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St. Galler Volksblatt. Nr. 27, Uznach, 02. 04. 1887.

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St. Galler Volksblatt.

[Spaltenumbruch]
32. Jahrgang.

[Spaltenumbruch] (Druck und Verlag von K. Oberholzer in Uznach.)
[Spaltenumbruch] Samstag, 2. April 1887.



[Spaltenumbruch]

Abonnementspreis: Bei der Expedition 1/2jährl. Fr. 2. 30, 1/4jährl. Fr. 1. 20
Bei den Verträgern und mit Adresse in der Schweiz: 1/2j. Fr. 2. 50, 1/4j. Fr. 1. 30
Bei der eidgen. Post: jährlich Fr. 5.--, 1/2jährl. Fr. 2. 60, 1/4jährl. Fr. 1. 40
Für's Ausland (Postverein) jede Nummer mit Adresse: 1/2jährl. Fr. 5. --
" " " wöchentl. einmal " " 1/2jährl. Fr. 3. 50
Die Versendung findet am Dienstag und Freitag Abend statt und es können
daher nur jene Inseraten berücksichtigt werden, welche am Vormittag des Ausgabe-
Tages in der Druckerei abgegeben sind.


[Spaltenumbruch]
No. 27.

[Spaltenumbruch]

Inserationsgebühr für den Seebezirk (ohne Vermittlung der sog. Inseraten-
bureaux): Die kleinspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Cts.
Für die übrigen Inserenten kostet die kleinspaltige Petitzeile oder deren Raum
15 Cts. -- Bei öfteren Wiederholungen Rabatt. --
Auswärtige Anfragen betreff zu erfragende Inserate müssen 10 Cts. in Brief.
marken für Rückantwort enthalten. -- Unfrankirte Sendungen werden nich-
berücksichtigt. -- Das Blatt erscheint wöchentlich zweimal: Mittwoch & Samstagt
Alle Samstag mit den "Linth-Blätter".




[Spaltenumbruch]

Für das 2. Quartal (Monate April, Mai,
Juni) kann bei allen Postämtern, sowie bei den
betr. Verträgern und bei der Expedition jederzeit
auf das "St. Galler Volksblatt" abonnirt werden.
Zur rechtzeitigen Erneuerung der ablaufenden,
sowie zu neuen Abonnements ladet ergebenst ein




Eidgenössisches.



-- Redemaschinen nennt Hr. Nationalrath Curti die
Rathsversammlungen der Kantone. Gewiß wird auch in
den kantonalen Volksvertretungen viel Unnützes geredet,
wie in der Bundesversammlung, schreibt die "B. V.";
aber so weit hat es meines Wissens in der parlamen-
tarischen Tretmühle doch noch kein Kantonsrath gebracht,
wie der Nationalrath, welcher in kurzer Frist zwei Ge-
jetze (eines über die Geheimmittel, das andere über die
politischen Rechte der Niedergelassenen) durchschwatzte und
als er mit dem Reden fertig war, sein eigenes Fabrikat
als unbrauchbare Pfuscharbeit verwarf!

"Was machi au us Längizyt?"
Zum Muurer seit sy Chnab;
""Su schlah e Chübel Dreck a d'Wand
"" U chraz ne wieder ab!""

-- In den öffentlichen Gewässern der Schweiz sind
letztes Jahr 5,786,000 Fische ausgesetzt worden, worunter
1,245,000 Seeforellen und 1,167,000 Fluß- und Bach-
forellen.

-- Die Volksabstimmung über das Alkoholgesetz
ist auf den 15. Mai angesetzt.

-- In militärischen Kreisen wird behauptet, mit dem
Zustandekommen des Dreikaiserbündnisses zwischen Italien,
Oesterreich und Deutschland habe sich die militärische und
politische Lage der Schweiz merklich verschlechtert.




St. Gallisches.



-- St. Gallen.

Mit größtem Ver-
gnügen haben wir hier in der Hauptstadt vernommen,
wie der Seebezirk und Gaster gegenwärtig sich be-
streben, mit den übrigen St. Gallischen Landen in nähere
Berührung zu kommen, theils durch Eisenbahn-Projekte,
theils durch Anstrebung besserer Post- und Telegraphen-
Verbindung. Das Dürrwälderland war bisher wirklich
so schlecht mit dem übrigen Kanton verbunden, daß
man sich nicht wundern müßte, wenn sich die dortigen
Bewohner nur als halbe St. Galler betrachten würden.
Darum ist es um so erfreulicher, zu sehen, daß der
Patriotismus dennoch so lebhaft sich erhalten hat, daß
man dem Gesammtkanton und der Hauptstadt immer
näher zu rücken wünscht. Schreiber dies hegt zwar noch
einige leise Zweifel, ob die Eisenbahn Uznach-Wattwyl
so bald zu Stande kommen werde; indeß ist die An-
regung und Besprechung des Projektes nur zu begrüßen
und würde dessen Verwirklichung wesentliche Verkehrs-
vortheile bieten.

Was hingegen die bessere Post- und Telegraphen-
Verbindung im oberen Seebezirk anbetrifft, so haben
wir uns schon lange gewundert über die Geduld und
Langmuth der Gemeinden Eschenbach, St. Gallenkappel
und Goldingen, die in Folge der traurigen Verkehrs-
verhältnisse so ziemlich von der Welt abgeschlossen waren.
Der Verkehr mit den übrigen St. Gallischen Landschaften
ist wirklich ein äußerst schwerfälliger und ist durch Ab-
schaffung der Postverbindung Rapperswyl-Eschenbach-Riken
geradezu unerträglich geworden. Es ist daher dem Ge-
meinderath von Eschenbach zu gratuliren, daß er endlich
sich aufgerafft und auf nächsten Sonntag eine Bürger-
Versammlung einberufen hat, um über die Angelegenheit
zu berathen. Freilich wird Eschenbach allein nicht viel
thun können, wenn nicht St. Gallenkappel und Gol-
dingen im wohlverstandenen eigenen Interesse getreulich
mithelfen.

Wir wissen natürlich nicht, zu welchen Resultaten
die Vorbesprechungen geführt haben und was nun zu-
nächst in Aussicht genommen ist. Jedenfalls sollte es
möglich gemacht werden, daß die Post täglich zweimal
abgeht und ankommt, und daß wenigstens in den drei
Gemeinde-Hauptorten die Briefe zweimal ausgetheilt wer-
den. Wenn es, wegen Mangel an Reisenden nicht möglich
wird, zweimalige Postverbindung Rapperswyl-Riken zu
erhalten, so wäre es wohl ebenso praktisch, diesen Post-
[Spaltenumbruch] kurs ganz fallen zu lassen, dafür aber einen Boten zwei-
mal nach Uznach zu schicken, der im Dörfchen Neuhaus,
das so ziemlich den Mittelpunkt der drei Gemeinden
bildet, die Postsendungen je einem Gemeindeboten über-
gibt. Wäre nur Eschenbach allein zu betrachten, so wäre
allerdings ein Postbote nach Schmerikon angezeigter; aber
wie wir uns die Sache vorstellen, müssen die drei Ge-
meinden zusammen wirken, wenn etwas Ersprießliches
erreicht werden soll.

Dies wird noch nothwendiger sein, wenn eine Tele-
graphen-Station erlangt werden will. Aber gerade da
fürchten wir, daß St. Gallenkappel und Goldingen an
Errichtung eines Telegraphen-Bureaus im Dorfe Eschen-
bach sich nicht finanziell betheiligen werden, da ihnen
Schmerikon und Uznach ebenso nahe, zum Theil näher
liegen. Eschenbach allein aber würde voraussichtlich nie
zu einem Telegraphen-Bureau gelangen, da die Aussicht
auf Rentabilität nicht sehr groß wäre. Darum glauben
wir, ein Telephonnetz: Eschenbach-St. Gallen-
kappel-Goldingen
mit Einmündung ins Telegraphen-
Bureau Schmerikon oder Uznach wäre das Allereinfachste,
praktisch und wohlfeil. So haben sich die Rheindörfer
Diepoldsau, Schmitter, Kriesern, Montlingen rc. be-
holfen und finden sich, wie man hört, sehr gut dabei.

Doch es steht uns nicht zu, den betreffenden Ge-
meinden Rathschläge zu ertheilen, noch weniger, ihnen
Vorschriften machen zu wollen. Möge ein guter Stern
über den begonnenen Verhandlungen walten und dieselben
zu einem allgemein befriedigenden Abschluß gelangen!

-- Die Meldung, daß der günstige Ausfall unserer
Staatsrechnung mit Fr. 181,032 Aktivsaldo wesentlich
auf Mehreinnahmen bei den Wirthschaftspatenttaxen und
der Militärsteuer beruhe, ist unrichtig, wie nachfolgende
Zahlen ergeben. Im Ganzen haben die Einnahmen den
budgetirten Betrag um Fr. 242,555. 77 überschritten.
Wir notiren darunter folgende Beträge: Mehrsaldo
Fr. 61,809; Mehrertrag des Staatsgutes und der Re-
galien Fr. 58,890; Mehrertrag des Eisenbahn-Konto
Fr. 24,893; Mehrertrag der indirekten Abgaben (worunter
Patente) Fr. 37,447; der direkten Abgaben Fr. 32,913. 15;
Mehr-Einnahmen im Militär-Departement Fr. 40,075.
Weniger Einnahmen als budgetirt war ergaben die
Straf-Anstalten und die Kantonal-Bank, die ersteren
Fr. 22,103, die letztere Fr. 5000.

Mehr ausgegeben als büdgetirt wurden 135,902 Fr.
und zwar allgemeine Verwaltung Fr. 5744, Militärwesen
Fr. 16,766, Forstwesen Fr. 6,993, Erziehungswesen
Fr. 6,636, Finanzwesen Fr. 35,658, Baudepartement
Fr. 61,010, Justiz und Polizei rc. Fr. 8,080. Weniger
ausgegeben als büdgetirt war, wurden im Ganzen Franken
58,579 (Fr. 30,000 Steuerrevision und Fr. 19,717 bei
den Strafanstalten). Abzüglich die Fr. 58,579 über-
schreiten die Mehrausgaben die Büdgetansätze um netto
Fr. 80,322. 97.

-- Der Stickereiverband der Ostschweiz und
des Vorarlberg hat den vom Zentralkomite vorgelegten
Entwurf für Musterschutz einstimmig angenommen und
sofort in Kraft erklärt. Das Zentralkomite wurde be-
auftragt, die Frage der Muster-Klassifikation im Laufe
des Jahres zu erledigen.

Für den Landsturm haben sich im Kanton 269
Offiziere und 23,729 Mann (-11 Prozent der Bevölkerung)
eingeschrieben. Die gesammte Mannschaft von Auszug
(9,587) und Landwehr (6,600) beträgt 16,628 Mann,
steht also dem Landsturm an Zahl nach.

--* Oberland.

"Toujours perdrix" gilt in
Bezug auf das Wetter -- das ewige Einerlei: grau
in grau. Hat einer gesungen:

"O Sonnenschein, o Sonnenschein,
Wie scheinst du mir in's Herz hinein!"

Das ist wohl vormärzliche Poesie; vom 87 er März-
wetter müßte man eher sagen:

"O Märzensturm, o Märzenschnee,
Wie thust du mir im Herzen weh!"

Wenn der im März auf den Plan getretene schweizer-
ische Landsturm in seiner kriegerischen Begeisterung mit
dem Ungestüme der Jahreszeit wetteifert, dann --
"zittere Byzanz!"

Haben wir auch die mittelalterlichen Zünfte und
Innungen der verschiedenen Berufsarten nicht mehr, so
einigt uns jetzt das Band der -- Entsumpfungen.
"Einer für Alle, Alle für Einen!" ist der Wahlspruch
und nebstbei zieht jeder das Portemonnaie bis an seinen
seligen Tod und überläßt das Erbe dieser Zusammen-
gehörigkeit den Nachkommen, von einer Generation zur
[Spaltenumbruch] andern. Zum Rheinbunde gehören die Gemeinden Ragaz,
Vilters, Sargans und Mels; zur Saarföderation die
nämlichen Gemeinden, während beim Seezunternehmen
Grundbesitzer der politischen Gemeinden Wallenstadt,
Flums und Mels die Schuldgenossenschaft bilden. Viele
Grundbesitzer von Mels sind an sämmtliche drei "Kor-
rektionen" beitragspflichtig. Im Seezunternehmen ist der
beitragspflichtige Grundbesitz in 3 Klassen gebracht, welche
jährlich mit 4, 2 und 1 Rp. per Ruthe Ratabeiträge
belastet sind; diese Klassifikation und Kostenverlegung
gilt indeß nur für die Tilgung und Verzinsung der
Bauschuld. Die Kosten des Unterhalts und der Ver-
waltung des Unternehmens hingegen werden seit zwei
Jahren auf die gesammte Entsumpfungsfläche gleichmäßig
vertheilt und hierüber gesonderte Rechnung geführt. --
Im Schuldbuch dieses Korrektions-Unternehmens besteht
leider noch ein bedeutender Bodensatz: laut jüngst abge-
legter Rechnung pro 1885/86 beträgt die Bauschuld-
restanz auf 31. Jänner 1886 noch rund Fr. 417,000.
Es restirt aber allerdings noch manch Anderes, um das
Werk zu vollenden und der kostbilligen Korrektion der
Gewässer den entsprechenden Werth zu geben: Drainage,
Bodenzusammenlegung und Weganlagen. Eine hiefür
beanspruchte Bundessubvention wurde an Bedingungen
geknüpft, welche die Wohlthat als Plage hätten erscheinen
lassen.

An der Bruder-Klausenfeier hat das Ober-
land ehrenden und "feurigen" Antheil genommen. Frei-
lich hat die großartige Naturwelt hier Anhaltspunkte
in Fülle geboten, um die nächtlichen Freudenfeuer und
Kunstfeuerwerke auf große Entfernungen sichtbar zu machen.
Die Jugend hatte sich mit einer Begeisterung an die
Materialbeschaffung gemacht, die fast des Guten zuviel
befürchten ließ. An einigen Orten wurde aus der Ge-
meindekasse ein Beitrag für Illumination ausgeworfen.
Auch die Klostergemeinschaft in Mels soll sich sehr
illuminös ausgezeichnet haben.

Wie ich aus einer offiziellen Zuschrift ersehe, wird
Anfangs Mai das 50 jährige Priesterjubiläum des Herrn
Dekan und Pfarrer Zindel in Mels dortselbst durch
eine entsprechende einfache Feier begangen werden. Die
Pfarrpfründe Mels weiß ihre Titularen zu fesseln; das
beweisen die wenigen "Wechselfälle" im Vergleich zu so
vielen andern Pfarrpfründen in unserer Diözese. Seit
dem Sommer 1822, wo Hr. Pfarrer I. Stutz im Pfarr-
hofe Mels einzog, hat diese Pfarrgemeinde bis auf diese
Stunde bloß 2 Pfarrer gehabt. Nachdem Hr. Pfarrer
Stutz volle 28 Jahre hier gewirkt und seine Kräfte
sinken fühlte, sprach er im Freundeskreise: "Ad vesperascit
-- ich spüre das Herannahen des Alters und fürchte,
den Anforderungen der großen Gemeinde (die jetzige
Kirchgemeinde Wangs gehörte damals dem Pfarrsprengel
Mels an), nicht mehr genügen zu können; ich will eine
Station weiter ziehen." Hr. Stutz ließ sich dann auf
die vakante Kaplaneipfründe Ragaz wählen, wo er den
religiös und politisch gleichgestimmten Hrn. Dekan I. A.
Federer zum Pfarrer hatte. Seither -- also seit
36 Jahren -- steht Hr. Pfarrer I. A. Zindel von
Sargans der Kirchgemeinde Mels als Pfarrer vor.

Der jetzige Pfarrherr von Ragaz -- ein unermüd-
licher, energischer, rücksichtsloser "Schaffer" -- setzt seine
kirchenpolitische "Bausteine" zum Episkopat des hochsel.
Bischof Mirer im "Rorsch. Bt." fort. Im Gegensatze
zu Janssen, der die Objektivität selbst ist, rekonstruirt
Hr. O. die zu beschreibende Epoche nach subjektiver Auf-
fassung, wobei er denn doch Gefahr laufen dürfte, hie
und da -- nebenaus zu schießen. "Semper ad even-
tum festinat
" heißt's übrigens hier nicht; denn wenn
der Verfasser bei seinem rastlosen Forscherdrange kein
rascheres Tempo anschlägt, so werden wohl die sieben
letzten Bände erst nach seiner Himmelfahrt erscheinen
können.

-- # Gaster.

Schon lange hat uns ein Uebelstand im
herwärtigen Verkehrs- und Korrespondenzwesen mißfallen
und eigentlich gekränkt, nämlich der, daß im Morgenzuge
der Eisenbahn von Weesen abwärts keine solchen Briefe
-- auch nicht einmal einfache Briefe -- spedirt werden,
welche nicht weiter als bis etwa Rapperswyl addressirt
sind und daß nur Briefsachen, welche nach Zürich oder
zu noch fernerer Distanz reisen sollen, Beförderung er-
fahren. Was z. B. in Kaltbrunn, Benken oder Schännis
Abends zwischen 71/4 und 8 Uhr dem postamtlichen Brief-
kasten oder Einwurf anvertraut wird und gemäß Adresse
nach Uznach oder Schmerikon oder Rapperswyl gehört,
findet keine Spedition mit dem Morgenzuge, sondern

St. Galler Volksblatt.

[Spaltenumbruch]
32. Jahrgang.

[Spaltenumbruch] (Druck und Verlag von K. Oberholzer in Uznach.)
[Spaltenumbruch] Samſtag, 2. April 1887.



[Spaltenumbruch]

Abonnementspreis: Bei der Expedition ½jährl. Fr. 2. 30, ¼jährl. Fr. 1. 20
Bei den Verträgern und mit Adreſſe in der Schweiz: ½j. Fr. 2. 50, ¼j. Fr. 1. 30
Bei der eidgen. Poſt: jährlich Fr. 5.—, ½jährl. Fr. 2. 60, ¼jährl. Fr. 1. 40
Für’s Ausland (Poſtverein) jede Nummer mit Adreſſe: ½jährl. Fr. 5. —
„ „ „ wöchentl. einmal „ „ ½jährl. Fr. 3. 50
Die Verſendung findet am Dienſtag und Freitag Abend ſtatt und es können
daher nur jene Inſeraten berückſichtigt werden, welche am Vormittag des Ausgabe-
Tages in der Druckerei abgegeben ſind.


[Spaltenumbruch]
No. 27.

[Spaltenumbruch]

Inſerationsgebühr für den Seebezirk (ohne Vermittlung der ſog. Inſeraten-
bureaux): Die kleinſpaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Cts.
Für die übrigen Inſerenten koſtet die kleinſpaltige Petitzeile oder deren Raum
15 Cts. — Bei öfteren Wiederholungen Rabatt. —
Auswärtige Anfragen betreff zu erfragende Inſerate müſſen 10 Cts. in Brief.
marken für Rückantwort enthalten. — Unfrankirte Sendungen werden nich-
berückſichtigt. — Das Blatt erſcheint wöchentlich zweimal: Mittwoch & Samſtagt
Alle Samſtag mit den „Linth-Blätter“.




[Spaltenumbruch]

Für das 2. Quartal (Monate April, Mai,
Juni) kann bei allen Poſtämtern, ſowie bei den
betr. Verträgern und bei der Expedition jederzeit
auf das „St. Galler Volksblatt“ abonnirt werden.
Zur rechtzeitigen Erneuerung der ablaufenden,
ſowie zu neuen Abonnements ladet ergebenſt ein




Eidgenöſſiſches.



Redemaſchinen nennt Hr. Nationalrath Curti die
Rathsverſammlungen der Kantone. Gewiß wird auch in
den kantonalen Volksvertretungen viel Unnützes geredet,
wie in der Bundesverſammlung, ſchreibt die „B. V.“;
aber ſo weit hat es meines Wiſſens in der parlamen-
tariſchen Tretmühle doch noch kein Kantonsrath gebracht,
wie der Nationalrath, welcher in kurzer Friſt zwei Ge-
jetze (eines über die Geheimmittel, das andere über die
politiſchen Rechte der Niedergelaſſenen) durchſchwatzte und
als er mit dem Reden fertig war, ſein eigenes Fabrikat
als unbrauchbare Pfuſcharbeit verwarf!

„Was machi au us Längizyt?“
Zum Muurer ſeit ſy Chnab;
„„Su ſchlah e Chübel Dreck a d’Wand
„„ U chraz ne wieder ab!““

— In den öffentlichen Gewäſſern der Schweiz ſind
letztes Jahr 5,786,000 Fiſche ausgeſetzt worden, worunter
1,245,000 Seeforellen und 1,167,000 Fluß- und Bach-
forellen.

— Die Volksabſtimmung über das Alkoholgeſetz
iſt auf den 15. Mai angeſetzt.

— In militäriſchen Kreiſen wird behauptet, mit dem
Zuſtandekommen des Dreikaiſerbündniſſes zwiſchen Italien,
Oeſterreich und Deutſchland habe ſich die militäriſche und
politiſche Lage der Schweiz merklich verſchlechtert.




St. Galliſches.



St. Gallen.

Mit größtem Ver-
gnügen haben wir hier in der Hauptſtadt vernommen,
wie der Seebezirk und Gaſter gegenwärtig ſich be-
ſtreben, mit den übrigen St. Galliſchen Landen in nähere
Berührung zu kommen, theils durch Eiſenbahn-Projekte,
theils durch Anſtrebung beſſerer Poſt- und Telegraphen-
Verbindung. Das Dürrwälderland war bisher wirklich
ſo ſchlecht mit dem übrigen Kanton verbunden, daß
man ſich nicht wundern müßte, wenn ſich die dortigen
Bewohner nur als halbe St. Galler betrachten würden.
Darum iſt es um ſo erfreulicher, zu ſehen, daß der
Patriotismus dennoch ſo lebhaft ſich erhalten hat, daß
man dem Geſammtkanton und der Hauptſtadt immer
näher zu rücken wünſcht. Schreiber dies hegt zwar noch
einige leiſe Zweifel, ob die Eiſenbahn Uznach-Wattwyl
ſo bald zu Stande kommen werde; indeß iſt die An-
regung und Beſprechung des Projektes nur zu begrüßen
und würde deſſen Verwirklichung weſentliche Verkehrs-
vortheile bieten.

Was hingegen die beſſere Poſt- und Telegraphen-
Verbindung im oberen Seebezirk anbetrifft, ſo haben
wir uns ſchon lange gewundert über die Geduld und
Langmuth der Gemeinden Eſchenbach, St. Gallenkappel
und Goldingen, die in Folge der traurigen Verkehrs-
verhältniſſe ſo ziemlich von der Welt abgeſchloſſen waren.
Der Verkehr mit den übrigen St. Galliſchen Landſchaften
iſt wirklich ein äußerſt ſchwerfälliger und iſt durch Ab-
ſchaffung der Poſtverbindung Rapperswyl-Eſchenbach-Riken
geradezu unerträglich geworden. Es iſt daher dem Ge-
meinderath von Eſchenbach zu gratuliren, daß er endlich
ſich aufgerafft und auf nächſten Sonntag eine Bürger-
Verſammlung einberufen hat, um über die Angelegenheit
zu berathen. Freilich wird Eſchenbach allein nicht viel
thun können, wenn nicht St. Gallenkappel und Gol-
dingen im wohlverſtandenen eigenen Intereſſe getreulich
mithelfen.

Wir wiſſen natürlich nicht, zu welchen Reſultaten
die Vorbeſprechungen geführt haben und was nun zu-
nächſt in Ausſicht genommen iſt. Jedenfalls ſollte es
möglich gemacht werden, daß die Poſt täglich zweimal
abgeht und ankommt, und daß wenigſtens in den drei
Gemeinde-Hauptorten die Briefe zweimal ausgetheilt wer-
den. Wenn es, wegen Mangel an Reiſenden nicht möglich
wird, zweimalige Poſtverbindung Rapperswyl-Riken zu
erhalten, ſo wäre es wohl ebenſo praktiſch, dieſen Poſt-
[Spaltenumbruch] kurs ganz fallen zu laſſen, dafür aber einen Boten zwei-
mal nach Uznach zu ſchicken, der im Dörfchen Neuhaus,
das ſo ziemlich den Mittelpunkt der drei Gemeinden
bildet, die Poſtſendungen je einem Gemeindeboten über-
gibt. Wäre nur Eſchenbach allein zu betrachten, ſo wäre
allerdings ein Poſtbote nach Schmerikon angezeigter; aber
wie wir uns die Sache vorſtellen, müſſen die drei Ge-
meinden zuſammen wirken, wenn etwas Erſprießliches
erreicht werden ſoll.

Dies wird noch nothwendiger ſein, wenn eine Tele-
graphen-Station erlangt werden will. Aber gerade da
fürchten wir, daß St. Gallenkappel und Goldingen an
Errichtung eines Telegraphen-Bureaus im Dorfe Eſchen-
bach ſich nicht finanziell betheiligen werden, da ihnen
Schmerikon und Uznach ebenſo nahe, zum Theil näher
liegen. Eſchenbach allein aber würde vorausſichtlich nie
zu einem Telegraphen-Bureau gelangen, da die Ausſicht
auf Rentabilität nicht ſehr groß wäre. Darum glauben
wir, ein Telephonnetz: Eſchenbach-St. Gallen-
kappel-Goldingen
mit Einmündung ins Telegraphen-
Bureau Schmerikon oder Uznach wäre das Allereinfachſte,
praktiſch und wohlfeil. So haben ſich die Rheindörfer
Diepoldsau, Schmitter, Krieſern, Montlingen rc. be-
holfen und finden ſich, wie man hört, ſehr gut dabei.

Doch es ſteht uns nicht zu, den betreffenden Ge-
meinden Rathſchläge zu ertheilen, noch weniger, ihnen
Vorſchriften machen zu wollen. Möge ein guter Stern
über den begonnenen Verhandlungen walten und dieſelben
zu einem allgemein befriedigenden Abſchluß gelangen!

— Die Meldung, daß der günſtige Ausfall unſerer
Staatsrechnung mit Fr. 181,032 Aktivſaldo weſentlich
auf Mehreinnahmen bei den Wirthſchaftspatenttaxen und
der Militärſteuer beruhe, iſt unrichtig, wie nachfolgende
Zahlen ergeben. Im Ganzen haben die Einnahmen den
budgetirten Betrag um Fr. 242,555. 77 überſchritten.
Wir notiren darunter folgende Beträge: Mehrſaldo
Fr. 61,809; Mehrertrag des Staatsgutes und der Re-
galien Fr. 58,890; Mehrertrag des Eiſenbahn-Konto
Fr. 24,893; Mehrertrag der indirekten Abgaben (worunter
Patente) Fr. 37,447; der direkten Abgaben Fr. 32,913. 15;
Mehr-Einnahmen im Militär-Departement Fr. 40,075.
Weniger Einnahmen als budgetirt war ergaben die
Straf-Anſtalten und die Kantonal-Bank, die erſteren
Fr. 22,103, die letztere Fr. 5000.

Mehr ausgegeben als büdgetirt wurden 135,902 Fr.
und zwar allgemeine Verwaltung Fr. 5744, Militärweſen
Fr. 16,766, Forſtweſen Fr. 6,993, Erziehungsweſen
Fr. 6,636, Finanzweſen Fr. 35,658, Baudepartement
Fr. 61,010, Juſtiz und Polizei rc. Fr. 8,080. Weniger
ausgegeben als büdgetirt war, wurden im Ganzen Franken
58,579 (Fr. 30,000 Steuerreviſion und Fr. 19,717 bei
den Strafanſtalten). Abzüglich die Fr. 58,579 über-
ſchreiten die Mehrausgaben die Büdgetanſätze um netto
Fr. 80,322. 97.

— Der Stickereiverband der Oſtſchweiz und
des Vorarlberg hat den vom Zentralkomite vorgelegten
Entwurf für Muſterſchutz einſtimmig angenommen und
ſofort in Kraft erklärt. Das Zentralkomite wurde be-
auftragt, die Frage der Muſter-Klaſſifikation im Laufe
des Jahres zu erledigen.

Für den Landſturm haben ſich im Kanton 269
Offiziere und 23,729 Mann (-11 Prozent der Bevölkerung)
eingeſchrieben. Die geſammte Mannſchaft von Auszug
(9,587) und Landwehr (6,600) beträgt 16,628 Mann,
ſteht alſo dem Landſturm an Zahl nach.

—* Oberland.

»Toujours perdrix« gilt in
Bezug auf das Wetter — das ewige Einerlei: grau
in grau. Hat einer geſungen:

„O Sonnenſchein, o Sonnenſchein,
Wie ſcheinſt du mir in’s Herz hinein!“

Das iſt wohl vormärzliche Poeſie; vom 87 er März-
wetter müßte man eher ſagen:

„O Märzenſturm, o Märzenſchnee,
Wie thuſt du mir im Herzen weh!“

Wenn der im März auf den Plan getretene ſchweizer-
iſche Landſturm in ſeiner kriegeriſchen Begeiſterung mit
dem Ungeſtüme der Jahreszeit wetteifert, dann —
„zittere Byzanz!“

Haben wir auch die mittelalterlichen Zünfte und
Innungen der verſchiedenen Berufsarten nicht mehr, ſo
einigt uns jetzt das Band der — Entſumpfungen.
„Einer für Alle, Alle für Einen!“ iſt der Wahlſpruch
und nebſtbei zieht jeder das Portemonnaie bis an ſeinen
ſeligen Tod und überläßt das Erbe dieſer Zuſammen-
gehörigkeit den Nachkommen, von einer Generation zur
[Spaltenumbruch] andern. Zum Rheinbunde gehören die Gemeinden Ragaz,
Vilters, Sargans und Mels; zur Saarföderation die
nämlichen Gemeinden, während beim Seezunternehmen
Grundbeſitzer der politiſchen Gemeinden Wallenſtadt,
Flums und Mels die Schuldgenoſſenſchaft bilden. Viele
Grundbeſitzer von Mels ſind an ſämmtliche drei „Kor-
rektionen“ beitragspflichtig. Im Seezunternehmen iſt der
beitragspflichtige Grundbeſitz in 3 Klaſſen gebracht, welche
jährlich mit 4, 2 und 1 Rp. per Ruthe Ratabeiträge
belaſtet ſind; dieſe Klaſſifikation und Koſtenverlegung
gilt indeß nur für die Tilgung und Verzinſung der
Bauſchuld. Die Koſten des Unterhalts und der Ver-
waltung des Unternehmens hingegen werden ſeit zwei
Jahren auf die geſammte Entſumpfungsfläche gleichmäßig
vertheilt und hierüber geſonderte Rechnung geführt. —
Im Schuldbuch dieſes Korrektions-Unternehmens beſteht
leider noch ein bedeutender Bodenſatz: laut jüngſt abge-
legter Rechnung pro 1885/86 beträgt die Bauſchuld-
reſtanz auf 31. Jänner 1886 noch rund Fr. 417,000.
Es reſtirt aber allerdings noch manch Anderes, um das
Werk zu vollenden und der koſtbilligen Korrektion der
Gewäſſer den entſprechenden Werth zu geben: Drainage,
Bodenzuſammenlegung und Weganlagen. Eine hiefür
beanſpruchte Bundesſubvention wurde an Bedingungen
geknüpft, welche die Wohlthat als Plage hätten erſcheinen
laſſen.

An der Bruder-Klauſenfeier hat das Ober-
land ehrenden und „feurigen“ Antheil genommen. Frei-
lich hat die großartige Naturwelt hier Anhaltspunkte
in Fülle geboten, um die nächtlichen Freudenfeuer und
Kunſtfeuerwerke auf große Entfernungen ſichtbar zu machen.
Die Jugend hatte ſich mit einer Begeiſterung an die
Materialbeſchaffung gemacht, die faſt des Guten zuviel
befürchten ließ. An einigen Orten wurde aus der Ge-
meindekaſſe ein Beitrag für Illumination ausgeworfen.
Auch die Kloſtergemeinſchaft in Mels ſoll ſich ſehr
illuminös ausgezeichnet haben.

Wie ich aus einer offiziellen Zuſchrift erſehe, wird
Anfangs Mai das 50 jährige Prieſterjubiläum des Herrn
Dekan und Pfarrer Zindel in Mels dortſelbſt durch
eine entſprechende einfache Feier begangen werden. Die
Pfarrpfründe Mels weiß ihre Titularen zu feſſeln; das
beweiſen die wenigen „Wechſelfälle“ im Vergleich zu ſo
vielen andern Pfarrpfründen in unſerer Diözeſe. Seit
dem Sommer 1822, wo Hr. Pfarrer I. Stutz im Pfarr-
hofe Mels einzog, hat dieſe Pfarrgemeinde bis auf dieſe
Stunde bloß 2 Pfarrer gehabt. Nachdem Hr. Pfarrer
Stutz volle 28 Jahre hier gewirkt und ſeine Kräfte
ſinken fühlte, ſprach er im Freundeskreiſe: „Ad vesperascit
— ich ſpüre das Herannahen des Alters und fürchte,
den Anforderungen der großen Gemeinde (die jetzige
Kirchgemeinde Wangs gehörte damals dem Pfarrſprengel
Mels an), nicht mehr genügen zu können; ich will eine
Station weiter ziehen.“ Hr. Stutz ließ ſich dann auf
die vakante Kaplaneipfründe Ragaz wählen, wo er den
religiös und politiſch gleichgeſtimmten Hrn. Dekan I. A.
Federer zum Pfarrer hatte. Seither — alſo ſeit
36 Jahren — ſteht Hr. Pfarrer I. A. Zindel von
Sargans der Kirchgemeinde Mels als Pfarrer vor.

Der jetzige Pfarrherr von Ragaz — ein unermüd-
licher, energiſcher, rückſichtsloſer „Schaffer“ — ſetzt ſeine
kirchenpolitiſche „Bauſteine“ zum Episkopat des hochſel.
Biſchof Mirer im „Rorſch. Bt.“ fort. Im Gegenſatze
zu Janſſen, der die Objektivität ſelbſt iſt, rekonſtruirt
Hr. O. die zu beſchreibende Epoche nach ſubjektiver Auf-
faſſung, wobei er denn doch Gefahr laufen dürfte, hie
und da — nebenaus zu ſchießen. »Semper ad even-
tum festinat
« heißt’s übrigens hier nicht; denn wenn
der Verfaſſer bei ſeinem raſtloſen Forſcherdrange kein
raſcheres Tempo anſchlägt, ſo werden wohl die ſieben
letzten Bände erſt nach ſeiner Himmelfahrt erſcheinen
können.

— # Gaſter.

Schon lange hat uns ein Uebelſtand im
herwärtigen Verkehrs- und Korreſpondenzweſen mißfallen
und eigentlich gekränkt, nämlich der, daß im Morgenzuge
der Eiſenbahn von Weeſen abwärts keine ſolchen Briefe
— auch nicht einmal einfache Briefe — ſpedirt werden,
welche nicht weiter als bis etwa Rapperswyl addreſſirt
ſind und daß nur Briefſachen, welche nach Zürich oder
zu noch fernerer Diſtanz reiſen ſollen, Beförderung er-
fahren. Was z. B. in Kaltbrunn, Benken oder Schännis
Abends zwiſchen 7¼ und 8 Uhr dem poſtamtlichen Brief-
kaſten oder Einwurf anvertraut wird und gemäß Adreſſe
nach Uznach oder Schmerikon oder Rapperswyl gehört,
findet keine Spedition mit dem Morgenzuge, ſondern

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[1/0001] St. Galler Volksblatt. 32. Jahrgang. (Druck und Verlag von K. Oberholzer in Uznach.) Samſtag, 2. April 1887. Abonnementspreis: Bei der Expedition ½jährl. Fr. 2. 30, ¼jährl. Fr. 1. 20 Bei den Verträgern und mit Adreſſe in der Schweiz: ½j. Fr. 2. 50, ¼j. Fr. 1. 30 Bei der eidgen. Poſt: jährlich Fr. 5.—, ½jährl. Fr. 2. 60, ¼jährl. Fr. 1. 40 Für’s Ausland (Poſtverein) jede Nummer mit Adreſſe: ½jährl. Fr. 5. — „ „ „ wöchentl. einmal „ „ ½jährl. Fr. 3. 50 Die Verſendung findet am Dienſtag und Freitag Abend ſtatt und es können daher nur jene Inſeraten berückſichtigt werden, welche am Vormittag des Ausgabe- Tages in der Druckerei abgegeben ſind. No. 27. Inſerationsgebühr für den Seebezirk (ohne Vermittlung der ſog. Inſeraten- bureaux): Die kleinſpaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Cts. Für die übrigen Inſerenten koſtet die kleinſpaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Cts. — Bei öfteren Wiederholungen Rabatt. — Auswärtige Anfragen betreff zu erfragende Inſerate müſſen 10 Cts. in Brief. marken für Rückantwort enthalten. — Unfrankirte Sendungen werden nich- berückſichtigt. — Das Blatt erſcheint wöchentlich zweimal: Mittwoch & Samſtagt Alle Samſtag mit den „Linth-Blätter“. Für das 2. Quartal (Monate April, Mai, Juni) kann bei allen Poſtämtern, ſowie bei den betr. Verträgern und bei der Expedition jederzeit auf das „St. Galler Volksblatt“ abonnirt werden. Zur rechtzeitigen Erneuerung der ablaufenden, ſowie zu neuen Abonnements ladet ergebenſt ein Die Expedition. Eidgenöſſiſches. — Redemaſchinen nennt Hr. Nationalrath Curti die Rathsverſammlungen der Kantone. Gewiß wird auch in den kantonalen Volksvertretungen viel Unnützes geredet, wie in der Bundesverſammlung, ſchreibt die „B. V.“; aber ſo weit hat es meines Wiſſens in der parlamen- tariſchen Tretmühle doch noch kein Kantonsrath gebracht, wie der Nationalrath, welcher in kurzer Friſt zwei Ge- jetze (eines über die Geheimmittel, das andere über die politiſchen Rechte der Niedergelaſſenen) durchſchwatzte und als er mit dem Reden fertig war, ſein eigenes Fabrikat als unbrauchbare Pfuſcharbeit verwarf! „Was machi au us Längizyt?“ Zum Muurer ſeit ſy Chnab; „„Su ſchlah e Chübel Dreck a d’Wand „„ U chraz ne wieder ab!““ — In den öffentlichen Gewäſſern der Schweiz ſind letztes Jahr 5,786,000 Fiſche ausgeſetzt worden, worunter 1,245,000 Seeforellen und 1,167,000 Fluß- und Bach- forellen. — Die Volksabſtimmung über das Alkoholgeſetz iſt auf den 15. Mai angeſetzt. — In militäriſchen Kreiſen wird behauptet, mit dem Zuſtandekommen des Dreikaiſerbündniſſes zwiſchen Italien, Oeſterreich und Deutſchland habe ſich die militäriſche und politiſche Lage der Schweiz merklich verſchlechtert. St. Galliſches. — St. Gallen. (Korreſp.) Mit größtem Ver- gnügen haben wir hier in der Hauptſtadt vernommen, wie der Seebezirk und Gaſter gegenwärtig ſich be- ſtreben, mit den übrigen St. Galliſchen Landen in nähere Berührung zu kommen, theils durch Eiſenbahn-Projekte, theils durch Anſtrebung beſſerer Poſt- und Telegraphen- Verbindung. Das Dürrwälderland war bisher wirklich ſo ſchlecht mit dem übrigen Kanton verbunden, daß man ſich nicht wundern müßte, wenn ſich die dortigen Bewohner nur als halbe St. Galler betrachten würden. Darum iſt es um ſo erfreulicher, zu ſehen, daß der Patriotismus dennoch ſo lebhaft ſich erhalten hat, daß man dem Geſammtkanton und der Hauptſtadt immer näher zu rücken wünſcht. Schreiber dies hegt zwar noch einige leiſe Zweifel, ob die Eiſenbahn Uznach-Wattwyl ſo bald zu Stande kommen werde; indeß iſt die An- regung und Beſprechung des Projektes nur zu begrüßen und würde deſſen Verwirklichung weſentliche Verkehrs- vortheile bieten. Was hingegen die beſſere Poſt- und Telegraphen- Verbindung im oberen Seebezirk anbetrifft, ſo haben wir uns ſchon lange gewundert über die Geduld und Langmuth der Gemeinden Eſchenbach, St. Gallenkappel und Goldingen, die in Folge der traurigen Verkehrs- verhältniſſe ſo ziemlich von der Welt abgeſchloſſen waren. Der Verkehr mit den übrigen St. Galliſchen Landſchaften iſt wirklich ein äußerſt ſchwerfälliger und iſt durch Ab- ſchaffung der Poſtverbindung Rapperswyl-Eſchenbach-Riken geradezu unerträglich geworden. Es iſt daher dem Ge- meinderath von Eſchenbach zu gratuliren, daß er endlich ſich aufgerafft und auf nächſten Sonntag eine Bürger- Verſammlung einberufen hat, um über die Angelegenheit zu berathen. Freilich wird Eſchenbach allein nicht viel thun können, wenn nicht St. Gallenkappel und Gol- dingen im wohlverſtandenen eigenen Intereſſe getreulich mithelfen. Wir wiſſen natürlich nicht, zu welchen Reſultaten die Vorbeſprechungen geführt haben und was nun zu- nächſt in Ausſicht genommen iſt. Jedenfalls ſollte es möglich gemacht werden, daß die Poſt täglich zweimal abgeht und ankommt, und daß wenigſtens in den drei Gemeinde-Hauptorten die Briefe zweimal ausgetheilt wer- den. Wenn es, wegen Mangel an Reiſenden nicht möglich wird, zweimalige Poſtverbindung Rapperswyl-Riken zu erhalten, ſo wäre es wohl ebenſo praktiſch, dieſen Poſt- kurs ganz fallen zu laſſen, dafür aber einen Boten zwei- mal nach Uznach zu ſchicken, der im Dörfchen Neuhaus, das ſo ziemlich den Mittelpunkt der drei Gemeinden bildet, die Poſtſendungen je einem Gemeindeboten über- gibt. Wäre nur Eſchenbach allein zu betrachten, ſo wäre allerdings ein Poſtbote nach Schmerikon angezeigter; aber wie wir uns die Sache vorſtellen, müſſen die drei Ge- meinden zuſammen wirken, wenn etwas Erſprießliches erreicht werden ſoll. Dies wird noch nothwendiger ſein, wenn eine Tele- graphen-Station erlangt werden will. Aber gerade da fürchten wir, daß St. Gallenkappel und Goldingen an Errichtung eines Telegraphen-Bureaus im Dorfe Eſchen- bach ſich nicht finanziell betheiligen werden, da ihnen Schmerikon und Uznach ebenſo nahe, zum Theil näher liegen. Eſchenbach allein aber würde vorausſichtlich nie zu einem Telegraphen-Bureau gelangen, da die Ausſicht auf Rentabilität nicht ſehr groß wäre. Darum glauben wir, ein Telephonnetz: Eſchenbach-St. Gallen- kappel-Goldingen mit Einmündung ins Telegraphen- Bureau Schmerikon oder Uznach wäre das Allereinfachſte, praktiſch und wohlfeil. So haben ſich die Rheindörfer Diepoldsau, Schmitter, Krieſern, Montlingen rc. be- holfen und finden ſich, wie man hört, ſehr gut dabei. Doch es ſteht uns nicht zu, den betreffenden Ge- meinden Rathſchläge zu ertheilen, noch weniger, ihnen Vorſchriften machen zu wollen. Möge ein guter Stern über den begonnenen Verhandlungen walten und dieſelben zu einem allgemein befriedigenden Abſchluß gelangen! — Die Meldung, daß der günſtige Ausfall unſerer Staatsrechnung mit Fr. 181,032 Aktivſaldo weſentlich auf Mehreinnahmen bei den Wirthſchaftspatenttaxen und der Militärſteuer beruhe, iſt unrichtig, wie nachfolgende Zahlen ergeben. Im Ganzen haben die Einnahmen den budgetirten Betrag um Fr. 242,555. 77 überſchritten. Wir notiren darunter folgende Beträge: Mehrſaldo Fr. 61,809; Mehrertrag des Staatsgutes und der Re- galien Fr. 58,890; Mehrertrag des Eiſenbahn-Konto Fr. 24,893; Mehrertrag der indirekten Abgaben (worunter Patente) Fr. 37,447; der direkten Abgaben Fr. 32,913. 15; Mehr-Einnahmen im Militär-Departement Fr. 40,075. Weniger Einnahmen als budgetirt war ergaben die Straf-Anſtalten und die Kantonal-Bank, die erſteren Fr. 22,103, die letztere Fr. 5000. Mehr ausgegeben als büdgetirt wurden 135,902 Fr. und zwar allgemeine Verwaltung Fr. 5744, Militärweſen Fr. 16,766, Forſtweſen Fr. 6,993, Erziehungsweſen Fr. 6,636, Finanzweſen Fr. 35,658, Baudepartement Fr. 61,010, Juſtiz und Polizei rc. Fr. 8,080. Weniger ausgegeben als büdgetirt war, wurden im Ganzen Franken 58,579 (Fr. 30,000 Steuerreviſion und Fr. 19,717 bei den Strafanſtalten). Abzüglich die Fr. 58,579 über- ſchreiten die Mehrausgaben die Büdgetanſätze um netto Fr. 80,322. 97. — Der Stickereiverband der Oſtſchweiz und des Vorarlberg hat den vom Zentralkomite vorgelegten Entwurf für Muſterſchutz einſtimmig angenommen und ſofort in Kraft erklärt. Das Zentralkomite wurde be- auftragt, die Frage der Muſter-Klaſſifikation im Laufe des Jahres zu erledigen. Für den Landſturm haben ſich im Kanton 269 Offiziere und 23,729 Mann (-11 Prozent der Bevölkerung) eingeſchrieben. Die geſammte Mannſchaft von Auszug (9,587) und Landwehr (6,600) beträgt 16,628 Mann, ſteht alſo dem Landſturm an Zahl nach. —* Oberland. »Toujours perdrix« gilt in Bezug auf das Wetter — das ewige Einerlei: grau in grau. Hat einer geſungen: „O Sonnenſchein, o Sonnenſchein, Wie ſcheinſt du mir in’s Herz hinein!“ Das iſt wohl vormärzliche Poeſie; vom 87 er März- wetter müßte man eher ſagen: „O Märzenſturm, o Märzenſchnee, Wie thuſt du mir im Herzen weh!“ Wenn der im März auf den Plan getretene ſchweizer- iſche Landſturm in ſeiner kriegeriſchen Begeiſterung mit dem Ungeſtüme der Jahreszeit wetteifert, dann — „zittere Byzanz!“ Haben wir auch die mittelalterlichen Zünfte und Innungen der verſchiedenen Berufsarten nicht mehr, ſo einigt uns jetzt das Band der — Entſumpfungen. „Einer für Alle, Alle für Einen!“ iſt der Wahlſpruch und nebſtbei zieht jeder das Portemonnaie bis an ſeinen ſeligen Tod und überläßt das Erbe dieſer Zuſammen- gehörigkeit den Nachkommen, von einer Generation zur andern. Zum Rheinbunde gehören die Gemeinden Ragaz, Vilters, Sargans und Mels; zur Saarföderation die nämlichen Gemeinden, während beim Seezunternehmen Grundbeſitzer der politiſchen Gemeinden Wallenſtadt, Flums und Mels die Schuldgenoſſenſchaft bilden. Viele Grundbeſitzer von Mels ſind an ſämmtliche drei „Kor- rektionen“ beitragspflichtig. Im Seezunternehmen iſt der beitragspflichtige Grundbeſitz in 3 Klaſſen gebracht, welche jährlich mit 4, 2 und 1 Rp. per Ruthe Ratabeiträge belaſtet ſind; dieſe Klaſſifikation und Koſtenverlegung gilt indeß nur für die Tilgung und Verzinſung der Bauſchuld. Die Koſten des Unterhalts und der Ver- waltung des Unternehmens hingegen werden ſeit zwei Jahren auf die geſammte Entſumpfungsfläche gleichmäßig vertheilt und hierüber geſonderte Rechnung geführt. — Im Schuldbuch dieſes Korrektions-Unternehmens beſteht leider noch ein bedeutender Bodenſatz: laut jüngſt abge- legter Rechnung pro 1885/86 beträgt die Bauſchuld- reſtanz auf 31. Jänner 1886 noch rund Fr. 417,000. Es reſtirt aber allerdings noch manch Anderes, um das Werk zu vollenden und der koſtbilligen Korrektion der Gewäſſer den entſprechenden Werth zu geben: Drainage, Bodenzuſammenlegung und Weganlagen. Eine hiefür beanſpruchte Bundesſubvention wurde an Bedingungen geknüpft, welche die Wohlthat als Plage hätten erſcheinen laſſen. An der Bruder-Klauſenfeier hat das Ober- land ehrenden und „feurigen“ Antheil genommen. Frei- lich hat die großartige Naturwelt hier Anhaltspunkte in Fülle geboten, um die nächtlichen Freudenfeuer und Kunſtfeuerwerke auf große Entfernungen ſichtbar zu machen. Die Jugend hatte ſich mit einer Begeiſterung an die Materialbeſchaffung gemacht, die faſt des Guten zuviel befürchten ließ. An einigen Orten wurde aus der Ge- meindekaſſe ein Beitrag für Illumination ausgeworfen. Auch die Kloſtergemeinſchaft in Mels ſoll ſich ſehr illuminös ausgezeichnet haben. Wie ich aus einer offiziellen Zuſchrift erſehe, wird Anfangs Mai das 50 jährige Prieſterjubiläum des Herrn Dekan und Pfarrer Zindel in Mels dortſelbſt durch eine entſprechende einfache Feier begangen werden. Die Pfarrpfründe Mels weiß ihre Titularen zu feſſeln; das beweiſen die wenigen „Wechſelfälle“ im Vergleich zu ſo vielen andern Pfarrpfründen in unſerer Diözeſe. Seit dem Sommer 1822, wo Hr. Pfarrer I. Stutz im Pfarr- hofe Mels einzog, hat dieſe Pfarrgemeinde bis auf dieſe Stunde bloß 2 Pfarrer gehabt. Nachdem Hr. Pfarrer Stutz volle 28 Jahre hier gewirkt und ſeine Kräfte ſinken fühlte, ſprach er im Freundeskreiſe: „Ad vesperascit — ich ſpüre das Herannahen des Alters und fürchte, den Anforderungen der großen Gemeinde (die jetzige Kirchgemeinde Wangs gehörte damals dem Pfarrſprengel Mels an), nicht mehr genügen zu können; ich will eine Station weiter ziehen.“ Hr. Stutz ließ ſich dann auf die vakante Kaplaneipfründe Ragaz wählen, wo er den religiös und politiſch gleichgeſtimmten Hrn. Dekan I. A. Federer zum Pfarrer hatte. Seither — alſo ſeit 36 Jahren — ſteht Hr. Pfarrer I. A. Zindel von Sargans der Kirchgemeinde Mels als Pfarrer vor. Der jetzige Pfarrherr von Ragaz — ein unermüd- licher, energiſcher, rückſichtsloſer „Schaffer“ — ſetzt ſeine kirchenpolitiſche „Bauſteine“ zum Episkopat des hochſel. Biſchof Mirer im „Rorſch. Bt.“ fort. Im Gegenſatze zu Janſſen, der die Objektivität ſelbſt iſt, rekonſtruirt Hr. O. die zu beſchreibende Epoche nach ſubjektiver Auf- faſſung, wobei er denn doch Gefahr laufen dürfte, hie und da — nebenaus zu ſchießen. »Semper ad even- tum festinat« heißt’s übrigens hier nicht; denn wenn der Verfaſſer bei ſeinem raſtloſen Forſcherdrange kein raſcheres Tempo anſchlägt, ſo werden wohl die ſieben letzten Bände erſt nach ſeiner Himmelfahrt erſcheinen können. — # Gaſter. Schon lange hat uns ein Uebelſtand im herwärtigen Verkehrs- und Korreſpondenzweſen mißfallen und eigentlich gekränkt, nämlich der, daß im Morgenzuge der Eiſenbahn von Weeſen abwärts keine ſolchen Briefe — auch nicht einmal einfache Briefe — ſpedirt werden, welche nicht weiter als bis etwa Rapperswyl addreſſirt ſind und daß nur Briefſachen, welche nach Zürich oder zu noch fernerer Diſtanz reiſen ſollen, Beförderung er- fahren. Was z. B. in Kaltbrunn, Benken oder Schännis Abends zwiſchen 7¼ und 8 Uhr dem poſtamtlichen Brief- kaſten oder Einwurf anvertraut wird und gemäß Adreſſe nach Uznach oder Schmerikon oder Rapperswyl gehört, findet keine Spedition mit dem Morgenzuge, ſondern

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Zitationshilfe: St. Galler Volksblatt. Nr. 27, Uznach, 02. 04. 1887, S. 1. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_stgaller27_1887/1>, abgerufen am 12.11.2019.