Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682.

Bild:
<< vorherige Seite

von Engeland.
Halse bekommen/ fiel er in Kranckheit
und starb An. 1483.

§. 17.

Nach Eduardi IV. Todt wardEduardus
V.

zwar dessen Sohn Eduardus V. für Kö-
nig außgeruffen/ ein Knabe von eilf Jah-
ren; der aber kaum zehen Wochen diesen
leeren Titel genoß/ denn sein Vater Bru-
der Richard Duc de Glocester, der boß-
hafftigste und blutdürstigste Mensch/ so
jemahls mag gewesen seyn/ trachtete al-
sobald die Cron an sich zu reissen/ weßwe-
gen er erstlich deß Königs und dessen Bru-
ders Person sich bemächtiget/ und der
Vormundschafft sich anmasset; hernach
dessen treue Freunde auß dem Wege räu-
met. Er ließ auch durch unverschämte
Prediger außstreuen/ als wäre Eduar-
dus IV.
auß Ehebruch gebohren gewest/
und gebührete ihme (Richardo) die Cron
von Rechts wegen/ als der seinem Vater
recht ähnlich wäre. Endlich brachte Duc
de Buckingham
beym Magistrat zu Lon-
den an/ daß Richardo billich solte die Cro-
ne aufgetragen werden; und als etliche
wenige Buben/ so darzu angestellet wa-
ren/ sein Fürbringen mit Geschrey appro-
birt
en/ muste es heissen/ die gantze Ge-
meine trüge ihm das Reich auff. DurchRichardus
III.

solche unverschämte Practiquen riß Ri-
chardus III.
die Cron an sich/ und ließ

sich
Q

von Engeland.
Halſe bekommen/ fiel er in Kranckheit
und ſtarb An. 1483.

§. 17.

Nach Eduardi IV. Todt wardEduardus
V.

zwar deſſen Sohn Eduardus V. fuͤr Koͤ-
nig außgeruffen/ ein Knabe von eilf Jah-
ren; der aber kaum zehen Wochen dieſen
leeren Titel genoß/ denn ſein Vater Bru-
der Richard Duc de Gloceſter, der boß-
hafftigſte und blutduͤrſtigſte Menſch/ ſo
jemahls mag geweſen ſeyn/ trachtete al-
ſobald die Cron an ſich zu reiſſen/ weßwe-
gen er erſtlich deß Koͤnigs und deſſen Bru-
ders Perſon ſich bemaͤchtiget/ und der
Vormundſchafft ſich anmaſſet; hernach
deſſen treue Freunde auß dem Wege raͤu-
met. Er ließ auch durch unverſchaͤmte
Prediger außſtreuen/ als waͤre Eduar-
dus IV.
auß Ehebruch gebohren geweſt/
und gebuͤhrete ihme (Richardo) die Cron
von Rechts wegen/ als der ſeinem Vater
recht aͤhnlich waͤre. Endlich brachte Duc
de Buckingham
beym Magiſtrat zu Lon-
den an/ daß Richardo billich ſolte die Cro-
ne aufgetragen werden; und als etliche
wenige Buben/ ſo darzu angeſtellet wa-
ren/ ſein Fuͤrbringen mit Geſchrey appro-
birt
en/ muſte es heiſſen/ die gantze Ge-
meine truͤge ihm das Reich auff. DurchRichardus
III.

ſolche unverſchaͤmte Practiquen riß Ri-
chardus III.
die Cron an ſich/ und ließ

ſich
Q
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0271" n="241"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">von Engeland.</hi></fw><lb/>
Hal&#x017F;e bekommen/ fiel er in Kranckheit<lb/>
und &#x017F;tarb An. 1483.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 17.</head>
            <p>Nach <hi rendition="#aq">Eduardi IV.</hi> Todt ward<note place="right"><hi rendition="#aq">Eduardus<lb/>
V.</hi></note><lb/>
zwar de&#x017F;&#x017F;en Sohn <hi rendition="#aq">Eduardus V.</hi> fu&#x0364;r Ko&#x0364;-<lb/>
nig außgeruffen/ ein Knabe von eilf Jah-<lb/>
ren; der aber kaum zehen Wochen die&#x017F;en<lb/>
leeren Titel genoß/ denn &#x017F;ein Vater Bru-<lb/>
der <hi rendition="#aq">Richard Duc de Gloce&#x017F;ter,</hi> der boß-<lb/>
hafftig&#x017F;te und blutdu&#x0364;r&#x017F;tig&#x017F;te Men&#x017F;ch/ &#x017F;o<lb/>
jemahls mag gewe&#x017F;en &#x017F;eyn/ trachtete al-<lb/>
&#x017F;obald die Cron an &#x017F;ich zu rei&#x017F;&#x017F;en/ weßwe-<lb/>
gen er er&#x017F;tlich deß Ko&#x0364;nigs und de&#x017F;&#x017F;en Bru-<lb/>
ders Per&#x017F;on &#x017F;ich bema&#x0364;chtiget/ und der<lb/>
Vormund&#x017F;chafft &#x017F;ich anma&#x017F;&#x017F;et; hernach<lb/>
de&#x017F;&#x017F;en treue Freunde auß dem Wege ra&#x0364;u-<lb/>
met. Er ließ auch durch unver&#x017F;cha&#x0364;mte<lb/>
Prediger auß&#x017F;treuen/ als wa&#x0364;re <hi rendition="#aq">Eduar-<lb/>
dus IV.</hi> auß Ehebruch gebohren gewe&#x017F;t/<lb/>
und gebu&#x0364;hrete ihme <hi rendition="#aq">(Richardo)</hi> die Cron<lb/>
von Rechts wegen/ als der &#x017F;einem Vater<lb/>
recht a&#x0364;hnlich wa&#x0364;re. Endlich brachte <hi rendition="#aq">Duc<lb/>
de Buckingham</hi> beym Magi&#x017F;trat zu Lon-<lb/>
den an/ daß <hi rendition="#aq">Richardo</hi> billich &#x017F;olte die Cro-<lb/>
ne aufgetragen werden; und als etliche<lb/>
wenige Buben/ &#x017F;o darzu ange&#x017F;tellet wa-<lb/>
ren/ &#x017F;ein Fu&#x0364;rbringen mit Ge&#x017F;chrey <hi rendition="#aq">appro-<lb/>
birt</hi>en/ mu&#x017F;te es hei&#x017F;&#x017F;en/ die gantze Ge-<lb/>
meine tru&#x0364;ge ihm das Reich auff. Durch<note place="right"><hi rendition="#aq">Richardus<lb/>
III.</hi></note><lb/>
&#x017F;olche unver&#x017F;cha&#x0364;mte <hi rendition="#aq">Practiqu</hi>en riß <hi rendition="#aq">Ri-<lb/>
chardus III.</hi> die Cron an &#x017F;ich/ und ließ<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">Q</fw><fw place="bottom" type="catch">&#x017F;ich</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[241/0271] von Engeland. Halſe bekommen/ fiel er in Kranckheit und ſtarb An. 1483. §. 17. Nach Eduardi IV. Todt ward zwar deſſen Sohn Eduardus V. fuͤr Koͤ- nig außgeruffen/ ein Knabe von eilf Jah- ren; der aber kaum zehen Wochen dieſen leeren Titel genoß/ denn ſein Vater Bru- der Richard Duc de Gloceſter, der boß- hafftigſte und blutduͤrſtigſte Menſch/ ſo jemahls mag geweſen ſeyn/ trachtete al- ſobald die Cron an ſich zu reiſſen/ weßwe- gen er erſtlich deß Koͤnigs und deſſen Bru- ders Perſon ſich bemaͤchtiget/ und der Vormundſchafft ſich anmaſſet; hernach deſſen treue Freunde auß dem Wege raͤu- met. Er ließ auch durch unverſchaͤmte Prediger außſtreuen/ als waͤre Eduar- dus IV. auß Ehebruch gebohren geweſt/ und gebuͤhrete ihme (Richardo) die Cron von Rechts wegen/ als der ſeinem Vater recht aͤhnlich waͤre. Endlich brachte Duc de Buckingham beym Magiſtrat zu Lon- den an/ daß Richardo billich ſolte die Cro- ne aufgetragen werden; und als etliche wenige Buben/ ſo darzu angeſtellet wa- ren/ ſein Fuͤrbringen mit Geſchrey appro- birten/ muſte es heiſſen/ die gantze Ge- meine truͤge ihm das Reich auff. Durch ſolche unverſchaͤmte Practiquen riß Ri- chardus III. die Cron an ſich/ und ließ ſich Eduardus V. Richardus III. Q

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/271
Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682, S. 241. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/271>, abgerufen am 21.04.2019.