Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. [Bd. 1]. Berlin u. a., 1781.

Bild:
<< vorherige Seite

brauchen, wie sie ist, weil man sie nicht ändern
kann.

Ich dachte, es mag nun gewesen seyn, was
es will, so ist der Vogt vielleicht jezt weich; ich
muß also die gelegene Zeit nicht versäumen, und
gieng deshalben sogleich zu ihm.

Ich fand ihn in einem erbärmlichen Zustande.
Er glaubt steif und fest, der Teufel hab ihn neh-
men wollen. Ich fragte zwar hin und her, um et-
wann auf eine Spur zu kommen; aber ich begreife
noch nichts von allem. Nur so viel ist gewiß, daß
ihn Niemand angerührt hat, und daß seine Verwun-
dung am Kopf, die aber leicht ist, von einem Falle
herrührt. -- Auch hat der Teufel, sobald die Mann-
schaft anrückte, mit seinem Rasseln und Heulen
nachgelassen -- Aber es ist Zeit zur Hauptsache
zu kommen.

Der Vogt war gedemüthigt, und bekannte mir
zwo abscheuliche Thaten, die er mir freywillig er-
laubt, Euer Gnaden zu offenbaren.

Erstlich: Es sey wahr, was mir der Hans
Wüst gestern geklagt hätte; nemlich:

Er habe Ihren in Gott ruhenden Herrn Groß-
vater in dem Handel mit dem Rudi irre geführt,
und die Matte sey mit Unrecht in seiner Hand.

Zweytens: Er habe diese Nacht Euer Gnaden
einen Markstein versetzen wollen, und sey wirklich
an dieser Arbeit gewesen, als ihm der erschreck-
liche Zufall begegnet sey.

Ich

brauchen, wie ſie iſt, weil man ſie nicht aͤndern
kann.

Ich dachte, es mag nun geweſen ſeyn, was
es will, ſo iſt der Vogt vielleicht jezt weich; ich
muß alſo die gelegene Zeit nicht verſaͤumen, und
gieng deshalben ſogleich zu ihm.

Ich fand ihn in einem erbaͤrmlichen Zuſtande.
Er glaubt ſteif und feſt, der Teufel hab ihn neh-
men wollen. Ich fragte zwar hin und her, um et-
wann auf eine Spur zu kommen; aber ich begreife
noch nichts von allem. Nur ſo viel iſt gewiß, daß
ihn Niemand angeruͤhrt hat, und daß ſeine Verwun-
dung am Kopf, die aber leicht iſt, von einem Falle
herruͤhrt. — Auch hat der Teufel, ſobald die Mann-
ſchaft anruͤckte, mit ſeinem Raſſeln und Heulen
nachgelaſſen — Aber es iſt Zeit zur Hauptſache
zu kommen.

Der Vogt war gedemuͤthigt, und bekannte mir
zwo abſcheuliche Thaten, die er mir freywillig er-
laubt, Euer Gnaden zu offenbaren.

Erſtlich: Es ſey wahr, was mir der Hans
Wuͤſt geſtern geklagt haͤtte; nemlich:

Er habe Ihren in Gott ruhenden Herrn Groß-
vater in dem Handel mit dem Rudi irre gefuͤhrt,
und die Matte ſey mit Unrecht in ſeiner Hand.

Zweytens: Er habe dieſe Nacht Euer Gnaden
einen Markſtein verſetzen wollen, und ſey wirklich
an dieſer Arbeit geweſen, als ihm der erſchreck-
liche Zufall begegnet ſey.

Ich
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0343" n="318"/>
brauchen, wie &#x017F;ie i&#x017F;t, weil man &#x017F;ie nicht a&#x0364;ndern<lb/>
kann.</p><lb/>
            <p>Ich dachte, es mag nun gewe&#x017F;en &#x017F;eyn, was<lb/>
es will, &#x017F;o i&#x017F;t der Vogt vielleicht jezt weich; ich<lb/>
muß al&#x017F;o die gelegene Zeit nicht ver&#x017F;a&#x0364;umen, und<lb/>
gieng deshalben &#x017F;ogleich zu ihm.</p><lb/>
            <p>Ich fand ihn in einem erba&#x0364;rmlichen Zu&#x017F;tande.<lb/>
Er glaubt &#x017F;teif und fe&#x017F;t, der Teufel hab ihn neh-<lb/>
men wollen. Ich fragte zwar hin und her, um et-<lb/>
wann auf eine Spur zu kommen; aber ich begreife<lb/>
noch nichts von allem. Nur &#x017F;o viel i&#x017F;t gewiß, daß<lb/>
ihn Niemand angeru&#x0364;hrt hat, und daß &#x017F;eine Verwun-<lb/>
dung am Kopf, die aber leicht i&#x017F;t, von einem Falle<lb/>
herru&#x0364;hrt. &#x2014; Auch hat der Teufel, &#x017F;obald die Mann-<lb/>
&#x017F;chaft anru&#x0364;ckte, mit &#x017F;einem Ra&#x017F;&#x017F;eln und Heulen<lb/>
nachgela&#x017F;&#x017F;en &#x2014; Aber es i&#x017F;t Zeit zur Haupt&#x017F;ache<lb/>
zu kommen.</p><lb/>
            <p>Der Vogt war gedemu&#x0364;thigt, und bekannte mir<lb/>
zwo ab&#x017F;cheuliche Thaten, die er mir freywillig er-<lb/>
laubt, Euer Gnaden zu offenbaren.</p><lb/>
            <p>Er&#x017F;tlich: Es &#x017F;ey wahr, was mir der Hans<lb/>
Wu&#x0364;&#x017F;t ge&#x017F;tern geklagt ha&#x0364;tte; nemlich:</p><lb/>
            <p>Er habe Ihren in Gott ruhenden Herrn Groß-<lb/>
vater in dem Handel mit dem Rudi irre gefu&#x0364;hrt,<lb/>
und die Matte &#x017F;ey mit Unrecht in &#x017F;einer Hand.</p><lb/>
            <p>Zweytens: Er habe die&#x017F;e Nacht Euer Gnaden<lb/>
einen Mark&#x017F;tein ver&#x017F;etzen wollen, und &#x017F;ey wirklich<lb/>
an die&#x017F;er Arbeit gewe&#x017F;en, als ihm der er&#x017F;chreck-<lb/>
liche Zufall begegnet &#x017F;ey.</p><lb/>
            <fw place="bottom" type="catch">Ich</fw><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[318/0343] brauchen, wie ſie iſt, weil man ſie nicht aͤndern kann. Ich dachte, es mag nun geweſen ſeyn, was es will, ſo iſt der Vogt vielleicht jezt weich; ich muß alſo die gelegene Zeit nicht verſaͤumen, und gieng deshalben ſogleich zu ihm. Ich fand ihn in einem erbaͤrmlichen Zuſtande. Er glaubt ſteif und feſt, der Teufel hab ihn neh- men wollen. Ich fragte zwar hin und her, um et- wann auf eine Spur zu kommen; aber ich begreife noch nichts von allem. Nur ſo viel iſt gewiß, daß ihn Niemand angeruͤhrt hat, und daß ſeine Verwun- dung am Kopf, die aber leicht iſt, von einem Falle herruͤhrt. — Auch hat der Teufel, ſobald die Mann- ſchaft anruͤckte, mit ſeinem Raſſeln und Heulen nachgelaſſen — Aber es iſt Zeit zur Hauptſache zu kommen. Der Vogt war gedemuͤthigt, und bekannte mir zwo abſcheuliche Thaten, die er mir freywillig er- laubt, Euer Gnaden zu offenbaren. Erſtlich: Es ſey wahr, was mir der Hans Wuͤſt geſtern geklagt haͤtte; nemlich: Er habe Ihren in Gott ruhenden Herrn Groß- vater in dem Handel mit dem Rudi irre gefuͤhrt, und die Matte ſey mit Unrecht in ſeiner Hand. Zweytens: Er habe dieſe Nacht Euer Gnaden einen Markſtein verſetzen wollen, und ſey wirklich an dieſer Arbeit geweſen, als ihm der erſchreck- liche Zufall begegnet ſey. Ich

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard01_1781
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard01_1781/343
Zitationshilfe: [Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. [Bd. 1]. Berlin u. a., 1781, S. 318. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard01_1781/343>, abgerufen am 22.09.2020.