Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pfeiffer, Ida: Eine Frauenfahrt um die Welt, Band 3. Wien, 1850.

Bild:
<< vorherige Seite

drei Uhr in bequeme Palankine oder steigen zu Pferde, um nach vier bis fünf Stunden (sie machen nie mehr als vier Coose den Tag) am aufgerichteten Zelte abzusteigen und das dampfende Frühstück einzunehmen. Sie finden alle häuslichen Bequemlichkeiten, verrichten ihre gewöhnlichen Beschäftigungen, halten ihre gewohnten Mahlzeiten, sind, mit einem Worte, ganz zu Hause.

Der Koch tritt immer des Nachts seine Wanderung an, die Zelte werden, sobald sie verlassen sind, abgebrochen, schnell fortgeschafft und eben so schnell wieder aufgesteckt; an Menschenhänden und Lastthieren fehlt es nicht.

In den cultivirtesten Ländern Europa's reist man nicht so luxuriös und bequem als in Indien.

Des Abends mußte ich wieder scheiden. Der gute Herr Burdon wollte mir bis Indor seinen Palankin mit den dazu gehörigen Trägern geben; mich dauerten aber die Leute zu sehr, und ich gab vor, die Reise auf dem Kamehle nicht unangenehm zu finden, ja sie, der freien Aussicht halber, der im Palankine sogar vorzuziehen. Doch nahm ich, meines kleinen Kofferchens wegen, ein drittes Kamehl. -- Die Sepoi's ließ ich hier zurück.

Wir gingen diesen Abend noch vier Coose nach dem Städtchen Patan.

17. Februar. Des Morgens sah ich erst, daß Patan an einer romantischen Hügelkette lag und einige ausgezeichnet schöne Tempel aufzuweisen hatte, in deren offenen Hallen lebensgroße, in Stein gehauene Figuren saßen. Die Arabesken und Figuren an den Säulen waren erhaben und rein ausgearbeitet. In den Thälern, die wir

drei Uhr in bequeme Palankine oder steigen zu Pferde, um nach vier bis fünf Stunden (sie machen nie mehr als vier Coose den Tag) am aufgerichteten Zelte abzusteigen und das dampfende Frühstück einzunehmen. Sie finden alle häuslichen Bequemlichkeiten, verrichten ihre gewöhnlichen Beschäftigungen, halten ihre gewohnten Mahlzeiten, sind, mit einem Worte, ganz zu Hause.

Der Koch tritt immer des Nachts seine Wanderung an, die Zelte werden, sobald sie verlassen sind, abgebrochen, schnell fortgeschafft und eben so schnell wieder aufgesteckt; an Menschenhänden und Lastthieren fehlt es nicht.

In den cultivirtesten Ländern Europa’s reist man nicht so luxuriös und bequem als in Indien.

Des Abends mußte ich wieder scheiden. Der gute Herr Burdon wollte mir bis Indor seinen Palankin mit den dazu gehörigen Trägern geben; mich dauerten aber die Leute zu sehr, und ich gab vor, die Reise auf dem Kamehle nicht unangenehm zu finden, ja sie, der freien Aussicht halber, der im Palankine sogar vorzuziehen. Doch nahm ich, meines kleinen Kofferchens wegen, ein drittes Kamehl. — Die Sepoi’s ließ ich hier zurück.

Wir gingen diesen Abend noch vier Coose nach dem Städtchen Patan.

17. Februar. Des Morgens sah ich erst, daß Patan an einer romantischen Hügelkette lag und einige ausgezeichnet schöne Tempel aufzuweisen hatte, in deren offenen Hallen lebensgroße, in Stein gehauene Figuren saßen. Die Arabesken und Figuren an den Säulen waren erhaben und rein ausgearbeitet. In den Thälern, die wir

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0044" n="36"/>
drei Uhr in bequeme Palankine oder steigen zu Pferde, um nach vier bis fünf Stunden (sie machen nie mehr als vier Coose den Tag) am aufgerichteten Zelte abzusteigen und das dampfende Frühstück einzunehmen. Sie finden alle häuslichen Bequemlichkeiten, verrichten ihre gewöhnlichen Beschäftigungen, halten ihre gewohnten Mahlzeiten, sind, mit einem Worte, ganz zu Hause.</p>
        <p>Der Koch tritt immer des Nachts seine Wanderung an, die Zelte werden, sobald sie verlassen sind, abgebrochen, schnell fortgeschafft und eben so schnell wieder aufgesteckt; an Menschenhänden und Lastthieren fehlt es nicht.</p>
        <p>In den cultivirtesten Ländern Europa&#x2019;s reist man nicht so luxuriös und bequem als in Indien.</p>
        <p>Des Abends mußte ich wieder scheiden. Der gute Herr <hi rendition="#aq">Burdon</hi> wollte mir bis <hi rendition="#aq">Indor</hi> seinen Palankin mit den dazu gehörigen Trägern geben; mich dauerten aber die Leute zu sehr, und ich gab vor, die Reise auf dem Kamehle nicht unangenehm zu finden, ja sie, der freien Aussicht halber, der im Palankine sogar vorzuziehen. Doch nahm ich, meines kleinen Kofferchens wegen, ein drittes Kamehl. &#x2014; Die <hi rendition="#aq">Sepoi&#x2019;s</hi> ließ ich hier zurück.</p>
        <p>Wir gingen diesen Abend noch vier Coose nach dem Städtchen <hi rendition="#aq">Patan</hi>.</p>
        <p>17. Februar. Des Morgens sah ich erst, daß <hi rendition="#aq">Patan</hi> an einer romantischen Hügelkette lag und einige ausgezeichnet schöne Tempel aufzuweisen hatte, in deren offenen Hallen lebensgroße, in Stein gehauene Figuren saßen. Die Arabesken und Figuren an den Säulen waren erhaben und rein ausgearbeitet. In den Thälern, die wir
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[36/0044] drei Uhr in bequeme Palankine oder steigen zu Pferde, um nach vier bis fünf Stunden (sie machen nie mehr als vier Coose den Tag) am aufgerichteten Zelte abzusteigen und das dampfende Frühstück einzunehmen. Sie finden alle häuslichen Bequemlichkeiten, verrichten ihre gewöhnlichen Beschäftigungen, halten ihre gewohnten Mahlzeiten, sind, mit einem Worte, ganz zu Hause. Der Koch tritt immer des Nachts seine Wanderung an, die Zelte werden, sobald sie verlassen sind, abgebrochen, schnell fortgeschafft und eben so schnell wieder aufgesteckt; an Menschenhänden und Lastthieren fehlt es nicht. In den cultivirtesten Ländern Europa’s reist man nicht so luxuriös und bequem als in Indien. Des Abends mußte ich wieder scheiden. Der gute Herr Burdon wollte mir bis Indor seinen Palankin mit den dazu gehörigen Trägern geben; mich dauerten aber die Leute zu sehr, und ich gab vor, die Reise auf dem Kamehle nicht unangenehm zu finden, ja sie, der freien Aussicht halber, der im Palankine sogar vorzuziehen. Doch nahm ich, meines kleinen Kofferchens wegen, ein drittes Kamehl. — Die Sepoi’s ließ ich hier zurück. Wir gingen diesen Abend noch vier Coose nach dem Städtchen Patan. 17. Februar. Des Morgens sah ich erst, daß Patan an einer romantischen Hügelkette lag und einige ausgezeichnet schöne Tempel aufzuweisen hatte, in deren offenen Hallen lebensgroße, in Stein gehauene Figuren saßen. Die Arabesken und Figuren an den Säulen waren erhaben und rein ausgearbeitet. In den Thälern, die wir

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sophie: A digital library of works by german-speaking women: Bereitstellung der Texttranskription. (2013-06-28T07:11:29Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Frederike Neuber: Bearbeitung der digitalen Edition (2013-06-28T07:11:29Z)
Bayerische Staatsbibliothek Digital: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-06-28T07:11:29Z)

Weitere Informationen:

  • I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert
  • langes s (ſ): als s transkribiert
  • rundes r (ꝛ): als r/et transkribiert
  • Silbentrennung: aufgelöst
  • Zeilenumbrüche markiert: nein
  • Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.) sind nicht konsequent wie in der Vorlage gekennzeichnet



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pfeiffer_frauenfahrt03_1850
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pfeiffer_frauenfahrt03_1850/44
Zitationshilfe: Pfeiffer, Ida: Eine Frauenfahrt um die Welt, Band 3. Wien, 1850, S. 36. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pfeiffer_frauenfahrt03_1850/44>, abgerufen am 18.03.2019.