Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 4. Stuttgart, 1831.

Bild:
<< vorherige Seite

Ameublement des Hauses altväterisch ohne Reiz. In
der Bildergalerie fand ich ebenfalls nichts Besonderes,
in den Stuben aber einige interessante Bilder. Er-
stens die beiden Guise, die Onkel der Maria von
Schottland, den General Monk, der auffallend un-
serm alten Freund Thielemann ähnlich sieht, und das
Bild Lord Darnley's (Marias Gemahl) dem dieses
Schloß gehörte und in derselben Stube aufgehangen
ist, wo er geboren wurde. Ich litt sehr an Kopf-
schmerz, weshalb ich vielleicht einen zweiten Park,
Stainbrook Castle, nur öde und unheimlich fand, auch
den Gemälden nicht viel Geschmack abgewinnen
konnte. Hierauf führte der Weg fortwährend durch
mehrere Fabrikorte, die alle wie brennende Dörfer
und Städte aussahen. Rotherham selbst, wo ich
mich jetzt befinde, ist wegen seiner großen Eisenwerke
berühmt, und ich gedenke morgen einige davon zu
besehen, wenn mein Uebelbefinden nachläßt.



Nachdem ich eine halbe deutsche Meile nach dem
größten Eisenhammer gewandert war, fand ich leider
das Werk still stehen, indem der hohe Ofen gestern
schadhaft geworden war. Ich konnte folglich nur
wenig sehen, und begab mich, wieder eine Viertel-
stunde weiter, nach dem Gußstahlwerk. Hier
war aber eben die Dampfmaschine in Unordnung
gerathen, und das Werk stand ebenfalls still.
Ich wanderte also abermals weiter zu der Zwirn-

15*

Ameublement des Hauſes altväteriſch ohne Reiz. In
der Bildergalerie fand ich ebenfalls nichts Beſonderes,
in den Stuben aber einige intereſſante Bilder. Er-
ſtens die beiden Guiſe, die Onkel der Maria von
Schottland, den General Monk, der auffallend un-
ſerm alten Freund Thielemann ähnlich ſieht, und das
Bild Lord Darnley’s (Marias Gemahl) dem dieſes
Schloß gehörte und in derſelben Stube aufgehangen
iſt, wo er geboren wurde. Ich litt ſehr an Kopf-
ſchmerz, weshalb ich vielleicht einen zweiten Park,
Stainbrook Caſtle, nur öde und unheimlich fand, auch
den Gemälden nicht viel Geſchmack abgewinnen
konnte. Hierauf führte der Weg fortwährend durch
mehrere Fabrikorte, die alle wie brennende Dörfer
und Städte ausſahen. Rotherham ſelbſt, wo ich
mich jetzt befinde, iſt wegen ſeiner großen Eiſenwerke
berühmt, und ich gedenke morgen einige davon zu
beſehen, wenn mein Uebelbefinden nachläßt.



Nachdem ich eine halbe deutſche Meile nach dem
größten Eiſenhammer gewandert war, fand ich leider
das Werk ſtill ſtehen, indem der hohe Ofen geſtern
ſchadhaft geworden war. Ich konnte folglich nur
wenig ſehen, und begab mich, wieder eine Viertel-
ſtunde weiter, nach dem Gußſtahlwerk. Hier
war aber eben die Dampfmaſchine in Unordnung
gerathen, und das Werk ſtand ebenfalls ſtill.
Ich wanderte alſo abermals weiter zu der Zwirn-

15*
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0243" n="227"/>
Ameublement des Hau&#x017F;es altväteri&#x017F;ch ohne Reiz. In<lb/>
der Bildergalerie fand ich ebenfalls nichts Be&#x017F;onderes,<lb/>
in den Stuben aber einige intere&#x017F;&#x017F;ante Bilder. Er-<lb/>
&#x017F;tens die beiden Gui&#x017F;e, die Onkel der Maria von<lb/>
Schottland, den General Monk, der auffallend un-<lb/>
&#x017F;erm alten Freund Thielemann ähnlich &#x017F;ieht, und das<lb/>
Bild Lord Darnley&#x2019;s (Marias Gemahl) dem die&#x017F;es<lb/>
Schloß gehörte und in der&#x017F;elben Stube aufgehangen<lb/>
i&#x017F;t, wo er geboren wurde. Ich litt &#x017F;ehr an Kopf-<lb/>
&#x017F;chmerz, weshalb ich vielleicht einen zweiten Park,<lb/>
Stainbrook Ca&#x017F;tle, nur öde und unheimlich fand, auch<lb/>
den Gemälden nicht viel Ge&#x017F;chmack abgewinnen<lb/>
konnte. Hierauf führte der Weg fortwährend durch<lb/>
mehrere Fabrikorte, die alle wie brennende Dörfer<lb/>
und Städte aus&#x017F;ahen. Rotherham &#x017F;elb&#x017F;t, wo ich<lb/>
mich jetzt befinde, i&#x017F;t wegen &#x017F;einer großen Ei&#x017F;enwerke<lb/>
berühmt, und ich gedenke morgen einige davon zu<lb/>
be&#x017F;ehen, wenn mein Uebelbefinden nachläßt.</p>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <opener>
            <dateline> <hi rendition="#et">Den 3ten Oktober.</hi> </dateline>
          </opener><lb/>
          <p>Nachdem ich eine halbe deut&#x017F;che Meile nach dem<lb/>
größten Ei&#x017F;enhammer gewandert war, fand ich leider<lb/>
das Werk &#x017F;till &#x017F;tehen, indem der hohe Ofen ge&#x017F;tern<lb/>
&#x017F;chadhaft geworden war. Ich konnte folglich nur<lb/>
wenig &#x017F;ehen, und begab mich, wieder eine Viertel-<lb/>
&#x017F;tunde weiter, nach dem Guß&#x017F;tahlwerk. Hier<lb/>
war aber eben die Dampfma&#x017F;chine in Unordnung<lb/>
gerathen, und das Werk &#x017F;tand ebenfalls &#x017F;till.<lb/>
Ich wanderte al&#x017F;o abermals weiter zu der Zwirn-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">15*</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[227/0243] Ameublement des Hauſes altväteriſch ohne Reiz. In der Bildergalerie fand ich ebenfalls nichts Beſonderes, in den Stuben aber einige intereſſante Bilder. Er- ſtens die beiden Guiſe, die Onkel der Maria von Schottland, den General Monk, der auffallend un- ſerm alten Freund Thielemann ähnlich ſieht, und das Bild Lord Darnley’s (Marias Gemahl) dem dieſes Schloß gehörte und in derſelben Stube aufgehangen iſt, wo er geboren wurde. Ich litt ſehr an Kopf- ſchmerz, weshalb ich vielleicht einen zweiten Park, Stainbrook Caſtle, nur öde und unheimlich fand, auch den Gemälden nicht viel Geſchmack abgewinnen konnte. Hierauf führte der Weg fortwährend durch mehrere Fabrikorte, die alle wie brennende Dörfer und Städte ausſahen. Rotherham ſelbſt, wo ich mich jetzt befinde, iſt wegen ſeiner großen Eiſenwerke berühmt, und ich gedenke morgen einige davon zu beſehen, wenn mein Uebelbefinden nachläßt. Den 3ten Oktober. Nachdem ich eine halbe deutſche Meile nach dem größten Eiſenhammer gewandert war, fand ich leider das Werk ſtill ſtehen, indem der hohe Ofen geſtern ſchadhaft geworden war. Ich konnte folglich nur wenig ſehen, und begab mich, wieder eine Viertel- ſtunde weiter, nach dem Gußſtahlwerk. Hier war aber eben die Dampfmaſchine in Unordnung gerathen, und das Werk ſtand ebenfalls ſtill. Ich wanderte alſo abermals weiter zu der Zwirn- 15*

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe04_1831
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe04_1831/243
Zitationshilfe: Pückler-Muskau, Hermann von: Briefe eines Verstorbenen. Bd. 4. Stuttgart, 1831, S. 227. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pueckler_briefe04_1831/243>, abgerufen am 24.03.2019.