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Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 1. München, 1830.

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kannst Dir denken, daß mit allen diesen Elementen
zwei Stunden sehr angenehm für mich verflossen.
Ich hatte Enthusiasmus genug um ihr einiges An-
genehme a propos sagen zu können, und sie behan-
delte mich mit vieler Zuvorkommenheit, einmal, weil
ich einen vornehmen Titel hatte, und dann, weil
sie mich stets in der Londner Morning-Post als:
auf Almacks tanzend, und bei mehreren Feten der
Tonangeber gegenwärtig, aufgeführt gefunden hatte
-- ein Umstand der ihr so wichtig schien, daß sie
ihn mehrmals wiederholte.



Am gestrigen Abende sollte ich eine Soirce bei
Lord C . . . . ., dem Chef einer neuen Familie, aber
einen der ältesten Wit's von Dublin, beiwohnen,
zu dem mich Lady M . . . ., seine Freundin, eingela-
den, wurde aber durch eine tragikomische Begeben-
heit daran verhindert. Ich war, den H . . . v. L. auf
seinem Schlosse zu besuchen (das sich, entre nous,
so wenig wie er und seine Familie der Mühe ver-
lohnte), auf's Land geritten, und es schon spät ge-
worden, als ich den Rückweg antrat. Um Zeit zu
gewinnen, nahm ich meine Direktion querfeld ein
a la Seidlitz. Eine Weile ging Alles vortrefflich,
bis ich, schon bei anbrechender Dämmerung, an ei-
nen sehr breiten Graben kam, dessen vor mit liegen-
des Ufer bedeutend höher als das entgegengesetzte

kannſt Dir denken, daß mit allen dieſen Elementen
zwei Stunden ſehr angenehm für mich verfloſſen.
Ich hatte Enthuſiasmus genug um ihr einiges An-
genehme à propos ſagen zu können, und ſie behan-
delte mich mit vieler Zuvorkommenheit, einmal, weil
ich einen vornehmen Titel hatte, und dann, weil
ſie mich ſtets in der Londner Morning-Poſt als:
auf Almacks tanzend, und bei mehreren Fêten der
Tonangeber gegenwärtig, aufgeführt gefunden hatte
— ein Umſtand der ihr ſo wichtig ſchien, daß ſie
ihn mehrmals wiederholte.



Am geſtrigen Abende ſollte ich eine Soirće bei
Lord C . . . . ., dem Chef einer neuen Familie, aber
einen der älteſten Wit’s von Dublin, beiwohnen,
zu dem mich Lady M . . . ., ſeine Freundin, eingela-
den, wurde aber durch eine tragikomiſche Begeben-
heit daran verhindert. Ich war, den H . . . v. L. auf
ſeinem Schloſſe zu beſuchen (das ſich, entre nous,
ſo wenig wie er und ſeine Familie der Mühe ver-
lohnte), auf’s Land geritten, und es ſchon ſpät ge-
worden, als ich den Rückweg antrat. Um Zeit zu
gewinnen, nahm ich meine Direktion querfeld ein
à la Seidlitz. Eine Weile ging Alles vortrefflich,
bis ich, ſchon bei anbrechender Dämmerung, an ei-
nen ſehr breiten Graben kam, deſſen vor mit liegen-
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[273[173]/0197] kannſt Dir denken, daß mit allen dieſen Elementen zwei Stunden ſehr angenehm für mich verfloſſen. Ich hatte Enthuſiasmus genug um ihr einiges An- genehme à propos ſagen zu können, und ſie behan- delte mich mit vieler Zuvorkommenheit, einmal, weil ich einen vornehmen Titel hatte, und dann, weil ſie mich ſtets in der Londner Morning-Poſt als: auf Almacks tanzend, und bei mehreren Fêten der Tonangeber gegenwärtig, aufgeführt gefunden hatte — ein Umſtand der ihr ſo wichtig ſchien, daß ſie ihn mehrmals wiederholte. Den 20ſten. Am geſtrigen Abende ſollte ich eine Soirće bei Lord C . . . . ., dem Chef einer neuen Familie, aber einen der älteſten Wit’s von Dublin, beiwohnen, zu dem mich Lady M . . . ., ſeine Freundin, eingela- den, wurde aber durch eine tragikomiſche Begeben- heit daran verhindert. Ich war, den H . . . v. L. auf ſeinem Schloſſe zu beſuchen (das ſich, entre nous, ſo wenig wie er und ſeine Familie der Mühe ver- lohnte), auf’s Land geritten, und es ſchon ſpät ge- worden, als ich den Rückweg antrat. Um Zeit zu gewinnen, nahm ich meine Direktion querfeld ein à la Seidlitz. Eine Weile ging Alles vortrefflich, bis ich, ſchon bei anbrechender Dämmerung, an ei- nen ſehr breiten Graben kam, deſſen vor mit liegen- des Ufer bedeutend höher als das entgegengeſetzte

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Zitationshilfe: Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 1. München, 1830, S. 273[173]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe01_1830/197>, abgerufen am 22.04.2019.