 50 Prozent gewährt; ebenſo wird für Arbeit,
bei welcher der Arbeiter im Waſſer ſtehen muß, bis zu
50 Prozent Zuſchlag bezahlt. Um Unannehmlichkeiten bei
den Schweizer Behörden zu vermeiden, iſt es vorteilhaft,
wenn die Arbeiter mit auf die Schweiz lautenden Reiſe-
legitimationen ſich verſehen.

„Mädchenhändler“.

Mit Bezugnahme auf dem unter
dem vorſtehenden Titel in unſerer Sonntagsnummer erſchienenen
Artikel, in dem es hieß, daß ſich in Czernowitz auch einige
wenige Kellner und Friſeure dazu hergeben, den Mädchen-
händlern Handlangerdienſte zu leiſten, werden wir von den
Vorſtänden der Genoſſenſchaft der Kellner,
beziehungsweiſe Friſeure
darauf aufmerkſam gemacht,
daß es ſich dabei keineswegs um Mitglieder dieſer beiden
Genoſſenſchaften, die ein ſolches Vorgehen ihren Angehörigen
ſtrengſtens ahnden würden, handeln kann. Wir ſtehen nicht
an, feſtzuſtellen, daß es nur einem bei der Korrektur über-
ſehenen Flüchtigkeitsfehler zuzuſchreiben iſt, wenn die betreffende
Stelle fälſchlich ſo ausgelegt werden kann, als ſeien die
Helfershelfer jenes lichtſcheuen Geſindels vornehmlich unter
den Kellnern und Friſeuren zu ſuchen. Eine ſolche Auffaſſung
wäre übrigens ſchon aus dem Grunde vollkommen haltlos,
weil ſowohl die Kellner als auch die Friſeure in Berufs-
organiſationen zuſammengefaßt ſind, die mit anerkennenswerter
Strenge darüber wachen, daß ſich nicht unlautere Elemente
in dieſelben hineindrängen. Uebrigens betonen wir, daß nach
den authentiſchen Informationen, die unſeren Ausführungen
zugrundelagen, die Zutreiber weder Kellner noch
Friſeure
ſind, ſondern Individuen, die ſich — das Kind
muß ja einen Namen haben und der polizeiliche Meldezettel
verlangt die Angabe eines Berufes — Kellner oder Friſeure
nennen, ohne aber dieſen Berufen anzugehören. Sie ſind
nämlich berufsmäßig „arbeitslos“. Trotzdem übrigens das
Wörtchen „angeblich“ in dem zitierten Satz irrtümlich aus-
geblieben iſt, enthält derſelbe doch keineswegs einen kollektiven
Vorwurf gegen die Angehörigen zweier ehrenwerter Berufe;
räudige Schafe gibt es ja bekanntlich in jeder Herde. Um
aber Mißverſtändniſſen vorzubeugen, ſtellen wir hiemit nochmals
ausdrücklich feſt, daß es nur einem Verſehen zuzuſchreiben iſt,
wenn dieſer Satz in einem Sinne ausgelegt werden kann, der
natürlich durchaus nicht beabſichtigt war.

Auswanderung.

Mit dem Zuge Nr. 318 und 322
ſind vorgeſtern 2 hierländiſche Bauern (Bezirk Suczawa)
und 13 ruſſiſche Emigranten nach Amerika gefahren. Mit dem
Zuge Nr. 322 ſind geſtern 16 rumäniſche Emigranten nach
Amerika abgereiſt.

Ein gewalttätiger Militäriſt.

Im angeheitertem
Zuſtande erſchien geſtern nachmittags der Zugsführer Karl
B. des 41. Inf.-Reg. im Hauſe der Karoline Koczara
Kaliczanka Nr. 138 und begann mit ihr einen Streit. Da
ſie ihm das Haus verwies, begann er ſie mit Fäuſten zu
bearbeiten und bedrohte die Frau ſogar mit dem Bajonett.
Der intervinierende Sicherheitswachmann forderte den Zugs-
führer vergebens mehrmals auf, das Haus zu verlaſſen; da
alle Ermahnungen nichts fruchteten, erklärte er ihn für
arretiert und mußte ihn mit Gewalt aus der Wohnung
entfernen. Während der Eskorte verſetzte er dem Wachmanne
einen Fauſtſchlag vor die Bruſt und ſuchte ſich durch Flucht
der Arretierung
zu entziehen. Er wurde jedoch ein-
geholt und entwaffnet, worauf es erſt dem Sicherheitswach-
mann mit ſchwerer Mühe gelang, den gewalttätigen Soldaten
der Polizeidirektion zu überſtellen. Von hier aus wurde er
bald von einer durch den Journalbeamten requirierten
Militärpatrouille abgeholt und der Kaſerninſpektion überſtellt.

Sountagsruhe.

Wegen Nichteinhaltung der Sonntags-
ruhevorſchriften wurden geſtern von der Sicherheitswache
24 hieſige Geſchäftsleute beanſtändet und polizeilicherſeits dem
Stadtmagiſtrate angezeigt.


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&#x017F;tändni&#x017F;&#x017F;e in Betreff der jüdi&#x017F;chen Frage aufzuklären und<lb/>
Anfeindungen gegen das jüdi&#x017F;che Volk die Spitze abzubrechen,<lb/>
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[4/0004] Czernowitzer Allgemeine Zeitung 6. Auguſt 1907 Vergebung des Elektrizitätswerkes in Suczawa an eine öſterr. Firma an Stelle der in Ausſicht genommenen ungariſchen Geſellſchaft mit Erfolg zu intervenieren. Soweit es tunlich iſt und die beſchränkten Mittel der Sektion es ermöglichten, hat dieſelbe ihre Mitglieder von allen wichtigen die Juduſtrie betreffenden Aktionen durch Zirkulare in Kenntnis geſetzt und ihre Mitwirkung erbeten, ſo bei verſchiedenen Tarifangelegenheiten, Arbeitsvergebung und Handelskonventionen betreffenden Fragen. In zwei großen die Bundeszentrale in Wien bewegenden Angelegen- heiten und zwar der Schaffung von Arbeits- geberverbänden und die abgelaufene Reichsratswahlen betreffend, konnte allerdings die Sektionsleitung auf Grund wiederholter Sitzungsbeſchlüſſe nicht im Sinne der Bundesleitung tätig ſein. Die Frage der Arbeitsgeberverbände iſt für ſie nicht aktuell um die Ver- ſchärfung der Gegenſätze zwiſchen Arbeitgeber und Arbeit- nehmer ſpeziell in unſerem Lande tunlichſt zu vermeiden. Auch eine Anteilnahme der Sektion an den abgelaufenen Reichs- ratswahlen hat ſich mit Rückſicht auf die politiſche Kon- ſtellation in der Bukowina als durchaus unzuläſſig erwieſen und hat die Erfahrung gelehrt, daß ſelbſt in den Induſtrie- zentren des Weſtens nach dieſer Richtung trotz zielbewußter Aktion und der großen hiefür aufgewendeten Fonds kein Erfolg zu erzielen war. Die Sektionsleitung war ſtets bemüht, an ſie geſtellten Anforderungen in ihren zahlreichen Vorſtands- ſitzungen, ſowie durch direktes Eingreifen des Obmannes Herrn Baurat Gregor, ſomie des Referenten gerecht zu werden und war auch die direkte Einflußnahme der Sektion bei den Lokalbehörden, wie mit Genugtuung konſtatiert werden kann, jederzeit von Erfolg begleitet und bleibt nur zu wünſchen, daß unſere einheimiſchen Induſtriellen Gelegenheit nehmen mögen, ſich der Sektion in allen vorkommenden Fällen öfters zu bedienen, als es leider bisher der Fall geweſen iſt. Polizeiliche Statiſtik. Ueber die Tätigkeit der Sicherheitswache im I. Halbjahre 1907 hat uns die Polizeidirektion einige ſtatiſtiſche Daten zur Verfügung geſtellt, die vielfach auch für die Oeffentlichkeit inter- eſſant ſind, und die wir daher unſeren Leſern im Nachſtehenden mitteilen. Im abgelaufenen Halbjahre 1907, wurden von der Sicherheitswach 1579 Arretierungen vorgenommen und 3713 ſchriftliche Meldungen und Anzeigen erſtattet. Von dieſen Amts- handlungen erfolgten wegen: Majeſtätsbeleidigung 1, öffentlicher Gewalttätigkeit 59, Kindesmord 1, leichter und ſchwerer körper- licher Beſchädigung 68, boshafter Beſchädigung fremden Eigen- tums 68, gefährlicher Drohung 28, Diebſtählen 355, Betrug und Veruntreuung 49, Fundverheimlichung 3, Einmengung in Amts- handlungen 35, Wachebeleidigung 30, Uebertretung des Waffen- patentes 10, Vagabondage 132, Kuppelei 2, Entführung 2, Verletzung der öffentlichen Sittlichkeit 1, geheimer Proſtitution 1, Reverſion 26, Bettlens 67, Deſertion 1, Verwendung Un- mündiger als Kutſcher 15, aufſichtloſen Fuhrwerkes 136, Schnellfahrens 135, Vernachläſſigung bösartiger Hunde 46, Betretens feuergefährlicher Orte mit offenem Lichte 3, Fenſter- putzens ohne Sicherheitsgürtel 3, Tierquälerei 272, Ueber- tretung der Fiakerordnung 291, Uebertretung der Fahrordnung 87, Uebertretung des Hauſierpatentes 27, Uebertretung der Ge- werbeordnung 9, Uebertretung der Sperrſtundenvorſchriften 136, Uebertretung der Sonntagsruhevorſchriften 420, Paſſagever- ſtellung 112, Nichtbeſtreuung der Trottoire 199, Nichtabſchlagen der Eiszapfen 3, Uebertretung des Vogelſchutzgeſetzes 12, Nicht- abraupung der Obſtbäume 363, Exzeſſes 323, nächtlicher Ruhe- ſtörung 36, polizeiwidrigen Verhaltens 200, Nichtfolgeleiſtung 47, Veranſtaltung von Muſikproduktionen ohne Lizenz 9. Zur Ausweisleiſtung wurden 87 verdächtige In- dividuen angehalten. Vorführungen über Befehl, dann auf Grund der Beſchreibungen im Polizeianzeiger kamen in 107 Fällen vor. Anzeigen über Funde und Verluſte wurden in 19 Fällen entgegen genommen. Die Beanſtängungen von Tierquälerei, deren Zahl 272 betrug, waren auf die einzelnen Wachſtuben verteilt, hauptſächlich am Wachzimmer Bahnhof und zwar in 106 Fällen wahrzunehmen, während die Wachpoſten Polizei- direktion und Ringplatz mit 57 reſpektive 80 Fällen folgen, was ſich aus der Natur der örtlichen Verhältniſſe ergibt. Die 291 Arretierungen und Anzeigen von Fiakern erfolgen zumeiſt wegen unbefugter Aufſtellung, Stoppelns, (Herumhauſierens mit den Wagen auf den Straßen und Beläſtigung der Paſſanten), wie auch insbeſondere wegen Taxüberſchreitungen und ungeſtümen Benehmens gegen die Fahrgäſte. Von den obausgewieſenen 403 Beanſtändungen wegen Trunkenheit weiſen die Wachpoſten Polizeidirektion reſpektive Ringplatz, 129 reſpektive 123 Fälle als Höchſtziffern aus, woraus ſich ergibt, daß hier nicht nur am meiſten Alkohol vertilgt wird, ſondern auch die meiſten Schänken ſich befinden. Unter den 26 Revertenten befanden ſich oft abgeſtrafte Verbrecher, denen auch große Diebſtähle nachgewieſen werden konnten und die nun für längere Zeit unſchädlich gemacht ſind. Die 132 Be- anſtändungen wegen Vagabondage bedeuten inſoferne einen Fortſchritt zum Beſſern, als der größte Teil der Vaganten auswärts zuſtändige Individuen waren, die als nicht nach Czernowitz gehörig abgeſchoben werden konnten, wodurch die Stadt von vielen Elementen, die ſubſiſtenz- und beſtimmungslos herumzogen und daher eigentumsgefährlich ſchienen, geſäubert wurde. Die Zahl 420 der Beanſtändungen wegen Nichtein- haltung der Sonntagsruhevorſchriften ſpricht deutlich für die Berechtigung der bezüglichen Klagen der Handelsangeſtellten. Die 12 wegen Uebertretung des Vogelſchulgeſetzes beanſtändeten Perſonen ſind hauptſächlich in Roſch und Klokuczka zu ſuchen und iſt dieſen profeſſionellen Frevlern durch Abnahme der Fangapparate und Erſtattung der Anzeige an den Stadtmagiſtrat das Handwerk ſo ziemlich gelegt worden. Bei Selbſtmorden und Selbſtmordverſuchen intervenierte die Sicherheitswache in 6 Fällen, und gelang es einem Wachmanne durch beſonnenes und raſches Eingreifen einen Selbſtmord zu verhindern. Wegen Irrſinnsverdachtes wurden 23 Perſonen angehalten. In 72 Fällen wurde von der Sicherheitswache verunglückten Perſonen direkt und außerdem bei plötzlichen Erkrankungen auf der Straße, bei Unfällen cꝛ. 48 Perſonen indirekte erſte Hilfe geleiſtet. Auch dem namentlich in den Vorſtädten vorkommenden Betreten feuergefährlicher Orte mit offenem Licht wurde ſeitens der Sicherheitswache die gebotene Aufmerkſamkeit zugewendet und, wie erwähnt, in drei Fällen Uebertretungen des bezüglichen ſtrafgeſetzlichen Verbotes wahrgenommen, worüber dem Gerichte die Anzeige erſtattet wurde. Durch nachſichtsloſe Beanſtändung ſolcher Kontraventionen dürfte dieſem Unfuge, der bereits auf ein Minium beſchränkt wurde, hoffentlich bald vollends geſteuert werden. Bei Bränden intervenierte die Sicherheitswache in 69 Fällen, wobei ſie vielfach bis zum Eintreffen der Feuerwehr ſich beſtimmend am Rettungswerk beteiligte. Streitſchlich- tungen kamen durch die Sicherheitswache in 389 Fällen vor, wovon allein 209 Fälle auf den Wachpoſten Bahnhof und 119 auf das Wachzimmer Ringplatz entfallen. Vom aktuellem Intereſſe ſind 109 Wahrnehmungsmeldungen, die ſich mit ver- ſchiedenen öffentlichen Mißſtänden beſchäftigen und 316 ſchrift- liche Meldungen, die ſpeziell den Czernowitzer Straßengebrechen gewidmet waren. Die 59 Fälle öffentlicher Gewalttätigkeit fallen größtenteils in die Zeit der Reichsratswahlen. Wegen Ueber- tretungen des Wahlſchutzgeſetzes wurden 30 Arretierungen vor- genommen. Außerdem wurden während der Reichsratswahlen 38 Perſonen wegen verſchiedener Polizeidelikte von der Sicherheitswache beanſtändet. Abgeſehen von den Interventionen der Sicherheitswache bei zahlreichen öffentlichen Verſammlungen, öffentlichen Feier- lichkeiten, Umzügen, Begräbniſſen und dergleichen, wobei außer der dienſthabenden Mannſchaft häufig Abteilungenvon 40—50 Mann in den Dienſt geſtellt werden mußten, waren im abge- laufenen Halbjahre zu Inſpektionszwecken bei Theater, Vor- ſtellungen, Tanzunterhaltungen, Volksfeſten, Singſpielhallenpro- duktionen, Zirkus und zu ſonſtigen öffentlichen Darbietungen insgeſamt 1449 Mann kommandiert. Dieſe Ziffern erſchöpfen aber lange nicht die Tätigkeit der Sicherheitswache im abge- laufenen Halbjahre, da viele Amtshandlungen derſelben, wie Abmahnungen mit poſitivem Erfolge, Ratſchläge oder Aus- künfte und dergleichen naturgemäß gar nicht evident gehalten werden können. Auszeichnungen. Der Kaiſer hat geſtattet, daß der Vorſtand der Güterdirektion des Bukowiner gr.-or. Religions- fondes, Hofrat Joſef Ullman in Czernowitz das Groß- offizierskreuz des königlich-rumäniſchen Ordens „Stern von Rumänien“ und die königlich rumäniſche Jubiläumsmedaille Karol 1., der Domänenrat der Güterdirektion des Bukowiner gr.-or. Religionsfondes Regierungsrat Zdenko Trinks in Czernowitz und der Landesamtsdirektor Regierungsrat Anton Zachar in Czernowitz das Kommandeurkreuz des königlich rumäniſchen Ordens „Krone von Rumänien“, der Finanzwach- kommiſſär Friedrich Malinowski in Unter-Synoutz die königlich rumäniſche Medaille für Tapferkeit und Treue zweiter Klaſſe und unſer Landsmann der Privatdozent Dr. Demeter Ritter v. Tabora in Preßburg das Offiziers- kreuz der königlich rumäniſchen Ordens „Krone von Rumänien“ annehmen und tragen dürfen. 25jähriges Dienſtjubiläum. Der Kanzleioffiziant des hieſigen Landesgerichtes Franz Nowacek feierte am 3. d. M. ſein 25jähriges Dienſtjubiläum. Aus dieſem Anlaſſe wurden ihm ſeitens ſeiner Kollegen Ovationen zuteil. Der VIII. Zioniſtenkongreß. Wir erhalten folgende Zuſchrift: Nach einem faſt 2000jährigen Schlummer wurde vor 12 Jahren das jüdiſche Volk durch Dr. Theodor Herzl zu neuem Leben geweckt. In dem alten Volke regt ſich der Trieb nach Regenerierung. Das erwachende Verlangen nach Organiſation findet ſeinen Ausdruck in der ſtets wiederkehren- den Einberufung der zioniſtiſchen Kongreſſe, durch welche ein Forum geſchaffen wurde, wo laut und deutlich die Wünſche des jüdiſchen Volkes verkündet, und das Zuſammengehörigkeits- gefühl proklamiert wurde. Dieſer Verſuch der Bildung einer parlamentariſchen Körperſchaft, muß als gelungen bezeichnet werden. Denn einerſeits wurden bis nun die Beſtrebungen der Kongreſſe mit Achtung und Aufmerkſamkeit bei allen Kulturvölkern verfolgt, andererſeits hat dieſe Inſtitution durch ihr muſtergiltiges Funktionieren es vermocht, viele Mißver- ſtändniſſe in Betreff der jüdiſchen Frage aufzuklären und Anfeindungen gegen das jüdiſche Volk die Spitze abzubrechen, Leiſtungen, welche den Erfolg hatten, daß mächtige Regierungen in den Kongreſſen die legalen Vertreter des jüdiſchen Volkes zu ſehen ſich gewöhnt haben. In wenigen Tagen hält der Zionismus neuerlich Heerſchau ab. In wenigen Tagen werden unſere Geſinnungsgenoſſen, die Führer und Förderer unſerer großen Idee aus allen Teilen der Welt im Haag zuſammen- kommen, um auf dem VIII. zioniſtiſchen Kongreſſe neuerlich Zeugnis ablegen für das jüdiſche Volk. Sein Programm, die Fülle und Wichtigkeit, des von ihm zu bewältigenden Ma- terials geſtaltet ihn zu bedeutſamen Arbeitstagen: Reform des Organiſations-Statutes, Ausbau des Nationalfondes, Be- richt und Kritik der praktiſchen Paläſtinaarbeit und nicht in letzter Linie die Konzentration aller jüdiſchen Parteiſchattierungen auf der Tagesordnung. Aus dieſem Grunde kann man mit Recht ſagen, daß der herannahende Kongreß ſich zu einem der bedeutungsvollſten geſtalten wird. Aufgabe der Juden iſt es nunmehr die Bedeutung des Kongreſſes durch Kundgebungen zu Gunſten desſelben zu erhöhen, wodurch andererſeits den gewählten Delegierten nochmals die Größe ihrer Aufgabe vor Augen geführt wird. Dieſe Aktion muß überall plan- mäßig geleitet und in ſachlicher Form gehalten ſein. Damit iſt auch eines der beſten Mittel zur Verbreitung des zioniſti- ſchen Gedankens gegeben. Die akademiſche Verbindung „He- bronia“ hat ſich die Aufgabe geſtellt, dieſe Aktion durchzu- führen. In der Landesauptſtadt Czernowitz, wie in allen jüdiſchen Gemeinden der Bukowina wird die akademiſche Ver- bindung „Hebronia“ öffentliche Verſammlungen abhalten, in denen ihre Redner über die Tagesordnung des VIII. Kon- greſſes und Tendenz des Zionismus referieren werden. Ich wende mich nun an alle jüdiſchen Gemeinden und zioniſtiſchen Vereine in der Bukowina, ſowie an alle jene, welche der zioniſtiſchen Idee wohlwollend gegenüberſtehen, mit der Bitte, durch eifrige Agitation für den zahlreichen Beſuch dieſer Ver- ſammlungen Sorge zu tragen. Jakob Gertler, dz. Senior der akademiſchen Verbindung „Hebronia“. Gutsankauf. Großgrundbeſitzer Marku Fiſcher hat das Landtafelgut Annahof bei Wiznitz um 60.000 Kronen käuflich an ſich gebracht. Trauerfeier. Die akademiſche Verbindung „Hebronia“ veranſtaltet aus Anlaß des Ablebens des jüdiſchen Dichters Morris Roſenfeld, am Mittwoch den 7. d. M. um halb 5 Uhr nachmittags auf ihrer Bude Stein- gaſſe Nr. 23 I. Stock eine Trauerfeier, bei welcher Herr stud. jur. Leon Hornſtein dem verblichenen Dichter einen Nachruf halten wird. Gäſte willkommen. Bauarbeiten in der Schweiz. Wir werden vom Magiſtratspräſidium um Aufnahme folgender Zeilen erſucht: In dieſem Jahre wird in der Schweiz im Baugewerbe vor- ausſichtlich eine lebhafte Nachfrage nach fremden Arbeitern ſich ergeben. Die Bauſaiſon dauert von Anfangs März bis Ende November. Die Arbeitslöhne betragen 0·50 bis 0·60 Franks per Stunde für Maurer, 0·38 bis 0·48 Franks per Stunde für Handlanger und 0·28 bis 0·37 Franks per Stunde für Pflaſterbuben. Eine Kündigung findet nicht ſtatt. Der Lohn wird per Stunde wirklicher Arbeitszeit bemeſſen und am erſten Zahltage, entſprechend den Leiſtungen des Arbeiters feſtgeſetzt. Alle 14 Tage iſt Zahltag, die Aus- zahlung findet nach Schluß der Arbeit ſtatt. Vorſchüſſe werden keine gegeben. Es müſſen daher die Arbeiter wenigſtens ſoviel Bargeld mitbringen, daß ſie durch 14 Tage leben können, wenn anders ſie nicht durch Kontrahierung ſchwer zu tilgender Schulden von vorneherein in eine bedrängte Lage kommen wollen. Es iſt Vorſchrift, daß jeder Arbeiter gegen Unfall verſichert werde. Die normale Arbeitszeit beträgt in der Regel im Sommer 10 Stunden, im Winter richtet ſie ſich nach der Tageshelle, beträgt jedoch nicht weniger als acht Stunden. Für Sonntags- und Nachtarbeit, ſowie für Ueber- zeit, d. h. von mehr als 10 Stunden per Tag, wird ein Zuſchlag von 50 Prozent gewährt; ebenſo wird für Arbeit, bei welcher der Arbeiter im Waſſer ſtehen muß, bis zu 50 Prozent Zuſchlag bezahlt. Um Unannehmlichkeiten bei den Schweizer Behörden zu vermeiden, iſt es vorteilhaft, wenn die Arbeiter mit auf die Schweiz lautenden Reiſe- legitimationen ſich verſehen. „Mädchenhändler“. Mit Bezugnahme auf dem unter dem vorſtehenden Titel in unſerer Sonntagsnummer erſchienenen Artikel, in dem es hieß, daß ſich in Czernowitz auch einige wenige Kellner und Friſeure dazu hergeben, den Mädchen- händlern Handlangerdienſte zu leiſten, werden wir von den Vorſtänden der Genoſſenſchaft der Kellner, beziehungsweiſe Friſeure darauf aufmerkſam gemacht, daß es ſich dabei keineswegs um Mitglieder dieſer beiden Genoſſenſchaften, die ein ſolches Vorgehen ihren Angehörigen ſtrengſtens ahnden würden, handeln kann. Wir ſtehen nicht an, feſtzuſtellen, daß es nur einem bei der Korrektur über- ſehenen Flüchtigkeitsfehler zuzuſchreiben iſt, wenn die betreffende Stelle fälſchlich ſo ausgelegt werden kann, als ſeien die Helfershelfer jenes lichtſcheuen Geſindels vornehmlich unter den Kellnern und Friſeuren zu ſuchen. Eine ſolche Auffaſſung wäre übrigens ſchon aus dem Grunde vollkommen haltlos, weil ſowohl die Kellner als auch die Friſeure in Berufs- organiſationen zuſammengefaßt ſind, die mit anerkennenswerter Strenge darüber wachen, daß ſich nicht unlautere Elemente in dieſelben hineindrängen. Uebrigens betonen wir, daß nach den authentiſchen Informationen, die unſeren Ausführungen zugrundelagen, die Zutreiber weder Kellner noch Friſeure ſind, ſondern Individuen, die ſich — das Kind muß ja einen Namen haben und der polizeiliche Meldezettel verlangt die Angabe eines Berufes — Kellner oder Friſeure nennen, ohne aber dieſen Berufen anzugehören. Sie ſind nämlich berufsmäßig „arbeitslos“. Trotzdem übrigens das Wörtchen „angeblich“ in dem zitierten Satz irrtümlich aus- geblieben iſt, enthält derſelbe doch keineswegs einen kollektiven Vorwurf gegen die Angehörigen zweier ehrenwerter Berufe; räudige Schafe gibt es ja bekanntlich in jeder Herde. Um aber Mißverſtändniſſen vorzubeugen, ſtellen wir hiemit nochmals ausdrücklich feſt, daß es nur einem Verſehen zuzuſchreiben iſt, wenn dieſer Satz in einem Sinne ausgelegt werden kann, der natürlich durchaus nicht beabſichtigt war. Auswanderung. Mit dem Zuge Nr. 318 und 322 ſind vorgeſtern 2 hierländiſche Bauern (Bezirk Suczawa) und 13 ruſſiſche Emigranten nach Amerika gefahren. Mit dem Zuge Nr. 322 ſind geſtern 16 rumäniſche Emigranten nach Amerika abgereiſt. Ein gewalttätiger Militäriſt. Im angeheitertem Zuſtande erſchien geſtern nachmittags der Zugsführer Karl B. des 41. Inf.-Reg. im Hauſe der Karoline Koczara Kaliczanka Nr. 138 und begann mit ihr einen Streit. Da ſie ihm das Haus verwies, begann er ſie mit Fäuſten zu bearbeiten und bedrohte die Frau ſogar mit dem Bajonett. Der intervinierende Sicherheitswachmann forderte den Zugs- führer vergebens mehrmals auf, das Haus zu verlaſſen; da alle Ermahnungen nichts fruchteten, erklärte er ihn für arretiert und mußte ihn mit Gewalt aus der Wohnung entfernen. Während der Eskorte verſetzte er dem Wachmanne einen Fauſtſchlag vor die Bruſt und ſuchte ſich durch Flucht der Arretierung zu entziehen. Er wurde jedoch ein- geholt und entwaffnet, worauf es erſt dem Sicherheitswach- mann mit ſchwerer Mühe gelang, den gewalttätigen Soldaten der Polizeidirektion zu überſtellen. Von hier aus wurde er bald von einer durch den Journalbeamten requirierten Militärpatrouille abgeholt und der Kaſerninſpektion überſtellt. Sountagsruhe. Wegen Nichteinhaltung der Sonntags- ruhevorſchriften wurden geſtern von der Sicherheitswache 24 hieſige Geſchäftsleute beanſtändet und polizeilicherſeits dem Stadtmagiſtrate angezeigt.

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grepect GmbH: Bereitstellung der Texttranskription und Textauszeichnung. (2018-01-26T13:38:42Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Amelie Meister: Vorbereitung der Texttranskription und Textauszeichnung. (2018-01-26T13:38:42Z)

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Zitationshilfe: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 1069, Czernowitz, 06.08.1907, S. 4. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_czernowitzer1069_1907/4>, abgerufen am 29.01.2020.