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Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682.

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Das VIII. Capitel
streitbar/ und gleichsam ein unerschöpff-
ter Brunn von Soldaten gewesen; und
ist dar kein Mangel an Leuten/ die sich
für Geld werben lassen. Sind auch/
wenn sie wohl discipliniret werden/ nicht
allein im ersten Anfall gut/ sondern kön-
nen langwierig Ungemach des Krieges
ausstehen. Man soll auch aus keiner
Nation mehr finden/ die den Frembden
für Geld ihre Haut verkauffen. Jst auch
keine Nation in der Christenheit/ die grös-
sere Armeen zu Roß und Fuß aufrich-
ten kan/ als die Teutsche. Darneben a-
ber haben die Teutschen auch zu der
Kauffmanschafft/ und sonderlich zu al-
lerley Handwercken nicht weniger Lust
und Geschickligkeit; und legen sich auf
selbige nicht allein die in den Städten
wohnen/ sondern auch wenn ein Bauer
ein wenig Mittel hat/ lässet er seinen
Sohn ein Handwerck lernen. Wiewohl
hernach viele von diesen Handwercksge-
sellen dem Kalbfelle nachlauffen. Sind
darneben ins gemein offenhertzig/ red-
lich/ und die ihren alten Teutschen
Glauben hoch rühmen. Haben auch
nicht leichtlich Lust zu Tumult/ sondern
bleiben gerne bey der Regierung/ an
welche sie gewohnet sind.

Beschaf-fenheit
§. 19.

Wiewol aber das Teutsche Reich

ausser

Das VIII. Capitel
ſtreitbar/ und gleichſam ein unerſchoͤpff-
ter Brunn von Soldaten geweſen; und
iſt dar kein Mangel an Leuten/ die ſich
fuͤr Geld werben laſſen. Sind auch/
wenn ſie wohl diſcipliniret werden/ nicht
allein im erſten Anfall gut/ ſondern koͤn-
nen langwierig Ungemach des Krieges
ausſtehen. Man ſoll auch aus keiner
Nation mehr finden/ die den Frembden
fuͤr Geld ihre Haut verkauffen. Jſt auch
keine Nation in der Chriſtenheit/ die groͤſ-
ſere Armeen zu Roß und Fuß aufrich-
ten kan/ als die Teutſche. Darneben a-
ber haben die Teutſchen auch zu der
Kauffmanſchafft/ und ſonderlich zu al-
lerley Handwercken nicht weniger Luſt
und Geſchickligkeit; und legen ſich auf
ſelbige nicht allein die in den Staͤdten
wohnen/ ſondern auch wenn ein Bauer
ein wenig Mittel hat/ laͤſſet er ſeinen
Sohn ein Handwerck lernen. Wiewohl
hernach viele von dieſen Handwercksge-
ſellen dem Kalbfelle nachlauffen. Sind
darneben ins gemein offenhertzig/ red-
lich/ und die ihren alten Teutſchen
Glauben hoch ruͤhmen. Haben auch
nicht leichtlich Luſt zu Tumult/ ſondern
bleiben gerne bey der Regierung/ an
welche ſie gewohnet ſind.

Beſchaf-fenheit
§. 19.

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[610/0640] Das VIII. Capitel ſtreitbar/ und gleichſam ein unerſchoͤpff- ter Brunn von Soldaten geweſen; und iſt dar kein Mangel an Leuten/ die ſich fuͤr Geld werben laſſen. Sind auch/ wenn ſie wohl diſcipliniret werden/ nicht allein im erſten Anfall gut/ ſondern koͤn- nen langwierig Ungemach des Krieges ausſtehen. Man ſoll auch aus keiner Nation mehr finden/ die den Frembden fuͤr Geld ihre Haut verkauffen. Jſt auch keine Nation in der Chriſtenheit/ die groͤſ- ſere Armeen zu Roß und Fuß aufrich- ten kan/ als die Teutſche. Darneben a- ber haben die Teutſchen auch zu der Kauffmanſchafft/ und ſonderlich zu al- lerley Handwercken nicht weniger Luſt und Geſchickligkeit; und legen ſich auf ſelbige nicht allein die in den Staͤdten wohnen/ ſondern auch wenn ein Bauer ein wenig Mittel hat/ laͤſſet er ſeinen Sohn ein Handwerck lernen. Wiewohl hernach viele von dieſen Handwercksge- ſellen dem Kalbfelle nachlauffen. Sind darneben ins gemein offenhertzig/ red- lich/ und die ihren alten Teutſchen Glauben hoch ruͤhmen. Haben auch nicht leichtlich Luſt zu Tumult/ ſondern bleiben gerne bey der Regierung/ an welche ſie gewohnet ſind. §. 19. Wiewol aber das Teutſche Reich auſſer

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Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682, S. 610. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/640>, abgerufen am 25.04.2019.