Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682.

Bild:
<< vorherige Seite

Das V. Capitel
solte/ kahm ein Jacobiner Münch Nah-
mens Jacob Clement aus der Stadt/
mit einem Brief an den König/ welchen
in dem er ihn überlieffert/ und sich stelle-
te/ ob wolte er dem König etwas ins Ohr
sagen/ stieß er ihm ein Messer in Bauch/
an welcher Wunde er den folgenden Tag
den 2. Augusti Anno 1589. starb/ der letzte
aus dem Hause Valois.

HenrieusIV.
§. 22.

Henricus IV. den wir biß-
hero den König von Navarra genennet/
und der zu erst die Cron in die Bourboni-
sche Linie gebracht/ fand nicht weniger
Schwerigkeit bey Eintreiung seiner Re-
gierung/ als er zuvor erfahren hatte.
Denn ob ihm zwar die Cron von
Rechtswegen zukahm/ hinderte ihn
doch die Hugenottische Religion, welcher
er zugethan war/ nicht wenig/ welche so
lang er sie behielte/ würde die Lige, der
Pabst und Spanien sich hefftig wider
ihn setzen. Solte er aber die Religion
stracks verändern/ würden seine biß-
hero getreue Hugenotten von ihm ab-
gehen/ und er sich vielleicht zwischen
zweyen Stühlen niedersetzen. Massen
es auch nicht fein würde gestanden ha-
ben/ wann er so gar öffentlich seine

Re-

Das V. Capitel
ſolte/ kahm ein Jacobiner Muͤnch Nah-
mens Jacob Clement aus der Stadt/
mit einem Brief an den Koͤnig/ welchen
in dem er ihn uͤberlieffert/ und ſich ſtelle-
te/ ob wolte er dem Koͤnig etwas ins Ohr
ſagen/ ſtieß er ihm ein Meſſer in Bauch/
an welcher Wunde er den folgenden Tag
den 2. Auguſti Anno 1589. ſtarb/ der letzte
aus dem Hauſe Valois.

HenrieusIV.
§. 22.

Henricus IV. den wir biß-
hero den Koͤnig von Navarra genennet/
und der zu erſt die Cron in die Bourboni-
ſche Linie gebracht/ fand nicht weniger
Schwerigkeit bey Eintreiung ſeiner Re-
gierung/ als er zuvor erfahren hatte.
Denn ob ihm zwar die Cron von
Rechtswegen zukahm/ hinderte ihn
doch die Hugenottiſche Religion, welcher
er zugethan war/ nicht wenig/ welche ſo
lang er ſie behielte/ wuͤrde die Lige, der
Pabſt und Spanien ſich hefftig wider
ihn ſetzen. Solte er aber die Religion
ſtracks veraͤndern/ wuͤrden ſeine biß-
hero getreue Hugenotten von ihm ab-
gehen/ und er ſich vielleicht zwiſchen
zweyen Stuͤhlen niederſetzen. Maſſen
es auch nicht fein wuͤrde geſtanden ha-
ben/ wann er ſo gar oͤffentlich ſeine

Re-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0456" n="426"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Das <hi rendition="#aq">V.</hi> Capitel</hi></fw><lb/>
&#x017F;olte/ kahm ein Jacobiner Mu&#x0364;nch Nah-<lb/>
mens <hi rendition="#aq">Jacob Clement</hi> aus der Stadt/<lb/>
mit einem Brief an den Ko&#x0364;nig/ welchen<lb/>
in dem er ihn u&#x0364;berlieffert/ und &#x017F;ich &#x017F;telle-<lb/>
te/ ob wolte er dem Ko&#x0364;nig etwas ins Ohr<lb/>
&#x017F;agen/ &#x017F;tieß er ihm ein Me&#x017F;&#x017F;er in Bauch/<lb/>
an welcher Wunde er den folgenden Tag<lb/>
den 2. <hi rendition="#aq">Augu&#x017F;ti</hi> Anno 1589. &#x017F;tarb/ der letzte<lb/>
aus dem Hau&#x017F;e <hi rendition="#aq">Valois.</hi></p><lb/>
            <note place="left"> <hi rendition="#aq">HenrieusIV.</hi> </note>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 22.</head>
            <p><hi rendition="#aq">Henricus IV.</hi> den wir biß-<lb/>
hero den Ko&#x0364;nig von <hi rendition="#aq">Navarra</hi> genennet/<lb/>
und der zu er&#x017F;t die Cron in die <hi rendition="#aq">Bourboni-</hi><lb/>
&#x017F;che <hi rendition="#aq">Linie</hi> gebracht/ fand nicht weniger<lb/>
Schwerigkeit bey Eintreiung &#x017F;einer Re-<lb/>
gierung/ als er zuvor erfahren hatte.<lb/>
Denn ob ihm zwar die Cron von<lb/>
Rechtswegen zukahm/ hinderte ihn<lb/>
doch die <hi rendition="#aq">Hugenotti</hi>&#x017F;che <hi rendition="#aq">Religion,</hi> welcher<lb/>
er zugethan war/ nicht wenig/ welche &#x017F;o<lb/>
lang er &#x017F;ie behielte/ wu&#x0364;rde die <hi rendition="#aq">Lige,</hi> der<lb/>
Pab&#x017F;t und Spanien &#x017F;ich hefftig wider<lb/>
ihn &#x017F;etzen. Solte er aber die <hi rendition="#aq">Religion</hi><lb/>
&#x017F;tracks vera&#x0364;ndern/ wu&#x0364;rden &#x017F;eine biß-<lb/>
hero getreue <hi rendition="#aq">Hugenott</hi>en von ihm ab-<lb/>
gehen/ und er &#x017F;ich vielleicht zwi&#x017F;chen<lb/>
zweyen Stu&#x0364;hlen nieder&#x017F;etzen. Ma&#x017F;&#x017F;en<lb/>
es auch nicht fein wu&#x0364;rde ge&#x017F;tanden ha-<lb/>
ben/ wann er &#x017F;o gar o&#x0364;ffentlich &#x017F;eine<lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#aq">Re-</hi></fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[426/0456] Das V. Capitel ſolte/ kahm ein Jacobiner Muͤnch Nah- mens Jacob Clement aus der Stadt/ mit einem Brief an den Koͤnig/ welchen in dem er ihn uͤberlieffert/ und ſich ſtelle- te/ ob wolte er dem Koͤnig etwas ins Ohr ſagen/ ſtieß er ihm ein Meſſer in Bauch/ an welcher Wunde er den folgenden Tag den 2. Auguſti Anno 1589. ſtarb/ der letzte aus dem Hauſe Valois. §. 22. Henricus IV. den wir biß- hero den Koͤnig von Navarra genennet/ und der zu erſt die Cron in die Bourboni- ſche Linie gebracht/ fand nicht weniger Schwerigkeit bey Eintreiung ſeiner Re- gierung/ als er zuvor erfahren hatte. Denn ob ihm zwar die Cron von Rechtswegen zukahm/ hinderte ihn doch die Hugenottiſche Religion, welcher er zugethan war/ nicht wenig/ welche ſo lang er ſie behielte/ wuͤrde die Lige, der Pabſt und Spanien ſich hefftig wider ihn ſetzen. Solte er aber die Religion ſtracks veraͤndern/ wuͤrden ſeine biß- hero getreue Hugenotten von ihm ab- gehen/ und er ſich vielleicht zwiſchen zweyen Stuͤhlen niederſetzen. Maſſen es auch nicht fein wuͤrde geſtanden ha- ben/ wann er ſo gar oͤffentlich ſeine Re-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/456
Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682, S. 426. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/456>, abgerufen am 24.04.2019.