Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Novalis: Heinrich von Ofterdingen. Berlin, 1802.

Bild:
<< vorherige Seite
Zweytes Kapitel.

Johannis war vorbei, die Mutter hatte
längst einmal nach Augsburg ins väterliche
Haus kommen und dem Großvater den noch
unbekannten lieben Enkel mitbringen sollen.
Einige gute Freunde des alten Ofterdingen,
ein paar Kaufleute, mußten in Handelsge¬
schäften dahin reisen. Da faßte die Mutter
den Entschluß, bey dieser Gelegenheit jenen
Wunsch auszuführen, und es lag ihr dieß
um so mehr am Herzen, weil sie seit einiger
Zeit merkte, daß Heinrich weit stiller und in
sich gekehrter war, als sonst. Sie glaubte,
er sey mißmüthig oder krank, und eine weite
Reise, der Anblick neuer Menschen und Län¬
der, und wie sie verstohlen ahndete, die Rei¬
ze einer jungen Landsmännin würden die

Zweytes Kapitel.

Johannis war vorbei, die Mutter hatte
längſt einmal nach Augsburg ins väterliche
Haus kommen und dem Großvater den noch
unbekannten lieben Enkel mitbringen ſollen.
Einige gute Freunde des alten Ofterdingen,
ein paar Kaufleute, mußten in Handelsge¬
ſchäften dahin reiſen. Da faßte die Mutter
den Entſchluß, bey dieſer Gelegenheit jenen
Wunſch auszuführen, und es lag ihr dieß
um ſo mehr am Herzen, weil ſie ſeit einiger
Zeit merkte, daß Heinrich weit ſtiller und in
ſich gekehrter war, als ſonſt. Sie glaubte,
er ſey mißmüthig oder krank, und eine weite
Reiſe, der Anblick neuer Menſchen und Län¬
der, und wie ſie verſtohlen ahndete, die Rei¬
ze einer jungen Landsmännin würden die

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0038" n="30"/>
          </div>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#g">Zweytes Kapitel.</hi><lb/>
            </head>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <p><hi rendition="#in">J</hi>ohannis war vorbei, die Mutter hatte<lb/>
läng&#x017F;t einmal nach Augsburg ins väterliche<lb/>
Haus kommen und dem Großvater den noch<lb/>
unbekannten lieben Enkel mitbringen &#x017F;ollen.<lb/>
Einige gute Freunde des alten Ofterdingen,<lb/>
ein paar Kaufleute, mußten in Handelsge¬<lb/>
&#x017F;chäften dahin rei&#x017F;en. Da faßte die Mutter<lb/>
den Ent&#x017F;chluß, bey die&#x017F;er Gelegenheit jenen<lb/>
Wun&#x017F;ch auszuführen, und es lag ihr dieß<lb/>
um &#x017F;o mehr am Herzen, weil &#x017F;ie &#x017F;eit einiger<lb/>
Zeit merkte, daß Heinrich weit &#x017F;tiller und in<lb/>
&#x017F;ich gekehrter war, als &#x017F;on&#x017F;t. Sie glaubte,<lb/>
er &#x017F;ey mißmüthig oder krank, und eine weite<lb/>
Rei&#x017F;e, der Anblick neuer Men&#x017F;chen und Län¬<lb/>
der, und wie &#x017F;ie ver&#x017F;tohlen ahndete, die Rei¬<lb/>
ze einer jungen Landsmännin würden die<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[30/0038] Zweytes Kapitel. Johannis war vorbei, die Mutter hatte längſt einmal nach Augsburg ins väterliche Haus kommen und dem Großvater den noch unbekannten lieben Enkel mitbringen ſollen. Einige gute Freunde des alten Ofterdingen, ein paar Kaufleute, mußten in Handelsge¬ ſchäften dahin reiſen. Da faßte die Mutter den Entſchluß, bey dieſer Gelegenheit jenen Wunſch auszuführen, und es lag ihr dieß um ſo mehr am Herzen, weil ſie ſeit einiger Zeit merkte, daß Heinrich weit ſtiller und in ſich gekehrter war, als ſonſt. Sie glaubte, er ſey mißmüthig oder krank, und eine weite Reiſe, der Anblick neuer Menſchen und Län¬ der, und wie ſie verſtohlen ahndete, die Rei¬ ze einer jungen Landsmännin würden die

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/novalis_ofterdingen_1802
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/novalis_ofterdingen_1802/38
Zitationshilfe: Novalis: Heinrich von Ofterdingen. Berlin, 1802, S. 30. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/novalis_ofterdingen_1802/38>, abgerufen am 24.04.2019.