Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682.

Bild:
<< vorherige Seite

von Engeland.
ihnen grossen Schaden. Den Frantzo-
sen schickte er Hülffe in Flandern/ wor-
für er zur Belohnung Dünkirchen be-
kahm. Und starb endlich An. 1658. der
zu seiner Zeit so formidabel war/ als
jemahls fast ein König in Engeland ge-
wesen. Der sich absonderlich der Re-
ligion
meisterlich zu seinem Vortheil zu-
bedienen wuste/ indem er alle Secten
frey ließ/ und bey jeder sich in Gunst
setzte. Wordurch er das Volck ge-
theilet hielte/ daß sie allzusammen
sich wider ihn nicht vereinigen kun-
ten.

§. 30.

Nach Cromwels Todt kunteCarolus
II.
wird
ins Reich
beruffen.

diese unrechtmässige und gewaltsame
Regierung nicht bestehen. Denn ob-
wohl sein Sohn Richard in dem Prote-
ctorat
(denn diesen Titel führete Crom-
wel,
den Königlichen aber wolte er nie-
mahls annehmen/) succedirte/ so war
er doch bey weitem nicht geschickt/ ein
solch Werck zu behaupten. Wie er denn
auch bald hernach vom Parlament her-
unter geworffen ward/ welches da es
unter sich zertheilet war/ und niemand
wuste/ wer Koch oder Keller wäre/ be-
dienete sich Monck der Gouverneur von
Schottland dieser Gelegenheit/ und
kahm mit einer Armee aus Schottland

in En-

von Engeland.
ihnen groſſen Schaden. Den Frantzo-
ſen ſchickte er Huͤlffe in Flandern/ wor-
fuͤr er zur Belohnung Duͤnkirchen be-
kahm. Und ſtarb endlich An. 1658. der
zu ſeiner Zeit ſo formidabel war/ als
jemahls faſt ein Koͤnig in Engeland ge-
weſen. Der ſich abſonderlich der Re-
ligion
meiſterlich zu ſeinem Vortheil zu-
bedienen wuſte/ indem er alle Secten
frey ließ/ und bey jeder ſich in Gunſt
ſetzte. Wordurch er das Volck ge-
theilet hielte/ daß ſie allzuſammen
ſich wider ihn nicht vereinigen kun-
ten.

§. 30.

Nach Cromwels Todt kunteCarolus
II.
wird
ins Reich
beruffen.

dieſe unrechtmaͤſſige und gewaltſame
Regierung nicht beſtehen. Denn ob-
wohl ſein Sohn Richard in dem Prote-
ctorat
(denn dieſen Titel fuͤhrete Crom-
wel,
den Koͤniglichen aber wolte er nie-
mahls annehmen/) ſuccedirte/ ſo war
er doch bey weitem nicht geſchickt/ ein
ſolch Werck zu behaupten. Wie er denn
auch bald hernach vom Parlament her-
unter geworffen ward/ welches da es
unter ſich zertheilet war/ und niemand
wuſte/ wer Koch oder Keller waͤre/ be-
dienete ſich Monck der Gouverneur von
Schottland dieſer Gelegenheit/ und
kahm mit einer Armee aus Schottland

in En-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0331" n="301"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">von Engeland.</hi></fw><lb/>
ihnen gro&#x017F;&#x017F;en Schaden. Den Frantzo-<lb/>
&#x017F;en &#x017F;chickte er Hu&#x0364;lffe in Flandern/ wor-<lb/>
fu&#x0364;r er zur Belohnung Du&#x0364;nkirchen be-<lb/>
kahm. Und &#x017F;tarb endlich An. 1658. der<lb/>
zu &#x017F;einer Zeit &#x017F;o <hi rendition="#aq">formidabel</hi> war/ als<lb/>
jemahls fa&#x017F;t ein Ko&#x0364;nig in Engeland ge-<lb/>
we&#x017F;en. Der &#x017F;ich ab&#x017F;onderlich der <hi rendition="#aq">Re-<lb/>
ligion</hi> mei&#x017F;terlich zu &#x017F;einem Vortheil zu-<lb/>
bedienen wu&#x017F;te/ indem er alle Secten<lb/>
frey ließ/ und bey jeder &#x017F;ich in Gun&#x017F;t<lb/>
&#x017F;etzte. Wordurch er das Volck ge-<lb/>
theilet hielte/ daß &#x017F;ie allzu&#x017F;ammen<lb/>
&#x017F;ich wider ihn nicht vereinigen kun-<lb/>
ten.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 30.</head>
            <p>Nach <hi rendition="#aq">Cromwels</hi> Todt kunte<note place="right"><hi rendition="#aq">Carolus<lb/>
II.</hi> wird<lb/>
ins Reich<lb/>
beruffen.</note><lb/>
die&#x017F;e unrechtma&#x0364;&#x017F;&#x017F;ige und gewalt&#x017F;ame<lb/>
Regierung nicht be&#x017F;tehen. Denn ob-<lb/>
wohl &#x017F;ein Sohn <hi rendition="#aq">Richard</hi> in dem <hi rendition="#aq">Prote-<lb/>
ctorat</hi> (denn die&#x017F;en Titel fu&#x0364;hrete <hi rendition="#aq">Crom-<lb/>
wel,</hi> den Ko&#x0364;niglichen aber wolte er nie-<lb/>
mahls annehmen/) <hi rendition="#aq">&#x017F;uccedir</hi>te/ &#x017F;o war<lb/>
er doch bey weitem nicht ge&#x017F;chickt/ ein<lb/>
&#x017F;olch Werck zu behaupten. Wie er denn<lb/>
auch bald hernach vom <hi rendition="#aq">Parlament</hi> her-<lb/>
unter geworffen ward/ welches da es<lb/>
unter &#x017F;ich zertheilet war/ und niemand<lb/>
wu&#x017F;te/ wer Koch oder Keller wa&#x0364;re/ be-<lb/>
dienete &#x017F;ich <hi rendition="#aq">Monck</hi> der <hi rendition="#aq">Gouverneur</hi> von<lb/>
Schottland die&#x017F;er Gelegenheit/ und<lb/>
kahm mit einer Armee aus Schottland<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">in En-</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[301/0331] von Engeland. ihnen groſſen Schaden. Den Frantzo- ſen ſchickte er Huͤlffe in Flandern/ wor- fuͤr er zur Belohnung Duͤnkirchen be- kahm. Und ſtarb endlich An. 1658. der zu ſeiner Zeit ſo formidabel war/ als jemahls faſt ein Koͤnig in Engeland ge- weſen. Der ſich abſonderlich der Re- ligion meiſterlich zu ſeinem Vortheil zu- bedienen wuſte/ indem er alle Secten frey ließ/ und bey jeder ſich in Gunſt ſetzte. Wordurch er das Volck ge- theilet hielte/ daß ſie allzuſammen ſich wider ihn nicht vereinigen kun- ten. §. 30. Nach Cromwels Todt kunte dieſe unrechtmaͤſſige und gewaltſame Regierung nicht beſtehen. Denn ob- wohl ſein Sohn Richard in dem Prote- ctorat (denn dieſen Titel fuͤhrete Crom- wel, den Koͤniglichen aber wolte er nie- mahls annehmen/) ſuccedirte/ ſo war er doch bey weitem nicht geſchickt/ ein ſolch Werck zu behaupten. Wie er denn auch bald hernach vom Parlament her- unter geworffen ward/ welches da es unter ſich zertheilet war/ und niemand wuſte/ wer Koch oder Keller waͤre/ be- dienete ſich Monck der Gouverneur von Schottland dieſer Gelegenheit/ und kahm mit einer Armee aus Schottland in En- Carolus II. wird ins Reich beruffen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/331
Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682, S. 301. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/331>, abgerufen am 20.04.2019.