Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pfeiffer, Ida: Eine Frauenfahrt um die Welt, Band 3. Wien, 1850.

Bild:
<< vorherige Seite

auch ein großes auf einem mächtigen Berge an dem Eingange einer Bucht.

Wir ankerten vor der Stadt Mascat, die an dem Ende der Bucht liegt. Diese Stadt, einem arabischen Fürsten unterthänig, ist sehr stark befestiget und von mehrfachen Reihen wunderlich geformter Felsen umgeben, die alle ebenfalls mit Thürmen und Forts besetzt sind. Das größte darunter bewahrt eine traurige Erinnerung: es war einst ein Kloster portugesischer Mönche und wurde in einer Nacht von den Arabern überfallen, welche alle Mönche ermordeten. Diese Begebenheit trug sich vor ungefähr zweihundert Jahren zu.

Die Häuser der Stadt sind von Stein, haben kleine Fenster und statt der Dächer Terrassen. Zwei sogenannte Paläste, deren einer von der Mutter des regierenden Fürsten, der andere von dem Sheik (Gouverneur) bewohnt wird, zeichnen sich vor den Häusern nur durch ihren größeren Umfang aus. Manche Straßen sind so enge, daß gerade nur zwei Personen neben einander gehen können. Der Bazar besteht, nach türkischer Art, aus gedeckten Gängen, unter welchen die Kaufleute mit gekreuzten Beinen vor ihrem erbärmlichen Kram sitzen.

Die Hitze ist in dem Felskessel, in welchem Mascat liegt, sehr drückend (in der Sonne 41 Grad Reaum.), das Sonnenlicht für die Augen sehr schädlich, da es nicht durch das geringste Grün gemildert wird, -- weil und breit ist kein Baum, kein Strauch, kein Grashalm zu sehen. Alles, was daher nur einigermaßen bemittelt ist, flüchtet jeden Tag nach Beendigung der Geschäfte hinaus in die

auch ein großes auf einem mächtigen Berge an dem Eingange einer Bucht.

Wir ankerten vor der Stadt Mascat, die an dem Ende der Bucht liegt. Diese Stadt, einem arabischen Fürsten unterthänig, ist sehr stark befestiget und von mehrfachen Reihen wunderlich geformter Felsen umgeben, die alle ebenfalls mit Thürmen und Forts besetzt sind. Das größte darunter bewahrt eine traurige Erinnerung: es war einst ein Kloster portugesischer Mönche und wurde in einer Nacht von den Arabern überfallen, welche alle Mönche ermordeten. Diese Begebenheit trug sich vor ungefähr zweihundert Jahren zu.

Die Häuser der Stadt sind von Stein, haben kleine Fenster und statt der Dächer Terrassen. Zwei sogenannte Paläste, deren einer von der Mutter des regierenden Fürsten, der andere von dem Sheik (Gouverneur) bewohnt wird, zeichnen sich vor den Häusern nur durch ihren größeren Umfang aus. Manche Straßen sind so enge, daß gerade nur zwei Personen neben einander gehen können. Der Bazar besteht, nach türkischer Art, aus gedeckten Gängen, unter welchen die Kaufleute mit gekreuzten Beinen vor ihrem erbärmlichen Kram sitzen.

Die Hitze ist in dem Felskessel, in welchem Mascat liegt, sehr drückend (in der Sonne 41 Grad Reaum.), das Sonnenlicht für die Augen sehr schädlich, da es nicht durch das geringste Grün gemildert wird, — weil und breit ist kein Baum, kein Strauch, kein Grashalm zu sehen. Alles, was daher nur einigermaßen bemittelt ist, flüchtet jeden Tag nach Beendigung der Geschäfte hinaus in die

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0105" n="97"/>
auch ein großes auf einem mächtigen Berge an dem Eingange einer Bucht.</p>
        <p>Wir ankerten vor der Stadt <hi rendition="#aq">Mascat</hi>, die an dem Ende der Bucht liegt. Diese Stadt, einem arabischen Fürsten unterthänig, ist sehr stark befestiget und von mehrfachen Reihen wunderlich geformter Felsen umgeben, die alle ebenfalls mit Thürmen und Forts besetzt sind. Das größte darunter bewahrt eine traurige Erinnerung: es war einst ein Kloster portugesischer Mönche und wurde in einer Nacht von den Arabern überfallen, welche alle Mönche ermordeten. Diese Begebenheit trug sich vor ungefähr zweihundert Jahren zu.</p>
        <p>Die Häuser der Stadt sind von Stein, haben kleine Fenster und statt der Dächer Terrassen. Zwei sogenannte Paläste, deren einer von der Mutter des regierenden Fürsten, der andere von dem Sheik (Gouverneur) bewohnt wird, zeichnen sich vor den Häusern nur durch ihren größeren Umfang aus. Manche Straßen sind so enge, daß gerade nur zwei Personen neben einander gehen können. Der Bazar besteht, nach türkischer Art, aus gedeckten Gängen, unter welchen die Kaufleute mit gekreuzten Beinen vor ihrem erbärmlichen Kram sitzen.</p>
        <p>Die Hitze ist in dem Felskessel, in welchem <hi rendition="#aq">Mascat</hi> liegt, sehr drückend (in der Sonne 41 Grad Reaum.), das Sonnenlicht für die Augen sehr schädlich, da es nicht durch das geringste Grün gemildert wird, &#x2014; weil und breit ist kein Baum, kein Strauch, kein Grashalm zu sehen. Alles, was daher nur einigermaßen bemittelt ist, flüchtet jeden Tag nach Beendigung der Geschäfte hinaus in die
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[97/0105] auch ein großes auf einem mächtigen Berge an dem Eingange einer Bucht. Wir ankerten vor der Stadt Mascat, die an dem Ende der Bucht liegt. Diese Stadt, einem arabischen Fürsten unterthänig, ist sehr stark befestiget und von mehrfachen Reihen wunderlich geformter Felsen umgeben, die alle ebenfalls mit Thürmen und Forts besetzt sind. Das größte darunter bewahrt eine traurige Erinnerung: es war einst ein Kloster portugesischer Mönche und wurde in einer Nacht von den Arabern überfallen, welche alle Mönche ermordeten. Diese Begebenheit trug sich vor ungefähr zweihundert Jahren zu. Die Häuser der Stadt sind von Stein, haben kleine Fenster und statt der Dächer Terrassen. Zwei sogenannte Paläste, deren einer von der Mutter des regierenden Fürsten, der andere von dem Sheik (Gouverneur) bewohnt wird, zeichnen sich vor den Häusern nur durch ihren größeren Umfang aus. Manche Straßen sind so enge, daß gerade nur zwei Personen neben einander gehen können. Der Bazar besteht, nach türkischer Art, aus gedeckten Gängen, unter welchen die Kaufleute mit gekreuzten Beinen vor ihrem erbärmlichen Kram sitzen. Die Hitze ist in dem Felskessel, in welchem Mascat liegt, sehr drückend (in der Sonne 41 Grad Reaum.), das Sonnenlicht für die Augen sehr schädlich, da es nicht durch das geringste Grün gemildert wird, — weil und breit ist kein Baum, kein Strauch, kein Grashalm zu sehen. Alles, was daher nur einigermaßen bemittelt ist, flüchtet jeden Tag nach Beendigung der Geschäfte hinaus in die

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sophie: A digital library of works by german-speaking women: Bereitstellung der Texttranskription. (2013-06-28T07:11:29Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Frederike Neuber: Bearbeitung der digitalen Edition (2013-06-28T07:11:29Z)
Bayerische Staatsbibliothek Digital: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-06-28T07:11:29Z)

Weitere Informationen:

  • I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert
  • langes s (ſ): als s transkribiert
  • rundes r (ꝛ): als r/et transkribiert
  • Silbentrennung: aufgelöst
  • Zeilenumbrüche markiert: nein
  • Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.) sind nicht konsequent wie in der Vorlage gekennzeichnet



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pfeiffer_frauenfahrt03_1850
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pfeiffer_frauenfahrt03_1850/105
Zitationshilfe: Pfeiffer, Ida: Eine Frauenfahrt um die Welt, Band 3. Wien, 1850, S. 97. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pfeiffer_frauenfahrt03_1850/105>, abgerufen am 20.04.2019.