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[N. N.]: Physikalische Geographie von Heinr. Alex. Freiherr v. Humboldt. [V]orgetragen im Wintersemester 1827/8. [Berlin], [1827/28]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Berliner Universität, 3.11.1827–26.4.1828.]

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da ihnen gewiß niemand davon etwas gesagt hat.

Wenn man manche andere Thatsachen bei den Wilden selbst
sieht und hört, so wird man versucht zu glauben, daß
alle Wilde, die bis jetzt noch von Reisenden gesehen
wurden Ueberbleibsel von einem frühern kultivirten
Volke sind. - Sie haben keine instinktmäßige [unleserliches Material]-
graphie
Astro-
nomie
, und dgl. Kenntnisse, die zwuar der Idee ei-
ner inspiraten Naturweisheit geführt haben. -

Die Regelmäßigkeit des Laufs der Gestirne mach-
te die Wilden aufurchtmerksam, und von da schreibt sich
ihre Kenntniß her.

Die Facta der griechischen Geschichte deuten auf
eine Verbindung der nördlichen und südlichen
Halbkugel der Erde. - Die Kenntniß der Ein-
heit der Natur ist uns von den Alten übertragen;
die Kenntniß des Einzelnen durchgängig war ihnen dagegen
fremd.

[6. Vorlesung, 21.11.1827]

Die Geschichte der Weltbeschreibung kann man
in große Epochen theilen, welche theils große Welt-
begebenheiten theils freie Bestrebungen einzel-
ner Männer, theils Erfindungen neuer Organe
bezeichnen. Wir können deren 6 annehmen.

1, die Zeit der jonischen Naturphilosophen und
der dorisch-pythagorischen Schule.
2, Alexanders große Expedition nach Indien.
3,

da ihnen gewiß niemand davon etwas geſagt hat.

Wenn man manche andere Thatſachen bei den Wilden ſelbſt
ſieht und hört, ſo wird man verſucht zu glauben, daß
alle Wilde, die bis jetzt noch von Reiſenden geſehen
wurden Ueberbleibſel von einem frühern kultivirten
Volke ſind. – Sie haben keine inſtinktmäßige [unleserliches Material]-
graphie
Aſtro-
nomie
, und dgl. Kenntniſse, die zwuar der Idee ei-
ner inſpiraten Naturweisheit geführt haben. –

Die Regelmäßigkeit des Laufs der Geſtirne mach-
te die Wilden aufurchtmerkſam, und von da ſchreibt ſich
ihre Kenntniß her.

Die Facta der griechiſchen Geſchichte deuten auf
eine Verbindung der nördlichen und ſüdlichen
Halbkugel der Erde. – Die Kenntniß der Ein-
heit der Natur iſt uns von den Alten übertragen;
die Kenntniß des Einzelnen durchgängig war ihnen dagegen
fremd.

[6. Vorlesung, 21.11.1827]

Die Geſchichte der Weltbeſchreibung kann man
in große Epochen theilen, welche theils große Welt-
begebenheiten theils freie Beſtrebungen einzel-
ner Männer, theils Erfindungen neuer Organe
bezeichnen. Wir können deren 6 annehmen.

1, die Zeit der joniſchen Naturphiloſophen und
der doriſch-pythagoriſchen Schule.
2, Alexanders große Expedition nach Indien.
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[0024] da ihnen gewiß niemand davon etwas geſagt hat. Wenn man manche andere Thatſachen bei den Wilden ſelbſt ſieht und hört, ſo wird man verſucht zu glauben, daß alle Wilde, die bis jetzt noch von Reiſenden geſehen wurden Ueberbleibſel von einem frühern kultivirten Volke ſind. – Sie haben eine inſtinktmäßige Aſtro- nomie, und dgl. Kenntniſse, die zu der Idee ei- ner inſpiraten Naturweisheit geführt haben. – Die Regelmäßigkeit des Laufs der Geſtirne mach- te die Wilden aufmerkſam, und von da ſchreibt ſich ihre Kenntniß her. Die Facta der griechiſchen Geſchichte deuten auf eine Verbindung der nördlichen und ſüdlichen Halbkugel der Erde. – Die Kenntniß der Ein- heit der Natur iſt uns von den Alten übertragen; die Kenntniß des Einzelnen war ihnen dagegen fremd. 6. Vorlesung, 21.11.1827 Die Geſchichte der Weltbeſchreibung kann man in große Epochen theilen, welche theils große Welt- begebenheiten theils freie Beſtrebungen einzel- ner Männer, theils Erfindungen neuer Organe bezeichnen. Wir können deren 6 annehmen. 1, die Zeit der joniſchen Naturphiloſophen und der doriſch-pythagoriſchen Schule. 2, Alexanders große Expedition nach Indien. 3,

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Zitationshilfe: [N. N.]: Physikalische Geographie von Heinr. Alex. Freiherr v. Humboldt. [V]orgetragen im Wintersemester 1827/8. [Berlin], [1827/28]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Berliner Universität, 3.11.1827–26.4.1828.], S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_n0171w1_1828/24>, abgerufen am 24.03.2019.