Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Neue Rheinische Zeitung. Nr. 114. Köln, 12. Oktober 1848.

Bild:
<< vorherige Seite
[Deutschland]

[Fortsetzung] Ladour, der heute ein Beispiel statuiren will, unter einer Decke. Wenn daß Volk sich nicht selber eklatante Genugthuung nimmt, so werden wir selbst nach einem Siege nicht viel weiter kommen, denn die sogenannte Linke, von der ich so eben einige sprach, sind selber matte Charaktere. Der Kaiser hat vor einer Stunde erst die Stadt verlassen, um gen Schönbrunn zurückzufahren.

1 1/2 Uhr. Die Nationalgarde hat zwei Kanonen erobert; die Geschütze der Garde und Legion werden auf den Basteien aufgepflanzt; es ist schon eine fürchterliche Schlacht geliefert worden; General Breda, Oberst Hrabowski und viele andere Stabsoffiziere bedecken das Feld.

3 Uhr. Ich komme von einer dritten Umschau. Die Nationalgarden des Wimmer Viertels und der Kärtnerstraße suchten die Sturmleuten vom Stephansplatz zu entfernen und schossen in die Nationalgarde der Wieden. Es entstand ein Kampf, in welchem viele fielen, bis die Garden der Wieden das Wimmer Viertel und die Kärtnerstraße in die Flucht trieben. Der Sturm ward nun ununterbrochen wieder geläutet, dauert noch immer fort. Das Landvolk strömt schon herbei. In der Leopoldstadt ist das deutsche Militär Herr des Platzes geblieben; die akademische Legion hat mit ihm vereint viele Kanonen erbeutet, dieselben aber, weil sie nicht fortzubringen waren, in die Donau geworfen. Der ganze Prater wird durch volksbefreundetes Militär bewacht. Im Stephansdome liegt es voll von Verwundeten und Todten. Ich ging abermals zum Reichstage, man sagte mir, der Präsident Strobach halte den Fall für nicht wichtig genug, um eine Sitzung zu veranlassen. Als ich von dort in die Dorotheenstraße hinabstieg, drangen aus einer Seitenstraße plötzlich Schönbrunner Jäger hervor und schoßen auf uns ein. Ich flüchtete, da ich unbewaffnet war, in ein Haus unweit des Grabens. Von dort ertönte aber der Kanonendonner und Pelotonfeuer unaufhörlich. Auf einmal flüchtet alles Militär. Die Kanonen folgen, im Entfliehen Häuser zertrümmernd, die akademische Legion und Nationalgarde hinterher. So ward ich gerettet. Das Militär wurde bis auf den Kohlmarkt verfolgt und dort zum Theil entwaffnet.

Die Universität ist mit Barrikaden umzingelt, dort ist das Hauptquartier. Die niederträchtigen Hunde von Czechen und Ruthenen glauben Wien zur panslavistischen Hauptstadt machen und dem Absolutismus wieder übergeben zu können. Die Thüren der Häuser müssen alle offen bleiben, wogegen Niemand am Fenster erscheinen darf, alle Fenster geschlossen bleiben müssen, weil man aus den Fenstern herab geschossen hat.

In diesem Augenblicke hat das Volk vollends die Oberhand in der Stadt. Leider geht keine Post ab und Sie werden diesen Brief daher erst später erhalten, weil es vollends an Gelegenheit fehlt, Briefe zu expediren. Ich muß wieder hinaus.

4 Uhr. Ueberall sind Barrikaden. Auf dem Hofe vor dem Kriegsgebäude, auf dem Graben und Kohlmarkt kann man vor Glasscherben kaum gehen; alle Fenster sind zerschossen. Ueberall in den Häusern Verwundete und Todte. Ein nichtunterzeichnetes Plakat fordert die Abgeordneten auf, zusammen zu treten. Als ich eben in die Versammlung treten will, erscheint eine Deputation der Abgeordneten mit weißen Fahnen. Was wollen diese politischen Kretines, worunter ich Goldmark und den infamen Fischof als Hauptfiguranten bemerke? Sie wollen Frieden stiften, vereinbaren, wo die schönste Gelegenheit sich darbietet, die ganze Brut der Kamarilla mit einem Schlage zu vertilgen. Ich folgte den Herren, wir stiegen über Barrikaden vor das Kriegsministerium, wo sie verschwanden. Ich erkundigte mich, was man wolle; man antwortete: Latour und Bach absetzen oder hängen. Bis zur Universität konnte ich noch nicht gelangen. Die Arbeiter sind mit Piken bewaffnet, die trefflich geschmiedet sind.

5 1/2 Uhr. Graf Baillet de la Tour, unser Kriegsminister, hängt auf dem Hof am Laternenpfahl. Man fand diesen Herrn auf dem Boden des Kriegsministeriums versteckt, führte ihn sachte die Stiege hinab in den Hof. Hier versetzte ihm ein wüthender Arbeiter ohne weiteres mit einem Hammer einen Schlag in's Gesicht, worauf er mit Kolbenstößen zu Boden gestreckt wurde. Nun ergriff man die Leiche und knüpfte sie im Hofe des Gebäudes auf und erst als sie dort herabfiel wurde sie von dem wüthenden Volke hinaus auf den öffentlichen Platz gebracht und am Reverber von neuem aufgeknüpft. Der Platz war gedrückt voll Menschen, die Nationalgarde ließ Freudensalven in die Luft ertönen. - Hierauf ward das Zeughaus gestürmt, alle Waffen herausgenommen und unter das Volk vertheilt. Alle Arbeiter sind bewaffnet. Die Grenadiere durchziehen freudejauchzend die Straßen. Alle Welt drückt ihnen die Hände. Spießbürger und Bourgeois haben sich wie die Frösche in ihre Löcher verkrochen.

Der Reichstag ist versammelt, aber nur zur Hälfte. Präsident Strobach und die meisten Czechen haben sich aus dem Staube gemacht. Minister Hornbostel ist allein anwesend. Es wird eine Deputation zum Kaiser geschickt, welche ihn ersucht, ein volksthümliches Ministerium zu ernennen. In dieser Deputation befinden sich Hornbostel und Doblhof. Man designirt dieselben also abermals zu Ministern. O sancta simplicitas! Auch ein Wohlfahrtsausschuß ist geschaffen worden, in welchen man die unfähigsten Köpfe, ihre offenbare Verräther, wie Fischof, gewahrt hat.

Wenn es nicht besser wird, so haben wir noch nicht viel gewonnen. Während des Mittags hat das Ministerium noch ein heuchlerisches Plakat anschlagen lassen.

61 Wien, 6. Oktober

7 3/4 Uhr. Die Nachricht verbreitet sich, daß die Ungarn in Raab eingerückt sind.

Scherzer, ein, wie gesagt wird, energischer Mann, ist zum Oberkommandanten der Nationalgarde ernannt worden. Im bürgerlichen Zeughaus sind keine Waffen mehr, man greift das kaiserliche Zeughaus, welches noch von Militär vertheidigt wird, an. - Nationalgarden und Studenten dringen mit der Drohung in den Reichstag: Wenn ihr uns nicht Recht verschafft, so müssen wir fortfahren, es selbst zu thun! - Eine Deputation wird zu Auersperg, dem Kommandanten von Wien, mit der Aufforderung geschickt, das kaiserl. Zeughaus an die akademische Legion zu übergeben. - Die beiden niederträchtigen Verräther Meyer und Fischof, denen man, wenn man sie nicht schon anders kennte, die gemeine Duplizität vom Gesichte ablesen kann, suchen sich mit volksthümlichen Anträgen wieder geltend zu machen. - Es wird beschlossen, daß weder die Süd- noch die Nordbahn Militär befördern soll. In der Leopoldstadt hat das Feuern aufgehört, ebenso in der Stadt. Es scheint weiter nichts, als der Sturz eines elenden Ministeriums bewirkt zu werden, in welches man aber Subjekte wie Doblhof und Hornbostel wieder aufnimmt. Die demokratischen Journalisten klatschen natürlich Beifall. Schade um das tüchtige Volk, dessen Blut so vergeblich vergeudet wird. Es fehlen uns 100 Kopfdemokraten von Entschiedenheit; Faust- und Heuldemokraten haben wir die Menge. - Das Bourgeoisthum hat alle Fenster beleuchtet, es zittert vor seinem Eigenthum und hat darum seine Krämerladen wieder mit: "Heilig ist das Eigenthum," überschrieben. - Das Sturmläuten hat aufgehört, aber das Schießen am Zeughaus dauert noch fort: 10 Uhr. Das Sturmläuten beginnt abermals. Ich komme vom Zeughaus, wo der Kampf hartnäckig fortgeführt wird. Die akademische Legion welche sich am Morgen im Tabor so herrlich hervorgethan, leistet auch hier Wunder der Tapferkeit. Von hinten ist man im Zeughaus bereits eingebrochen und hat einige Waffen erwischt; allein die darin verschanzte Nationalgarde urd das Militär trieben das unbewaffnete Volk bald wieder heraus, desto stärker geschieht der Angriff von vorn. Bach soll im Zeughaus versteckt sein und ihn will man um jeden Preis haben, um ihn neben Latour aufzuknüpfen. Die Deputation des Reichstags soll von dem Kommandanten des Zeughauses niedergeschossen worden sein. Das Zeughaus ist in einer sehr engen Straße gelegen und kann sich lange halten. Als ich fortging, schoß die akademische Legion mit Kanonen von den Basteien auf dasselbe und unterhielt durchs Thor und durch die Fenster ein fürchterliches Peletonfeuer.

Ein Hauptmann des Wiener Viertels ist auf einem der Seitenaltäre des Doms niedergestochen worden. Latour hängt noch immer unter der Laterne, man hat ihm ein Leinentuch umgethan, aber alles ist blutig und der ganze Anblick in der tiefen Nacht und bei der hellen Beleuchtung schauerlich. Man hatte ihn auf einem Abtritt des 5. Stocks versteckt gefunden. Im Hofe des Kriegsgebäudes stand Militär, das sich aber nicht rührte, sondern die That ruhig geschehen ließ.

Latour ist der Henker von Italien, Ungarn, Böhmen, Gallizien u. s. w. So rächt sich das Volk.

Der Wohlfahrtsausschuß hat im Reichstag schon mehre Berichte erstattet und Beschlüsse gefaßt, darunter ist aber noch keiner der Rede werth. Er läßt sie durch Schuselka vortragen.

Die nach Schönbrunn gesendete Deputation Lubomirski, Pillersdorf, (sie werden über den Kretinismus staunen, der solche Leute auswählt) Borrosch ist noch nicht zurückgekehrt. Man hegt einige Besorgnisse über sie, obgleich sie mit Bedeckung abgefahren ist. Die Nationalgarde aller umliegenden Dörfer soll den Befehl haben, das herzuströmende Landvolk zurückzuhalten. Das Schlimmste steht noch zu befürchten, denn die ganze Umgegend liegt voll Militär. Unsere Basteien und Stadtgräben sind gut mit Geschütz montirt und bewacht. Ein Ueberfall in der Nacht ist am wahrscheinlichsten.

12 1/2 Uhr Nachts. Vor einer halben Stunde kam die Deputation Borrosch, Lubomirski, Pillersdorf aus Schönbrunn zurück. Letzter bestieg die Tribüne und sagte, der Kaiser habe sie mit gewohnter Gnade und Güte (cheu!) empfangen und ihnen erklärt, er würde dem Reichstage über die gestellten Bitten 1) volksthümliches Ministerium, 2) Rücknahme des Manifestes Jelachich 3) volle Amnistie demnächst eine Bescheidung zukommen lassen. Die Deputation habe nunmehr eine schriftliche Erklärung verlangt und folgende erhalten

"An den konstituirenden Reichstag.

In Genehmigung der Bitten (?) des Reichstags werden Wir ein neues volksthümliches Ministerium bilden, zu welchem meine Minister Doblhof und Hornbostel beigezogen werden. (Ungeheures Geheul der versammelten Botakuden. Auch die radikale Journalistenbank klatscht Bravo. Die Gallerieen schweigen.) Mit dem neuen Ministerium werden wir die Interessen der Gesammtmonarchie (?) berathen und sprechen die Hoffnung aus, daß die Bevölkerung Wiens zur Herstellung der Ordnung mitwirken wird." (Zischen.)

Zöpfel: Es lebe der Kaiser! Lassen wir diese gnädige Erklärung augenblicklich drucken und unter das Volk vertheilen. (Die sehr zusammen geschmolzene Versammlung erhebt sich.)

Was denken Sie von einer Versammlung, die einem Pillersdorf und Lubomirski solche Aufträge ertheilt und sich von einem Schuselka wohlfahrtsausschussen läßt? Strobach war, wie ich höre, in der Sitzung und wollte präsidiren, als er Bewaffnete auf der Gallerie bemerkte und sich darauf sofort mit den berüchtigsten Czechen und absolutistischen Deutschen aus dem Staube machte.

Schuselka berichtet aus dem Ausschuß zur Wahrung der Sicherheit und Ordnung, (die Freiheit lassen die Kerls aus) die Gallerie habe verlangt, die Erzherzoge Ludwig und Franz, sowie die Erzherzogin Sophia sollen auf 2 Jahre aus Oestreich verbannt werden. (Geheul der erschreckten Kammer). Auf dem St. Stephan- und auf andern Thürmen wurden Feuer angezündet und Raketen stiegen auf. Ein Grenadier versicherte mir, das Militär habe stets nur wider die Häuser, selten aber in die Häuser geschossen. Wenn ich vor dem Muthe, vor der Todesverachtung, vor dieser Einigkeit des Wiener Volkes die allergrößte Hochachtung habe, so muß ich mich über die demokratischen Schwachköpfe, welche seine Leiter sind, um so entrüsteter aussprechen. Die Journalistenlogen applaudirten zu allen Erbärmlichkeiten.

7. Okt., Morgens 8 Uhr. Vor Erschöpfung war ich eingeschlafen. Das Schießen und Sturmläuten dauerte die ganze Nacht fort und hat eben erst aufgehört. Man hat den Minister Bach auf der Wieden erwischt. Gestern Abend vergaß ich etwas zu bemerken. Man behauptete, der Kaiser sei längst entflohen; man behauptete, die Deputation habe durch ihren Pillersdorf die Erklärung Ferdinands machen lassen, um die Republik zu vermeiden. Pillersdorf geberdete sich beim Verlesen des Manifests auch, als sei er in der Sonne der kaiserl. Majestät geschmolzen. Der Betrug wäre zu infam.

Die erschreckte Camarilla hat während der Nacht noch keinen Angriff gewagt, sie kann dem Militär nicht trauen.

61 Wien, 7. Oktbr.

10 Uhr. Viktoria, das k. k. Zeughaus ist erstürmt, das Volk bewaffnet sich mit herrlichen Perkussionsgewehren. Um auch ein solches zu erhalten, begab ich mich hin. In einer engen steilen Straße angekommen, fällt auf einmal ein Schuß; Alles eilt dichtgedrängt zurück, viele stürzen aufs Pflaster, ich ebenfalls, das Volk darüber her. Ich würde zertreten worden sein, hätte ich mich nicht mit der äußersten Energie emporgehoben und dabei andere niedergeworfen. Ich entkam mit einer verwundeten Hand und einigen Schienbeinverletzungen.

Um 1 Uhr in der Nacht zog sich das Militär von seiner drohenden Stellung um die Glacis zurück, nahm aber eine ebensolche am Belvedere und außerhalb der Linien ein. Vom Belvedere aus kann die Stadt bombardirt werden. Graf Auersperg hat erklärt, nicht anzugreifen, wenn er nicht angegriffen würde.

Der Reichstag hat dem neugewählten, durchaus schwarzgelben Gemeindeausschuß befohlen, zusammenzutreten. - Die czechische Rechte fehle noch immer, die Galerien sind heute leer.

Schuselka, Präsident des Wohlfahrtsausschusses, tritt auf mit dem Antrag, der Reichstag möge folgende Proklamation annehmen und im Volk verbreiten lassen: "Nationalgarden! Der Reichstag hat das Wohl und die Freiheit des Vaterlandes, die Unverletzlichkeit des konstitutionellen Thrones und Reichstags unter die Nationalgarde gestellt. Den höchsten Gütern droht Gefahr durch Anarchie und militärische Reaktion u. s. w. Er macht dabei besonders auf die Gefahren der allgemeinen Volksbewaffnung aufmerksam, ruft also nothwendigerweise die Nationalgarden zum Kampf gegen das Volk auf. Bach ist noch nicht gehängt worden. Das Wiener Volk ist groß im Kampfe, großmüthig im Verzeihen. Der demokratische Centralverein hält permanente Sitzungen.

12. Uhr. Der Tanz um Leben oder Tod der Hälfte der Bevölkerung Wiens wird jetzt erst beginnen. Die Kamarilla treibt uns aufs Aeußerste. So eben erschien der Finanzminister Krauß im Reichstage und las ein an ihn zur Kontrasignatur gesendetes Manifest des Kaisers vor, worin erklärt wird, der Kaiser entferne sich, um Mittel zu treffen, die Bevölkerung Wiens vor dem Druck einer Rotte zu befreien, die die scheußlichsten Thaten begehe. In jesuitischer Weise wendet er sich dann an die guten Bürger, um sie zum Verrath an der demokratischen Bevölkerung Wiens zu verleiten. Der Tod Latours, sagt er, soll gerächt werden. Krauß erklärte, daß er dies Manifest nicht kontrasigniren könne. Dieser Fall ist aber darin vorausgesehen und bestimmt, dasselbe alsdann dem Kommandanten Grafen Auersperg, der mit der Militärmacht am Belvedere steht, zur Kontrasignatur zu übergeben.

Schon beginnt der Kampf, das Militär entwaffnet vorübergehende Nationalgarden und beginnt Bomben zu werfen. Der Zustand ist erdrückend schwül. Die Bourgeois-Nationalgarde der Stadt wartet nur auf den Augenblick, um mit dem Militär Hand in Hand zu gehen. Das Volk soll indessen an 50,000 Gewehre aus dem Zeughause genommen haben, die, in Kisten verpackt, für Prag bestimmt gewesen sind.

Ich habe Ihnen immer geschrieben, erwarten Sie Großes von Volke Oestreichs, es hat meine Voraussicht gestern bewahrheitet, es wird sie hoffentlich auch ferner bewahrheiten.

Der Abbeordnete Kudlich soll in der Nacht vor dem Zeughause erschossen worden sein. Die Befehle des Reichstags werden von Auersperg nicht respektirt, der Reichstag wird im Fall einer Niederlage also gleiches Loos mit dem Volke theilen. Die Czechen sollen sich im feindlichen Lager befinden.

Das an den Donaubrücken stehende mährische Militär hat soeben noch erklärt, nicht auf den Bürger zu schießen. Die Taberstraße in der Leopoldstadt sieht entsetzlich aus. Hier wurde [Fortsetzung]

[Fortsetzung]

Geschlöffelt wird, wer sich rührt oder regt,
Gehangen, gebraten, gesotten -
Wohl werd' ich mich hüten, Herrn Engels mit
Meinem Lästermund zu verspotten.
Er würde mich packen mit schrecklicher Faust
Und würde zu Tode mich schießen
Mit seinem groben Geschütze und ach,
Das würde mich sehr verdrießen.
Wie einen Krammsvogel würde er mich
An den grauen Domkrahnen hangen -
Doch die Krammsvögel lassen am besten sich
In den Nebeln des Herbstes fangen.
Und Krammsvögel schmecken vortrefflich gut
Mit buttergeröstetem Brode -
O, himmlischer Vater, laß manche mich
Noch essen vor meinem Tode!"
IV.
Da standen wir auf den Hügeln und
Romantisch ward mir zu Muthe -
Politische Freunde müssen dies
Gefälligst mir halten zu Gute.
Und ich sang: "Was mag es bedeuten doch
Daß ich, o so traurig binne?
Ein Mädchen aus alten Zeiten, ach,
Das kommt mir nicht aus dem Sinne!
Da fiel Herr Soherr mir eilig ins Wort.
"Nicht ein Mädchen, - ein Mährchen! sagt Heine!"
Und zusammenschrak ich und mein Verstand
Kam wiederum auf die Beine.
"Der Stadtkommandant, Herr Engels, der hat
Die Macht jetzt, die materielle.
Doch Herr Joseph DuMont in Köln, der besitzt
Die intellektuelle.
Denn die Kölnische Zeitung ist einzig allein
Der Unterdrückung entgangen;
Die andern Blätter wurden verpönt,
Gebraten, gesotten, gehangen.
Die Kölnische Zeitung ward lang' redigirt
Mit Rothstift und Scheere, nicht ohne
Talent von der alten Frau DuMont, doch
Die starb und Joseph, dem Sohne,
Ueberließ sie das hübsche Annoncengeschäft
Und Joseph ist reich geworden
An den Gütern des Glücks und bekommt gewiß
Auch bald noch seinen Orden. -
Herr Joseph ist ein trefflicher Mann!
Bis zur Revolution noch schrieb ich
Unsterbliche Feuilleton's für sein Blatt -
Und stets sein Verehrer blieb ich.
Doch wie sich manche Verbindung lös't
So ging auch uns're zu Ende
Und das Feuilleton kam in Levy, des
Romantischen Schmules Hände.
Herr Levy schmult das Feuilleton;
Doch mit "breitgeschnittener Feder"
Die Leitartikel Herr Brüggemann schreibt -
Die weiß zu schätzen ein Jeder.
Herr Levy und Herr Brüggemann,
Die schreiben mit Anstand und Sitte -
Ein borstig, niedrigstirniger Kerl
Ist in dem Bunde der Dritte.
Ein Pommer zwar von Geburt, überragt
Er doch noch Herrn Wolfers, ich finde
Daß dieser ein Belgier ist - o Gott
Vergieb mir meine Sünde!
Ein Levy und ein Brüggemann,
Ein Flandre und ein Kalmücke:
Die sind's, so erleuchten die Rheinprovinz
Mit ungewöhnlichem Glücke!
O Joseph, wie preis' ich glücklich Dich,
Du hast was die Erde bietet:
Du hast Dir für Dein gutes Geld
Die vier besten Kerle gemiethet!
Ja, lieber Herr Soherr, glauben Sie dreist
An des Vaterlandes Genesung,
So lang' noch die Kölnische Zeitung sprießt
Aus der allgemeinen Verwesung.
Verwesungsrüchig noch manches Jahr
Wird sie duften vom Pol zum Aequator,
Wenn längst verschwunden Sie und ich
Und Herr Engels, der köln'sche Diktator.
Der Britte Coleridge roch zu Köln
An die siebzig verschied'ne Gerüche;
Darunter gewiß auch den Gestank
Aus Joseph's politischer Küche.

(Schluß folgt).

[Deutschland]

[Fortsetzung] Ladour, der heute ein Beispiel statuiren will, unter einer Decke. Wenn daß Volk sich nicht selber eklatante Genugthuung nimmt, so werden wir selbst nach einem Siege nicht viel weiter kommen, denn die sogenannte Linke, von der ich so eben einige sprach, sind selber matte Charaktere. Der Kaiser hat vor einer Stunde erst die Stadt verlassen, um gen Schönbrunn zurückzufahren.

1 1/2 Uhr. Die Nationalgarde hat zwei Kanonen erobert; die Geschütze der Garde und Legion werden auf den Basteien aufgepflanzt; es ist schon eine fürchterliche Schlacht geliefert worden; General Breda, Oberst Hrabowski und viele andere Stabsoffiziere bedecken das Feld.

3 Uhr. Ich komme von einer dritten Umschau. Die Nationalgarden des Wimmer Viertels und der Kärtnerstraße suchten die Sturmleuten vom Stephansplatz zu entfernen und schossen in die Nationalgarde der Wieden. Es entstand ein Kampf, in welchem viele fielen, bis die Garden der Wieden das Wimmer Viertel und die Kärtnerstraße in die Flucht trieben. Der Sturm ward nun ununterbrochen wieder geläutet, dauert noch immer fort. Das Landvolk strömt schon herbei. In der Leopoldstadt ist das deutsche Militär Herr des Platzes geblieben; die akademische Legion hat mit ihm vereint viele Kanonen erbeutet, dieselben aber, weil sie nicht fortzubringen waren, in die Donau geworfen. Der ganze Prater wird durch volksbefreundetes Militär bewacht. Im Stephansdome liegt es voll von Verwundeten und Todten. Ich ging abermals zum Reichstage, man sagte mir, der Präsident Strobach halte den Fall für nicht wichtig genug, um eine Sitzung zu veranlassen. Als ich von dort in die Dorotheenstraße hinabstieg, drangen aus einer Seitenstraße plötzlich Schönbrunner Jäger hervor und schoßen auf uns ein. Ich flüchtete, da ich unbewaffnet war, in ein Haus unweit des Grabens. Von dort ertönte aber der Kanonendonner und Pelotonfeuer unaufhörlich. Auf einmal flüchtet alles Militär. Die Kanonen folgen, im Entfliehen Häuser zertrümmernd, die akademische Legion und Nationalgarde hinterher. So ward ich gerettet. Das Militär wurde bis auf den Kohlmarkt verfolgt und dort zum Theil entwaffnet.

Die Universität ist mit Barrikaden umzingelt, dort ist das Hauptquartier. Die niederträchtigen Hunde von Czechen und Ruthenen glauben Wien zur panslavistischen Hauptstadt machen und dem Absolutismus wieder übergeben zu können. Die Thüren der Häuser müssen alle offen bleiben, wogegen Niemand am Fenster erscheinen darf, alle Fenster geschlossen bleiben müssen, weil man aus den Fenstern herab geschossen hat.

In diesem Augenblicke hat das Volk vollends die Oberhand in der Stadt. Leider geht keine Post ab und Sie werden diesen Brief daher erst später erhalten, weil es vollends an Gelegenheit fehlt, Briefe zu expediren. Ich muß wieder hinaus.

4 Uhr. Ueberall sind Barrikaden. Auf dem Hofe vor dem Kriegsgebäude, auf dem Graben und Kohlmarkt kann man vor Glasscherben kaum gehen; alle Fenster sind zerschossen. Ueberall in den Häusern Verwundete und Todte. Ein nichtunterzeichnetes Plakat fordert die Abgeordneten auf, zusammen zu treten. Als ich eben in die Versammlung treten will, erscheint eine Deputation der Abgeordneten mit weißen Fahnen. Was wollen diese politischen Kretines, worunter ich Goldmark und den infamen Fischof als Hauptfiguranten bemerke? Sie wollen Frieden stiften, vereinbaren, wo die schönste Gelegenheit sich darbietet, die ganze Brut der Kamarilla mit einem Schlage zu vertilgen. Ich folgte den Herren, wir stiegen über Barrikaden vor das Kriegsministerium, wo sie verschwanden. Ich erkundigte mich, was man wolle; man antwortete: Latour und Bach absetzen oder hängen. Bis zur Universität konnte ich noch nicht gelangen. Die Arbeiter sind mit Piken bewaffnet, die trefflich geschmiedet sind.

5 1/2 Uhr. Graf Baillet de la Tour, unser Kriegsminister, hängt auf dem Hof am Laternenpfahl. Man fand diesen Herrn auf dem Boden des Kriegsministeriums versteckt, führte ihn sachte die Stiege hinab in den Hof. Hier versetzte ihm ein wüthender Arbeiter ohne weiteres mit einem Hammer einen Schlag in's Gesicht, worauf er mit Kolbenstößen zu Boden gestreckt wurde. Nun ergriff man die Leiche und knüpfte sie im Hofe des Gebäudes auf und erst als sie dort herabfiel wurde sie von dem wüthenden Volke hinaus auf den öffentlichen Platz gebracht und am Reverber von neuem aufgeknüpft. Der Platz war gedrückt voll Menschen, die Nationalgarde ließ Freudensalven in die Luft ertönen. ‒ Hierauf ward das Zeughaus gestürmt, alle Waffen herausgenommen und unter das Volk vertheilt. Alle Arbeiter sind bewaffnet. Die Grenadiere durchziehen freudejauchzend die Straßen. Alle Welt drückt ihnen die Hände. Spießbürger und Bourgeois haben sich wie die Frösche in ihre Löcher verkrochen.

Der Reichstag ist versammelt, aber nur zur Hälfte. Präsident Strobach und die meisten Czechen haben sich aus dem Staube gemacht. Minister Hornbostel ist allein anwesend. Es wird eine Deputation zum Kaiser geschickt, welche ihn ersucht, ein volksthümliches Ministerium zu ernennen. In dieser Deputation befinden sich Hornbostel und Doblhof. Man designirt dieselben also abermals zu Ministern. O sancta simplicitas! Auch ein Wohlfahrtsausschuß ist geschaffen worden, in welchen man die unfähigsten Köpfe, ihre offenbare Verräther, wie Fischof, gewahrt hat.

Wenn es nicht besser wird, so haben wir noch nicht viel gewonnen. Während des Mittags hat das Ministerium noch ein heuchlerisches Plakat anschlagen lassen.

61 Wien, 6. Oktober

7 3/4 Uhr. Die Nachricht verbreitet sich, daß die Ungarn in Raab eingerückt sind.

Scherzer, ein, wie gesagt wird, energischer Mann, ist zum Oberkommandanten der Nationalgarde ernannt worden. Im bürgerlichen Zeughaus sind keine Waffen mehr, man greift das kaiserliche Zeughaus, welches noch von Militär vertheidigt wird, an. ‒ Nationalgarden und Studenten dringen mit der Drohung in den Reichstag: Wenn ihr uns nicht Recht verschafft, so müssen wir fortfahren, es selbst zu thun! ‒ Eine Deputation wird zu Auersperg, dem Kommandanten von Wien, mit der Aufforderung geschickt, das kaiserl. Zeughaus an die akademische Legion zu übergeben. ‒ Die beiden niederträchtigen Verräther Meyer und Fischof, denen man, wenn man sie nicht schon anders kennte, die gemeine Duplizität vom Gesichte ablesen kann, suchen sich mit volksthümlichen Anträgen wieder geltend zu machen. ‒ Es wird beschlossen, daß weder die Süd- noch die Nordbahn Militär befördern soll. In der Leopoldstadt hat das Feuern aufgehört, ebenso in der Stadt. Es scheint weiter nichts, als der Sturz eines elenden Ministeriums bewirkt zu werden, in welches man aber Subjekte wie Doblhof und Hornbostel wieder aufnimmt. Die demokratischen Journalisten klatschen natürlich Beifall. Schade um das tüchtige Volk, dessen Blut so vergeblich vergeudet wird. Es fehlen uns 100 Kopfdemokraten von Entschiedenheit; Faust- und Heuldemokraten haben wir die Menge. ‒ Das Bourgeoisthum hat alle Fenster beleuchtet, es zittert vor seinem Eigenthum und hat darum seine Krämerladen wieder mit: „Heilig ist das Eigenthum,“ überschrieben. ‒ Das Sturmläuten hat aufgehört, aber das Schießen am Zeughaus dauert noch fort: 10 Uhr. Das Sturmläuten beginnt abermals. Ich komme vom Zeughaus, wo der Kampf hartnäckig fortgeführt wird. Die akademische Legion welche sich am Morgen im Tabor so herrlich hervorgethan, leistet auch hier Wunder der Tapferkeit. Von hinten ist man im Zeughaus bereits eingebrochen und hat einige Waffen erwischt; allein die darin verschanzte Nationalgarde urd das Militär trieben das unbewaffnete Volk bald wieder heraus, desto stärker geschieht der Angriff von vorn. Bach soll im Zeughaus versteckt sein und ihn will man um jeden Preis haben, um ihn neben Latour aufzuknüpfen. Die Deputation des Reichstags soll von dem Kommandanten des Zeughauses niedergeschossen worden sein. Das Zeughaus ist in einer sehr engen Straße gelegen und kann sich lange halten. Als ich fortging, schoß die akademische Legion mit Kanonen von den Basteien auf dasselbe und unterhielt durchs Thor und durch die Fenster ein fürchterliches Peletonfeuer.

Ein Hauptmann des Wiener Viertels ist auf einem der Seitenaltäre des Doms niedergestochen worden. Latour hängt noch immer unter der Laterne, man hat ihm ein Leinentuch umgethan, aber alles ist blutig und der ganze Anblick in der tiefen Nacht und bei der hellen Beleuchtung schauerlich. Man hatte ihn auf einem Abtritt des 5. Stocks versteckt gefunden. Im Hofe des Kriegsgebäudes stand Militär, das sich aber nicht rührte, sondern die That ruhig geschehen ließ.

Latour ist der Henker von Italien, Ungarn, Böhmen, Gallizien u. s. w. So rächt sich das Volk.

Der Wohlfahrtsausschuß hat im Reichstag schon mehre Berichte erstattet und Beschlüsse gefaßt, darunter ist aber noch keiner der Rede werth. Er läßt sie durch Schuselka vortragen.

Die nach Schönbrunn gesendete Deputation Lubomirski, Pillersdorf, (sie werden über den Kretinismus staunen, der solche Leute auswählt) Borrosch ist noch nicht zurückgekehrt. Man hegt einige Besorgnisse über sie, obgleich sie mit Bedeckung abgefahren ist. Die Nationalgarde aller umliegenden Dörfer soll den Befehl haben, das herzuströmende Landvolk zurückzuhalten. Das Schlimmste steht noch zu befürchten, denn die ganze Umgegend liegt voll Militär. Unsere Basteien und Stadtgräben sind gut mit Geschütz montirt und bewacht. Ein Ueberfall in der Nacht ist am wahrscheinlichsten.

12 1/2 Uhr Nachts. Vor einer halben Stunde kam die Deputation Borrosch, Lubomirski, Pillersdorf aus Schönbrunn zurück. Letzter bestieg die Tribüne und sagte, der Kaiser habe sie mit gewohnter Gnade und Güte (cheu!) empfangen und ihnen erklärt, er würde dem Reichstage über die gestellten Bitten 1) volksthümliches Ministerium, 2) Rücknahme des Manifestes Jelachich 3) volle Amnistie demnächst eine Bescheidung zukommen lassen. Die Deputation habe nunmehr eine schriftliche Erklärung verlangt und folgende erhalten

„An den konstituirenden Reichstag.

In Genehmigung der Bitten (?) des Reichstags werden Wir ein neues volksthümliches Ministerium bilden, zu welchem meine Minister Doblhof und Hornbostel beigezogen werden. (Ungeheures Geheul der versammelten Botakuden. Auch die radikale Journalistenbank klatscht Bravo. Die Gallerieen schweigen.) Mit dem neuen Ministerium werden wir die Interessen der Gesammtmonarchie (?) berathen und sprechen die Hoffnung aus, daß die Bevölkerung Wiens zur Herstellung der Ordnung mitwirken wird.“ (Zischen.)

Zöpfel: Es lebe der Kaiser! Lassen wir diese gnädige Erklärung augenblicklich drucken und unter das Volk vertheilen. (Die sehr zusammen geschmolzene Versammlung erhebt sich.)

Was denken Sie von einer Versammlung, die einem Pillersdorf und Lubomirski solche Aufträge ertheilt und sich von einem Schuselka wohlfahrtsausschussen läßt? Strobach war, wie ich höre, in der Sitzung und wollte präsidiren, als er Bewaffnete auf der Gallerie bemerkte und sich darauf sofort mit den berüchtigsten Czechen und absolutistischen Deutschen aus dem Staube machte.

Schuselka berichtet aus dem Ausschuß zur Wahrung der Sicherheit und Ordnung, (die Freiheit lassen die Kerls aus) die Gallerie habe verlangt, die Erzherzoge Ludwig und Franz, sowie die Erzherzogin Sophia sollen auf 2 Jahre aus Oestreich verbannt werden. (Geheul der erschreckten Kammer). Auf dem St. Stephan- und auf andern Thürmen wurden Feuer angezündet und Raketen stiegen auf. Ein Grenadier versicherte mir, das Militär habe stets nur wider die Häuser, selten aber in die Häuser geschossen. Wenn ich vor dem Muthe, vor der Todesverachtung, vor dieser Einigkeit des Wiener Volkes die allergrößte Hochachtung habe, so muß ich mich über die demokratischen Schwachköpfe, welche seine Leiter sind, um so entrüsteter aussprechen. Die Journalistenlogen applaudirten zu allen Erbärmlichkeiten.

7. Okt., Morgens 8 Uhr. Vor Erschöpfung war ich eingeschlafen. Das Schießen und Sturmläuten dauerte die ganze Nacht fort und hat eben erst aufgehört. Man hat den Minister Bach auf der Wieden erwischt. Gestern Abend vergaß ich etwas zu bemerken. Man behauptete, der Kaiser sei längst entflohen; man behauptete, die Deputation habe durch ihren Pillersdorf die Erklärung Ferdinands machen lassen, um die Republik zu vermeiden. Pillersdorf geberdete sich beim Verlesen des Manifests auch, als sei er in der Sonne der kaiserl. Majestät geschmolzen. Der Betrug wäre zu infam.

Die erschreckte Camarilla hat während der Nacht noch keinen Angriff gewagt, sie kann dem Militär nicht trauen.

61 Wien, 7. Oktbr.

10 Uhr. Viktoria, das k. k. Zeughaus ist erstürmt, das Volk bewaffnet sich mit herrlichen Perkussionsgewehren. Um auch ein solches zu erhalten, begab ich mich hin. In einer engen steilen Straße angekommen, fällt auf einmal ein Schuß; Alles eilt dichtgedrängt zurück, viele stürzen aufs Pflaster, ich ebenfalls, das Volk darüber her. Ich würde zertreten worden sein, hätte ich mich nicht mit der äußersten Energie emporgehoben und dabei andere niedergeworfen. Ich entkam mit einer verwundeten Hand und einigen Schienbeinverletzungen.

Um 1 Uhr in der Nacht zog sich das Militär von seiner drohenden Stellung um die Glacis zurück, nahm aber eine ebensolche am Belvedere und außerhalb der Linien ein. Vom Belvedere aus kann die Stadt bombardirt werden. Graf Auersperg hat erklärt, nicht anzugreifen, wenn er nicht angegriffen würde.

Der Reichstag hat dem neugewählten, durchaus schwarzgelben Gemeindeausschuß befohlen, zusammenzutreten. ‒ Die czechische Rechte fehle noch immer, die Galerien sind heute leer.

Schuselka, Präsident des Wohlfahrtsausschusses, tritt auf mit dem Antrag, der Reichstag möge folgende Proklamation annehmen und im Volk verbreiten lassen: „Nationalgarden! Der Reichstag hat das Wohl und die Freiheit des Vaterlandes, die Unverletzlichkeit des konstitutionellen Thrones und Reichstags unter die Nationalgarde gestellt. Den höchsten Gütern droht Gefahr durch Anarchie und militärische Reaktion u. s. w. Er macht dabei besonders auf die Gefahren der allgemeinen Volksbewaffnung aufmerksam, ruft also nothwendigerweise die Nationalgarden zum Kampf gegen das Volk auf. Bach ist noch nicht gehängt worden. Das Wiener Volk ist groß im Kampfe, großmüthig im Verzeihen. Der demokratische Centralverein hält permanente Sitzungen.

12. Uhr. Der Tanz um Leben oder Tod der Hälfte der Bevölkerung Wiens wird jetzt erst beginnen. Die Kamarilla treibt uns aufs Aeußerste. So eben erschien der Finanzminister Krauß im Reichstage und las ein an ihn zur Kontrasignatur gesendetes Manifest des Kaisers vor, worin erklärt wird, der Kaiser entferne sich, um Mittel zu treffen, die Bevölkerung Wiens vor dem Druck einer Rotte zu befreien, die die scheußlichsten Thaten begehe. In jesuitischer Weise wendet er sich dann an die guten Bürger, um sie zum Verrath an der demokratischen Bevölkerung Wiens zu verleiten. Der Tod Latours, sagt er, soll gerächt werden. Krauß erklärte, daß er dies Manifest nicht kontrasigniren könne. Dieser Fall ist aber darin vorausgesehen und bestimmt, dasselbe alsdann dem Kommandanten Grafen Auersperg, der mit der Militärmacht am Belvedere steht, zur Kontrasignatur zu übergeben.

Schon beginnt der Kampf, das Militär entwaffnet vorübergehende Nationalgarden und beginnt Bomben zu werfen. Der Zustand ist erdrückend schwül. Die Bourgeois-Nationalgarde der Stadt wartet nur auf den Augenblick, um mit dem Militär Hand in Hand zu gehen. Das Volk soll indessen an 50,000 Gewehre aus dem Zeughause genommen haben, die, in Kisten verpackt, für Prag bestimmt gewesen sind.

Ich habe Ihnen immer geschrieben, erwarten Sie Großes von Volke Oestreichs, es hat meine Voraussicht gestern bewahrheitet, es wird sie hoffentlich auch ferner bewahrheiten.

Der Abbeordnete Kudlich soll in der Nacht vor dem Zeughause erschossen worden sein. Die Befehle des Reichstags werden von Auersperg nicht respektirt, der Reichstag wird im Fall einer Niederlage also gleiches Loos mit dem Volke theilen. Die Czechen sollen sich im feindlichen Lager befinden.

Das an den Donaubrücken stehende mährische Militär hat soeben noch erklärt, nicht auf den Bürger zu schießen. Die Taberstraße in der Leopoldstadt sieht entsetzlich aus. Hier wurde [Fortsetzung]

[Fortsetzung]

Geschlöffelt wird, wer sich rührt oder regt,
Gehangen, gebraten, gesotten ‒
Wohl werd' ich mich hüten, Herrn Engels mit
Meinem Lästermund zu verspotten.
Er würde mich packen mit schrecklicher Faust
Und würde zu Tode mich schießen
Mit seinem groben Geschütze und ach,
Das würde mich sehr verdrießen.
Wie einen Krammsvogel würde er mich
An den grauen Domkrahnen hangen ‒
Doch die Krammsvögel lassen am besten sich
In den Nebeln des Herbstes fangen.
Und Krammsvögel schmecken vortrefflich gut
Mit buttergeröstetem Brode ‒
O, himmlischer Vater, laß manche mich
Noch essen vor meinem Tode!“
IV.
Da standen wir auf den Hügeln und
Romantisch ward mir zu Muthe ‒
Politische Freunde müssen dies
Gefälligst mir halten zu Gute.
Und ich sang: „Was mag es bedeuten doch
Daß ich, o so traurig binne?
Ein Mädchen aus alten Zeiten, ach,
Das kommt mir nicht aus dem Sinne!
Da fiel Herr Soherr mir eilig ins Wort.
„Nicht ein Mädchen, ‒ ein Mährchen! sagt Heine!“
Und zusammenschrak ich und mein Verstand
Kam wiederum auf die Beine.
„Der Stadtkommandant, Herr Engels, der hat
Die Macht jetzt, die materielle.
Doch Herr Joseph DuMont in Köln, der besitzt
Die intellektuelle.
Denn die Kölnische Zeitung ist einzig allein
Der Unterdrückung entgangen;
Die andern Blätter wurden verpönt,
Gebraten, gesotten, gehangen.
Die Kölnische Zeitung ward lang' redigirt
Mit Rothstift und Scheere, nicht ohne
Talent von der alten Frau DuMont, doch
Die starb und Joseph, dem Sohne,
Ueberließ sie das hübsche Annoncengeschäft
Und Joseph ist reich geworden
An den Gütern des Glücks und bekommt gewiß
Auch bald noch seinen Orden. ‒
Herr Joseph ist ein trefflicher Mann!
Bis zur Revolution noch schrieb ich
Unsterbliche Feuilleton's für sein Blatt ‒
Und stets sein Verehrer blieb ich.
Doch wie sich manche Verbindung lös't
So ging auch uns're zu Ende
Und das Feuilleton kam in Levy, des
Romantischen Schmules Hände.
Herr Levy schmult das Feuilleton;
Doch mit „breitgeschnittener Feder“
Die Leitartikel Herr Brüggemann schreibt ‒
Die weiß zu schätzen ein Jeder.
Herr Levy und Herr Brüggemann,
Die schreiben mit Anstand und Sitte ‒
Ein borstig, niedrigstirniger Kerl
Ist in dem Bunde der Dritte.
Ein Pommer zwar von Geburt, überragt
Er doch noch Herrn Wolfers, ich finde
Daß dieser ein Belgier ist ‒ o Gott
Vergieb mir meine Sünde!
Ein Levy und ein Brüggemann,
Ein Flandre und ein Kalmücke:
Die sind's, so erleuchten die Rheinprovinz
Mit ungewöhnlichem Glücke!
O Joseph, wie preis' ich glücklich Dich,
Du hast was die Erde bietet:
Du hast Dir für Dein gutes Geld
Die vier besten Kerle gemiethet!
Ja, lieber Herr Soherr, glauben Sie dreist
An des Vaterlandes Genesung,
So lang' noch die Kölnische Zeitung sprießt
Aus der allgemeinen Verwesung.
Verwesungsrüchig noch manches Jahr
Wird sie duften vom Pol zum Aequator,
Wenn längst verschwunden Sie und ich
Und Herr Engels, der köln'sche Diktator.
Der Britte Coleridge roch zu Köln
An die siebzig verschied'ne Gerüche;
Darunter gewiß auch den Gestank
Aus Joseph's politischer Küche.

(Schluß folgt).

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0002" n="0568"/>
      <div n="1">
        <head>[Deutschland]</head>
        <div xml:id="ar114_005" type="jArticle">
          <p><ref type="link_fsg">[Fortsetzung]</ref> Ladour, der heute ein Beispiel statuiren will, unter einer Decke. Wenn daß Volk sich nicht selber eklatante Genugthuung nimmt, so werden wir selbst nach einem Siege nicht viel weiter kommen, denn die sogenannte Linke, von der ich so eben einige sprach, sind selber matte Charaktere. Der Kaiser hat vor einer Stunde erst die Stadt verlassen, um gen Schönbrunn zurückzufahren.</p>
          <p>1 1/2 Uhr. Die Nationalgarde hat zwei Kanonen erobert; die Geschütze der Garde und Legion werden auf den Basteien aufgepflanzt; es ist schon eine fürchterliche Schlacht geliefert worden; General Breda, Oberst Hrabowski und viele andere Stabsoffiziere bedecken das Feld.</p>
          <p>3 Uhr. Ich komme von einer dritten Umschau. Die Nationalgarden des Wimmer Viertels und der Kärtnerstraße suchten die Sturmleuten vom Stephansplatz zu entfernen und schossen in die Nationalgarde der Wieden. Es entstand ein Kampf, in welchem viele fielen, bis die Garden der Wieden das Wimmer Viertel und die Kärtnerstraße in die Flucht trieben. Der Sturm ward nun ununterbrochen wieder geläutet, dauert noch immer fort. Das Landvolk strömt schon herbei. In der Leopoldstadt ist das deutsche Militär Herr des Platzes geblieben; die akademische Legion hat mit ihm vereint viele Kanonen erbeutet, dieselben aber, weil sie nicht fortzubringen waren, in die Donau geworfen. Der ganze Prater wird durch volksbefreundetes Militär bewacht. Im Stephansdome liegt es voll von Verwundeten und Todten. Ich ging abermals zum Reichstage, man sagte mir, der Präsident Strobach halte den Fall für nicht wichtig genug, um eine Sitzung zu veranlassen. Als ich von dort in die Dorotheenstraße hinabstieg, drangen aus einer Seitenstraße plötzlich Schönbrunner Jäger hervor und schoßen auf uns ein. Ich flüchtete, da ich unbewaffnet war, in ein Haus unweit des Grabens. Von dort ertönte aber der Kanonendonner und Pelotonfeuer unaufhörlich. Auf einmal flüchtet alles Militär. Die Kanonen folgen, im Entfliehen Häuser zertrümmernd, die akademische Legion und Nationalgarde hinterher. So ward ich gerettet. Das Militär wurde bis auf den Kohlmarkt verfolgt und dort zum Theil entwaffnet.</p>
          <p>Die Universität ist mit Barrikaden umzingelt, dort ist das Hauptquartier. Die niederträchtigen Hunde von Czechen und Ruthenen glauben Wien zur panslavistischen Hauptstadt machen und dem Absolutismus wieder übergeben zu können. Die Thüren der Häuser müssen alle offen bleiben, wogegen Niemand am Fenster erscheinen darf, alle Fenster geschlossen bleiben müssen, weil man aus den Fenstern herab geschossen hat.</p>
          <p>In diesem Augenblicke hat das Volk vollends die Oberhand in der Stadt. Leider geht keine Post ab und Sie werden diesen Brief daher erst später erhalten, weil es vollends an Gelegenheit fehlt, Briefe zu expediren. Ich muß wieder hinaus.</p>
          <p>4 Uhr. Ueberall sind Barrikaden. Auf dem Hofe vor dem Kriegsgebäude, auf dem Graben und Kohlmarkt kann man vor Glasscherben kaum gehen; alle Fenster sind zerschossen. Ueberall in den Häusern Verwundete und Todte. Ein nichtunterzeichnetes Plakat fordert die Abgeordneten auf, zusammen zu treten. Als ich eben in die Versammlung treten will, erscheint eine Deputation der Abgeordneten mit weißen Fahnen. Was wollen diese politischen Kretines, worunter ich Goldmark und den infamen Fischof als Hauptfiguranten bemerke? Sie wollen Frieden stiften, vereinbaren, wo die schönste Gelegenheit sich darbietet, die ganze Brut der Kamarilla mit einem Schlage zu vertilgen. Ich folgte den Herren, wir stiegen über Barrikaden vor das Kriegsministerium, wo sie verschwanden. Ich erkundigte mich, was man wolle; man antwortete: Latour und Bach absetzen oder hängen. Bis zur Universität konnte ich noch nicht gelangen. Die Arbeiter sind mit Piken bewaffnet, die trefflich geschmiedet sind.</p>
          <p>5 1/2 Uhr. Graf Baillet de la Tour, unser Kriegsminister, hängt auf dem Hof am Laternenpfahl. Man fand diesen Herrn auf dem Boden des Kriegsministeriums versteckt, führte ihn sachte die Stiege hinab in den Hof. Hier versetzte ihm ein wüthender Arbeiter ohne weiteres mit einem Hammer einen Schlag in's Gesicht, worauf er mit Kolbenstößen zu Boden gestreckt wurde. Nun ergriff man die Leiche und knüpfte sie im Hofe des Gebäudes auf und erst als sie dort herabfiel wurde sie von dem wüthenden Volke hinaus auf den öffentlichen Platz gebracht und am Reverber von neuem aufgeknüpft. Der Platz war gedrückt voll Menschen, die Nationalgarde ließ Freudensalven in die Luft ertönen. &#x2012; Hierauf ward das Zeughaus gestürmt, alle Waffen herausgenommen und unter das Volk vertheilt. Alle Arbeiter sind bewaffnet. Die Grenadiere durchziehen freudejauchzend die Straßen. Alle Welt drückt ihnen die Hände. Spießbürger und Bourgeois haben sich wie die Frösche in ihre Löcher verkrochen.</p>
          <p>Der Reichstag ist versammelt, aber nur zur Hälfte. Präsident Strobach und die meisten Czechen haben sich aus dem Staube gemacht. Minister Hornbostel ist allein anwesend. Es wird eine Deputation zum Kaiser geschickt, welche ihn ersucht, ein volksthümliches Ministerium zu ernennen. In dieser Deputation befinden sich Hornbostel und Doblhof. Man designirt dieselben also abermals zu Ministern. O sancta simplicitas! Auch ein Wohlfahrtsausschuß ist geschaffen worden, in welchen man die unfähigsten Köpfe, ihre offenbare Verräther, wie Fischof, gewahrt hat.</p>
          <p>Wenn es nicht besser wird, so haben wir noch nicht viel gewonnen. Während des Mittags hat das Ministerium noch ein heuchlerisches Plakat anschlagen lassen.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar114_006" type="jArticle">
          <head><bibl><author>61</author></bibl> Wien, 6. Oktober</head>
          <p>7 3/4 Uhr. Die Nachricht verbreitet sich, daß die Ungarn in Raab eingerückt sind.</p>
          <p><hi rendition="#g">Scherzer,</hi> ein, wie gesagt wird, energischer Mann, ist zum Oberkommandanten der Nationalgarde ernannt worden. Im bürgerlichen Zeughaus sind keine Waffen mehr, man greift das kaiserliche Zeughaus, welches noch von Militär vertheidigt wird, an. &#x2012; Nationalgarden und Studenten dringen mit der Drohung in den Reichstag: Wenn ihr uns nicht Recht verschafft, so müssen wir fortfahren, es selbst zu thun! &#x2012; Eine Deputation wird zu Auersperg, dem Kommandanten von Wien, mit der Aufforderung geschickt, das kaiserl. Zeughaus an die akademische Legion zu übergeben. &#x2012; Die beiden niederträchtigen Verräther Meyer und Fischof, denen man, wenn man sie nicht schon anders kennte, die gemeine Duplizität vom Gesichte ablesen kann, suchen sich mit volksthümlichen Anträgen wieder geltend zu machen. &#x2012; Es wird beschlossen, daß weder die Süd- noch die Nordbahn Militär befördern soll. In der Leopoldstadt hat das Feuern aufgehört, ebenso in der Stadt. Es scheint weiter nichts, als der Sturz eines elenden Ministeriums bewirkt zu werden, in welches man aber Subjekte wie Doblhof und Hornbostel wieder aufnimmt. Die demokratischen Journalisten klatschen natürlich Beifall. Schade um das tüchtige Volk, dessen Blut so vergeblich vergeudet wird. Es fehlen uns 100 Kopfdemokraten von Entschiedenheit; Faust- und Heuldemokraten haben wir die Menge. &#x2012; Das Bourgeoisthum hat alle Fenster beleuchtet, es zittert vor seinem Eigenthum und hat darum seine Krämerladen wieder mit: &#x201E;Heilig ist das Eigenthum,&#x201C; überschrieben. &#x2012; Das Sturmläuten hat aufgehört, aber das Schießen am Zeughaus dauert noch fort: 10 Uhr. Das Sturmläuten beginnt abermals. Ich komme vom Zeughaus, wo der Kampf hartnäckig fortgeführt wird. Die akademische Legion welche sich am Morgen im Tabor so herrlich hervorgethan, leistet auch hier Wunder der Tapferkeit. Von hinten ist man im Zeughaus bereits eingebrochen und hat einige Waffen erwischt; allein die darin verschanzte Nationalgarde urd das Militär trieben das unbewaffnete Volk bald wieder heraus, desto stärker geschieht der Angriff von vorn. Bach soll im Zeughaus versteckt sein und ihn will man um jeden Preis haben, um ihn neben Latour aufzuknüpfen. Die Deputation des Reichstags soll von dem Kommandanten des Zeughauses niedergeschossen worden sein. Das Zeughaus ist in einer sehr engen Straße gelegen und kann sich lange halten. Als ich fortging, schoß die akademische Legion mit Kanonen von den Basteien auf dasselbe und unterhielt durchs Thor und durch die Fenster ein fürchterliches Peletonfeuer.</p>
          <p>Ein Hauptmann des Wiener Viertels ist auf einem der Seitenaltäre des Doms niedergestochen worden. Latour hängt noch immer unter der Laterne, man hat ihm ein Leinentuch umgethan, aber alles ist blutig und der ganze Anblick in der tiefen Nacht und bei der hellen Beleuchtung schauerlich. Man hatte ihn auf einem Abtritt des 5. Stocks versteckt gefunden. Im Hofe des Kriegsgebäudes stand Militär, das sich aber nicht rührte, sondern die That ruhig geschehen ließ.</p>
          <p>Latour ist der Henker von Italien, Ungarn, Böhmen, Gallizien u. s. w. So rächt sich das Volk.</p>
          <p>Der Wohlfahrtsausschuß hat im Reichstag schon mehre Berichte erstattet und Beschlüsse gefaßt, darunter ist aber noch keiner der Rede werth. Er läßt sie durch Schuselka vortragen.</p>
          <p>Die nach Schönbrunn gesendete Deputation Lubomirski, Pillersdorf, (sie werden über den Kretinismus staunen, der solche Leute auswählt) Borrosch ist noch nicht zurückgekehrt. Man hegt einige Besorgnisse über sie, obgleich sie mit Bedeckung abgefahren ist. Die Nationalgarde aller umliegenden Dörfer soll den Befehl haben, das herzuströmende Landvolk zurückzuhalten. Das Schlimmste steht noch zu befürchten, denn die ganze Umgegend liegt voll Militär. Unsere Basteien und Stadtgräben sind gut mit Geschütz montirt und bewacht. Ein Ueberfall in der Nacht ist am wahrscheinlichsten.</p>
          <p>12 1/2 Uhr Nachts. Vor einer halben Stunde kam die Deputation Borrosch, Lubomirski, Pillersdorf aus Schönbrunn zurück. Letzter bestieg die Tribüne und sagte, der Kaiser habe sie mit gewohnter Gnade und Güte (cheu!) empfangen und ihnen erklärt, er würde dem Reichstage über die gestellten Bitten 1) volksthümliches Ministerium, 2) Rücknahme des Manifestes Jelachich 3) volle Amnistie demnächst eine Bescheidung zukommen lassen. Die Deputation habe nunmehr eine schriftliche Erklärung verlangt und folgende erhalten</p>
          <p>&#x201E;An den konstituirenden Reichstag.</p>
          <p>In Genehmigung der Bitten (?) des Reichstags werden Wir ein neues volksthümliches Ministerium bilden, zu welchem meine Minister Doblhof und Hornbostel beigezogen werden. (Ungeheures Geheul der versammelten Botakuden. Auch die radikale Journalistenbank klatscht Bravo. Die Gallerieen schweigen.) Mit dem neuen Ministerium werden wir die Interessen der Gesammtmonarchie (?) berathen und sprechen die Hoffnung aus, daß die Bevölkerung Wiens zur Herstellung der Ordnung mitwirken wird.&#x201C; (Zischen.)</p>
          <p><hi rendition="#g">Zöpfel:</hi> Es lebe der Kaiser! Lassen wir diese gnädige Erklärung augenblicklich drucken und unter das Volk vertheilen. (Die sehr zusammen geschmolzene Versammlung erhebt sich.)</p>
          <p>Was denken Sie von einer Versammlung, die einem Pillersdorf und Lubomirski solche Aufträge ertheilt und sich von einem Schuselka wohlfahrtsausschussen läßt? Strobach war, wie ich höre, in der Sitzung und wollte präsidiren, als er Bewaffnete auf der Gallerie bemerkte und sich darauf sofort mit den berüchtigsten Czechen und absolutistischen Deutschen aus dem Staube machte.</p>
          <p>Schuselka berichtet aus dem Ausschuß zur Wahrung der Sicherheit und Ordnung, (die Freiheit lassen die Kerls aus) die Gallerie habe verlangt, die Erzherzoge Ludwig und Franz, sowie die Erzherzogin Sophia sollen auf 2 Jahre aus Oestreich verbannt werden. (Geheul der erschreckten Kammer). Auf dem St. Stephan- und auf andern Thürmen wurden Feuer angezündet und Raketen stiegen auf. Ein Grenadier versicherte mir, das Militär habe stets nur wider die Häuser, selten aber in die Häuser geschossen. Wenn ich vor dem Muthe, vor der Todesverachtung, vor dieser Einigkeit des Wiener Volkes die allergrößte Hochachtung habe, so muß ich mich über die demokratischen Schwachköpfe, welche seine Leiter sind, um so entrüsteter aussprechen. Die Journalistenlogen applaudirten zu allen Erbärmlichkeiten.</p>
          <p>7. Okt., Morgens 8 Uhr. Vor Erschöpfung war ich eingeschlafen. Das Schießen und Sturmläuten dauerte die ganze Nacht fort und hat eben erst aufgehört. Man hat den Minister Bach auf der Wieden erwischt. Gestern Abend vergaß ich etwas zu bemerken. Man behauptete, der Kaiser sei längst entflohen; man behauptete, die Deputation habe durch ihren Pillersdorf die Erklärung Ferdinands machen lassen, um die Republik zu vermeiden. Pillersdorf geberdete sich beim Verlesen des Manifests auch, als sei er in der Sonne der kaiserl. Majestät geschmolzen. Der Betrug wäre zu infam.</p>
          <p>Die erschreckte Camarilla hat während der Nacht noch keinen Angriff gewagt, sie kann dem Militär nicht trauen.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar114_007" type="jArticle">
          <head><bibl><author>61</author></bibl> Wien, 7. Oktbr.</head>
          <p>10 Uhr. Viktoria, das k. k. Zeughaus ist erstürmt, das Volk bewaffnet sich mit herrlichen Perkussionsgewehren. Um auch ein solches zu erhalten, begab ich mich hin. In einer engen steilen Straße angekommen, fällt auf einmal ein Schuß; Alles eilt dichtgedrängt zurück, viele stürzen aufs Pflaster, ich ebenfalls, das Volk darüber her. Ich würde zertreten worden sein, hätte ich mich nicht mit der äußersten Energie emporgehoben und dabei andere niedergeworfen. Ich entkam mit einer verwundeten Hand und einigen Schienbeinverletzungen.</p>
          <p>Um 1 Uhr in der Nacht zog sich das Militär von seiner drohenden Stellung um die Glacis zurück, nahm aber eine ebensolche am Belvedere und außerhalb der Linien ein. Vom Belvedere aus kann die Stadt bombardirt werden. Graf Auersperg hat erklärt, nicht anzugreifen, wenn er nicht angegriffen würde.</p>
          <p>Der Reichstag hat dem neugewählten, durchaus schwarzgelben Gemeindeausschuß befohlen, zusammenzutreten. &#x2012; Die czechische Rechte fehle noch immer, die Galerien sind heute leer.</p>
          <p>Schuselka, Präsident des Wohlfahrtsausschusses, tritt auf mit dem Antrag, der Reichstag möge folgende Proklamation annehmen und im Volk verbreiten lassen: &#x201E;Nationalgarden! Der Reichstag hat das Wohl und die Freiheit des Vaterlandes, die Unverletzlichkeit des konstitutionellen Thrones und Reichstags unter die Nationalgarde gestellt. Den höchsten Gütern droht Gefahr durch Anarchie und militärische Reaktion u. s. w. Er macht dabei besonders auf die Gefahren der allgemeinen Volksbewaffnung aufmerksam, ruft also nothwendigerweise die Nationalgarden zum Kampf gegen das Volk auf. Bach ist noch nicht gehängt worden. Das Wiener Volk ist groß im Kampfe, großmüthig im Verzeihen. Der demokratische Centralverein hält permanente Sitzungen.</p>
          <p>12. Uhr. Der Tanz um Leben oder Tod der Hälfte der Bevölkerung Wiens wird jetzt erst beginnen. Die Kamarilla treibt uns aufs Aeußerste. So eben erschien der Finanzminister Krauß im Reichstage und las ein an ihn zur Kontrasignatur gesendetes Manifest des Kaisers vor, worin erklärt wird, der Kaiser entferne sich, um Mittel zu treffen, die Bevölkerung Wiens vor dem Druck einer Rotte zu befreien, die die scheußlichsten Thaten begehe. In jesuitischer Weise wendet er sich dann an die guten Bürger, um sie zum Verrath an der demokratischen Bevölkerung Wiens zu verleiten. Der Tod Latours, sagt er, soll gerächt werden. Krauß erklärte, daß er dies Manifest nicht kontrasigniren könne. Dieser Fall ist aber darin vorausgesehen und bestimmt, dasselbe alsdann dem Kommandanten Grafen Auersperg, der mit der Militärmacht am Belvedere steht, zur Kontrasignatur zu übergeben.</p>
          <p>Schon beginnt der Kampf, das Militär entwaffnet vorübergehende Nationalgarden und beginnt Bomben zu werfen. Der Zustand ist erdrückend schwül. Die Bourgeois-Nationalgarde der Stadt wartet nur auf den Augenblick, um mit dem Militär Hand in Hand zu gehen. Das Volk soll indessen an 50,000 Gewehre aus dem Zeughause genommen haben, die, in Kisten verpackt, für Prag bestimmt gewesen sind.</p>
          <p>Ich habe Ihnen immer geschrieben, erwarten Sie Großes von Volke Oestreichs, es hat meine Voraussicht gestern bewahrheitet, es wird sie hoffentlich auch ferner bewahrheiten.</p>
          <p>Der Abbeordnete Kudlich soll in der Nacht vor dem Zeughause erschossen worden sein. Die Befehle des Reichstags werden von Auersperg nicht respektirt, der Reichstag wird im Fall einer Niederlage also gleiches Loos mit dem Volke theilen. Die Czechen sollen sich im feindlichen Lager befinden.</p>
          <p>Das an den Donaubrücken stehende <hi rendition="#g">mährische</hi> Militär hat soeben noch erklärt, nicht auf den Bürger zu schießen. Die Taberstraße in der Leopoldstadt sieht entsetzlich aus. Hier wurde <ref type="link_fsg">[Fortsetzung]</ref>                 </p>
        </div>
      </div>
      <div type="jFeuilleton" n="1">
        <div xml:id="ar114_008" type="jArticle">
          <p>
            <ref type="link_fsg">[Fortsetzung]</ref>
          </p>
          <lg type="poem">
            <lg n="7">
              <l>Geschlöffelt wird, wer sich rührt oder regt,</l><lb/>
              <l>Gehangen, gebraten, gesotten &#x2012;</l><lb/>
              <l>Wohl werd' ich mich hüten, Herrn Engels mit</l><lb/>
              <l>Meinem Lästermund zu verspotten.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="8">
              <l>Er würde mich packen mit schrecklicher Faust</l><lb/>
              <l>Und würde zu Tode mich schießen</l><lb/>
              <l>Mit seinem groben Geschütze und ach,</l><lb/>
              <l>Das würde mich sehr verdrießen.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="9">
              <l>Wie einen Krammsvogel würde er mich</l><lb/>
              <l>An den grauen Domkrahnen hangen &#x2012;</l><lb/>
              <l>Doch die Krammsvögel lassen am besten sich</l><lb/>
              <l>In den Nebeln des Herbstes fangen.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="10">
              <l>Und Krammsvögel schmecken vortrefflich gut</l><lb/>
              <l>Mit buttergeröstetem Brode &#x2012;</l><lb/>
              <l>O, himmlischer Vater, laß manche mich</l><lb/>
              <l>Noch essen vor meinem Tode!&#x201C;</l><lb/>
            </lg>
          </lg>
          <lg type="poem">
            <head>IV.</head>
            <lg n="1">
              <l>Da standen wir auf den Hügeln und</l><lb/>
              <l>Romantisch ward mir zu Muthe &#x2012;</l><lb/>
              <l>Politische Freunde müssen dies</l><lb/>
              <l>Gefälligst mir halten zu Gute.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="2">
              <l>Und ich sang: &#x201E;Was mag es bedeuten doch</l><lb/>
              <l>Daß ich, o so traurig binne?</l><lb/>
              <l>Ein Mädchen aus alten Zeiten, ach,</l><lb/>
              <l>Das kommt mir nicht aus dem Sinne!</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="3">
              <l>Da fiel Herr Soherr mir eilig ins Wort.</l><lb/>
              <l>&#x201E;Nicht ein Mädchen, &#x2012; ein Mährchen! sagt Heine!&#x201C;</l><lb/>
              <l>Und zusammenschrak ich und mein Verstand</l><lb/>
              <l>Kam wiederum auf die Beine.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="4">
              <l>&#x201E;Der Stadtkommandant, Herr Engels, der hat</l><lb/>
              <l>Die Macht jetzt, die materielle.</l><lb/>
              <l>Doch Herr Joseph DuMont in Köln, der besitzt</l><lb/>
              <l>Die intellektuelle.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="5">
              <l>Denn die Kölnische Zeitung ist einzig allein</l><lb/>
              <l>Der Unterdrückung entgangen;</l><lb/>
              <l>Die andern Blätter wurden verpönt,</l><lb/>
              <l>Gebraten, gesotten, gehangen.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="6">
              <l>Die Kölnische Zeitung ward lang' redigirt</l><lb/>
              <l>Mit Rothstift und Scheere, nicht ohne</l><lb/>
              <l>Talent von der alten Frau DuMont, doch</l><lb/>
              <l>Die starb und Joseph, dem Sohne,</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="7">
              <l>Ueberließ sie das hübsche Annoncengeschäft</l><lb/>
              <l>Und Joseph ist reich geworden</l><lb/>
              <l>An den Gütern des Glücks und bekommt gewiß</l><lb/>
              <l>Auch bald noch seinen Orden. &#x2012;</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="8">
              <l>Herr Joseph ist ein trefflicher Mann!</l><lb/>
              <l>Bis zur Revolution noch schrieb ich</l><lb/>
              <l>Unsterbliche Feuilleton's für sein Blatt &#x2012;</l><lb/>
              <l>Und stets sein Verehrer blieb ich.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="9">
              <l>Doch wie sich manche Verbindung lös't</l><lb/>
              <l>So ging auch uns're zu Ende</l><lb/>
              <l>Und das Feuilleton kam in Levy, des</l><lb/>
              <l>Romantischen Schmules Hände.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="10">
              <l>Herr Levy schmult das Feuilleton;</l><lb/>
              <l>Doch mit &#x201E;breitgeschnittener Feder&#x201C;</l><lb/>
              <l>Die Leitartikel Herr Brüggemann schreibt &#x2012;</l><lb/>
              <l>Die weiß zu schätzen ein Jeder.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="11">
              <l>Herr Levy und Herr Brüggemann,</l><lb/>
              <l>Die schreiben mit Anstand und Sitte &#x2012;</l><lb/>
              <l>Ein borstig, niedrigstirniger Kerl</l><lb/>
              <l>Ist in dem Bunde der Dritte.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="12">
              <l>Ein Pommer zwar von Geburt, überragt</l><lb/>
              <l>Er doch noch Herrn Wolfers, ich finde</l><lb/>
              <l>Daß dieser ein Belgier ist &#x2012; o Gott</l><lb/>
              <l>Vergieb mir meine Sünde!</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="13">
              <l>Ein Levy und ein Brüggemann,</l><lb/>
              <l>Ein Flandre und ein Kalmücke:</l><lb/>
              <l>Die sind's, so erleuchten die Rheinprovinz</l><lb/>
              <l>Mit ungewöhnlichem Glücke!</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="14">
              <l>O Joseph, wie preis' ich glücklich Dich,</l><lb/>
              <l>Du hast was die Erde bietet:</l><lb/>
              <l>Du hast Dir für Dein gutes Geld</l><lb/>
              <l>Die vier besten Kerle gemiethet!</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="15">
              <l>Ja, lieber Herr Soherr, glauben Sie dreist</l><lb/>
              <l>An des Vaterlandes Genesung,</l><lb/>
              <l>So lang' noch die Kölnische Zeitung sprießt</l><lb/>
              <l>Aus der allgemeinen Verwesung.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="16">
              <l>Verwesungsrüchig noch manches Jahr</l><lb/>
              <l>Wird sie duften vom Pol zum Aequator,</l><lb/>
              <l>Wenn längst verschwunden Sie und ich</l><lb/>
              <l>Und Herr Engels, der köln'sche Diktator.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="17">
              <l>Der Britte Coleridge roch zu Köln</l><lb/>
              <l>An die siebzig verschied'ne Gerüche;</l><lb/>
              <l>Darunter gewiß auch den Gestank</l><lb/>
              <l>Aus Joseph's politischer Küche.</l><lb/>
            </lg>
          </lg>
          <p>
            <ref type="link">(Schluß folgt).</ref>
          </p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0568/0002] [Deutschland] [Fortsetzung] Ladour, der heute ein Beispiel statuiren will, unter einer Decke. Wenn daß Volk sich nicht selber eklatante Genugthuung nimmt, so werden wir selbst nach einem Siege nicht viel weiter kommen, denn die sogenannte Linke, von der ich so eben einige sprach, sind selber matte Charaktere. Der Kaiser hat vor einer Stunde erst die Stadt verlassen, um gen Schönbrunn zurückzufahren. 1 1/2 Uhr. Die Nationalgarde hat zwei Kanonen erobert; die Geschütze der Garde und Legion werden auf den Basteien aufgepflanzt; es ist schon eine fürchterliche Schlacht geliefert worden; General Breda, Oberst Hrabowski und viele andere Stabsoffiziere bedecken das Feld. 3 Uhr. Ich komme von einer dritten Umschau. Die Nationalgarden des Wimmer Viertels und der Kärtnerstraße suchten die Sturmleuten vom Stephansplatz zu entfernen und schossen in die Nationalgarde der Wieden. Es entstand ein Kampf, in welchem viele fielen, bis die Garden der Wieden das Wimmer Viertel und die Kärtnerstraße in die Flucht trieben. Der Sturm ward nun ununterbrochen wieder geläutet, dauert noch immer fort. Das Landvolk strömt schon herbei. In der Leopoldstadt ist das deutsche Militär Herr des Platzes geblieben; die akademische Legion hat mit ihm vereint viele Kanonen erbeutet, dieselben aber, weil sie nicht fortzubringen waren, in die Donau geworfen. Der ganze Prater wird durch volksbefreundetes Militär bewacht. Im Stephansdome liegt es voll von Verwundeten und Todten. Ich ging abermals zum Reichstage, man sagte mir, der Präsident Strobach halte den Fall für nicht wichtig genug, um eine Sitzung zu veranlassen. Als ich von dort in die Dorotheenstraße hinabstieg, drangen aus einer Seitenstraße plötzlich Schönbrunner Jäger hervor und schoßen auf uns ein. Ich flüchtete, da ich unbewaffnet war, in ein Haus unweit des Grabens. Von dort ertönte aber der Kanonendonner und Pelotonfeuer unaufhörlich. Auf einmal flüchtet alles Militär. Die Kanonen folgen, im Entfliehen Häuser zertrümmernd, die akademische Legion und Nationalgarde hinterher. So ward ich gerettet. Das Militär wurde bis auf den Kohlmarkt verfolgt und dort zum Theil entwaffnet. Die Universität ist mit Barrikaden umzingelt, dort ist das Hauptquartier. Die niederträchtigen Hunde von Czechen und Ruthenen glauben Wien zur panslavistischen Hauptstadt machen und dem Absolutismus wieder übergeben zu können. Die Thüren der Häuser müssen alle offen bleiben, wogegen Niemand am Fenster erscheinen darf, alle Fenster geschlossen bleiben müssen, weil man aus den Fenstern herab geschossen hat. In diesem Augenblicke hat das Volk vollends die Oberhand in der Stadt. Leider geht keine Post ab und Sie werden diesen Brief daher erst später erhalten, weil es vollends an Gelegenheit fehlt, Briefe zu expediren. Ich muß wieder hinaus. 4 Uhr. Ueberall sind Barrikaden. Auf dem Hofe vor dem Kriegsgebäude, auf dem Graben und Kohlmarkt kann man vor Glasscherben kaum gehen; alle Fenster sind zerschossen. Ueberall in den Häusern Verwundete und Todte. Ein nichtunterzeichnetes Plakat fordert die Abgeordneten auf, zusammen zu treten. Als ich eben in die Versammlung treten will, erscheint eine Deputation der Abgeordneten mit weißen Fahnen. Was wollen diese politischen Kretines, worunter ich Goldmark und den infamen Fischof als Hauptfiguranten bemerke? Sie wollen Frieden stiften, vereinbaren, wo die schönste Gelegenheit sich darbietet, die ganze Brut der Kamarilla mit einem Schlage zu vertilgen. Ich folgte den Herren, wir stiegen über Barrikaden vor das Kriegsministerium, wo sie verschwanden. Ich erkundigte mich, was man wolle; man antwortete: Latour und Bach absetzen oder hängen. Bis zur Universität konnte ich noch nicht gelangen. Die Arbeiter sind mit Piken bewaffnet, die trefflich geschmiedet sind. 5 1/2 Uhr. Graf Baillet de la Tour, unser Kriegsminister, hängt auf dem Hof am Laternenpfahl. Man fand diesen Herrn auf dem Boden des Kriegsministeriums versteckt, führte ihn sachte die Stiege hinab in den Hof. Hier versetzte ihm ein wüthender Arbeiter ohne weiteres mit einem Hammer einen Schlag in's Gesicht, worauf er mit Kolbenstößen zu Boden gestreckt wurde. Nun ergriff man die Leiche und knüpfte sie im Hofe des Gebäudes auf und erst als sie dort herabfiel wurde sie von dem wüthenden Volke hinaus auf den öffentlichen Platz gebracht und am Reverber von neuem aufgeknüpft. Der Platz war gedrückt voll Menschen, die Nationalgarde ließ Freudensalven in die Luft ertönen. ‒ Hierauf ward das Zeughaus gestürmt, alle Waffen herausgenommen und unter das Volk vertheilt. Alle Arbeiter sind bewaffnet. Die Grenadiere durchziehen freudejauchzend die Straßen. Alle Welt drückt ihnen die Hände. Spießbürger und Bourgeois haben sich wie die Frösche in ihre Löcher verkrochen. Der Reichstag ist versammelt, aber nur zur Hälfte. Präsident Strobach und die meisten Czechen haben sich aus dem Staube gemacht. Minister Hornbostel ist allein anwesend. Es wird eine Deputation zum Kaiser geschickt, welche ihn ersucht, ein volksthümliches Ministerium zu ernennen. In dieser Deputation befinden sich Hornbostel und Doblhof. Man designirt dieselben also abermals zu Ministern. O sancta simplicitas! Auch ein Wohlfahrtsausschuß ist geschaffen worden, in welchen man die unfähigsten Köpfe, ihre offenbare Verräther, wie Fischof, gewahrt hat. Wenn es nicht besser wird, so haben wir noch nicht viel gewonnen. Während des Mittags hat das Ministerium noch ein heuchlerisches Plakat anschlagen lassen. 61 Wien, 6. Oktober 7 3/4 Uhr. Die Nachricht verbreitet sich, daß die Ungarn in Raab eingerückt sind. Scherzer, ein, wie gesagt wird, energischer Mann, ist zum Oberkommandanten der Nationalgarde ernannt worden. Im bürgerlichen Zeughaus sind keine Waffen mehr, man greift das kaiserliche Zeughaus, welches noch von Militär vertheidigt wird, an. ‒ Nationalgarden und Studenten dringen mit der Drohung in den Reichstag: Wenn ihr uns nicht Recht verschafft, so müssen wir fortfahren, es selbst zu thun! ‒ Eine Deputation wird zu Auersperg, dem Kommandanten von Wien, mit der Aufforderung geschickt, das kaiserl. Zeughaus an die akademische Legion zu übergeben. ‒ Die beiden niederträchtigen Verräther Meyer und Fischof, denen man, wenn man sie nicht schon anders kennte, die gemeine Duplizität vom Gesichte ablesen kann, suchen sich mit volksthümlichen Anträgen wieder geltend zu machen. ‒ Es wird beschlossen, daß weder die Süd- noch die Nordbahn Militär befördern soll. In der Leopoldstadt hat das Feuern aufgehört, ebenso in der Stadt. Es scheint weiter nichts, als der Sturz eines elenden Ministeriums bewirkt zu werden, in welches man aber Subjekte wie Doblhof und Hornbostel wieder aufnimmt. Die demokratischen Journalisten klatschen natürlich Beifall. Schade um das tüchtige Volk, dessen Blut so vergeblich vergeudet wird. Es fehlen uns 100 Kopfdemokraten von Entschiedenheit; Faust- und Heuldemokraten haben wir die Menge. ‒ Das Bourgeoisthum hat alle Fenster beleuchtet, es zittert vor seinem Eigenthum und hat darum seine Krämerladen wieder mit: „Heilig ist das Eigenthum,“ überschrieben. ‒ Das Sturmläuten hat aufgehört, aber das Schießen am Zeughaus dauert noch fort: 10 Uhr. Das Sturmläuten beginnt abermals. Ich komme vom Zeughaus, wo der Kampf hartnäckig fortgeführt wird. Die akademische Legion welche sich am Morgen im Tabor so herrlich hervorgethan, leistet auch hier Wunder der Tapferkeit. Von hinten ist man im Zeughaus bereits eingebrochen und hat einige Waffen erwischt; allein die darin verschanzte Nationalgarde urd das Militär trieben das unbewaffnete Volk bald wieder heraus, desto stärker geschieht der Angriff von vorn. Bach soll im Zeughaus versteckt sein und ihn will man um jeden Preis haben, um ihn neben Latour aufzuknüpfen. Die Deputation des Reichstags soll von dem Kommandanten des Zeughauses niedergeschossen worden sein. Das Zeughaus ist in einer sehr engen Straße gelegen und kann sich lange halten. Als ich fortging, schoß die akademische Legion mit Kanonen von den Basteien auf dasselbe und unterhielt durchs Thor und durch die Fenster ein fürchterliches Peletonfeuer. Ein Hauptmann des Wiener Viertels ist auf einem der Seitenaltäre des Doms niedergestochen worden. Latour hängt noch immer unter der Laterne, man hat ihm ein Leinentuch umgethan, aber alles ist blutig und der ganze Anblick in der tiefen Nacht und bei der hellen Beleuchtung schauerlich. Man hatte ihn auf einem Abtritt des 5. Stocks versteckt gefunden. Im Hofe des Kriegsgebäudes stand Militär, das sich aber nicht rührte, sondern die That ruhig geschehen ließ. Latour ist der Henker von Italien, Ungarn, Böhmen, Gallizien u. s. w. So rächt sich das Volk. Der Wohlfahrtsausschuß hat im Reichstag schon mehre Berichte erstattet und Beschlüsse gefaßt, darunter ist aber noch keiner der Rede werth. Er läßt sie durch Schuselka vortragen. Die nach Schönbrunn gesendete Deputation Lubomirski, Pillersdorf, (sie werden über den Kretinismus staunen, der solche Leute auswählt) Borrosch ist noch nicht zurückgekehrt. Man hegt einige Besorgnisse über sie, obgleich sie mit Bedeckung abgefahren ist. Die Nationalgarde aller umliegenden Dörfer soll den Befehl haben, das herzuströmende Landvolk zurückzuhalten. Das Schlimmste steht noch zu befürchten, denn die ganze Umgegend liegt voll Militär. Unsere Basteien und Stadtgräben sind gut mit Geschütz montirt und bewacht. Ein Ueberfall in der Nacht ist am wahrscheinlichsten. 12 1/2 Uhr Nachts. Vor einer halben Stunde kam die Deputation Borrosch, Lubomirski, Pillersdorf aus Schönbrunn zurück. Letzter bestieg die Tribüne und sagte, der Kaiser habe sie mit gewohnter Gnade und Güte (cheu!) empfangen und ihnen erklärt, er würde dem Reichstage über die gestellten Bitten 1) volksthümliches Ministerium, 2) Rücknahme des Manifestes Jelachich 3) volle Amnistie demnächst eine Bescheidung zukommen lassen. Die Deputation habe nunmehr eine schriftliche Erklärung verlangt und folgende erhalten „An den konstituirenden Reichstag. In Genehmigung der Bitten (?) des Reichstags werden Wir ein neues volksthümliches Ministerium bilden, zu welchem meine Minister Doblhof und Hornbostel beigezogen werden. (Ungeheures Geheul der versammelten Botakuden. Auch die radikale Journalistenbank klatscht Bravo. Die Gallerieen schweigen.) Mit dem neuen Ministerium werden wir die Interessen der Gesammtmonarchie (?) berathen und sprechen die Hoffnung aus, daß die Bevölkerung Wiens zur Herstellung der Ordnung mitwirken wird.“ (Zischen.) Zöpfel: Es lebe der Kaiser! Lassen wir diese gnädige Erklärung augenblicklich drucken und unter das Volk vertheilen. (Die sehr zusammen geschmolzene Versammlung erhebt sich.) Was denken Sie von einer Versammlung, die einem Pillersdorf und Lubomirski solche Aufträge ertheilt und sich von einem Schuselka wohlfahrtsausschussen läßt? Strobach war, wie ich höre, in der Sitzung und wollte präsidiren, als er Bewaffnete auf der Gallerie bemerkte und sich darauf sofort mit den berüchtigsten Czechen und absolutistischen Deutschen aus dem Staube machte. Schuselka berichtet aus dem Ausschuß zur Wahrung der Sicherheit und Ordnung, (die Freiheit lassen die Kerls aus) die Gallerie habe verlangt, die Erzherzoge Ludwig und Franz, sowie die Erzherzogin Sophia sollen auf 2 Jahre aus Oestreich verbannt werden. (Geheul der erschreckten Kammer). Auf dem St. Stephan- und auf andern Thürmen wurden Feuer angezündet und Raketen stiegen auf. Ein Grenadier versicherte mir, das Militär habe stets nur wider die Häuser, selten aber in die Häuser geschossen. Wenn ich vor dem Muthe, vor der Todesverachtung, vor dieser Einigkeit des Wiener Volkes die allergrößte Hochachtung habe, so muß ich mich über die demokratischen Schwachköpfe, welche seine Leiter sind, um so entrüsteter aussprechen. Die Journalistenlogen applaudirten zu allen Erbärmlichkeiten. 7. Okt., Morgens 8 Uhr. Vor Erschöpfung war ich eingeschlafen. Das Schießen und Sturmläuten dauerte die ganze Nacht fort und hat eben erst aufgehört. Man hat den Minister Bach auf der Wieden erwischt. Gestern Abend vergaß ich etwas zu bemerken. Man behauptete, der Kaiser sei längst entflohen; man behauptete, die Deputation habe durch ihren Pillersdorf die Erklärung Ferdinands machen lassen, um die Republik zu vermeiden. Pillersdorf geberdete sich beim Verlesen des Manifests auch, als sei er in der Sonne der kaiserl. Majestät geschmolzen. Der Betrug wäre zu infam. Die erschreckte Camarilla hat während der Nacht noch keinen Angriff gewagt, sie kann dem Militär nicht trauen. 61 Wien, 7. Oktbr. 10 Uhr. Viktoria, das k. k. Zeughaus ist erstürmt, das Volk bewaffnet sich mit herrlichen Perkussionsgewehren. Um auch ein solches zu erhalten, begab ich mich hin. In einer engen steilen Straße angekommen, fällt auf einmal ein Schuß; Alles eilt dichtgedrängt zurück, viele stürzen aufs Pflaster, ich ebenfalls, das Volk darüber her. Ich würde zertreten worden sein, hätte ich mich nicht mit der äußersten Energie emporgehoben und dabei andere niedergeworfen. Ich entkam mit einer verwundeten Hand und einigen Schienbeinverletzungen. Um 1 Uhr in der Nacht zog sich das Militär von seiner drohenden Stellung um die Glacis zurück, nahm aber eine ebensolche am Belvedere und außerhalb der Linien ein. Vom Belvedere aus kann die Stadt bombardirt werden. Graf Auersperg hat erklärt, nicht anzugreifen, wenn er nicht angegriffen würde. Der Reichstag hat dem neugewählten, durchaus schwarzgelben Gemeindeausschuß befohlen, zusammenzutreten. ‒ Die czechische Rechte fehle noch immer, die Galerien sind heute leer. Schuselka, Präsident des Wohlfahrtsausschusses, tritt auf mit dem Antrag, der Reichstag möge folgende Proklamation annehmen und im Volk verbreiten lassen: „Nationalgarden! Der Reichstag hat das Wohl und die Freiheit des Vaterlandes, die Unverletzlichkeit des konstitutionellen Thrones und Reichstags unter die Nationalgarde gestellt. Den höchsten Gütern droht Gefahr durch Anarchie und militärische Reaktion u. s. w. Er macht dabei besonders auf die Gefahren der allgemeinen Volksbewaffnung aufmerksam, ruft also nothwendigerweise die Nationalgarden zum Kampf gegen das Volk auf. Bach ist noch nicht gehängt worden. Das Wiener Volk ist groß im Kampfe, großmüthig im Verzeihen. Der demokratische Centralverein hält permanente Sitzungen. 12. Uhr. Der Tanz um Leben oder Tod der Hälfte der Bevölkerung Wiens wird jetzt erst beginnen. Die Kamarilla treibt uns aufs Aeußerste. So eben erschien der Finanzminister Krauß im Reichstage und las ein an ihn zur Kontrasignatur gesendetes Manifest des Kaisers vor, worin erklärt wird, der Kaiser entferne sich, um Mittel zu treffen, die Bevölkerung Wiens vor dem Druck einer Rotte zu befreien, die die scheußlichsten Thaten begehe. In jesuitischer Weise wendet er sich dann an die guten Bürger, um sie zum Verrath an der demokratischen Bevölkerung Wiens zu verleiten. Der Tod Latours, sagt er, soll gerächt werden. Krauß erklärte, daß er dies Manifest nicht kontrasigniren könne. Dieser Fall ist aber darin vorausgesehen und bestimmt, dasselbe alsdann dem Kommandanten Grafen Auersperg, der mit der Militärmacht am Belvedere steht, zur Kontrasignatur zu übergeben. Schon beginnt der Kampf, das Militär entwaffnet vorübergehende Nationalgarden und beginnt Bomben zu werfen. Der Zustand ist erdrückend schwül. Die Bourgeois-Nationalgarde der Stadt wartet nur auf den Augenblick, um mit dem Militär Hand in Hand zu gehen. Das Volk soll indessen an 50,000 Gewehre aus dem Zeughause genommen haben, die, in Kisten verpackt, für Prag bestimmt gewesen sind. Ich habe Ihnen immer geschrieben, erwarten Sie Großes von Volke Oestreichs, es hat meine Voraussicht gestern bewahrheitet, es wird sie hoffentlich auch ferner bewahrheiten. Der Abbeordnete Kudlich soll in der Nacht vor dem Zeughause erschossen worden sein. Die Befehle des Reichstags werden von Auersperg nicht respektirt, der Reichstag wird im Fall einer Niederlage also gleiches Loos mit dem Volke theilen. Die Czechen sollen sich im feindlichen Lager befinden. Das an den Donaubrücken stehende mährische Militär hat soeben noch erklärt, nicht auf den Bürger zu schießen. Die Taberstraße in der Leopoldstadt sieht entsetzlich aus. Hier wurde [Fortsetzung] [Fortsetzung] Geschlöffelt wird, wer sich rührt oder regt, Gehangen, gebraten, gesotten ‒ Wohl werd' ich mich hüten, Herrn Engels mit Meinem Lästermund zu verspotten. Er würde mich packen mit schrecklicher Faust Und würde zu Tode mich schießen Mit seinem groben Geschütze und ach, Das würde mich sehr verdrießen. Wie einen Krammsvogel würde er mich An den grauen Domkrahnen hangen ‒ Doch die Krammsvögel lassen am besten sich In den Nebeln des Herbstes fangen. Und Krammsvögel schmecken vortrefflich gut Mit buttergeröstetem Brode ‒ O, himmlischer Vater, laß manche mich Noch essen vor meinem Tode!“ IV. Da standen wir auf den Hügeln und Romantisch ward mir zu Muthe ‒ Politische Freunde müssen dies Gefälligst mir halten zu Gute. Und ich sang: „Was mag es bedeuten doch Daß ich, o so traurig binne? Ein Mädchen aus alten Zeiten, ach, Das kommt mir nicht aus dem Sinne! Da fiel Herr Soherr mir eilig ins Wort. „Nicht ein Mädchen, ‒ ein Mährchen! sagt Heine!“ Und zusammenschrak ich und mein Verstand Kam wiederum auf die Beine. „Der Stadtkommandant, Herr Engels, der hat Die Macht jetzt, die materielle. Doch Herr Joseph DuMont in Köln, der besitzt Die intellektuelle. Denn die Kölnische Zeitung ist einzig allein Der Unterdrückung entgangen; Die andern Blätter wurden verpönt, Gebraten, gesotten, gehangen. Die Kölnische Zeitung ward lang' redigirt Mit Rothstift und Scheere, nicht ohne Talent von der alten Frau DuMont, doch Die starb und Joseph, dem Sohne, Ueberließ sie das hübsche Annoncengeschäft Und Joseph ist reich geworden An den Gütern des Glücks und bekommt gewiß Auch bald noch seinen Orden. ‒ Herr Joseph ist ein trefflicher Mann! Bis zur Revolution noch schrieb ich Unsterbliche Feuilleton's für sein Blatt ‒ Und stets sein Verehrer blieb ich. Doch wie sich manche Verbindung lös't So ging auch uns're zu Ende Und das Feuilleton kam in Levy, des Romantischen Schmules Hände. Herr Levy schmult das Feuilleton; Doch mit „breitgeschnittener Feder“ Die Leitartikel Herr Brüggemann schreibt ‒ Die weiß zu schätzen ein Jeder. Herr Levy und Herr Brüggemann, Die schreiben mit Anstand und Sitte ‒ Ein borstig, niedrigstirniger Kerl Ist in dem Bunde der Dritte. Ein Pommer zwar von Geburt, überragt Er doch noch Herrn Wolfers, ich finde Daß dieser ein Belgier ist ‒ o Gott Vergieb mir meine Sünde! Ein Levy und ein Brüggemann, Ein Flandre und ein Kalmücke: Die sind's, so erleuchten die Rheinprovinz Mit ungewöhnlichem Glücke! O Joseph, wie preis' ich glücklich Dich, Du hast was die Erde bietet: Du hast Dir für Dein gutes Geld Die vier besten Kerle gemiethet! Ja, lieber Herr Soherr, glauben Sie dreist An des Vaterlandes Genesung, So lang' noch die Kölnische Zeitung sprießt Aus der allgemeinen Verwesung. Verwesungsrüchig noch manches Jahr Wird sie duften vom Pol zum Aequator, Wenn längst verschwunden Sie und ich Und Herr Engels, der köln'sche Diktator. Der Britte Coleridge roch zu Köln An die siebzig verschied'ne Gerüche; Darunter gewiß auch den Gestank Aus Joseph's politischer Küche. (Schluß folgt).

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Marx-Engels-Gesamtausgabe: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-20T13:08:10Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jürgen Herres: Konvertierung TUSTEP nach XML (2017-03-20T13:08:10Z)
Maria Ermakova, Benjamin Fiechter, Susanne Haaf, Frank Wiegand: Konvertierung XML nach DTA-Basisformat (2017-03-20T13:08:10Z)

Weitere Informationen:

Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Bd. 1 (Nummer 1 bis Nummer 183) Köln, 1. Juni 1848 bis 31. Dezember 1848. Glashütten im Taunus, Verlag Detlev Auvermann KG 1973.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz114_1848
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz114_1848/2
Zitationshilfe: Neue Rheinische Zeitung. Nr. 114. Köln, 12. Oktober 1848, S. 0568. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz114_1848/2>, abgerufen am 21.02.2020.