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Pfeiffer, Ida: Eine Frauenfahrt um die Welt, Band 3. Wien, 1850.

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Felde. Nichts vermochte mich aber aus meiner Seelenruhe aufzuschrecken, der Sprache unkundig und nur den alten Tschepraßo zur Seite, war's mir immer, als wüßte ich mit Bestimmtheit, daß meine letzte Lebensstunde noch nicht geschlagen habe.

Bie alldem war es mir aber doch nicht unlieb, daß wir die schauerlichen Schluchten und tiefen Erdspalten, durch welche unsere heutige Straße einige Coose führte, bei hellem Tageslichte passirten.

Von diesen Schluchten traten wir in ein großes Thal, an dessen Eingange auf einem einzeln stehenden Berge eine Festung lag; zwei Coose weiter stießen wir auf eine kleine Baumgruppe, in deren Mitte sich eine fünf Fuß hohe Steinterrasse erhob, auf welcher die lebensgroße Statue eines in Stein gemeißelten Pferdes stand. Darneben war ein Brunnen ausgegraben, eine Art Cisterne mit großen Blöcken rothen Sandsteines augemauert, zu deren Wasser drei Treppen führten.

Aehnliche und noch viel größere Brunnen und Cisternen von den herrlichsten Mango- und Tamarinden-Bäumen umschattet, findet man in Indien häufig, besonders in Gegenden wo es, wie hier, an guten Quellen mangelt. Hindus und Mohamedaner haben den schönen Glauben, durch Errichtung von Werken für das öffentliche Wohl die künftige Seligkeit leichter zu gewinnen. Sind dergleichen Wasserbehälter und Baumgruppen von Hindus angelegt, so sieht man gewöhnlich noch einige in Stein ausgehauene Sinnbilder ihrer Gottheiten, oder rothbemalte Steine dabei prangen. Bei manchen Brunnen und

Felde. Nichts vermochte mich aber aus meiner Seelenruhe aufzuschrecken, der Sprache unkundig und nur den alten Tschepraßo zur Seite, war’s mir immer, als wüßte ich mit Bestimmtheit, daß meine letzte Lebensstunde noch nicht geschlagen habe.

Bie alldem war es mir aber doch nicht unlieb, daß wir die schauerlichen Schluchten und tiefen Erdspalten, durch welche unsere heutige Straße einige Coose führte, bei hellem Tageslichte passirten.

Von diesen Schluchten traten wir in ein großes Thal, an dessen Eingange auf einem einzeln stehenden Berge eine Festung lag; zwei Coose weiter stießen wir auf eine kleine Baumgruppe, in deren Mitte sich eine fünf Fuß hohe Steinterrasse erhob, auf welcher die lebensgroße Statue eines in Stein gemeißelten Pferdes stand. Darneben war ein Brunnen ausgegraben, eine Art Cisterne mit großen Blöcken rothen Sandsteines augemauert, zu deren Wasser drei Treppen führten.

Aehnliche und noch viel größere Brunnen und Cisternen von den herrlichsten Mango- und Tamarinden-Bäumen umschattet, findet man in Indien häufig, besonders in Gegenden wo es, wie hier, an guten Quellen mangelt. Hindus und Mohamedaner haben den schönen Glauben, durch Errichtung von Werken für das öffentliche Wohl die künftige Seligkeit leichter zu gewinnen. Sind dergleichen Wasserbehälter und Baumgruppen von Hindus angelegt, so sieht man gewöhnlich noch einige in Stein ausgehauene Sinnbilder ihrer Gottheiten, oder rothbemalte Steine dabei prangen. Bei manchen Brunnen und

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[11/0019] Felde. Nichts vermochte mich aber aus meiner Seelenruhe aufzuschrecken, der Sprache unkundig und nur den alten Tschepraßo zur Seite, war’s mir immer, als wüßte ich mit Bestimmtheit, daß meine letzte Lebensstunde noch nicht geschlagen habe. Bie alldem war es mir aber doch nicht unlieb, daß wir die schauerlichen Schluchten und tiefen Erdspalten, durch welche unsere heutige Straße einige Coose führte, bei hellem Tageslichte passirten. Von diesen Schluchten traten wir in ein großes Thal, an dessen Eingange auf einem einzeln stehenden Berge eine Festung lag; zwei Coose weiter stießen wir auf eine kleine Baumgruppe, in deren Mitte sich eine fünf Fuß hohe Steinterrasse erhob, auf welcher die lebensgroße Statue eines in Stein gemeißelten Pferdes stand. Darneben war ein Brunnen ausgegraben, eine Art Cisterne mit großen Blöcken rothen Sandsteines augemauert, zu deren Wasser drei Treppen führten. Aehnliche und noch viel größere Brunnen und Cisternen von den herrlichsten Mango- und Tamarinden-Bäumen umschattet, findet man in Indien häufig, besonders in Gegenden wo es, wie hier, an guten Quellen mangelt. Hindus und Mohamedaner haben den schönen Glauben, durch Errichtung von Werken für das öffentliche Wohl die künftige Seligkeit leichter zu gewinnen. Sind dergleichen Wasserbehälter und Baumgruppen von Hindus angelegt, so sieht man gewöhnlich noch einige in Stein ausgehauene Sinnbilder ihrer Gottheiten, oder rothbemalte Steine dabei prangen. Bei manchen Brunnen und

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Zitationshilfe: Pfeiffer, Ida: Eine Frauenfahrt um die Welt, Band 3. Wien, 1850, S. 11. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pfeiffer_frauenfahrt03_1850/19>, abgerufen am 18.03.2019.