Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[N. N.]: Alexander von Humboldts Vorlesungen über phÿsikalische Geographie nebst Prolegomenen über die Stellung der Gestirne. Berlin im Winter von 1827 bis 1828. [Berlin], [1827/28]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Berliner Universität, 3.11.1827–26.4.1828.]

Bild:
<< vorherige Seite

vor 8 Monate,n,, welches früher immer verschont blieb. Sie wirken
indeß nicht bloß dynamisch und mechanisch sondern auch chemisch.
Oft hat man Flammen aufsteigen sehen; so z. E. in Lissabon
wo noch 3 Wochen nachher Rauch von den benachbarten Höhen
aufstieg. Auch Hügel erheben sich, in Südamerika modiamoja
genannt, in denen nach Klapproths und G. Rose's Unter-
suchungen gekohltes Wasserstoffgas sich findet. Daß die
Electricität mit diesen Erscheinungen in Verbindung stehe ist
oft geläugnet und auch Humboldt hatich habe in Südamerika keine
Veränderung derselben bemerkt. Doch hat man im Thal von
Pignerol in Piemont wo die Erdbeben 1808 fast 8 Monate
G
fortdauerten bei den einzelnen Erdstößen beträchtliche Ver-
änderungen in den Spannungen eines Electrometers ge-
funden.Elekrometers

[33. Vorlesung, 27.02.1828]

Doch die Erdbeben erschüttern nicht allein sondern die er-
schütterten Theile werden auch oft erhoben und bleiben in diesem
Zustande. So sind häufig Untiefen in den amerikanischen Häfen
entstanden, so haben sich neuerdings 30-40 Meilen längs
der Küste Kalksteinschichten bis 5 Fuß Höhe sich erhoben. In den
moluckischen
moluckischen Inseln finden, wie RheinwaldtReinhart(?) erzählt ähnliche
Dinge statt; langsame Hebungen hat man beobachtet und an
Corallenriffen meint er ähnliches gesehen zu haben. In Schweden
hat man lange schon bemerkt (ZeudiusCelsius? z. E.) daß an einem großen Theil
der inneren Küste der Meeresspiegel sinkt, d. Da dies nun an
andern Stellen nicht geschieht, so schließt v. Buch sehr richtig,
daß es dieer Continent sei der emporsteigt, nicht das Meer welches
sinkt. Dies Emporsteigen beträgt in 100 Jahren kaum 3 bis 4

vor 8 Monate,n,, welches früher immer verschont blieb. Sie wirken
indeß nicht bloß dÿnamisch und mechanisch sondern auch chemisch.
Oft hat man Flammen aufsteigen sehen; so z. E. in Lissabon
wo noch 3 Wochen nachher Rauch von den benachbarten Höhen
aufstieg. Auch Hügel erheben sich, in Südamerika modiamoja
genannt, in denen nach Klapproths und G. Rose's Unter-
suchungen gekohltes Wasserstoffgas sich findet. Daß die
Electricität mit diesen Erscheinungen in Verbindung stehe ist
oft geläugnet und auch Humboldt hatich habe in Südamerika keine
Veränderung derselben bemerkt. Doch hat man im Thal von
Pignerol in Piemont wo die Erdbeben 1808 fast 8 Monate
G
fortdauerten bei den einzelnen Erdstößen beträchtliche Ver-
änderungen in den Spannungen eines Electrometers ge-
funden.Elekrometers

[33. Vorlesung, 27.02.1828]

Doch die Erdbeben erschüttern nicht allein sondern die er-
schütterten Theile werden auch oft erhoben und bleiben in diesem
Zustande. So sind häufig Untiefen in den amerikanischen Häfen
entstanden, so haben sich neuerdings 30–40 Meilen längs
der Küste Kalksteinschichten bis 5 Fuß Höhe sich erhoben. In den
moluckischen
moluckischen Inseln finden, wie RheinwaldtReinhart(?) erzählt ähnliche
Dinge statt; langsame Hebungen hat man beobachtet und an
Corallenriffen meint er ähnliches gesehen zu haben. In Schweden
hat man lange schon bemerkt (ZeudiusCelsius? z. E.) daß an einem großen Theil
der inneren Küste der Meeresspiegel sinkt, d. Da dies nun an
andern Stellen nicht geschieht, so schließt v. Buch sehr richtig,
daß es dieer Continent sei der emporsteigt, nicht das Meer welches
sinkt. Dies Emporsteigen beträgt in 100 Jahren kaum 3 bis 4

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="session" n="32">
        <div n="1">
          <div n="2">
            <div n="3">
              <p><pb facs="#f0163" n="[157]"/>
vor 8 Monate<subst><del rendition="#ow">,</del><add place="across">n,</add></subst>, welches früher immer verschont blieb. Sie wirken<lb/>
indeß nicht bloß dÿnamisch und mechanisch sondern auch chemisch.<lb/>
Oft hat man Flammen aufsteigen sehen; so z. E. in <hi rendition="#aq">Lissabon</hi><lb/>
wo noch 3 Wochen nachher Rauch von den benachbarten Höhen<lb/>
aufstieg. Auch Hügel erheben sich, in Südamerika <subst><del rendition="#s" hand="#pencil"><hi rendition="#aq">modia</hi></del><add place="right" hand="#pencil"><hi rendition="#u" hand="#pencil">moja</hi></add></subst><lb/>
genannt, in denen nach <hi rendition="#aq"><persName resp="#SB" ref="http://d-nb.info/gnd/118723367">Klapproth</persName>s</hi> und <hi rendition="#aq"><persName resp="#SB" ref="http://d-nb.info/gnd/116609036">G. Rose</persName>'s</hi> Unter-<lb/>
suchungen gekohltes Wasserstoffgas sich findet. Daß die<lb/>
Electricität mit diesen Erscheinungen in Verbindung stehe ist<lb/>
oft geläugnet und auch <subst><del rendition="#s" hand="#pencil"><hi rendition="#aq"><persName resp="#SB" ref="http://d-nb.info/gnd/118554700">Humboldt</persName></hi> hat</del><add place="superlinear" hand="#pencil">ich habe</add></subst> in Südamerika keine<lb/>
Veränderung derselben bemerkt. Doch hat man im Thal von<lb/><hi rendition="#aq">Pignerol</hi> in <hi rendition="#aq">Piemont</hi> wo die Erdbeben 1808 fast 8 Monate<lb/><note place="left" hand="#pencil">G<lb/></note>fortdauerten bei den einzelnen Erdstößen beträchtliche Ver-<lb/>
änderungen in den Spannungen eines Electrometers ge-<lb/>
funden.<note place="right" hand="#pencil">Elekrometers<lb/></note></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div><lb/>
      <div type="session" n="33">
        <head>
          <supplied resp="#BF">33. Vorlesung, 27.02.1828</supplied>
        </head><lb/>
        <div n="1">
          <div n="2">
            <div n="3">
              <p>Doch die Erdbeben erschüttern nicht allein sondern die er-<lb/>
schütterten Theile werden auch oft erhoben und bleiben in diesem<lb/>
Zustande. So sind häufig Untiefen in den amerikanischen Häfen<lb/>
entstanden, so haben <del rendition="#s">sich</del> neuerdings 30&#x2013;40 Meilen längs<lb/>
der Küste Kalksteinschichten bis 5 Fuß Höhe sich erhoben. In den<lb/><note place="left" hand="#pencil"><metamark/>moluckischen<lb/></note>moluckischen Inseln finden, wie <subst><del rendition="#s" hand="#pencil"><hi rendition="#aq"><persName resp="#BF" ref="http://d-nb.info/gnd/116428635">Rheinwaldt</persName></hi></del><add place="right" hand="#pencil"><persName resp="#BF" ref="http://d-nb.info/gnd/116428635">Reinhart</persName></add></subst><note place="right" hand="#pencil"><metamark>(?)</metamark></note> erzählt ähnliche<lb/>
Dinge statt; langsame Hebungen hat man beobachtet und an<lb/>
Corallenriffen meint er ähnliches gesehen zu haben. In Schweden<lb/>
hat man lange schon<add place="superlinear"><metamark/> bemerkt</add> (<subst><del rendition="#s" hand="#pencil"><hi rendition="#aq"><persName resp="#SB" ref="http://d-nb.info/gnd/118653326">Zeudius</persName></hi></del><add place="superlinear" hand="#pencil"><persName resp="#SB" ref="http://d-nb.info/gnd/118653326">Celsius</persName></add></subst><add place="sublinear" hand="#pencil"><metamark>?</metamark></add> z. E.) daß an einem großen Theil<lb/>
der inneren Küste der Meeresspiegel sinkt<subst><del rendition="#ow">, d</del><add place="across">. D</add></subst>a dies nun an<lb/>
andern Stellen nicht geschieht, so schließt <hi rendition="#aq"><persName resp="#SB" ref="http://d-nb.info/gnd/116817569">v. Buch</persName></hi> sehr richtig,<lb/>
daß es d<subst><del rendition="#ow">ie</del><add place="across">er</add></subst> Continent sei der emporsteigt, nicht das Meer welches<lb/>
sinkt. Dies Emporsteigen beträgt in 100 Jahren kaum 3 bis 4<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[157]/0163] vor 8 Monaten,, welches früher immer verschont blieb. Sie wirken indeß nicht bloß dÿnamisch und mechanisch sondern auch chemisch. Oft hat man Flammen aufsteigen sehen; so z. E. in Lissabon wo noch 3 Wochen nachher Rauch von den benachbarten Höhen aufstieg. Auch Hügel erheben sich, in Südamerika moja genannt, in denen nach Klapproths und G. Rose's Unter- suchungen gekohltes Wasserstoffgas sich findet. Daß die Electricität mit diesen Erscheinungen in Verbindung stehe ist oft geläugnet und auch ich habe in Südamerika keine Veränderung derselben bemerkt. Doch hat man im Thal von Pignerol in Piemont wo die Erdbeben 1808 fast 8 Monate fortdauerten bei den einzelnen Erdstößen beträchtliche Ver- änderungen in den Spannungen eines Electrometers ge- funden. G Elekrometers 33. Vorlesung, 27.02.1828 Doch die Erdbeben erschüttern nicht allein sondern die er- schütterten Theile werden auch oft erhoben und bleiben in diesem Zustande. So sind häufig Untiefen in den amerikanischen Häfen entstanden, so haben neuerdings 30–40 Meilen längs der Küste Kalksteinschichten bis 5 Fuß Höhe sich erhoben. In den moluckischen Inseln finden, wie Reinhart erzählt ähnliche Dinge statt; langsame Hebungen hat man beobachtet und an Corallenriffen meint er ähnliches gesehen zu haben. In Schweden hat man lange schon bemerkt (Celsius? z. E.) daß an einem großen Theil der inneren Küste der Meeresspiegel sinkt. Da dies nun an andern Stellen nicht geschieht, so schließt v. Buch sehr richtig, daß es der Continent sei der emporsteigt, nicht das Meer welches sinkt. Dies Emporsteigen beträgt in 100 Jahren kaum 3 bis 4 moluckischen (?)

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Christian Thomas: Herausgeber
Sandra Balck, Benjamin Fiechter, Christian Thomas: Bearbeiter
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz: Bereitstellen der Digitalisierungsvorlage; Bilddigitalisierung

Weitere Informationen:

Dieses Werk wurde auf der Grundlage der Transkription in Anonym (Hg.): Alexander von Humboldts Vorlesungen über physikalische Geographie nebst Prolegomenen über die Stellung der Gestirne. Berlin im Winter von 1827 bis 1828. Berlin, 1934. anhand der Vorlage geprüft und korrigiert, nach XML/TEI P5 konvertiert und gemäß dem DTA-Basisformat kodiert.

Abweichungen von den DTA-Richtlinien:

  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Kustoden: nicht erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/nn_msgermqu2345_1827
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/nn_msgermqu2345_1827/163
Zitationshilfe: [N. N.]: Alexander von Humboldts Vorlesungen über phÿsikalische Geographie nebst Prolegomenen über die Stellung der Gestirne. Berlin im Winter von 1827 bis 1828. [Berlin], [1827/28]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Berliner Universität, 3.11.1827–26.4.1828.], S. [157]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_msgermqu2345_1827/163>, abgerufen am 20.03.2019.