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Pütter, Johann Stephan: Historische Entwickelung der heutigen Staatsverfassung des Teutschen Reichs. Bd. 3: Von 1740 bis 1786. Göttingen, 1787.

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XIII. Joseph II. 1764-1786.
muß wünschen und hoffen, daß mit toleranteren
Gesinnungen des aufgeklärteren Theils der Catho-
lischen nach dem erhabenen Beyspiele Josephs des
II. die Quellen der Religionsbeschwerden selbst sich
nach und nach vermindern werden.)



V.
Veränderungen in der catholischen Kirchenver-
fassung; besonders mit Aufhebung der
Jesuiten.


I. Erneuerte Beschwerden der Teutschen catholischen
Kirche über den Römischen Hof, -- II. insonderheit auf
Veranlaßung eines Streits zwischen dem Bischofe und Dom-
capitel, und dem Domdechanten zu Speier, -- den die
päbstliche Rota zum Nachtheile der erzbischöflichen Instanz
zu Mainz nach Rom ziehen wollte; -- III. da jedoch, auf
ein churfürstliches Collegialschreiben an den Kaiser, der Pabst
nachgab; -- wiewohl der Inhalt dieses Collegialschreibens
noch nicht ganz erschöpft ist. -- IV. Inzwischen erschienen
darüber in Druck eine vollständigere Ausgabe der Concor-
date, mit eingerückter Acceptation der Baselischen Conci-
lienschlüsse, -- und ein der päbstlichen Gewalt sehr nach-
theiliges Buch unter dem Namen Justinus Febronius. --
V. Auch entwarfen die drey geistlichen Churfürsten von
neuem ihre Beschwerden über den Römischen Hof; -- wie-
wohl ohne noch die gehoffte Unterstützung vom Kaiser zu
erlangen. -- VI. Die wichtigste Veränderung ereignete sich
endlich mit Aufhebung der Jesuiten; -- VII. wovon sich
schon mit mehr Aufklärung und tolerauteren Gesinnungen
beträchtliche Folgen zu zeigen anfiengen; -- VIII. zum
Theil schon unter Maria Theresia, aber noch ungleich mehr
unter Joseph dem II., in den Oesterreichischen Erbstaaten. --
IX. Doch blieben noch immer Exjesuiten in Teutschland wirk-
sam gnug. -- X. Und unter Russischem Schutze fand der
Orden noch Mittel von neuem sich fortzupflanzen.



I.

Für das catholische Teutschland waren noch
von alten Zeiten her viele Beschwerden inson-

der-

XIII. Joſeph II. 1764-1786.
muß wuͤnſchen und hoffen, daß mit toleranteren
Geſinnungen des aufgeklaͤrteren Theils der Catho-
liſchen nach dem erhabenen Beyſpiele Joſephs des
II. die Quellen der Religionsbeſchwerden ſelbſt ſich
nach und nach vermindern werden.)



V.
Veraͤnderungen in der catholiſchen Kirchenver-
faſſung; beſonders mit Aufhebung der
Jeſuiten.


I. Erneuerte Beſchwerden der Teutſchen catholiſchen
Kirche uͤber den Roͤmiſchen Hof, — II. inſonderheit auf
Veranlaßung eines Streits zwiſchen dem Biſchofe und Dom-
capitel, und dem Domdechanten zu Speier, — den die
paͤbſtliche Rota zum Nachtheile der erzbiſchoͤflichen Inſtanz
zu Mainz nach Rom ziehen wollte; — III. da jedoch, auf
ein churfuͤrſtliches Collegialſchreiben an den Kaiſer, der Pabſt
nachgab; — wiewohl der Inhalt dieſes Collegialſchreibens
noch nicht ganz erſchoͤpft iſt. — IV. Inzwiſchen erſchienen
daruͤber in Druck eine vollſtaͤndigere Ausgabe der Concor-
date, mit eingeruͤckter Acceptation der Baſeliſchen Conci-
lienſchluͤſſe, — und ein der paͤbſtlichen Gewalt ſehr nach-
theiliges Buch unter dem Namen Juſtinus Febronius. —
V. Auch entwarfen die drey geiſtlichen Churfuͤrſten von
neuem ihre Beſchwerden uͤber den Roͤmiſchen Hof; — wie-
wohl ohne noch die gehoffte Unterſtuͤtzung vom Kaiſer zu
erlangen. — VI. Die wichtigſte Veraͤnderung ereignete ſich
endlich mit Aufhebung der Jeſuiten; — VII. wovon ſich
ſchon mit mehr Aufklaͤrung und tolerauteren Geſinnungen
betraͤchtliche Folgen zu zeigen anfiengen; — VIII. zum
Theil ſchon unter Maria Thereſia, aber noch ungleich mehr
unter Joſeph dem II., in den Oeſterreichiſchen Erbſtaaten. —
IX. Doch blieben noch immer Exjeſuiten in Teutſchland wirk-
ſam gnug. — X. Und unter Ruſſiſchem Schutze fand der
Orden noch Mittel von neuem ſich fortzupflanzen.



I.

Fuͤr das catholiſche Teutſchland waren noch
von alten Zeiten her viele Beſchwerden inſon-

der-
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[174/0208] XIII. Joſeph II. 1764-1786. muß wuͤnſchen und hoffen, daß mit toleranteren Geſinnungen des aufgeklaͤrteren Theils der Catho- liſchen nach dem erhabenen Beyſpiele Joſephs des II. die Quellen der Religionsbeſchwerden ſelbſt ſich nach und nach vermindern werden.) V. Veraͤnderungen in der catholiſchen Kirchenver- faſſung; beſonders mit Aufhebung der Jeſuiten. I. Erneuerte Beſchwerden der Teutſchen catholiſchen Kirche uͤber den Roͤmiſchen Hof, — II. inſonderheit auf Veranlaßung eines Streits zwiſchen dem Biſchofe und Dom- capitel, und dem Domdechanten zu Speier, — den die paͤbſtliche Rota zum Nachtheile der erzbiſchoͤflichen Inſtanz zu Mainz nach Rom ziehen wollte; — III. da jedoch, auf ein churfuͤrſtliches Collegialſchreiben an den Kaiſer, der Pabſt nachgab; — wiewohl der Inhalt dieſes Collegialſchreibens noch nicht ganz erſchoͤpft iſt. — IV. Inzwiſchen erſchienen daruͤber in Druck eine vollſtaͤndigere Ausgabe der Concor- date, mit eingeruͤckter Acceptation der Baſeliſchen Conci- lienſchluͤſſe, — und ein der paͤbſtlichen Gewalt ſehr nach- theiliges Buch unter dem Namen Juſtinus Febronius. — V. Auch entwarfen die drey geiſtlichen Churfuͤrſten von neuem ihre Beſchwerden uͤber den Roͤmiſchen Hof; — wie- wohl ohne noch die gehoffte Unterſtuͤtzung vom Kaiſer zu erlangen. — VI. Die wichtigſte Veraͤnderung ereignete ſich endlich mit Aufhebung der Jeſuiten; — VII. wovon ſich ſchon mit mehr Aufklaͤrung und tolerauteren Geſinnungen betraͤchtliche Folgen zu zeigen anfiengen; — VIII. zum Theil ſchon unter Maria Thereſia, aber noch ungleich mehr unter Joſeph dem II., in den Oeſterreichiſchen Erbſtaaten. — IX. Doch blieben noch immer Exjeſuiten in Teutſchland wirk- ſam gnug. — X. Und unter Ruſſiſchem Schutze fand der Orden noch Mittel von neuem ſich fortzupflanzen. Fuͤr das catholiſche Teutſchland waren noch von alten Zeiten her viele Beſchwerden inſon- der-

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Zitationshilfe: Pütter, Johann Stephan: Historische Entwickelung der heutigen Staatsverfassung des Teutschen Reichs. Bd. 3: Von 1740 bis 1786. Göttingen, 1787, S. 174. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/puetter_staatsverfassung03_1787/208>, abgerufen am 19.05.2019.