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Der allerneuesten Europäischen Welt- und Staats-Geschichte II. Theil. Nr. XX, 10. Woche, Erfurt (Thüringen), 6. März 1744.

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sehen. Diese dermassen sorgfältig in Acht genommene Person schien
an sich selbst sehr unruhig, mißvergnügt, ja recht gefährlich kranck zu
seyn, denn der curieuse Endymion hatte an dem Halse ein ihm unheil-
bar vorkommendes Geschwär in Acht genommen, welches nicht nur
den Mund bereits starck inficirt, sondern sich auch so gar durch einen
Feuer-rothen Streif und Entzündung, der Brust näherte; das kran-
cke Frauenzimmer selbst, gab durch ihre ängstliche Beschäfftigungen
an der Brust, die sie mit beyden Händen vornahm, mehr als zu deut-
lich zu erkennen, man müste eben daselbst den wahren und vornehm-
sten Ursprung ihres Ubels suchen, und so geschwind als möglich zu
Hülffe eilen. So etwas trauriges konte Endymion ohnmöglich mit
dem Pracht des Tempels, und diesen gleichfalls nicht mit desselben
papierner Bau-Kunst zusammen räumen, so wenig als das noch
folgende.

Neuigkeiten von Teutschland.

Jn Wien hat man dennoch nicht vor gut befunden den Hertzog von
Aremberg warten zu lassen, bis die Ertz-Hertzogin nach denen
Niederlanden gegangen, weil Sie sich unterwegs hier und da auf-
halten wird; man hingegen Se. Hochfürstl. Durchl. in denen Nie-
derlanden nöthiger braucht: Er hat also den 12. Febr. seine Reise
zum andernmahl angetreten, und ist von der Königin mit einen kost-
baren von Brillanten umsetzten Stock-Knopff zum Abschied beschen-
cket worden.

Die Anwerbung des Chur-Printzens von Sachsen, und die
vor ihn zur Gemahlin bestimmte Printzeßin Anna Charlotte von
Lothringen, welche den 7. May 1714. gebohren, soll bey den Wie-
nerischen Hof geschehen; und dem Verlaut nach, wird dieselbe dieser-
halb, nebst ihrer Frau Mutter, der verwittibten Hertzogin, aus Com-
mercy anher kommen.

Unter der Hand verlautet auch, daß Königl. Maj. in Pohlen,
nebst denen See-Mächten die Mediation zwischen den Ungarischen
und Rußischen Hofe wegen der Bottaischen Affaire übernommen
hätte. Es wäre auch dieses nicht nöthig, wenn die Frantzösischen
Bemühungen sich nicht, wiewohl dem Augenschein nach dennoch
vergeblich, dabey gar zu sehr hätten spüren lassen.

Die Duell-Affaire zwischen dem General, Marchese Luchesi,

sehen. Diese dermassen sorgfältig in Acht genommene Person schien
an sich selbst sehr unruhig, mißvergnügt, ja recht gefährlich kranck zu
seyn, denn der curieuse Endymion hatte an dem Halse ein ihm unheil-
bar vorkommendes Geschwär in Acht genommen, welches nicht nur
den Mund bereits starck inficirt, sondern sich auch so gar durch einen
Feuer-rothen Streif und Entzündung, der Brust näherte; das kran-
cke Frauenzimmer selbst, gab durch ihre ängstliche Beschäfftigungen
an der Brust, die sie mit beyden Händen vornahm, mehr als zu deut-
lich zu erkennen, man müste eben daselbst den wahren und vornehm-
sten Ursprung ihres Ubels suchen, und so geschwind als möglich zu
Hülffe eilen. So etwas trauriges konte Endymion ohnmöglich mit
dem Pracht des Tempels, und diesen gleichfalls nicht mit desselben
papierner Bau-Kunst zusammen räumen, so wenig als das noch
folgende.

Neuigkeiten von Teutschland.

Jn Wien hat man dennoch nicht vor gut befunden den Hertzog von
Aremberg warten zu lassen, bis die Ertz-Hertzogin nach denen
Niederlanden gegangen, weil Sie sich unterwegs hier und da auf-
halten wird; man hingegen Se. Hochfürstl. Durchl. in denen Nie-
derlanden nöthiger braucht: Er hat also den 12. Febr. seine Reise
zum andernmahl angetreten, und ist von der Königin mit einen kost-
baren von Brillanten umsetzten Stock-Knopff zum Abschied beschen-
cket worden.

Die Anwerbung des Chur-Printzens von Sachsen, und die
vor ihn zur Gemahlin bestimmte Printzeßin Anna Charlotte von
Lothringen, welche den 7. May 1714. gebohren, soll bey den Wie-
nerischen Hof geschehen; und dem Verlaut nach, wird dieselbe dieser-
halb, nebst ihrer Frau Mutter, der verwittibten Hertzogin, aus Com-
mercy anher kommen.

Unter der Hand verlautet auch, daß Königl. Maj. in Pohlen,
nebst denen See-Mächten die Mediation zwischen den Ungarischen
und Rußischen Hofe wegen der Bottaischen Affaire übernommen
hätte. Es wäre auch dieses nicht nöthig, wenn die Frantzösischen
Bemühungen sich nicht, wiewohl dem Augenschein nach dennoch
vergeblich, dabey gar zu sehr hätten spüren lassen.

Die Duell-Affaire zwischen dem General, Marcheſe Lucheſi,

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[155/0003] sehen. Diese dermassen sorgfältig in Acht genommene Person schien an sich selbst sehr unruhig, mißvergnügt, ja recht gefährlich kranck zu seyn, denn der curieuse Endymion hatte an dem Halse ein ihm unheil- bar vorkommendes Geschwär in Acht genommen, welches nicht nur den Mund bereits starck inficirt, sondern sich auch so gar durch einen Feuer-rothen Streif und Entzündung, der Brust näherte; das kran- cke Frauenzimmer selbst, gab durch ihre ängstliche Beschäfftigungen an der Brust, die sie mit beyden Händen vornahm, mehr als zu deut- lich zu erkennen, man müste eben daselbst den wahren und vornehm- sten Ursprung ihres Ubels suchen, und so geschwind als möglich zu Hülffe eilen. So etwas trauriges konte Endymion ohnmöglich mit dem Pracht des Tempels, und diesen gleichfalls nicht mit desselben papierner Bau-Kunst zusammen räumen, so wenig als das noch folgende. Neuigkeiten von Teutschland. Jn Wien hat man dennoch nicht vor gut befunden den Hertzog von Aremberg warten zu lassen, bis die Ertz-Hertzogin nach denen Niederlanden gegangen, weil Sie sich unterwegs hier und da auf- halten wird; man hingegen Se. Hochfürstl. Durchl. in denen Nie- derlanden nöthiger braucht: Er hat also den 12. Febr. seine Reise zum andernmahl angetreten, und ist von der Königin mit einen kost- baren von Brillanten umsetzten Stock-Knopff zum Abschied beschen- cket worden. Die Anwerbung des Chur-Printzens von Sachsen, und die vor ihn zur Gemahlin bestimmte Printzeßin Anna Charlotte von Lothringen, welche den 7. May 1714. gebohren, soll bey den Wie- nerischen Hof geschehen; und dem Verlaut nach, wird dieselbe dieser- halb, nebst ihrer Frau Mutter, der verwittibten Hertzogin, aus Com- mercy anher kommen. Unter der Hand verlautet auch, daß Königl. Maj. in Pohlen, nebst denen See-Mächten die Mediation zwischen den Ungarischen und Rußischen Hofe wegen der Bottaischen Affaire übernommen hätte. Es wäre auch dieses nicht nöthig, wenn die Frantzösischen Bemühungen sich nicht, wiewohl dem Augenschein nach dennoch vergeblich, dabey gar zu sehr hätten spüren lassen. Die Duell-Affaire zwischen dem General, Marcheſe Lucheſi,

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Zitationshilfe: Der allerneuesten Europäischen Welt- und Staats-Geschichte II. Theil. Nr. XX, 10. Woche, Erfurt (Thüringen), 6. März 1744, S. 155. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_weltgeschichte0220_1744/3>, abgerufen am 24.03.2019.