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Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682.

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von Rom.
diese Veränderung zu Roms Wachs-
thum gedienet/ weil es gar nicht glaublich
scheinet/ daß es bey der Monarchischen
Regierung der gestalt würde gewachsen
haben; theils weil die Könige umb ihrer
innerlichen Sicherheit willen ihrer Bür-
ger Tapferkeit einiger massen hätten
dämpfen müssen; theils weil etlicher Kö-
nige Faulheit und Unverstand die Stadt
sehr würde geschwächet haben.

§. 16.

Am meisten aber lohnet für dieUrsachen
des Unter-
gangs
vom Rö-
mischen
Reiche.

Mühe etwas genauer zu untersuchen/
woher es doch kommen/ daß das Römi-
sche Reich/ welches so einen schönen Theil
der Welt begriffen/ zu Grund gangen/ u.
den Nordischen Nationen zum Raube
worden/ nach dem es vorhin durch inner-
liche Kranckheiten gantz ausgemattet war.
Dessen Ursachen wir von dem ersten Ur-
sprung her hohlen wollen. Weil demnach
das Römische Volck/ so von Natur wild
und kriegerisch/ u. von keinem Castell ge-
zähmet/ in einer Ringmauer begriffen
war; als fand sich kein ander Mittel
für die Könige zu Rom/ weil sie kei-
ne andere Macht hatten/ die Kräff-
te dieser grossen Stadt zuüberwegen/
als mit sanftem und gelindem Regi-
mente sothane Menge an Hand zu
halten. Jnmassen denn auch die

ersten
C jv

von Rom.
dieſe Veraͤnderung zu Roms Wachs-
thum gedienet/ weil es gaꝛ nicht glaublich
ſcheinet/ daß es bey der Monarchiſchen
Regierung der geſtalt wuͤrde gewachſen
haben; theils weil die Koͤnige umb ihrer
innerlichen Sicherheit willen ihrer Buͤr-
ger Tapferkeit einiger maſſen haͤtten
daͤmpfen muͤſſen; theils weil etlicher Koͤ-
nige Faulheit und Unverſtand die Stadt
ſehr wuͤrde geſchwaͤchet haben.

§. 16.

Am meiſten aber lohnet fuͤr dieUrſachen
des Unter-
gangs
vom Roͤ-
miſchen
Reiche.

Muͤhe etwas genauer zu unterſuchen/
woher es doch kommen/ daß das Roͤmi-
ſche Reich/ welches ſo einen ſchoͤnen Theil
der Welt begriffen/ zu Grund gangen/ u.
den Nordiſchen Nationen zum Raube
worden/ nach dem es vorhin durch inner-
liche Kꝛanckheitẽ gantz ausgemattet war.
Deſſen Urſachen wir von dem erſten Ur-
ſprung her hohlen wollen. Weil demnach
das Roͤmiſche Volck/ ſo von Natur wild
und kriegeꝛiſch/ u. von keinem Caſtell ge-
zaͤhmet/ in einer Ringmauer begriffen
war; als fand ſich kein ander Mittel
fuͤr die Koͤnige zu Rom/ weil ſie kei-
ne andere Macht hatten/ die Kraͤff-
te dieſer groſſen Stadt zuuͤberwegen/
als mit ſanftem und gelindem Regi-
mente ſothane Menge an Hand zu
halten. Jnmaſſen denn auch die

erſten
C jv
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[39/0069] von Rom. dieſe Veraͤnderung zu Roms Wachs- thum gedienet/ weil es gaꝛ nicht glaublich ſcheinet/ daß es bey der Monarchiſchen Regierung der geſtalt wuͤrde gewachſen haben; theils weil die Koͤnige umb ihrer innerlichen Sicherheit willen ihrer Buͤr- ger Tapferkeit einiger maſſen haͤtten daͤmpfen muͤſſen; theils weil etlicher Koͤ- nige Faulheit und Unverſtand die Stadt ſehr wuͤrde geſchwaͤchet haben. §. 16. Am meiſten aber lohnet fuͤr die Muͤhe etwas genauer zu unterſuchen/ woher es doch kommen/ daß das Roͤmi- ſche Reich/ welches ſo einen ſchoͤnen Theil der Welt begriffen/ zu Grund gangen/ u. den Nordiſchen Nationen zum Raube worden/ nach dem es vorhin durch inner- liche Kꝛanckheitẽ gantz ausgemattet war. Deſſen Urſachen wir von dem erſten Ur- ſprung her hohlen wollen. Weil demnach das Roͤmiſche Volck/ ſo von Natur wild und kriegeꝛiſch/ u. von keinem Caſtell ge- zaͤhmet/ in einer Ringmauer begriffen war; als fand ſich kein ander Mittel fuͤr die Koͤnige zu Rom/ weil ſie kei- ne andere Macht hatten/ die Kraͤff- te dieſer groſſen Stadt zuuͤberwegen/ als mit ſanftem und gelindem Regi- mente ſothane Menge an Hand zu halten. Jnmaſſen denn auch die erſten Urſachen des Unter- gangs vom Roͤ- miſchen Reiche. C jv

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Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682, S. 39. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/69>, abgerufen am 18.04.2019.