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Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 1684, Czernowitz, 25.08.1909.

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Redaktion u. Administration:
Ringplatz 4, 2. Stock.




Telephon-Nummer 161.




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Telegramme Allgemeine, Czernowitz.


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Czernowitzer
Allgemeine Zeitung

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Ankündigung:
Es kostet im gewöhnlichen Inse-
ratenteil 12 h die 6mal gespaltene
Petitzeile bei einmaliger, 9 h bei
mehrmaliger Einschaltung, für Re-
klame 40 h die Petitzeile, Inserate
nehmen alle in- und ausländischen
Inseratenbureaux sowie die Ad-
ministration entgegen. -- Einzel-
exemplare sind in allen Zeitungs-
verschleißen, Trafiken, der k. k. Uni-
versitätsbuchhandlung H. Pardini
und in der Administration (Ring-
platz 4, 2. St.) erhältlich. In Wien
im Zeitungsbureau Goldschmidt,
Wollzeile 11.

Einzelexemplare
10 Heller für Czernowitz.






Nr. 1684. Czernowitz, Mittwoch, den 25. August 1909.



[Spaltenumbruch]
Uebersicht.

Vom Tage.

In Mazedonien häufen sich die Mordtaten. -- Die
Kretakrisis geht einer befriedigenden Lösung entgegen.

Bunte Chronik.

Graf Zeppelin hat das Krankenhaus in Stuttgart bereits
verlassen. -- In einer Gasanstalt von Genf ereignete sich
eine große Explosion.

[L]etzte Telegramme.

Bei der Explosion in den Genfer Gaswerken wurden
7 Personen getötet und 30 Personen schwer verletzt. -- Es
besteht der Plan, daß der Sultan dem Zaren in Petersburg
einen Gegenbesuch abstatte. -- In G[unleserliches Material - 1 Zeichen fehlt]llo schlug ein Blitz in
eine Kirche ein, wodurch zwei Frauen getötet wurden.




Politischer Radau.


Nach beinahe abgelaufener Saison wäre das Be-
schönigen überflüssig. Die beiden Hauptkurorte der
Bukowina blicken auf einen ganz und gar mißlungenen
Sommer zurück. Solka, ein Ort, dessen weiche und
süße Luft den erkrankten Atmungsorganen Balsam
ist, und Dorna-Watra, ein Kurort, der sich in
Böhmen, in den Alpen oder Vogesen sehr gut sehen
lassen könnte, dessen Kurbehelfe die allermodernsten
sind und dessen Wald- und Parkanlagen Sehens-
würdigkeiten sind, beide Orte hatten in dem zur
Neige gehenden Sommer viel von der Ungunst der
Verhältnisse zu leiden, große Hoffnungen wurden
zunichte, der große Fremdenstrom, den man erwartet
hatte, mündete als müdes und sandiges Bächlein in
die große Leere.

Auch nur ein Zeichen der Zeit. Wie so vieles
in diesem Lande seit Jahr und Tag abwärts geht,
so ist es auch mit den Kurorten und Sommerfrischen,
die einen schönen Aufschwung genommen hatten und
in die Private und öffentliche Fonde ganz bedeutende
Investitionen gemacht hatten. Die materielle Lage
der Bewohnerschaft dieses Landes hat sich seit Beginn
der großen wirtschaftlichen Krise sehr verschlimmert,
anderseits läßt sich deutlich wahrnehmen, daß die
[Spaltenumbruch] Bukowina ihren Ruf als gastfreundliches, lebens-
lustiges Ländchen allgemach einzubüßen beginnt.
Czernowitz, ehemals ein starker Anziehungs-
punkt für den nahen Osten, gilt nicht mehr
als jene tolerante, urgemütliche Stadt, die den An-
kömmling nicht nach Rasse und Religion fragte und
ihn nur nach dem Nutzen, den er der Stadt brachte,
wertete. Die wüstesten Schimpfreden und Hetzrufe
durchhallen die einst so freundliche Stadt, und diese
Rufe pflanzen sich mit Windeseile in die entferntesten
Winkel des Landes fort, aber auch in jene Orte,
die von Ruhe, Freundlichkeit und friedlicher Stille
ihr Dasein ableiten. Da steht beispielsweise irgend
einem Lokalpatrioten in Dorna nicht ein polnischer
Jude zu Gesicht, flugs schüttet er seine mehr oder
minder sauberen Gefühle in der "christlichen" Presse
aus. Der anonyme Schreibknabe täte gut daran, sich
umzusehen, wie man in den schwerreichen böhmischen
Kurorten die Kaftanjuden aus Galizien und Ruß-
land behandelt: mit der ausgesuchtesten Höflichkeit
und Freundlichkeit, obwohl man dort auf die zumeist
ärmeren Zuzügler aus dem Osten wahrlich nicht an-
gewiesen ist. Aber Herr Wiedmann, dem die Politik
ein sicheres und großes Einkommen gewährt, dieser
Herr verzehrt "sein" Geld in Tirol und beschimpft
umso ausgiebiger die wenigen Gäste, die noch die
Bukowiner Bäder aufsuchen.

Es wäre freilich sehr angenehm, wenn reiche
Amerikaner und Engländer nach Dorna kämen, aber
für diese ist die Bukowina leider ein noch nicht ent-
decktes Land, und den wohlhabenderen Bewohnern
der angrenzenden Gebiete macht man durch die so-
genannte Politik, die in diesem Lande seit einiger
Zeit getrieben wird, den Aufenthalt zu einer Unan-
nehmlichkeit. Weshalb sollten sie auch ihr Geld in
die Bukowiner Bäder führen, wenn sie, wie ver-
schiedene Vorfälle der letzten Jahre dartaten, für ihr
gutes Geld oft Schimpf einstecken müssen?

Das wird ja nicht immer so bleiben, und dieser
Zug von Fremdenfeindlichkeit und Aversion der
Fremden gegen das Land ist ja nur ein Stück jener
allgemeinen Unkultur, die zu überwinden wir auf dem
[Spaltenumbruch] besten Wege waren und die nur durch die krankhafte
Leidenschaftlichkeit, mit der hier alles politisiert,
wieder wachgerufen wurde. Der Erwerb, der
rauhe, nüchterne Erwerb, der sich um die
politischen Zänkereien nicht kümmert und
die zahllosen Berufspolitiker in diesem Lande
an die bürgerliche Arbeit weist, muß ja schließlich
siegreich bleiben. Eine schlechte Saison in Dorna
und Solka läßt sich ja wettmachen, die allgemeine
Stagnation aber, welche der politische Radau in hohem
Maße mitverschuldet hat, muß auch der politisch
nicht gerade überreifen Bevölkerung dieses Landes
einmal die Augen öffnen und sie belehren, daß es
wichtigere Dinge gibt, als die lebenslängliche Ver-
sorgung der Berufspolitiker mit Mandaten, als kon-
fessioneller Hader und alle Glückseligkeit, die uns ein
Abgeordneter oder alle zusammen bringen können.




Vom Tage.


Die Lösung der Kretafrage.

KB. (Tel. der "Cz.
Allg. Ztg.")

Der Minister des Aeußern erklärte den
Botschaftern der Schutzmächte, daß die Kretafrage nicht
ungeregelt
bleiben könne und die Form der Autonomie
geregelt werden müßte. Der Eindruck der Diplomaten ist,
daß die Pforte wegen Kreta nicht drängen will.
Nach der Meinung einiger türkischer Kreise werde die Pforte,
um die aufgeregte öffentliche Meinung zu beruhigen, die
Kretafrage einstweilen ruhen lassen. Es
verlautet, daß der Minister des Innern neuerlich den Provinz-
behörden den Befehl gab, den Boykott zu sistieren
und in diesem Sinne beim Komitee interveniert hätte.
Blättern zufolge schritten einige Botschafter bei der Pforte
wegen des Boykottes ein. Nach einer Depesche aus dem
Yemen griffen die Aufständischen die Stadt Hadsche an.
Das Resultat ist unbekannt.






[Spaltenumbruch]
Feuilleton.
Zur Hygiene in den Eßwarenläden. *)

Meine langjährigen Erfahrungen und zahlreichen Be-
obachtungen auf das Bedürfnis größerer Sauberkeit im Klein-
vertrieb von Nahrungsmitteln haben ergeben, daß man nur
wünschen kann, daß sie in dieser Beziehung die Aufmerksam-
keit aller Kreise wachrufen und daß es in alle Volksschichten
hineindringen und ausklingen möge, um Mißstände zu be-
seitigen, denen gegenüber das Publikum eine häufig unerklär-
liche und sehr wenig angebrachte Gleichgiltigkeit zur Schau
trägt, denn -- um es gleich vorweg zu sagen -- sehr viele
der vielen ekelerregenden und sogar gesundheitsschädlichen
Verunreinigungen und Unsauberkeiten in Vertrieben der
Nahrungsmittel konnten doch nur eine solche Ausdehnung er-
fahren, weil das beteiligte Publikum in dieser Beziehung sich
einer mehr als befremdlichen Toleranz befleißigt. Ich greife
nur einiges Wenige heraus: Daß wir in der zum Morgen-
kaffee gelieferten frischen Backware allerlei Ungehörigkeiten,
Kohlenstückchen, Haare, Sand, verschiedene Tierchen und noch
viel bedenklichere Dinge finden und mit Resignation uns
dreinfinden, anstatt die Ware dem Bäcker zurückzuschicken
und mit Abbestellung derselben zu drohen, daß wir ferner
ruhig mitansehen können, wie Verkäufer die Fingerspitzen be-
lecken, um das Einw[i]ckelpapier abzuheben und mit diesen be-
leckten Fingern die Eßwaren, Kuchen, Zuckersachen u. dgl.
zuteilen und [e]inwickeln, ferner wie die Hausfrau, welche auf
dem Markte Butter, Topfen, Honig, Powidel u. s. w. ein-
[Spaltenumbruch] kauft, den abgewogenen Butterstücken u. s. w. eine Kostprobe
mittelst eines oft schmutzigen Fingers entnimmt und das ohne
jede Einwendung des Verkäufers. Das alles ist doch nur er-
klärlich durch eine unbegreifliche Gewöhnung, fast möchte ich
sagen Abhärtung gegenüber diesen geradezu abscheulichen Zu-
ständen, die man dulden zu müssen glaubt. Und doch muß
man sich sagen, daß die wirksamste Abhilfe von dem kaufenden
Publikum selbst ausgehen kann, wenn es sich die hier aufge-
deckten Ungehörigkeiten verbietet und die Annahme solcher
übelbehandelten Waren verweigert. Nichts fürchtet der Händler
so sehr, wie den Verlust der Kundschaft, nichts ist ihm er-
wünschter, als die von Mund zu Mund verbreitete Empfehlung
durch die befriedigten Kunden. Ich habe mir durch Veröffent-
lichung dieser Zeilen zur Aufgabe gemacht, die Aufmerksam-
keit aller Volksschichten auf diese Verhältnisse zu lenken und
zur Mithilfe im Kampfe gegen die Unsauberkeiten und Ver-
unreinigungen der Nahrungsmittel aufzurufen.

Den gesamten, hier in Frage kommenden Stoff zu be-
handeln, erscheint im Rahmen dieser Abhandlung unmöglich.
Ich möchte mich, in Anlehnung an diesen Wunsch, daß unser
Marktamt vor allem und das Publikum selbst Hand anlegen
und Abhilfe fordern mögen, auf den Nahrungsmittelvertrieb
in den Verkaufsstätten beschränken, welcher sich unter den
Augen des Publikums vollzieht, nämlich auf die Hygiene in
den Eßwarenläden.

Die Räume, in welchen Eßwaren feilgeboten werden
müssen hinreichend groß und gut belichtet sein. Bei be-
schränktem Raume erfahren solche Waren eine unzweckmäßige
Aufstellung und Aufbewahrung. Wir finden wohl auch in
feineren Kolonial- und Delikatessenwarenläden Früchte und
Gemüse aller Art in offenen Körben auf dem Fußboden
ausgebreitet und bei weitgeöffneter Ladentür schonungslos dem
Straßenstaube preisgegeben. Freilich strömen, je nach der
Jahreszeit, frische Früchte und andere derartige Nahrungs-
mittel den Verkaufsstätten oft überreichlich zu und erschweren
die geeignete Aufbewahrung derselben, allein das Bedenkliche
einer solchen wird damit sicherlich nicht motiviert. Nicht allein
Straßenstaub, sondern auch direkte Berührung durch be-
[Spaltenumbruch] schmutzte Kleidungsstücke der Käufer schädigt diese Ware,
welche gewöhnlich durch Wasserspulung oder auf andere Weise
nicht gereinigt werden kann. Schlimmer noch steht es um
die Sache, wenn die vierfüßigen Begleiter des kaufenden
Publikums in Gemächlichkeit von Korb zu Korb schnüffeln
und die Waren mit lüsterner Zunge belecken. Ich darf wohl
annehmen, daß derartige Beobachtungen nicht nur von mir,
sondern auch von Anderen gemacht worden sind und daß
noch viele andere solcher Appetitlichkeiten zutage gefördert
werden könnten, wenn das Publikum zu Worte käme. Eß-
waren müssen daher in genügender Höhe vom Fußboden
aufbewahrt werden, nicht zum mindesten auch das Fleisch in
den Fleischhallen, von welchen ganz dasselbe gilt. Eßwaren-
läden müssen ferner genügend hell sein. Schmutzereien aller
Art werden durch mangelhaftes Licht begünstigt. Und schlecht
belichtete Verkaufsräume sind in der Regel auch schlecht ge-
lüftete und in engen, dumpfen, schlecht gelüfteten Räumen
sind die Nahrungsmittel am leichtesten dem Verderben
ausgesetzt.

Eine weitere Forderung für Eßwarenläden besteht in
der ausreichenden Trennung derselben von Wohn- und Schlaf-
räumen. Fehlt eine solche, so ist ein oft unerwünschter Verkehr
zwischen Wohn- und Verkaufsräumen, namentlich in kleineren
Geschäften, Greislereien u. s. w. unvermeidlich, ein Verkehr,
welcher in sanitätspolizeilicher Hinsicht oft von eminenter
Bedeutung ist, seitdem wir wissen, daß durch Nahrungsmittel,
insbesondere auch durch die Milch, ansteckende Krankheiten:
Typhus, Scharlach, Ruhr etc., verbreitet werden, was von vielen
Hygienikern an dez Hand der Tatsachen bewiesen wurde. Die
Hausfrau, welche neben der Besorgung ihres Haushaltes auch
den kleinen Laden versieht und verkauft, muß schon einen
höchentwickelten Reinlichkeitssinn haben, um sich bei dieser
Tätigkeit ausreichend zu säubern; sie hat ihr masern-, ja
mitunter scharlachkrankes, von keinem Arzte behandeltes und
somit beim Magistrate nicht angezeigtes Kind zu pflegen,
hat eben den Rachen-, Nasenschleim u. s. w. desselben mit
dem Finger entfernt und diesen an der Schürze oberflächlich
abgewischt. Mit diesen Fingern reicht sie gleich darau


*) Anläßlich einer heute getroffenen Verfügung des Stadt-
magistrates wegen der Reinlichkeit in den Eßwarenläden bringen
wir diesen aktuellen Artikel des Sanitätsrates Dr. Röhmer,
welcher vor wenigen Jahren geschrieben wurde, zum Abdrucke.
Die Red.
[Spaltenumbruch]

Redaktion u. Adminiſtration:
Ringplatz 4, 2. Stock.




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Für Czernowitz
(mit Zuſtellung ins Haus):
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halbj. K 10·80, ganzjähr. K 21·60,
(mit täglicher Poſtverſendung)
monatl. K 2, vierteljähr. K 6,
halbjähr. K 12. ganzjähr. K 24.

Für Deutſchland:
vierteljährig .... 7 Mark

für Rumänien und den Balkan:
vierteljährig .... 10 Lei.




Telegramme Allgemeine, Czernowitz.


[Spaltenumbruch]
Czernowitzer
Allgemeine Zeitung

[Spaltenumbruch]

Ankündigung:
Es koſtet im gewöhnlichen Inſe-
ratenteil 12 h die 6mal geſpaltene
Petitzeile bei einmaliger, 9 h bei
mehrmaliger Einſchaltung, für Re-
klame 40 h die Petitzeile, Inſerate
nehmen alle in- und ausländiſchen
Inſeratenbureaux ſowie die Ad-
miniſtration entgegen. — Einzel-
exemplare ſind in allen Zeitungs-
verſchleißen, Trafiken, der k. k. Uni-
verſitätsbuchhandlung H. Pardini
und in der Adminiſtration (Ring-
platz 4, 2. St.) erhältlich. In Wien
im Zeitungsbureau Goldſchmidt,
Wollzeile 11.

Einzelexemplare
10 Heller für Czernowitz.






Nr. 1684. Czernowitz, Mittwoch, den 25. Auguſt 1909.



[Spaltenumbruch]
Ueberſicht.

Vom Tage.

In Mazedonien häufen ſich die Mordtaten. — Die
Kretakriſis geht einer befriedigenden Löſung entgegen.

Bunte Chronik.

Graf Zeppelin hat das Krankenhaus in Stuttgart bereits
verlaſſen. — In einer Gasanſtalt von Genf ereignete ſich
eine große Exploſion.

[L]etzte Telegramme.

Bei der Exploſion in den Genfer Gaswerken wurden
7 Perſonen getötet und 30 Perſonen ſchwer verletzt. — Es
beſteht der Plan, daß der Sultan dem Zaren in Petersburg
einen Gegenbeſuch abſtatte. — In G[unleserliches Material – 1 Zeichen fehlt]llo ſchlug ein Blitz in
eine Kirche ein, wodurch zwei Frauen getötet wurden.




Politiſcher Radau.


Nach beinahe abgelaufener Saiſon wäre das Be-
ſchönigen überflüſſig. Die beiden Hauptkurorte der
Bukowina blicken auf einen ganz und gar mißlungenen
Sommer zurück. Solka, ein Ort, deſſen weiche und
ſüße Luft den erkrankten Atmungsorganen Balſam
iſt, und Dorna-Watra, ein Kurort, der ſich in
Böhmen, in den Alpen oder Vogeſen ſehr gut ſehen
laſſen könnte, deſſen Kurbehelfe die allermodernſten
ſind und deſſen Wald- und Parkanlagen Sehens-
würdigkeiten ſind, beide Orte hatten in dem zur
Neige gehenden Sommer viel von der Ungunſt der
Verhältniſſe zu leiden, große Hoffnungen wurden
zunichte, der große Fremdenſtrom, den man erwartet
hatte, mündete als müdes und ſandiges Bächlein in
die große Leere.

Auch nur ein Zeichen der Zeit. Wie ſo vieles
in dieſem Lande ſeit Jahr und Tag abwärts geht,
ſo iſt es auch mit den Kurorten und Sommerfriſchen,
die einen ſchönen Aufſchwung genommen hatten und
in die Private und öffentliche Fonde ganz bedeutende
Inveſtitionen gemacht hatten. Die materielle Lage
der Bewohnerſchaft dieſes Landes hat ſich ſeit Beginn
der großen wirtſchaftlichen Kriſe ſehr verſchlimmert,
anderſeits läßt ſich deutlich wahrnehmen, daß die
[Spaltenumbruch] Bukowina ihren Ruf als gaſtfreundliches, lebens-
luſtiges Ländchen allgemach einzubüßen beginnt.
Czernowitz, ehemals ein ſtarker Anziehungs-
punkt für den nahen Oſten, gilt nicht mehr
als jene tolerante, urgemütliche Stadt, die den An-
kömmling nicht nach Raſſe und Religion fragte und
ihn nur nach dem Nutzen, den er der Stadt brachte,
wertete. Die wüſteſten Schimpfreden und Hetzrufe
durchhallen die einſt ſo freundliche Stadt, und dieſe
Rufe pflanzen ſich mit Windeseile in die entfernteſten
Winkel des Landes fort, aber auch in jene Orte,
die von Ruhe, Freundlichkeit und friedlicher Stille
ihr Daſein ableiten. Da ſteht beiſpielsweiſe irgend
einem Lokalpatrioten in Dorna nicht ein polniſcher
Jude zu Geſicht, flugs ſchüttet er ſeine mehr oder
minder ſauberen Gefühle in der „chriſtlichen“ Preſſe
aus. Der anonyme Schreibknabe täte gut daran, ſich
umzuſehen, wie man in den ſchwerreichen böhmiſchen
Kurorten die Kaftanjuden aus Galizien und Ruß-
land behandelt: mit der ausgeſuchteſten Höflichkeit
und Freundlichkeit, obwohl man dort auf die zumeiſt
ärmeren Zuzügler aus dem Oſten wahrlich nicht an-
gewieſen iſt. Aber Herr Wiedmann, dem die Politik
ein ſicheres und großes Einkommen gewährt, dieſer
Herr verzehrt „ſein“ Geld in Tirol und beſchimpft
umſo ausgiebiger die wenigen Gäſte, die noch die
Bukowiner Bäder aufſuchen.

Es wäre freilich ſehr angenehm, wenn reiche
Amerikaner und Engländer nach Dorna kämen, aber
für dieſe iſt die Bukowina leider ein noch nicht ent-
decktes Land, und den wohlhabenderen Bewohnern
der angrenzenden Gebiete macht man durch die ſo-
genannte Politik, die in dieſem Lande ſeit einiger
Zeit getrieben wird, den Aufenthalt zu einer Unan-
nehmlichkeit. Weshalb ſollten ſie auch ihr Geld in
die Bukowiner Bäder führen, wenn ſie, wie ver-
ſchiedene Vorfälle der letzten Jahre dartaten, für ihr
gutes Geld oft Schimpf einſtecken müſſen?

Das wird ja nicht immer ſo bleiben, und dieſer
Zug von Fremdenfeindlichkeit und Averſion der
Fremden gegen das Land iſt ja nur ein Stück jener
allgemeinen Unkultur, die zu überwinden wir auf dem
[Spaltenumbruch] beſten Wege waren und die nur durch die krankhafte
Leidenſchaftlichkeit, mit der hier alles politiſiert,
wieder wachgerufen wurde. Der Erwerb, der
rauhe, nüchterne Erwerb, der ſich um die
politiſchen Zänkereien nicht kümmert und
die zahlloſen Berufspolitiker in dieſem Lande
an die bürgerliche Arbeit weiſt, muß ja ſchließlich
ſiegreich bleiben. Eine ſchlechte Saiſon in Dorna
und Solka läßt ſich ja wettmachen, die allgemeine
Stagnation aber, welche der politiſche Radau in hohem
Maße mitverſchuldet hat, muß auch der politiſch
nicht gerade überreifen Bevölkerung dieſes Landes
einmal die Augen öffnen und ſie belehren, daß es
wichtigere Dinge gibt, als die lebenslängliche Ver-
ſorgung der Berufspolitiker mit Mandaten, als kon-
feſſioneller Hader und alle Glückſeligkeit, die uns ein
Abgeordneter oder alle zuſammen bringen können.




Vom Tage.


Die Löſung der Kretafrage.

KB. (Tel. der „Cz.
Allg. Ztg.“)

Der Miniſter des Aeußern erklärte den
Botſchaftern der Schutzmächte, daß die Kretafrage nicht
ungeregelt
bleiben könne und die Form der Autonomie
geregelt werden müßte. Der Eindruck der Diplomaten iſt,
daß die Pforte wegen Kreta nicht drängen will.
Nach der Meinung einiger türkiſcher Kreiſe werde die Pforte,
um die aufgeregte öffentliche Meinung zu beruhigen, die
Kretafrage einſtweilen ruhen laſſen. Es
verlautet, daß der Miniſter des Innern neuerlich den Provinz-
behörden den Befehl gab, den Boykott zu ſiſtieren
und in dieſem Sinne beim Komitee interveniert hätte.
Blättern zufolge ſchritten einige Botſchafter bei der Pforte
wegen des Boykottes ein. Nach einer Depeſche aus dem
Yemen griffen die Aufſtändiſchen die Stadt Hadſche an.
Das Reſultat iſt unbekannt.






[Spaltenumbruch]
Feuilleton.
Zur Hygiene in den Eßwarenläden. *)

Meine langjährigen Erfahrungen und zahlreichen Be-
obachtungen auf das Bedürfnis größerer Sauberkeit im Klein-
vertrieb von Nahrungsmitteln haben ergeben, daß man nur
wünſchen kann, daß ſie in dieſer Beziehung die Aufmerkſam-
keit aller Kreiſe wachrufen und daß es in alle Volksſchichten
hineindringen und ausklingen möge, um Mißſtände zu be-
ſeitigen, denen gegenüber das Publikum eine häufig unerklär-
liche und ſehr wenig angebrachte Gleichgiltigkeit zur Schau
trägt, denn — um es gleich vorweg zu ſagen — ſehr viele
der vielen ekelerregenden und ſogar geſundheitsſchädlichen
Verunreinigungen und Unſauberkeiten in Vertrieben der
Nahrungsmittel konnten doch nur eine ſolche Ausdehnung er-
fahren, weil das beteiligte Publikum in dieſer Beziehung ſich
einer mehr als befremdlichen Toleranz befleißigt. Ich greife
nur einiges Wenige heraus: Daß wir in der zum Morgen-
kaffee gelieferten friſchen Backware allerlei Ungehörigkeiten,
Kohlenſtückchen, Haare, Sand, verſchiedene Tierchen und noch
viel bedenklichere Dinge finden und mit Reſignation uns
dreinfinden, anſtatt die Ware dem Bäcker zurückzuſchicken
und mit Abbeſtellung derſelben zu drohen, daß wir ferner
ruhig mitanſehen können, wie Verkäufer die Fingerſpitzen be-
lecken, um das Einw[i]ckelpapier abzuheben und mit dieſen be-
leckten Fingern die Eßwaren, Kuchen, Zuckerſachen u. dgl.
zuteilen und [e]inwickeln, ferner wie die Hausfrau, welche auf
dem Markte Butter, Topfen, Honig, Powidel u. ſ. w. ein-
[Spaltenumbruch] kauft, den abgewogenen Butterſtücken u. ſ. w. eine Koſtprobe
mittelſt eines oft ſchmutzigen Fingers entnimmt und das ohne
jede Einwendung des Verkäufers. Das alles iſt doch nur er-
klärlich durch eine unbegreifliche Gewöhnung, faſt möchte ich
ſagen Abhärtung gegenüber dieſen geradezu abſcheulichen Zu-
ſtänden, die man dulden zu müſſen glaubt. Und doch muß
man ſich ſagen, daß die wirkſamſte Abhilfe von dem kaufenden
Publikum ſelbſt ausgehen kann, wenn es ſich die hier aufge-
deckten Ungehörigkeiten verbietet und die Annahme ſolcher
übelbehandelten Waren verweigert. Nichts fürchtet der Händler
ſo ſehr, wie den Verluſt der Kundſchaft, nichts iſt ihm er-
wünſchter, als die von Mund zu Mund verbreitete Empfehlung
durch die befriedigten Kunden. Ich habe mir durch Veröffent-
lichung dieſer Zeilen zur Aufgabe gemacht, die Aufmerkſam-
keit aller Volksſchichten auf dieſe Verhältniſſe zu lenken und
zur Mithilfe im Kampfe gegen die Unſauberkeiten und Ver-
unreinigungen der Nahrungsmittel aufzurufen.

Den geſamten, hier in Frage kommenden Stoff zu be-
handeln, erſcheint im Rahmen dieſer Abhandlung unmöglich.
Ich möchte mich, in Anlehnung an dieſen Wunſch, daß unſer
Marktamt vor allem und das Publikum ſelbſt Hand anlegen
und Abhilfe fordern mögen, auf den Nahrungsmittelvertrieb
in den Verkaufsſtätten beſchränken, welcher ſich unter den
Augen des Publikums vollzieht, nämlich auf die Hygiene in
den Eßwarenläden.

Die Räume, in welchen Eßwaren feilgeboten werden
müſſen hinreichend groß und gut belichtet ſein. Bei be-
ſchränktem Raume erfahren ſolche Waren eine unzweckmäßige
Aufſtellung und Aufbewahrung. Wir finden wohl auch in
feineren Kolonial- und Delikateſſenwarenläden Früchte und
Gemüſe aller Art in offenen Körben auf dem Fußboden
ausgebreitet und bei weitgeöffneter Ladentür ſchonungslos dem
Straßenſtaube preisgegeben. Freilich ſtrömen, je nach der
Jahreszeit, friſche Früchte und andere derartige Nahrungs-
mittel den Verkaufsſtätten oft überreichlich zu und erſchweren
die geeignete Aufbewahrung derſelben, allein das Bedenkliche
einer ſolchen wird damit ſicherlich nicht motiviert. Nicht allein
Straßenſtaub, ſondern auch direkte Berührung durch be-
[Spaltenumbruch] ſchmutzte Kleidungsſtücke der Käufer ſchädigt dieſe Ware,
welche gewöhnlich durch Waſſerſpulung oder auf andere Weiſe
nicht gereinigt werden kann. Schlimmer noch ſteht es um
die Sache, wenn die vierfüßigen Begleiter des kaufenden
Publikums in Gemächlichkeit von Korb zu Korb ſchnüffeln
und die Waren mit lüſterner Zunge belecken. Ich darf wohl
annehmen, daß derartige Beobachtungen nicht nur von mir,
ſondern auch von Anderen gemacht worden ſind und daß
noch viele andere ſolcher Appetitlichkeiten zutage gefördert
werden könnten, wenn das Publikum zu Worte käme. Eß-
waren müſſen daher in genügender Höhe vom Fußboden
aufbewahrt werden, nicht zum mindeſten auch das Fleiſch in
den Fleiſchhallen, von welchen ganz dasſelbe gilt. Eßwaren-
läden müſſen ferner genügend hell ſein. Schmutzereien aller
Art werden durch mangelhaftes Licht begünſtigt. Und ſchlecht
belichtete Verkaufsräume ſind in der Regel auch ſchlecht ge-
lüftete und in engen, dumpfen, ſchlecht gelüfteten Räumen
ſind die Nahrungsmittel am leichteſten dem Verderben
ausgeſetzt.

Eine weitere Forderung für Eßwarenläden beſteht in
der ausreichenden Trennung derſelben von Wohn- und Schlaf-
räumen. Fehlt eine ſolche, ſo iſt ein oft unerwünſchter Verkehr
zwiſchen Wohn- und Verkaufsräumen, namentlich in kleineren
Geſchäften, Greislereien u. ſ. w. unvermeidlich, ein Verkehr,
welcher in ſanitätspolizeilicher Hinſicht oft von eminenter
Bedeutung iſt, ſeitdem wir wiſſen, daß durch Nahrungsmittel,
insbeſondere auch durch die Milch, anſteckende Krankheiten:
Typhus, Scharlach, Ruhr ꝛc., verbreitet werden, was von vielen
Hygienikern an dez Hand der Tatſachen bewieſen wurde. Die
Hausfrau, welche neben der Beſorgung ihres Haushaltes auch
den kleinen Laden verſieht und verkauft, muß ſchon einen
höchentwickelten Reinlichkeitsſinn haben, um ſich bei dieſer
Tätigkeit ausreichend zu ſäubern; ſie hat ihr maſern-, ja
mitunter ſcharlachkrankes, von keinem Arzte behandeltes und
ſomit beim Magiſtrate nicht angezeigtes Kind zu pflegen,
hat eben den Rachen-, Naſenſchleim u. ſ. w. desſelben mit
dem Finger entfernt und dieſen an der Schürze oberflächlich
abgewiſcht. Mit dieſen Fingern reicht ſie gleich darau


*) Anläßlich einer heute getroffenen Verfügung des Stadt-
magiſtrates wegen der Reinlichkeit in den Eßwarenläden bringen
wir dieſen aktuellen Artikel des Sanitätsrates Dr. Röhmer,
welcher vor wenigen Jahren geſchrieben wurde, zum Abdrucke.
Die Red.
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[[1]/0001] Redaktion u. Adminiſtration: Ringplatz 4, 2. Stock. Telephon-Nummer 161. Abonnementsbedingungen: Für Czernowitz (mit Zuſtellung ins Haus): monatl. K 1·80, vierteljähr. K 5·40. halbj. K 10·80, ganzjähr. K 21·60, (mit täglicher Poſtverſendung) monatl. K 2, vierteljähr. K 6, halbjähr. K 12. ganzjähr. K 24. Für Deutſchland: vierteljährig .... 7 Mark für Rumänien und den Balkan: vierteljährig .... 10 Lei. Telegramme Allgemeine, Czernowitz. Czernowitzer Allgemeine Zeitung Ankündigung: Es koſtet im gewöhnlichen Inſe- ratenteil 12 h die 6mal geſpaltene Petitzeile bei einmaliger, 9 h bei mehrmaliger Einſchaltung, für Re- klame 40 h die Petitzeile, Inſerate nehmen alle in- und ausländiſchen Inſeratenbureaux ſowie die Ad- miniſtration entgegen. — Einzel- exemplare ſind in allen Zeitungs- verſchleißen, Trafiken, der k. k. Uni- verſitätsbuchhandlung H. Pardini und in der Adminiſtration (Ring- platz 4, 2. St.) erhältlich. In Wien im Zeitungsbureau Goldſchmidt, Wollzeile 11. Einzelexemplare 10 Heller für Czernowitz. Nr. 1684. Czernowitz, Mittwoch, den 25. Auguſt 1909. Ueberſicht. Vom Tage. In Mazedonien häufen ſich die Mordtaten. — Die Kretakriſis geht einer befriedigenden Löſung entgegen. Bunte Chronik. Graf Zeppelin hat das Krankenhaus in Stuttgart bereits verlaſſen. — In einer Gasanſtalt von Genf ereignete ſich eine große Exploſion. Letzte Telegramme. Bei der Exploſion in den Genfer Gaswerken wurden 7 Perſonen getötet und 30 Perſonen ſchwer verletzt. — Es beſteht der Plan, daß der Sultan dem Zaren in Petersburg einen Gegenbeſuch abſtatte. — In G_llo ſchlug ein Blitz in eine Kirche ein, wodurch zwei Frauen getötet wurden. Politiſcher Radau. Czernowitz, 24. Auguſt. Nach beinahe abgelaufener Saiſon wäre das Be- ſchönigen überflüſſig. Die beiden Hauptkurorte der Bukowina blicken auf einen ganz und gar mißlungenen Sommer zurück. Solka, ein Ort, deſſen weiche und ſüße Luft den erkrankten Atmungsorganen Balſam iſt, und Dorna-Watra, ein Kurort, der ſich in Böhmen, in den Alpen oder Vogeſen ſehr gut ſehen laſſen könnte, deſſen Kurbehelfe die allermodernſten ſind und deſſen Wald- und Parkanlagen Sehens- würdigkeiten ſind, beide Orte hatten in dem zur Neige gehenden Sommer viel von der Ungunſt der Verhältniſſe zu leiden, große Hoffnungen wurden zunichte, der große Fremdenſtrom, den man erwartet hatte, mündete als müdes und ſandiges Bächlein in die große Leere. Auch nur ein Zeichen der Zeit. Wie ſo vieles in dieſem Lande ſeit Jahr und Tag abwärts geht, ſo iſt es auch mit den Kurorten und Sommerfriſchen, die einen ſchönen Aufſchwung genommen hatten und in die Private und öffentliche Fonde ganz bedeutende Inveſtitionen gemacht hatten. Die materielle Lage der Bewohnerſchaft dieſes Landes hat ſich ſeit Beginn der großen wirtſchaftlichen Kriſe ſehr verſchlimmert, anderſeits läßt ſich deutlich wahrnehmen, daß die Bukowina ihren Ruf als gaſtfreundliches, lebens- luſtiges Ländchen allgemach einzubüßen beginnt. Czernowitz, ehemals ein ſtarker Anziehungs- punkt für den nahen Oſten, gilt nicht mehr als jene tolerante, urgemütliche Stadt, die den An- kömmling nicht nach Raſſe und Religion fragte und ihn nur nach dem Nutzen, den er der Stadt brachte, wertete. Die wüſteſten Schimpfreden und Hetzrufe durchhallen die einſt ſo freundliche Stadt, und dieſe Rufe pflanzen ſich mit Windeseile in die entfernteſten Winkel des Landes fort, aber auch in jene Orte, die von Ruhe, Freundlichkeit und friedlicher Stille ihr Daſein ableiten. Da ſteht beiſpielsweiſe irgend einem Lokalpatrioten in Dorna nicht ein polniſcher Jude zu Geſicht, flugs ſchüttet er ſeine mehr oder minder ſauberen Gefühle in der „chriſtlichen“ Preſſe aus. Der anonyme Schreibknabe täte gut daran, ſich umzuſehen, wie man in den ſchwerreichen böhmiſchen Kurorten die Kaftanjuden aus Galizien und Ruß- land behandelt: mit der ausgeſuchteſten Höflichkeit und Freundlichkeit, obwohl man dort auf die zumeiſt ärmeren Zuzügler aus dem Oſten wahrlich nicht an- gewieſen iſt. Aber Herr Wiedmann, dem die Politik ein ſicheres und großes Einkommen gewährt, dieſer Herr verzehrt „ſein“ Geld in Tirol und beſchimpft umſo ausgiebiger die wenigen Gäſte, die noch die Bukowiner Bäder aufſuchen. Es wäre freilich ſehr angenehm, wenn reiche Amerikaner und Engländer nach Dorna kämen, aber für dieſe iſt die Bukowina leider ein noch nicht ent- decktes Land, und den wohlhabenderen Bewohnern der angrenzenden Gebiete macht man durch die ſo- genannte Politik, die in dieſem Lande ſeit einiger Zeit getrieben wird, den Aufenthalt zu einer Unan- nehmlichkeit. Weshalb ſollten ſie auch ihr Geld in die Bukowiner Bäder führen, wenn ſie, wie ver- ſchiedene Vorfälle der letzten Jahre dartaten, für ihr gutes Geld oft Schimpf einſtecken müſſen? Das wird ja nicht immer ſo bleiben, und dieſer Zug von Fremdenfeindlichkeit und Averſion der Fremden gegen das Land iſt ja nur ein Stück jener allgemeinen Unkultur, die zu überwinden wir auf dem beſten Wege waren und die nur durch die krankhafte Leidenſchaftlichkeit, mit der hier alles politiſiert, wieder wachgerufen wurde. Der Erwerb, der rauhe, nüchterne Erwerb, der ſich um die politiſchen Zänkereien nicht kümmert und die zahlloſen Berufspolitiker in dieſem Lande an die bürgerliche Arbeit weiſt, muß ja ſchließlich ſiegreich bleiben. Eine ſchlechte Saiſon in Dorna und Solka läßt ſich ja wettmachen, die allgemeine Stagnation aber, welche der politiſche Radau in hohem Maße mitverſchuldet hat, muß auch der politiſch nicht gerade überreifen Bevölkerung dieſes Landes einmal die Augen öffnen und ſie belehren, daß es wichtigere Dinge gibt, als die lebenslängliche Ver- ſorgung der Berufspolitiker mit Mandaten, als kon- feſſioneller Hader und alle Glückſeligkeit, die uns ein Abgeordneter oder alle zuſammen bringen können. Vom Tage. Czernowitz, 24. Auguſt. Die Löſung der Kretafrage. KB. Konſtantinopel, 24. Auguſt. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Der Miniſter des Aeußern erklärte den Botſchaftern der Schutzmächte, daß die Kretafrage nicht ungeregelt bleiben könne und die Form der Autonomie geregelt werden müßte. Der Eindruck der Diplomaten iſt, daß die Pforte wegen Kreta nicht drängen will. Nach der Meinung einiger türkiſcher Kreiſe werde die Pforte, um die aufgeregte öffentliche Meinung zu beruhigen, die Kretafrage einſtweilen ruhen laſſen. Es verlautet, daß der Miniſter des Innern neuerlich den Provinz- behörden den Befehl gab, den Boykott zu ſiſtieren und in dieſem Sinne beim Komitee interveniert hätte. Blättern zufolge ſchritten einige Botſchafter bei der Pforte wegen des Boykottes ein. Nach einer Depeſche aus dem Yemen griffen die Aufſtändiſchen die Stadt Hadſche an. Das Reſultat iſt unbekannt. Feuilleton. Zur Hygiene in den Eßwarenläden. *) Von Stadtoberphyſikus Dr. Auguſt Röhmer, k. k. Sanitätsrat. Meine langjährigen Erfahrungen und zahlreichen Be- obachtungen auf das Bedürfnis größerer Sauberkeit im Klein- vertrieb von Nahrungsmitteln haben ergeben, daß man nur wünſchen kann, daß ſie in dieſer Beziehung die Aufmerkſam- keit aller Kreiſe wachrufen und daß es in alle Volksſchichten hineindringen und ausklingen möge, um Mißſtände zu be- ſeitigen, denen gegenüber das Publikum eine häufig unerklär- liche und ſehr wenig angebrachte Gleichgiltigkeit zur Schau trägt, denn — um es gleich vorweg zu ſagen — ſehr viele der vielen ekelerregenden und ſogar geſundheitsſchädlichen Verunreinigungen und Unſauberkeiten in Vertrieben der Nahrungsmittel konnten doch nur eine ſolche Ausdehnung er- fahren, weil das beteiligte Publikum in dieſer Beziehung ſich einer mehr als befremdlichen Toleranz befleißigt. Ich greife nur einiges Wenige heraus: Daß wir in der zum Morgen- kaffee gelieferten friſchen Backware allerlei Ungehörigkeiten, Kohlenſtückchen, Haare, Sand, verſchiedene Tierchen und noch viel bedenklichere Dinge finden und mit Reſignation uns dreinfinden, anſtatt die Ware dem Bäcker zurückzuſchicken und mit Abbeſtellung derſelben zu drohen, daß wir ferner ruhig mitanſehen können, wie Verkäufer die Fingerſpitzen be- lecken, um das Einwickelpapier abzuheben und mit dieſen be- leckten Fingern die Eßwaren, Kuchen, Zuckerſachen u. dgl. zuteilen und einwickeln, ferner wie die Hausfrau, welche auf dem Markte Butter, Topfen, Honig, Powidel u. ſ. w. ein- kauft, den abgewogenen Butterſtücken u. ſ. w. eine Koſtprobe mittelſt eines oft ſchmutzigen Fingers entnimmt und das ohne jede Einwendung des Verkäufers. Das alles iſt doch nur er- klärlich durch eine unbegreifliche Gewöhnung, faſt möchte ich ſagen Abhärtung gegenüber dieſen geradezu abſcheulichen Zu- ſtänden, die man dulden zu müſſen glaubt. Und doch muß man ſich ſagen, daß die wirkſamſte Abhilfe von dem kaufenden Publikum ſelbſt ausgehen kann, wenn es ſich die hier aufge- deckten Ungehörigkeiten verbietet und die Annahme ſolcher übelbehandelten Waren verweigert. Nichts fürchtet der Händler ſo ſehr, wie den Verluſt der Kundſchaft, nichts iſt ihm er- wünſchter, als die von Mund zu Mund verbreitete Empfehlung durch die befriedigten Kunden. Ich habe mir durch Veröffent- lichung dieſer Zeilen zur Aufgabe gemacht, die Aufmerkſam- keit aller Volksſchichten auf dieſe Verhältniſſe zu lenken und zur Mithilfe im Kampfe gegen die Unſauberkeiten und Ver- unreinigungen der Nahrungsmittel aufzurufen. Den geſamten, hier in Frage kommenden Stoff zu be- handeln, erſcheint im Rahmen dieſer Abhandlung unmöglich. Ich möchte mich, in Anlehnung an dieſen Wunſch, daß unſer Marktamt vor allem und das Publikum ſelbſt Hand anlegen und Abhilfe fordern mögen, auf den Nahrungsmittelvertrieb in den Verkaufsſtätten beſchränken, welcher ſich unter den Augen des Publikums vollzieht, nämlich auf die Hygiene in den Eßwarenläden. Die Räume, in welchen Eßwaren feilgeboten werden müſſen hinreichend groß und gut belichtet ſein. Bei be- ſchränktem Raume erfahren ſolche Waren eine unzweckmäßige Aufſtellung und Aufbewahrung. Wir finden wohl auch in feineren Kolonial- und Delikateſſenwarenläden Früchte und Gemüſe aller Art in offenen Körben auf dem Fußboden ausgebreitet und bei weitgeöffneter Ladentür ſchonungslos dem Straßenſtaube preisgegeben. Freilich ſtrömen, je nach der Jahreszeit, friſche Früchte und andere derartige Nahrungs- mittel den Verkaufsſtätten oft überreichlich zu und erſchweren die geeignete Aufbewahrung derſelben, allein das Bedenkliche einer ſolchen wird damit ſicherlich nicht motiviert. Nicht allein Straßenſtaub, ſondern auch direkte Berührung durch be- ſchmutzte Kleidungsſtücke der Käufer ſchädigt dieſe Ware, welche gewöhnlich durch Waſſerſpulung oder auf andere Weiſe nicht gereinigt werden kann. Schlimmer noch ſteht es um die Sache, wenn die vierfüßigen Begleiter des kaufenden Publikums in Gemächlichkeit von Korb zu Korb ſchnüffeln und die Waren mit lüſterner Zunge belecken. Ich darf wohl annehmen, daß derartige Beobachtungen nicht nur von mir, ſondern auch von Anderen gemacht worden ſind und daß noch viele andere ſolcher Appetitlichkeiten zutage gefördert werden könnten, wenn das Publikum zu Worte käme. Eß- waren müſſen daher in genügender Höhe vom Fußboden aufbewahrt werden, nicht zum mindeſten auch das Fleiſch in den Fleiſchhallen, von welchen ganz dasſelbe gilt. Eßwaren- läden müſſen ferner genügend hell ſein. Schmutzereien aller Art werden durch mangelhaftes Licht begünſtigt. Und ſchlecht belichtete Verkaufsräume ſind in der Regel auch ſchlecht ge- lüftete und in engen, dumpfen, ſchlecht gelüfteten Räumen ſind die Nahrungsmittel am leichteſten dem Verderben ausgeſetzt. Eine weitere Forderung für Eßwarenläden beſteht in der ausreichenden Trennung derſelben von Wohn- und Schlaf- räumen. Fehlt eine ſolche, ſo iſt ein oft unerwünſchter Verkehr zwiſchen Wohn- und Verkaufsräumen, namentlich in kleineren Geſchäften, Greislereien u. ſ. w. unvermeidlich, ein Verkehr, welcher in ſanitätspolizeilicher Hinſicht oft von eminenter Bedeutung iſt, ſeitdem wir wiſſen, daß durch Nahrungsmittel, insbeſondere auch durch die Milch, anſteckende Krankheiten: Typhus, Scharlach, Ruhr ꝛc., verbreitet werden, was von vielen Hygienikern an dez Hand der Tatſachen bewieſen wurde. Die Hausfrau, welche neben der Beſorgung ihres Haushaltes auch den kleinen Laden verſieht und verkauft, muß ſchon einen höchentwickelten Reinlichkeitsſinn haben, um ſich bei dieſer Tätigkeit ausreichend zu ſäubern; ſie hat ihr maſern-, ja mitunter ſcharlachkrankes, von keinem Arzte behandeltes und ſomit beim Magiſtrate nicht angezeigtes Kind zu pflegen, hat eben den Rachen-, Naſenſchleim u. ſ. w. desſelben mit dem Finger entfernt und dieſen an der Schürze oberflächlich abgewiſcht. Mit dieſen Fingern reicht ſie gleich darau *) Anläßlich einer heute getroffenen Verfügung des Stadt- magiſtrates wegen der Reinlichkeit in den Eßwarenläden bringen wir dieſen aktuellen Artikel des Sanitätsrates Dr. Röhmer, welcher vor wenigen Jahren geſchrieben wurde, zum Abdrucke. Die Red.

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Zitationshilfe: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 1684, Czernowitz, 25.08.1909, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_czernowitzer1684_1909/1>, abgerufen am 15.12.2019.