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Patzig, Gotthilf: Vorträge über physische Geographie des Freiherrn Alexander von Humbold: gehalten im großen Hörsaale des Universitäts-Gebäudes zu Berlin im Wintersemester 1827/28 vom 3ten Novbr. 1827. bis 26 April 1828. Aus schriftlichen Notizen nach jedem Vortrage zusammengestellt vom Rechnungsrath Gotthilf Friedrich Patzig. Berlin, 1827/28. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Berliner Universität, 3.11.1827–26.4.1828.]

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ob Stickgas in den Aachner Gewäßern ist, so
giebt es doch Quellen die selbiges enthalten.
Merkwürdig ist es hingegen, daß freie Schwe-
felsäure in einigen enthalten ist. So fließt
eine solche Quelle zu Popaian in den Fluß
Kauka u. in dieser Gegend sterben alle Fische.
Jn den Kraterseeen von Java findet man
selbst Salzsäure. Man hat merkwürdige
Beispiele von dem Zusammenhange dieser Quellen
mit Vulkanen. So gab es auf der Cherullio-
Ebene zwei Bäche, die beide bei dem Aus-
bruche eines Vulkans 1759 verschwanden u.
die jetzt weiterhin aus dem Boden quellen
u. heisses Wasser enthalten. Merkwürdig
sind die meisten Termalquellen in Hinsicht
der verschiedenen Substanzen u. Heilkräfte.
So haben die Carlsbader Wasser 12 bestand-
theile. Flußspatsäure, Strontion etc. etc. So
findet sich Flußsäure in allen Glimmere.
Nach einem Lösungs-Processe führen alle
zu den Gesteinen die der Oberfläche der Erde
näher sind. Jm Allgemeinen ist die Anwendung
der warmen Quellen noch nicht zur Klarheit
gekommen. Viele haben die Wirkung derselben
in Wundern gesucht. Man fabelt, daß die
natürl. warmen Gewässer sich weniger ab-
kühlen als die künstlich erwärmten; daß
sie keinen Schaden thun, wenn man sie [unleserliches Material]noch so
heiß in den Mund nimmt; daß etwas bei ihnen
noch sei, was man nicht sieht u. dgl. Die
Künstliche
Bildung derselben.

künstliche Zusammensetzung der Wasser von
Struve vertritt ganz deren Stelle. Merk-
würdig ist dessen Versuch die Gebirgsarten
wo waren Quellen zu finden, mit distilirtem oder kohlensäuren Wasser,

bei

ob Stickgas in den Aachner Gewäßern iſt, ſo
giebt es doch Quellen die ſelbiges enthalten.
Merkwürdig iſt es hingegen, daß freie Schwe-
felſäure in einigen enthalten iſt. So fließt
eine ſolche Quelle zu Popaian in den Fluß
Kauka u. in dieſer Gegend ſterben alle Fiſche.
Jn den Kraterseeen von Java findet man
ſelbſt Salzſäure. Man hat merkwürdige
Beiſpiele von dem Zuſam̃enhange dieſer Quellen
mit Vulkanen. So gab es auf der Cherullio-
Ebene zwei Bäche, die beide bei dem Aus-
bruche eines Vulkans 1759 verſchwanden u.
die jetzt weiterhin aus dem Boden quellen
u. heiſſes Waſſer enthalten. Merkwürdig
ſind die meiſten Termalquellen in Hinſicht
der verſchiedenen Subſtanzen u. Heilkräfte.
So haben die Carlsbader Waſſer 12 beſtand-
theile. Flußſpatſäure, Strontion etc. etc. So
findet ſich Flußſäure in allen Glim̃ere.
Nach einem Lösungs-Proceſſe führen alle
zu den Geſteinen die der Oberfläche der Erde
näher ſind. Jm Allgemeinen iſt die Anwendung
der warmen Quellen noch nicht zur Klarheit
gekom̃en. Viele haben die Wirkung derſelben
in Wundern geſucht. Man fabelt, daß die
natürl. warmen Gewäſſer ſich weniger ab-
kühlen als die künſtlich erwärmten; daß
ſie keinen Schaden thun, weñ man ſie [unleserliches Material]noch ſo
heiß in den Mund nim̃t; daß etwas bei ihnen
noch ſei, was man nicht ſieht u. dgl. Die
Künſtliche
Bildung derſelben.

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[201./0205] ob Stickgas in den Aachner Gewäßern iſt, ſo giebt es doch Quellen die ſelbiges enthalten. Merkwürdig iſt es hingegen, daß freie Schwe- felſäure in einigen enthalten iſt. So fließt eine ſolche Quelle zu Popaian in den Fluß Kauka u. in dieſer Gegend ſterben alle Fiſche. Jn den Kraterseeen von Java findet man ſelbſt Salzſäure. Man hat merkwürdige Beiſpiele von dem Zuſam̃enhange dieſer Quell mit Vulkanen. So gab es auf der Cherullio- Ebene zwei Bäche, die beide bei dem Aus- bruche eines Vulkans 1759 verſchwanden u. die jetzt weiterhin aus dem Boden quellen u. heiſſes Waſſer enthalten. Merkwürdig ſind die meiſten Termalquellen in Hinſicht der verſchiedenen Subſtanzen u. Heilkräfte. So hab die Carlsbader Waſſer 12 beſtand- theile. Flußſpatſäure, Strontion pp So findet ſich Flußſäure in allen Glim̃ere. Nach einem Lösungs-Proceſſe führen alle zu den Geſteinen die der Oberfläche der Erde näher ſind. Jm Allgemein iſt die Anwendung der warmen Quellen noch nicht zur Klarheit gekom̃en. Viele haben die Wirkung derſelben in Wundern geſucht. Man fabelt, daß die natürl. warmen Gewäſſer ſich weniger ab- kühlen als die künſtlich erwärmten; daß ſie keinen Schaden thun, weñ man ſie noch ſo heiß in den Mund nim̃t; daß etwas bei ihnen noch ſei, was man nicht ſieht u. dgl. Die künſtliche Zuſam̃ensetzung der Waſſer von Struve vertritt ganz deren Stelle. Merk- würdig iſt deſſen Verſuch die Gebirgsarten wo waren Quellen zu finden, mit diſtilirtem oder kohlenſäuren Waſſer, bei Künſtliche Bildung derſelben.

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Zitationshilfe: Patzig, Gotthilf: Vorträge über physische Geographie des Freiherrn Alexander von Humbold: gehalten im großen Hörsaale des Universitäts-Gebäudes zu Berlin im Wintersemester 1827/28 vom 3ten Novbr. 1827. bis 26 April 1828. Aus schriftlichen Notizen nach jedem Vortrage zusammengestellt vom Rechnungsrath Gotthilf Friedrich Patzig. Berlin, 1827/28. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Berliner Universität, 3.11.1827–26.4.1828.], S. 201.. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/patzig_msgermfol841842_1828/205>, abgerufen am 25.03.2019.