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Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 1. München, 1830.

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als das mir am besten zusagende Element, wenn die
Umstände mir beides bescheerten.

Mein post boy war noch nicht mit dem Wagen
angekommen, und ich mußte daher für den nöthigen
Umzug die Garderobe des dicken Wirthes benutzen,
in dessen Kleidern ich seltsam genug aussehen mag,
während ich, am Kamin die meinigen trocknend,
Dir hier abwechselnd schreibe, und meinen Abend-
thee verzehre. Morgen soll ich schon um 4 Uhr aus
den Federn um -- rathe was -- aufzusuchen: Mer-
lins des Zauberers Felsen, wo er dem König Vor-
tigern die Geschichte der kommenden Zeiten prophe-
zeihte, und wo seine Wunderschätze, der goldne
Thron, das diamantne Schwerdt noch heut zu Tage
in verborgnen Höhlen begraben liegen. Da gäbe
es noch eine neue, weit sicherere Spekulation für die
Bergwerksunternehmer in London und Elberfeld!



Bewundere, liebste Julie, mit mir die Thäler Mer-
lin's, sie sind in der That bezaubernd -- aber
an seinen Felsen, an Dinas Emris, werde ich ge-
denken! Doch laß mich in der Ordnung erzählen.

Ich stand also, obgleich erst um 1 Uhr zu Bett
gegangen, pünktlich um 4 Uhr auf, und in 10 Mi-
nuten war ich reisefertig, denn sobald man Diener
und Luxus abgestreift, geht alles leichter und schnel-

als das mir am beſten zuſagende Element, wenn die
Umſtände mir beides beſcheerten.

Mein post boy war noch nicht mit dem Wagen
angekommen, und ich mußte daher für den nöthigen
Umzug die Garderobe des dicken Wirthes benutzen,
in deſſen Kleidern ich ſeltſam genug ausſehen mag,
während ich, am Kamin die meinigen trocknend,
Dir hier abwechſelnd ſchreibe, und meinen Abend-
thee verzehre. Morgen ſoll ich ſchon um 4 Uhr aus
den Federn um — rathe was — aufzuſuchen: Mer-
lins des Zauberers Felſen, wo er dem König Vor-
tigern die Geſchichte der kommenden Zeiten prophe-
zeihte, und wo ſeine Wunderſchätze, der goldne
Thron, das diamantne Schwerdt noch heut zu Tage
in verborgnen Höhlen begraben liegen. Da gäbe
es noch eine neue, weit ſicherere Spekulation für die
Bergwerksunternehmer in London und Elberfeld!



Bewundere, liebſte Julie, mit mir die Thäler Mer-
lin’s, ſie ſind in der That bezaubernd — aber
an ſeinen Felſen, an Dinas Emris, werde ich ge-
denken! Doch laß mich in der Ordnung erzählen.

Ich ſtand alſo, obgleich erſt um 1 Uhr zu Bett
gegangen, pünktlich um 4 Uhr auf, und in 10 Mi-
nuten war ich reiſefertig, denn ſobald man Diener
und Luxus abgeſtreift, geht alles leichter und ſchnel-

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[114/0138] als das mir am beſten zuſagende Element, wenn die Umſtände mir beides beſcheerten. Mein post boy war noch nicht mit dem Wagen angekommen, und ich mußte daher für den nöthigen Umzug die Garderobe des dicken Wirthes benutzen, in deſſen Kleidern ich ſeltſam genug ausſehen mag, während ich, am Kamin die meinigen trocknend, Dir hier abwechſelnd ſchreibe, und meinen Abend- thee verzehre. Morgen ſoll ich ſchon um 4 Uhr aus den Federn um — rathe was — aufzuſuchen: Mer- lins des Zauberers Felſen, wo er dem König Vor- tigern die Geſchichte der kommenden Zeiten prophe- zeihte, und wo ſeine Wunderſchätze, der goldne Thron, das diamantne Schwerdt noch heut zu Tage in verborgnen Höhlen begraben liegen. Da gäbe es noch eine neue, weit ſicherere Spekulation für die Bergwerksunternehmer in London und Elberfeld! Bethgellert, den 29ſten früh. Bewundere, liebſte Julie, mit mir die Thäler Mer- lin’s, ſie ſind in der That bezaubernd — aber an ſeinen Felſen, an Dinas Emris, werde ich ge- denken! Doch laß mich in der Ordnung erzählen. Ich ſtand alſo, obgleich erſt um 1 Uhr zu Bett gegangen, pünktlich um 4 Uhr auf, und in 10 Mi- nuten war ich reiſefertig, denn ſobald man Diener und Luxus abgeſtreift, geht alles leichter und ſchnel-

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Zitationshilfe: Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 1. München, 1830, S. 114. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe01_1830/138>, abgerufen am 24.04.2019.