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Opitz, Martin: Buch von der Deutschen Poeterey. Breslau u. a., 1624.

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Welchen namen wenn die Pceten nicht zue gewarten hetten/
würden viel derselben durch die boßheit der Leute/ die sie mehr
auß neide alß billicher vrsache verfolgen/ von jhrem leblichen
vorsatze zuerücke gehalten vnd abgeschreckt werden. Es wirt
aber bey jhnen nicht stehen/ vnd ich bin der tröstlichen hoffnung/
es werde nicht alleine die Lateinische Poesie/ welcher seit der
vertriebenen langwierigen barbarey viel große männer auff
geholffen/ vngeacht dieser trübseligen zeiten vnd höchster ver-
achtung gelehrter Leute/ bey jhrem werth erhalten werden;
sondern auch die Deutsche/ zue welcher ich nach meinem armen
vermögen allbereit die fahne auffgesteckt/ von stattlichen ge-
mütern allso außgevbet werden/ das vnser Vaterland Franck-
reich vnd Jtalien wenig wird bevor dörffen geben.

Das IIII. Capitel.
Von der Deutschen Poeterey.

VOn dieser Deutschen Poeterey nun zue reden/
sollen wir nicht vermeinen/ das vnser Land vnter so ei-
ner rawen vnd vngeschlachten Lufft liege/ das es nicht
eben der gleichen zue der Poesie tüchtige ingenia könne tragen/
als jergendt ein anderer ort vnter der Sonnen. Wein vnnd
früchte pfleget man zue Loben von dem orte da sie herkommen
sein; nicht die gemüter der menschen. Der weise Anacharsis
ist in den Scitischen wüsten gebohren worden. Die Vornem-
sten Griechen sind in Egypten/ Jndien vnd Franckreich gerei-
set/ die weißheit zue erlernen. Vnd/ vber diß das wir so viel
Vorneme Poeten/ so heutiges tages bey vns erzogen worden/
vnter augen können stellen/ erwehnet Tacitus von den Deut-
schen in dem buche das er von jhnen geschrieben/ das ob wol
weder Mann noch Weib vnter jhnen zue seiner zeit den freyen
künsten ob zue liegen pflegeten/ faßeten sie doch alles was sie im

gedächt-
C ij

Welchen namen wenn die Pceten nicht zue gewarten hetten/
wuͤrden viel derſelben durch die boßheit der Leute/ die ſie mehr
auß neide alß billicher vrſache verfolgen/ von jhrem leblichen
vorſatze zueruͤcke gehalten vnd abgeſchreckt werden. Es wirt
aber bey jhnen nicht ſtehen/ vnd ich bin der troͤſtlichen hoffnung/
es werde nicht alleine die Lateiniſche Poeſie/ welcher ſeit der
vertriebenen langwierigen barbarey viel große maͤnner auff
geholffen/ vngeacht dieſer truͤbſeligen zeiten vnd hoͤchſter ver-
achtung gelehrter Leute/ bey jhrem werth erhalten werden;
ſondern auch die Deutſche/ zue welcher ich nach meinem armen
vermoͤgen allbereit die fahne auffgeſteckt/ von ſtattlichen ge-
muͤtern allſo außgevbet werden/ das vnſer Vaterland Franck-
reich vnd Jtalien wenig wird bevor doͤrffen geben.

Das IIII. Capitel.
Von der Deutſchen Poeterey.

VOn dieſer Deutſchen Poeterey nun zue reden/
ſollen wir nicht vermeinen/ das vnſer Land vnter ſo ei-
ner rawen vnd vngeſchlachten Lufft liege/ das es nicht
eben der gleichen zue der Poeſie tuͤchtige ingenia koͤnne tragen/
als jergendt ein anderer ort vnter der Sonnen. Wein vnnd
fruͤchte pfleget man zue Loben von dem orte da ſie herkommen
ſein; nicht die gemuͤter der menſchen. Der weiſe Anacharſis
iſt in den Scitiſchen wuͤſten gebohren worden. Die Vornem-
ſten Griechen ſind in Egypten/ Jndien vnd Franckreich gerei-
ſet/ die weißheit zue erlernen. Vnd/ vber diß das wir ſo viel
Vorneme Poeten/ ſo heutiges tages bey vns erzogen worden/
vnter augen koͤnnen ſtellen/ erwehnet Tacitus von den Deut-
ſchen in dem buche das er von jhnen geſchrieben/ das ob wol
weder Mann noch Weib vnter jhnen zue ſeiner zeit den freyen
kuͤnſten ob zue liegen pflegeten/ faßeten ſie doch alles was ſie im

gedaͤcht-
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Zitationshilfe: Opitz, Martin: Buch von der Deutschen Poeterey. Breslau u. a., 1624, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/opitz_buch_1624/25>, abgerufen am 23.04.2019.