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Philippi, Johann Ernst: Regeln und Maximen der edlen Reimschmiede-Kunst, auch kriechender Poesie. Altenburg, 1743.

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VIII. Lenden-Braten.
Exemplarien nicht vergriffen werden, als der
einzige Gledirsch mit denen Hübnerischen
weltbekannten Schriften
gethan hat.

Achtes Couvert.
Lenden-Braten.

Lenden-Braten werden von manchen Ken-
nern des guten Geschmacks
für eine Delica-
tesse
gehalten. Daher setze ich sie auch auf mei-
ne offene Tafel von vier und zwanzig Couver-
ten,
oder verdeckten Gerichten. Hingegen
aber Lenden-Hiebe zu geben, oder so sehr ge-
säuerte, übersalzene
und angebrannte Speisen
aufzutragen, daß einer Seitenstechen, und
Magendrücken, oder Sodbrennen, nothwen-
dig davon bekommen muß, ist nicht kochmäßig
zugerichtet. Gleichwol hat der neue Koch, in
seinem Tempel des guten Geschmacks, die
meisten seiner Brühen zu sehr versalzen, allzu
scharf gewürzet,
und überflüßig gesäuret.
Dahin gehört sonderlich die hämische Passage,
als wenn D. P. und Rodigast seinen Weg
nach Waldheim genommen; da doch ersterer
unter die Mörder gefallen gewesen, die ihn
mit Gewalt dahin geschleppt; er aber, bereits
vor einem halben Jahre,
ihren Klauen glück-
lich entrunnen; D. Rodigast aber nie nach
Waldheim
gekommen, sondern in Dreßden
ehrlich gestorben. (S. Dreßdner Zeitungen.)
Nun heißt es zwar sonst: Liuor post fata
quiescit.
Aber der neue Baumeister decket bey

seinem

VIII. Lenden-Braten.
Exemplarien nicht vergriffen werden, als der
einzige Gledirſch mit denen Huͤbneriſchen
weltbekannten Schriften
gethan hat.

Achtes Couvert.
Lenden-Braten.

Lenden-Braten werden von manchen Ken-
nern des guten Geſchmacks
fuͤr eine Delica-
teſſe
gehalten. Daher ſetze ich ſie auch auf mei-
ne offene Tafel von vier und zwanzig Couver-
ten,
oder verdeckten Gerichten. Hingegen
aber Lenden-Hiebe zu geben, oder ſo ſehr ge-
ſaͤuerte, uͤberſalzene
und angebrannte Speiſen
aufzutragen, daß einer Seitenſtechen, und
Magendruͤcken, oder Sodbrennen, nothwen-
dig davon bekommen muß, iſt nicht kochmaͤßig
zugerichtet. Gleichwol hat der neue Koch, in
ſeinem Tempel des guten Geſchmacks, die
meiſten ſeiner Bruͤhen zu ſehr verſalzen, allzu
ſcharf gewuͤrzet,
und uͤberfluͤßig geſaͤuret.
Dahin gehoͤrt ſonderlich die haͤmiſche Paſſage,
als wenn D. P. und Rodigaſt ſeinen Weg
nach Waldheim genommen; da doch erſterer
unter die Moͤrder gefallen geweſen, die ihn
mit Gewalt dahin geſchleppt; er aber, bereits
vor einem halben Jahre,
ihren Klauen gluͤck-
lich entrunnen; D. Rodigaſt aber nie nach
Waldheim
gekommen, ſondern in Dreßden
ehrlich geſtorben. (S. Dreßdner Zeitungen.)
Nun heißt es zwar ſonſt: Liuor poſt fata
quieſcit.
Aber der neue Baumeiſter decket bey

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[272/0280] VIII. Lenden-Braten. Exemplarien nicht vergriffen werden, als der einzige Gledirſch mit denen Huͤbneriſchen weltbekannten Schriften gethan hat. Achtes Couvert. Lenden-Braten. Lenden-Braten werden von manchen Ken- nern des guten Geſchmacks fuͤr eine Delica- teſſe gehalten. Daher ſetze ich ſie auch auf mei- ne offene Tafel von vier und zwanzig Couver- ten, oder verdeckten Gerichten. Hingegen aber Lenden-Hiebe zu geben, oder ſo ſehr ge- ſaͤuerte, uͤberſalzene und angebrannte Speiſen aufzutragen, daß einer Seitenſtechen, und Magendruͤcken, oder Sodbrennen, nothwen- dig davon bekommen muß, iſt nicht kochmaͤßig zugerichtet. Gleichwol hat der neue Koch, in ſeinem Tempel des guten Geſchmacks, die meiſten ſeiner Bruͤhen zu ſehr verſalzen, allzu ſcharf gewuͤrzet, und uͤberfluͤßig geſaͤuret. Dahin gehoͤrt ſonderlich die haͤmiſche Paſſage, als wenn D. P. und Rodigaſt ſeinen Weg nach Waldheim genommen; da doch erſterer unter die Moͤrder gefallen geweſen, die ihn mit Gewalt dahin geſchleppt; er aber, bereits vor einem halben Jahre, ihren Klauen gluͤck- lich entrunnen; D. Rodigaſt aber nie nach Waldheim gekommen, ſondern in Dreßden ehrlich geſtorben. (S. Dreßdner Zeitungen.) Nun heißt es zwar ſonſt: Liuor poſt fata quieſcit. Aber der neue Baumeiſter decket bey ſeinem

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Zitationshilfe: Philippi, Johann Ernst: Regeln und Maximen der edlen Reimschmiede-Kunst, auch kriechender Poesie. Altenburg, 1743, S. 272. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/philippi_reimschmiedekunst_1743/280>, abgerufen am 24.04.2019.