Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 2. München, 1830.

Bild:
<< vorherige Seite

Stube verschlossen, allein mit meinen Büchern, mei-
ner Phantasie und meinem treuen Hunde." *)



Ich verbrachte heute einen sehr angenehmen Abend
bei Lady M ..... n. Die Gesellschaft war nur
klein, aber geistreich, und belebt durch die Gegen-
wart zweier sehr hübschen Freundinnen unsrer
Wirthin, die mit der besten italienischen Methode
sangen. Ich sprach viel mit Lady M ..... n über
mancherlei Gegenstände, und sie hat Geist und Ge-
fühl genug, um durch ihre Unterhaltung immer leb-
haft zu interessiren. Im Ganzen habe ich Dir in
meinem früheren Briefe nicht Gutes genug über sie
gesagt. Jedenfalls kannte ich an ihr damals noch nicht
die liebenswürdige Eigenschaft: zwei so hübsche
Busen-Freundinnen zu besitzen.

Die Conversation kam einmal auf ihre Werke und
sie frug mich, wie mir Salv. R .. gefiele? den

*) Wir möchten fast um Verzeihung bitten, solche und
andere verwandte Stellen nicht ganz unterdrückt zu
haben. Wer aber so weit gelesen, muß sich doch eini-
germaßen für oder gegen den Autor interessiren -- und
in beiden Fällen können diese unbefangenen Urtheile
über sich selbst, dem Leser, der das Charakteristische
liebt, nicht ganz unwillkommen seyn. Wer sich nur
an die Sachen hält, der überschlägt sie ja leicht.
A. d. H.

Stube verſchloſſen, allein mit meinen Büchern, mei-
ner Phantaſie und meinem treuen Hunde.“ *)



Ich verbrachte heute einen ſehr angenehmen Abend
bei Lady M ..... n. Die Geſellſchaft war nur
klein, aber geiſtreich, und belebt durch die Gegen-
wart zweier ſehr hübſchen Freundinnen unſrer
Wirthin, die mit der beſten italieniſchen Methode
ſangen. Ich ſprach viel mit Lady M ..... n über
mancherlei Gegenſtände, und ſie hat Geiſt und Ge-
fühl genug, um durch ihre Unterhaltung immer leb-
haft zu intereſſiren. Im Ganzen habe ich Dir in
meinem früheren Briefe nicht Gutes genug über ſie
geſagt. Jedenfalls kannte ich an ihr damals noch nicht
die liebenswürdige Eigenſchaft: zwei ſo hübſche
Buſen-Freundinnen zu beſitzen.

Die Converſation kam einmal auf ihre Werke und
ſie frug mich, wie mir Salv. R .. gefiele? den

*) Wir möchten faſt um Verzeihung bitten, ſolche und
andere verwandte Stellen nicht ganz unterdrückt zu
haben. Wer aber ſo weit geleſen, muß ſich doch eini-
germaßen für oder gegen den Autor intereſſiren — und
in beiden Fällen können dieſe unbefangenen Urtheile
über ſich ſelbſt, dem Leſer, der das Charakteriſtiſche
liebt, nicht ganz unwillkommen ſeyn. Wer ſich nur
an die Sachen hält, der überſchlägt ſie ja leicht.
A. d. H.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0189" n="167"/>
Stube ver&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en, allein mit meinen Büchern, mei-<lb/>
ner Phanta&#x017F;ie und meinem treuen Hunde.&#x201C; <note place="foot" n="*)">Wir möchten fa&#x017F;t um Verzeihung bitten, &#x017F;olche und<lb/>
andere verwandte Stellen nicht ganz unterdrückt zu<lb/>
haben. Wer aber &#x017F;o weit gele&#x017F;en, muß &#x017F;ich doch eini-<lb/>
germaßen für oder gegen den Autor intere&#x017F;&#x017F;iren &#x2014; und<lb/>
in beiden Fällen können die&#x017F;e unbefangenen Urtheile<lb/>
über &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t, dem Le&#x017F;er, der das Charakteri&#x017F;ti&#x017F;che<lb/>
liebt, nicht ganz unwillkommen &#x017F;eyn. Wer &#x017F;ich nur<lb/>
an die Sachen hält, der über&#x017F;chlägt &#x017F;ie ja leicht.<lb/><hi rendition="#et">A. d. H.</hi></note></p>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <opener>
            <dateline> <hi rendition="#et">Den 31<hi rendition="#sup">&#x017F;ten.</hi></hi> </dateline>
          </opener><lb/>
          <p>Ich verbrachte heute einen &#x017F;ehr angenehmen Abend<lb/>
bei Lady M ..... n. Die Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft war nur<lb/>
klein, aber gei&#x017F;treich, und belebt durch die Gegen-<lb/>
wart zweier &#x017F;ehr hüb&#x017F;chen Freundinnen un&#x017F;rer<lb/>
Wirthin, die mit der be&#x017F;ten italieni&#x017F;chen Methode<lb/>
&#x017F;angen. Ich &#x017F;prach viel mit Lady M ..... n über<lb/>
mancherlei Gegen&#x017F;tände, und &#x017F;ie hat Gei&#x017F;t und Ge-<lb/>
fühl genug, um durch ihre Unterhaltung immer leb-<lb/>
haft zu intere&#x017F;&#x017F;iren. Im Ganzen habe ich Dir in<lb/>
meinem früheren Briefe nicht Gutes genug über &#x017F;ie<lb/>
ge&#x017F;agt. Jedenfalls kannte ich an ihr damals noch nicht<lb/>
die liebenswürdige Eigen&#x017F;chaft: zwei &#x017F;o hüb&#x017F;che<lb/>
Bu&#x017F;en-Freundinnen zu be&#x017F;itzen.</p><lb/>
          <p>Die Conver&#x017F;ation kam einmal auf ihre Werke und<lb/>
&#x017F;ie frug mich, wie mir Salv. R .. gefiele? den<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[167/0189] Stube verſchloſſen, allein mit meinen Büchern, mei- ner Phantaſie und meinem treuen Hunde.“ *) Den 31ſten. Ich verbrachte heute einen ſehr angenehmen Abend bei Lady M ..... n. Die Geſellſchaft war nur klein, aber geiſtreich, und belebt durch die Gegen- wart zweier ſehr hübſchen Freundinnen unſrer Wirthin, die mit der beſten italieniſchen Methode ſangen. Ich ſprach viel mit Lady M ..... n über mancherlei Gegenſtände, und ſie hat Geiſt und Ge- fühl genug, um durch ihre Unterhaltung immer leb- haft zu intereſſiren. Im Ganzen habe ich Dir in meinem früheren Briefe nicht Gutes genug über ſie geſagt. Jedenfalls kannte ich an ihr damals noch nicht die liebenswürdige Eigenſchaft: zwei ſo hübſche Buſen-Freundinnen zu beſitzen. Die Converſation kam einmal auf ihre Werke und ſie frug mich, wie mir Salv. R .. gefiele? den *) Wir möchten faſt um Verzeihung bitten, ſolche und andere verwandte Stellen nicht ganz unterdrückt zu haben. Wer aber ſo weit geleſen, muß ſich doch eini- germaßen für oder gegen den Autor intereſſiren — und in beiden Fällen können dieſe unbefangenen Urtheile über ſich ſelbſt, dem Leſer, der das Charakteriſtiſche liebt, nicht ganz unwillkommen ſeyn. Wer ſich nur an die Sachen hält, der überſchlägt ſie ja leicht. A. d. H.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe02_1830
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe02_1830/189
Zitationshilfe: Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 2. München, 1830, S. 167. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe02_1830/189>, abgerufen am 26.04.2019.