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Philippi, Johann Ernst: Regeln und Maximen der edlen Reimschmiede-Kunst, auch kriechender Poesie. Altenburg, 1743.

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bey der Froschmäusler-Gesellschaft.
setzen zu lassen: So gebt nur unsern poetischen
Huf-Schmieden ein gut Wort, und bezahlet
ihnen ihre Reimschmiede-Arbeit, sie werden euch
ein so gutes Huf-Eisen schmieden, daß es auf
den andern genau passen wird.

47. Maxime.

Mögte jemand gern eines andern Arbeit ver-
fälschen
lassen, wie dem Briontes mit seinem
Schäfer-Gedichte in denen Sottises champe-
tres
begegnet ist, dagegen er das richtige Ori-
ginal
in die Sottises galantes, nach der Edition
des Ciceronianischen Windbeutels zu rechnen,
setzen lassen: So begrüße er nur unsere poeti-
schen Kupfer-Schmiede, die werden ihm so viel
unächten Zusatz dazu thun, daß es für die Ar-
beit eines ganz andern Autoris durchgängig pas-
siren wird.

48. Maxime.

Jn der Froschmäusler-Gesellschaft wird der
gewaltige Zwischenraum applaniret, den die
neuern Poeten zwischen dem Hypsos und Ba-
thos,
oder der Höhe und Tiefe der Gedanken,
machen. Denn wir gestatten, von der Höhe
einen Sprung auf geraden Reim-Füßen in die
Tiefe, und einen Voltigir-Sprung aus der
Tiefe wieder in die Höhe zu thun. Damit
auch die poetischen Gedanken nicht darüber den
Hals brechen; haben wir eigne Strick-Leitern,
und andere Maschinen, einem, der zum Schwei-
mel geneigt ist, aus der Höhe in die Tiefe stuf-

fenweise
F 3

bey der Froſchmaͤusler-Geſellſchaft.
ſetzen zu laſſen: So gebt nur unſern poetiſchen
Huf-Schmieden ein gut Wort, und bezahlet
ihnen ihre Reimſchmiede-Arbeit, ſie werden euch
ein ſo gutes Huf-Eiſen ſchmieden, daß es auf
den andern genau paſſen wird.

47. Maxime.

Moͤgte jemand gern eines andern Arbeit ver-
faͤlſchen
laſſen, wie dem Briontes mit ſeinem
Schaͤfer-Gedichte in denen Sottiſes champê-
tres
begegnet iſt, dagegen er das richtige Ori-
ginal
in die Sottiſes galantes, nach der Edition
des Ciceronianiſchen Windbeutels zu rechnen,
ſetzen laſſen: So begruͤße er nur unſere poeti-
ſchen Kupfer-Schmiede, die werden ihm ſo viel
unaͤchten Zuſatz dazu thun, daß es fuͤr die Ar-
beit eines ganz andern Autoris durchgaͤngig paſ-
ſiren wird.

48. Maxime.

Jn der Froſchmaͤusler-Geſellſchaft wird der
gewaltige Zwiſchenraum applaniret, den die
neuern Poeten zwiſchen dem Hypſos und Ba-
thos,
oder der Hoͤhe und Tiefe der Gedanken,
machen. Denn wir geſtatten, von der Hoͤhe
einen Sprung auf geraden Reim-Fuͤßen in die
Tiefe, und einen Voltigir-Sprung aus der
Tiefe wieder in die Hoͤhe zu thun. Damit
auch die poetiſchen Gedanken nicht daruͤber den
Hals brechen; haben wir eigne Strick-Leitern,
und andere Maſchinen, einem, der zum Schwei-
mel geneigt iſt, aus der Hoͤhe in die Tiefe ſtuf-

fenweiſe
F 3
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[85/0093] bey der Froſchmaͤusler-Geſellſchaft. ſetzen zu laſſen: So gebt nur unſern poetiſchen Huf-Schmieden ein gut Wort, und bezahlet ihnen ihre Reimſchmiede-Arbeit, ſie werden euch ein ſo gutes Huf-Eiſen ſchmieden, daß es auf den andern genau paſſen wird. 47. Maxime. Moͤgte jemand gern eines andern Arbeit ver- faͤlſchen laſſen, wie dem Briontes mit ſeinem Schaͤfer-Gedichte in denen Sottiſes champê- tres begegnet iſt, dagegen er das richtige Ori- ginal in die Sottiſes galantes, nach der Edition des Ciceronianiſchen Windbeutels zu rechnen, ſetzen laſſen: So begruͤße er nur unſere poeti- ſchen Kupfer-Schmiede, die werden ihm ſo viel unaͤchten Zuſatz dazu thun, daß es fuͤr die Ar- beit eines ganz andern Autoris durchgaͤngig paſ- ſiren wird. 48. Maxime. Jn der Froſchmaͤusler-Geſellſchaft wird der gewaltige Zwiſchenraum applaniret, den die neuern Poeten zwiſchen dem Hypſos und Ba- thos, oder der Hoͤhe und Tiefe der Gedanken, machen. Denn wir geſtatten, von der Hoͤhe einen Sprung auf geraden Reim-Fuͤßen in die Tiefe, und einen Voltigir-Sprung aus der Tiefe wieder in die Hoͤhe zu thun. Damit auch die poetiſchen Gedanken nicht daruͤber den Hals brechen; haben wir eigne Strick-Leitern, und andere Maſchinen, einem, der zum Schwei- mel geneigt iſt, aus der Hoͤhe in die Tiefe ſtuf- fenweiſe F 3

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Zitationshilfe: Philippi, Johann Ernst: Regeln und Maximen der edlen Reimschmiede-Kunst, auch kriechender Poesie. Altenburg, 1743, S. 85. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/philippi_reimschmiedekunst_1743/93>, abgerufen am 26.04.2019.