Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682.

Bild:
<< vorherige Seite

von Rom.
Aemter erhielt/ und sich nur eigentlich die
Sorge für das Kriegswesen angelegen
seyn ließ. Jn der That aber gründete
sich diese neue Regierung nicht so wol auf
die gutwillige Unterwerffung des Raths
und Volcks/ als auff die Soldaten/ durch
dero Hülffe dieselbe zuwegen gebracht/ und
erhalten ward. Weil es aber den alten A-
del im Hertzen verdroß/ dz sie einem einzi-
gen solte zu Gebotte stehen/ und immer nach
der vorigen Freyheit schnappeten: so wa-
ren hergegen die Keyser bedacht auf aller-
ley Wege selbigen alten Adel außzutilgen
oder zu schwächen. Wie denn auch binnen
zweyhundert Jahren nicht vielmehr von
selbigen übrig gewesen; an dero Stelle die
Keyser neue Leute her für zogen/ welcheRömische
Monar-
chie ist
nicht be-
ständig.

sich gerne unter das Joch bequemten.

§. 19.

Daß aber diese Monarchie nicht
lange bestehen kunte/ dessen Ursach kam
von den Soldaten her. Denn als selbige
einmahl dieses arcanum merckten/ dz auff
ihnen das Reich beruhete/ und sie es geben
könten wem sie wolten/ der Rath aber und
das Volck nur schwache Nahmen wären:
wurden nicht allein die Keyser genöthiget
dero Gunst mit Vermehrung des Sol-
des/ und grossen Geschencken zu kauffen/
sondern es huben noch selbige an die Key-
ser/ so ihnen mißfielen/ umzubringen/

und

von Rom.
Aemter erhielt/ und ſich nur eigentlich die
Sorge fuͤr das Kriegsweſen angelegen
ſeyn ließ. Jn der That aber gruͤndete
ſich dieſe neue Regierung nicht ſo wol auf
die gutwillige Unterwerffung des Raths
und Volcks/ als auff die Soldatẽ/ durch
dero Huͤlffe dieſelbe zuwegen gebꝛacht/ uñ
erhalten ward. Weil es aber den alten A-
del im Hertzen verdroß/ dz ſie einem einzi-
gen ſolte zu Gebotte ſtehen/ und im̃eꝛ nach
der vorigen Freyheit ſchnappeten: ſo wa-
ren hergegen die Keyſer bedacht auf alleꝛ-
ley Wege ſelbigen alten Adel außzutilgen
oder zu ſchwaͤchen. Wie denn auch binnen
zweyhundert Jahren nicht vielmehr von
ſelbigen uͤbrig geweſen; an dero Stelle die
Keyſer neue Leute her fuͤr zogen/ welcheRoͤmiſche
Monar-
chie iſt
nicht be-
ſtaͤndig.

ſich gerne unter das Joch bequemten.

§. 19.

Daß aber dieſe Monarchie nicht
lange beſtehen kunte/ deſſen Urſach kam
von den Soldaten her. Denn als ſelbige
einmahl dieſes arcanum merckten/ dz auff
ihnen das Reich beruhete/ und ſie es geben
koͤnten wem ſie wolten/ der Rath aber uñ
das Volck nur ſchwache Nahmen waͤren:
wurden nicht allein die Keyſer genoͤthiget
dero Gunſt mit Vermehrung des Sol-
des/ und groſſen Geſchencken zu kauffen/
ſondern es huben noch ſelbige an die Key-
ſer/ ſo ihnen mißfielen/ umzubringen/

und
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0077" n="47"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">von Rom.</hi></fw><lb/>
Aemter erhielt/ und &#x017F;ich nur eigentlich die<lb/>
Sorge fu&#x0364;r das Kriegswe&#x017F;en angelegen<lb/>
&#x017F;eyn ließ. Jn der That aber gru&#x0364;ndete<lb/>
&#x017F;ich die&#x017F;e neue Regierung nicht &#x017F;o wol auf<lb/>
die gutwillige Unterwerffung des Raths<lb/>
und Volcks/ als auff die Soldate&#x0303;/ durch<lb/>
dero Hu&#x0364;lffe die&#x017F;elbe zuwegen geb&#xA75B;acht/ un&#x0303;<lb/>
erhalten ward. Weil es aber den alten A-<lb/>
del im Hertzen verdroß/ dz &#x017F;ie einem einzi-<lb/>
gen &#x017F;olte zu Gebotte &#x017F;tehen/ und im&#x0303;e&#xA75B; nach<lb/>
der vorigen Freyheit &#x017F;chnappeten: &#x017F;o wa-<lb/>
ren hergegen die Key&#x017F;er bedacht auf alle&#xA75B;-<lb/>
ley Wege &#x017F;elbigen alten Adel außzutilgen<lb/>
oder zu &#x017F;chwa&#x0364;chen. Wie denn auch binnen<lb/>
zweyhundert Jahren nicht vielmehr von<lb/>
&#x017F;elbigen u&#x0364;brig gewe&#x017F;en; an dero Stelle die<lb/>
Key&#x017F;er neue Leute her fu&#x0364;r zogen/ welche<note place="right">Ro&#x0364;mi&#x017F;che<lb/>
Monar-<lb/>
chie i&#x017F;t<lb/>
nicht be-<lb/>
&#x017F;ta&#x0364;ndig.</note><lb/>
&#x017F;ich gerne unter das Joch bequemten.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 19.</head>
            <p>Daß aber die&#x017F;e Monarchie nicht<lb/>
lange be&#x017F;tehen kunte/ de&#x017F;&#x017F;en Ur&#x017F;ach kam<lb/>
von den Soldaten her. Denn als &#x017F;elbige<lb/>
einmahl die&#x017F;es <hi rendition="#aq">arcanum</hi> merckten/ dz auff<lb/>
ihnen das Reich beruhete/ und &#x017F;ie es geben<lb/>
ko&#x0364;nten wem &#x017F;ie wolten/ der Rath aber un&#x0303;<lb/>
das Volck nur &#x017F;chwache Nahmen wa&#x0364;ren:<lb/>
wurden nicht allein die Key&#x017F;er geno&#x0364;thiget<lb/>
dero Gun&#x017F;t mit Vermehrung des Sol-<lb/>
des/ und gro&#x017F;&#x017F;en Ge&#x017F;chencken zu kauffen/<lb/>
&#x017F;ondern es huben noch &#x017F;elbige an die Key-<lb/>
&#x017F;er/ &#x017F;o ihnen mißfielen/ umzubringen/<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">und</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[47/0077] von Rom. Aemter erhielt/ und ſich nur eigentlich die Sorge fuͤr das Kriegsweſen angelegen ſeyn ließ. Jn der That aber gruͤndete ſich dieſe neue Regierung nicht ſo wol auf die gutwillige Unterwerffung des Raths und Volcks/ als auff die Soldatẽ/ durch dero Huͤlffe dieſelbe zuwegen gebꝛacht/ uñ erhalten ward. Weil es aber den alten A- del im Hertzen verdroß/ dz ſie einem einzi- gen ſolte zu Gebotte ſtehen/ und im̃eꝛ nach der vorigen Freyheit ſchnappeten: ſo wa- ren hergegen die Keyſer bedacht auf alleꝛ- ley Wege ſelbigen alten Adel außzutilgen oder zu ſchwaͤchen. Wie denn auch binnen zweyhundert Jahren nicht vielmehr von ſelbigen uͤbrig geweſen; an dero Stelle die Keyſer neue Leute her fuͤr zogen/ welche ſich gerne unter das Joch bequemten. Roͤmiſche Monar- chie iſt nicht be- ſtaͤndig. §. 19. Daß aber dieſe Monarchie nicht lange beſtehen kunte/ deſſen Urſach kam von den Soldaten her. Denn als ſelbige einmahl dieſes arcanum merckten/ dz auff ihnen das Reich beruhete/ und ſie es geben koͤnten wem ſie wolten/ der Rath aber uñ das Volck nur ſchwache Nahmen waͤren: wurden nicht allein die Keyſer genoͤthiget dero Gunſt mit Vermehrung des Sol- des/ und groſſen Geſchencken zu kauffen/ ſondern es huben noch ſelbige an die Key- ſer/ ſo ihnen mißfielen/ umzubringen/ und

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/77
Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682, S. 47. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/77>, abgerufen am 18.04.2019.