Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Platen, August von: Gedichte. Stuttgart, 1828.

Bild:
<< vorherige Seite
XIV.
Du siehst, wir lächeln deinem Hohne nur:
Was nie du fassen wirst, verschone nur!
Der Käfer hier beschmuzt den reinen Quell,
Doch er ertrinkt, er hat's zum Lohne nur!
Es hängen Tropfen an die Tulpe sich,
Doch sie verschönern ihre Krone nur!
Das Schilf erklang, der Hirte schnitt es ab,
Als Flöte scholl's mit süßerm Tone nur!

XV.
Wähnst du, daß der Frommen
Haus dich aufgenommen?
Bist du je des Zweifels
Ungethüm entkommen?
Bist du je des Sehnens
Meere durchgeschwommen?
Hat dir je den Busen
Liebesschmerz beklommen?
Hast du je des Todes
Tiefen Sinn vernommen?
Bist du, hinzuopfern
Irdisches, entglommen?
Offen stehn die Thore,
Bist du's, magst du kommen!

XIV.
Du ſiehſt, wir laͤcheln deinem Hohne nur:
Was nie du faſſen wirſt, verſchone nur!
Der Kaͤfer hier beſchmuzt den reinen Quell,
Doch er ertrinkt, er hat's zum Lohne nur!
Es haͤngen Tropfen an die Tulpe ſich,
Doch ſie verſchoͤnern ihre Krone nur!
Das Schilf erklang, der Hirte ſchnitt es ab,
Als Floͤte ſcholl's mit ſuͤßerm Tone nur!

XV.
Waͤhnſt du, daß der Frommen
Haus dich aufgenommen?
Biſt du je des Zweifels
Ungethuͤm entkommen?
Biſt du je des Sehnens
Meere durchgeſchwommen?
Hat dir je den Buſen
Liebesſchmerz beklommen?
Haſt du je des Todes
Tiefen Sinn vernommen?
Biſt du, hinzuopfern
Irdiſches, entglommen?
Offen ſtehn die Thore,
Biſt du's, magſt du kommen!

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0104" n="94"/>
          </div>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#aq">XIV.</hi><lb/>
            </head>
            <lg type="poem">
              <l><hi rendition="#in">D</hi>u &#x017F;ieh&#x017F;t, wir la&#x0364;cheln deinem Hohne nur:</l><lb/>
              <l>Was nie du fa&#x017F;&#x017F;en wir&#x017F;t, ver&#x017F;chone nur!</l><lb/>
              <l>Der Ka&#x0364;fer hier be&#x017F;chmuzt den reinen Quell,</l><lb/>
              <l>Doch er ertrinkt, er hat's zum Lohne nur!</l><lb/>
              <l>Es ha&#x0364;ngen Tropfen an die Tulpe &#x017F;ich,</l><lb/>
              <l>Doch &#x017F;ie ver&#x017F;cho&#x0364;nern ihre Krone nur!</l><lb/>
              <l>Das Schilf erklang, der Hirte &#x017F;chnitt es ab,</l><lb/>
              <l>Als Flo&#x0364;te &#x017F;choll's mit &#x017F;u&#x0364;ßerm Tone nur!</l><lb/>
            </lg>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          </div>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#aq">XV.</hi><lb/>
            </head>
            <lg type="poem">
              <l><hi rendition="#in">W</hi>a&#x0364;hn&#x017F;t du, daß der Frommen</l><lb/>
              <l>Haus dich aufgenommen?</l><lb/>
              <l>Bi&#x017F;t du je des Zweifels</l><lb/>
              <l>Ungethu&#x0364;m entkommen?</l><lb/>
              <l>Bi&#x017F;t du je des Sehnens</l><lb/>
              <l>Meere durchge&#x017F;chwommen?</l><lb/>
              <l>Hat dir je den Bu&#x017F;en</l><lb/>
              <l>Liebes&#x017F;chmerz beklommen?</l><lb/>
              <l>Ha&#x017F;t du je des Todes</l><lb/>
              <l>Tiefen Sinn vernommen?</l><lb/>
              <l>Bi&#x017F;t du, hinzuopfern</l><lb/>
              <l>Irdi&#x017F;ches, entglommen?</l><lb/>
              <l>Offen &#x017F;tehn die Thore,</l><lb/>
              <l>Bi&#x017F;t du's, mag&#x017F;t du kommen!</l><lb/>
            </lg>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[94/0104] XIV. Du ſiehſt, wir laͤcheln deinem Hohne nur: Was nie du faſſen wirſt, verſchone nur! Der Kaͤfer hier beſchmuzt den reinen Quell, Doch er ertrinkt, er hat's zum Lohne nur! Es haͤngen Tropfen an die Tulpe ſich, Doch ſie verſchoͤnern ihre Krone nur! Das Schilf erklang, der Hirte ſchnitt es ab, Als Floͤte ſcholl's mit ſuͤßerm Tone nur! XV. Waͤhnſt du, daß der Frommen Haus dich aufgenommen? Biſt du je des Zweifels Ungethuͤm entkommen? Biſt du je des Sehnens Meere durchgeſchwommen? Hat dir je den Buſen Liebesſchmerz beklommen? Haſt du je des Todes Tiefen Sinn vernommen? Biſt du, hinzuopfern Irdiſches, entglommen? Offen ſtehn die Thore, Biſt du's, magſt du kommen!

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/platen_gedichte_1828
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/platen_gedichte_1828/104
Zitationshilfe: Platen, August von: Gedichte. Stuttgart, 1828, S. 94. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/platen_gedichte_1828/104>, abgerufen am 19.09.2019.