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Pfeiffer, Ida: Eine Frauenfahrt um die Welt, Band 3. Wien, 1850.

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Gesellschaft sitzt wohlgesichert auf dem Plateau des Thürmchens und feuert muthvoll auf die wilden Unholde.

Neben dem Schlößchen war so eben der Bau eines hölzernen kleinen Tempels beendet worden, in welchem jedoch noch die Hauptsache, der liebenswürdige Götze fehlte. Diesem glücklichen Umstande hatten wir es zu verdanken, daß wir das Sanctuarium betreten durften, -- es bestand aus einem kleinen Marmor-Kioske, der in der Mitte der Halle stand. Der Tempel und die Säulen waren mit ziemlich schlechten Malereien in den grellsten Farben überklext. -- Es ist sonderbar, daß sich weder die Hindus noch die Mohamedaner je auf Malerei verlegt haben müssen, denn von keinem dieser Völker sind gute Gemälde oder Zeichnungen zu sehen, während sie so Großes im Baufache, in Reliefs und in Mosaik-Arbeiten geleistet haben.

Von Armornevas wendeten wir uns nach dem Inselchen Cotrikatalan, das nahe der Stadt in einem kleinen See liegt. Auch hier ist ein kleines königliches Schlößchen, sammt einem kleinen Gärtchen zu sehen, die sich aber beide vom Ufer aus ungleich besser ausnehmen, als in der Nähe.

Zum Schlusse besuchten wir einen ausgezeichnet schönen Hain von Tamarinden- und Mango-Bäumen, unter deren Schatten in schönen Monumenten die Asche vieler königlicher Prinzen aufbewahrt liegt. Diese Monumente bestehen aus offenen Tempeln, zu welchen breite Treppen von zehn bis zwölf Stufen führen. An den Aufgängen der Treppen stehen zu jeder Seite steinerne

Gesellschaft sitzt wohlgesichert auf dem Plateau des Thürmchens und feuert muthvoll auf die wilden Unholde.

Neben dem Schlößchen war so eben der Bau eines hölzernen kleinen Tempels beendet worden, in welchem jedoch noch die Hauptsache, der liebenswürdige Götze fehlte. Diesem glücklichen Umstande hatten wir es zu verdanken, daß wir das Sanctuarium betreten durften, — es bestand aus einem kleinen Marmor-Kioske, der in der Mitte der Halle stand. Der Tempel und die Säulen waren mit ziemlich schlechten Malereien in den grellsten Farben überklext. — Es ist sonderbar, daß sich weder die Hindus noch die Mohamedaner je auf Malerei verlegt haben müssen, denn von keinem dieser Völker sind gute Gemälde oder Zeichnungen zu sehen, während sie so Großes im Baufache, in Reliefs und in Mosaik-Arbeiten geleistet haben.

Von Armornevas wendeten wir uns nach dem Inselchen Cotrikatalan, das nahe der Stadt in einem kleinen See liegt. Auch hier ist ein kleines königliches Schlößchen, sammt einem kleinen Gärtchen zu sehen, die sich aber beide vom Ufer aus ungleich besser ausnehmen, als in der Nähe.

Zum Schlusse besuchten wir einen ausgezeichnet schönen Hain von Tamarinden- und Mango-Bäumen, unter deren Schatten in schönen Monumenten die Asche vieler königlicher Prinzen aufbewahrt liegt. Diese Monumente bestehen aus offenen Tempeln, zu welchen breite Treppen von zehn bis zwölf Stufen führen. An den Aufgängen der Treppen stehen zu jeder Seite steinerne

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[25/0033] Gesellschaft sitzt wohlgesichert auf dem Plateau des Thürmchens und feuert muthvoll auf die wilden Unholde. Neben dem Schlößchen war so eben der Bau eines hölzernen kleinen Tempels beendet worden, in welchem jedoch noch die Hauptsache, der liebenswürdige Götze fehlte. Diesem glücklichen Umstande hatten wir es zu verdanken, daß wir das Sanctuarium betreten durften, — es bestand aus einem kleinen Marmor-Kioske, der in der Mitte der Halle stand. Der Tempel und die Säulen waren mit ziemlich schlechten Malereien in den grellsten Farben überklext. — Es ist sonderbar, daß sich weder die Hindus noch die Mohamedaner je auf Malerei verlegt haben müssen, denn von keinem dieser Völker sind gute Gemälde oder Zeichnungen zu sehen, während sie so Großes im Baufache, in Reliefs und in Mosaik-Arbeiten geleistet haben. Von Armornevas wendeten wir uns nach dem Inselchen Cotrikatalan, das nahe der Stadt in einem kleinen See liegt. Auch hier ist ein kleines königliches Schlößchen, sammt einem kleinen Gärtchen zu sehen, die sich aber beide vom Ufer aus ungleich besser ausnehmen, als in der Nähe. Zum Schlusse besuchten wir einen ausgezeichnet schönen Hain von Tamarinden- und Mango-Bäumen, unter deren Schatten in schönen Monumenten die Asche vieler königlicher Prinzen aufbewahrt liegt. Diese Monumente bestehen aus offenen Tempeln, zu welchen breite Treppen von zehn bis zwölf Stufen führen. An den Aufgängen der Treppen stehen zu jeder Seite steinerne

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Zitationshilfe: Pfeiffer, Ida: Eine Frauenfahrt um die Welt, Band 3. Wien, 1850, S. 25. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pfeiffer_frauenfahrt03_1850/33>, abgerufen am 21.03.2019.