Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 3. Stuttgart, 1831.

Bild:
<< vorherige Seite

die übrigen Fabriken und gehe dann über Oxford zu-
rück, in dessen Nähe zwei der größten Parks in Eng-
land, Blenheim und Stowe, nebst mehreren Andern
noch mit besucht werden sollen.



Wieder ein Jahr dahin! keines der schlechtesten für
mich, außer der Trennung von Dir. Ich hatte die
Leselampe im Wagen angezündet, und durchlief be-
haglich den neuesten Roman der Lady Morgan, wäh-
rend wir im Gallop in der Ebene dahinrollten. So
wie der Zeiger seiner Uhr auf 12 stand, gratulirte
mir R .... für mich und Dich zum neuen Jahr.
Zwölf Stunden später erreichten wir Chester, eine
alterthümliche barokke Stadt.

Obgleich wir die 19 deutsche Meilen von Birming-
ham hierher in 13 Stunden zurücklegten, so finde ich
doch, daß in England wie in Frankreich, je mehr man
sich von der Hauptstadt entfernt, eine allmählige Ab-
nahme in vielem Guten stattfindet, die Gasthöfe we-
niger vorzüglich, die Postpferde schlechter, die Postil-
lons schmutziger, die Kleidung der Leute überhaupt
unansehnlicher, und das vielfach sich drängende Leben
einsamer wird. Dabei nimmt die Theurung im um-
gekehrten Verhältnisse zu, und man ist einzelnen
Prellereien unterworfen, die in größerer Nähe Lon-
dons wegen der starken Concurrenz fast nie vorfallen.

die übrigen Fabriken und gehe dann über Oxford zu-
rück, in deſſen Nähe zwei der größten Parks in Eng-
land, Blenheim und Stowe, nebſt mehreren Andern
noch mit beſucht werden ſollen.



Wieder ein Jahr dahin! keines der ſchlechteſten für
mich, außer der Trennung von Dir. Ich hatte die
Leſelampe im Wagen angezündet, und durchlief be-
haglich den neueſten Roman der Lady Morgan, wäh-
rend wir im Gallop in der Ebene dahinrollten. So
wie der Zeiger ſeiner Uhr auf 12 ſtand, gratulirte
mir R .... für mich und Dich zum neuen Jahr.
Zwölf Stunden ſpäter erreichten wir Cheſter, eine
alterthümliche barokke Stadt.

Obgleich wir die 19 deutſche Meilen von Birming-
ham hierher in 13 Stunden zurücklegten, ſo finde ich
doch, daß in England wie in Frankreich, je mehr man
ſich von der Hauptſtadt entfernt, eine allmählige Ab-
nahme in vielem Guten ſtattfindet, die Gaſthöfe we-
niger vorzüglich, die Poſtpferde ſchlechter, die Poſtil-
lons ſchmutziger, die Kleidung der Leute überhaupt
unanſehnlicher, und das vielfach ſich drängende Leben
einſamer wird. Dabei nimmt die Theurung im um-
gekehrten Verhältniſſe zu, und man iſt einzelnen
Prellereien unterworfen, die in größerer Nähe Lon-
dons wegen der ſtarken Concurrenz faſt nie vorfallen.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0297" n="251"/>
die übrigen Fabriken und gehe dann über Oxford zu-<lb/>
rück, in de&#x017F;&#x017F;en Nähe zwei der größten Parks in Eng-<lb/>
land, Blenheim und Stowe, neb&#x017F;t mehreren Andern<lb/>
noch mit be&#x017F;ucht werden &#x017F;ollen.</p>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <opener>
            <dateline> <hi rendition="#et">Che&#x017F;ter, den 1&#x017F;ten Januar 1827.</hi> </dateline>
          </opener><lb/>
          <p>Wieder ein Jahr dahin! keines der &#x017F;chlechte&#x017F;ten für<lb/>
mich, außer der Trennung von Dir. Ich hatte die<lb/>
Le&#x017F;elampe im Wagen angezündet, und durchlief be-<lb/>
haglich den neue&#x017F;ten Roman der Lady Morgan, wäh-<lb/>
rend wir im Gallop in der Ebene dahinrollten. So<lb/>
wie der Zeiger &#x017F;einer Uhr auf 12 &#x017F;tand, gratulirte<lb/>
mir R .... für mich und Dich zum neuen Jahr.<lb/>
Zwölf Stunden &#x017F;päter erreichten wir Che&#x017F;ter, eine<lb/>
alterthümliche barokke Stadt.</p><lb/>
          <p>Obgleich wir die 19 deut&#x017F;che Meilen von Birming-<lb/>
ham hierher in 13 Stunden zurücklegten, &#x017F;o finde ich<lb/>
doch, daß in England wie in Frankreich, je mehr man<lb/>
&#x017F;ich von der Haupt&#x017F;tadt entfernt, eine allmählige Ab-<lb/>
nahme in vielem Guten &#x017F;tattfindet, die Ga&#x017F;thöfe we-<lb/>
niger vorzüglich, die Po&#x017F;tpferde &#x017F;chlechter, die Po&#x017F;til-<lb/>
lons &#x017F;chmutziger, die Kleidung der Leute überhaupt<lb/>
unan&#x017F;ehnlicher, und das vielfach &#x017F;ich drängende Leben<lb/>
ein&#x017F;amer wird. Dabei nimmt die Theurung im um-<lb/>
gekehrten Verhältni&#x017F;&#x017F;e zu, und man i&#x017F;t einzelnen<lb/>
Prellereien unterworfen, die in größerer Nähe Lon-<lb/>
dons wegen der &#x017F;tarken Concurrenz fa&#x017F;t nie vorfallen.</p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[251/0297] die übrigen Fabriken und gehe dann über Oxford zu- rück, in deſſen Nähe zwei der größten Parks in Eng- land, Blenheim und Stowe, nebſt mehreren Andern noch mit beſucht werden ſollen. Cheſter, den 1ſten Januar 1827. Wieder ein Jahr dahin! keines der ſchlechteſten für mich, außer der Trennung von Dir. Ich hatte die Leſelampe im Wagen angezündet, und durchlief be- haglich den neueſten Roman der Lady Morgan, wäh- rend wir im Gallop in der Ebene dahinrollten. So wie der Zeiger ſeiner Uhr auf 12 ſtand, gratulirte mir R .... für mich und Dich zum neuen Jahr. Zwölf Stunden ſpäter erreichten wir Cheſter, eine alterthümliche barokke Stadt. Obgleich wir die 19 deutſche Meilen von Birming- ham hierher in 13 Stunden zurücklegten, ſo finde ich doch, daß in England wie in Frankreich, je mehr man ſich von der Hauptſtadt entfernt, eine allmählige Ab- nahme in vielem Guten ſtattfindet, die Gaſthöfe we- niger vorzüglich, die Poſtpferde ſchlechter, die Poſtil- lons ſchmutziger, die Kleidung der Leute überhaupt unanſehnlicher, und das vielfach ſich drängende Leben einſamer wird. Dabei nimmt die Theurung im um- gekehrten Verhältniſſe zu, und man iſt einzelnen Prellereien unterworfen, die in größerer Nähe Lon- dons wegen der ſtarken Concurrenz faſt nie vorfallen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe03_1831
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe03_1831/297
Zitationshilfe: Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 3. Stuttgart, 1831, S. 251. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe03_1831/297>, abgerufen am 26.04.2019.