Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682.

Bild:
<< vorherige Seite

Das XII. Capitel
bus abgezwacket/ exercirten/ auch son-
sten sein Interesse fleissig beobachteten.

Reich-
thum derKirchen.
§. 17.

Diese erwachsende Geistliche
Souverainität gedeyete der hohen Obrig-
keit zu desto grössern Nachtheil/ je mehr
die Kirche an Reichthum und Mann-
schafft zugenommen. Und floß zwar
das Reichthum der Kirchen Anfangs
her von guthertzigen und wohl intentio-
nir
ten Potentaten/ Herren/ und an-
dern/ die da glaubeten/ GOtt einen
sonderbaren Gefallen daran zu thun/
wenn sie viel an die Kirche und Clerisey
verehreten. Welche Freygebigkeit sich
sehr vermehrete/ nachdem man den Leu-
ten eingebildet/ daß man durch gute
Wercke/ darunter die Donationes ad pias
causas
den vornehmsten Platz bekah-
men/ GOtt den Himmel abverdienen
könte und müste. Und als die gutwil-
lige Freygebigkeit der Leute die mit dem
Reichthum wachsen/ die Gierigkeit der
Clerisey nicht erfüllen konte/ hat sie al-
lerhand Aucupia und Griffe ausgeson-
nen/ den Leuten das Gelde abzuvexi-
ren/ in dem sie ein Hauffen geistliche
unnöthige Actus erfunden/ für dero
Ubung man ihr Geld müsse geben. Da
hat man ohne Maß und Ziel eingefüh-
ret die Messen für Lebendige und Todte/

das

Das XII. Capitel
bus abgezwacket/ exercirten/ auch ſon-
ſten ſein Intereſſe fleiſſig beobachteten.

Reich-
thum derKirchen.
§. 17.

Dieſe erwachſende Geiſtliche
Souverainitaͤt gedeyete der hohen Obrig-
keit zu deſto groͤſſern Nachtheil/ je mehr
die Kirche an Reichthum und Mann-
ſchafft zugenommen. Und floß zwar
das Reichthum der Kirchen Anfangs
her von guthertzigen und wohl intentio-
nir
ten Potentaten/ Herren/ und an-
dern/ die da glaubeten/ GOtt einen
ſonderbaren Gefallen daran zu thun/
wenn ſie viel an die Kirche und Cleriſey
verehreten. Welche Freygebigkeit ſich
ſehr vermehrete/ nachdem man den Leu-
ten eingebildet/ daß man durch gute
Wercke/ darunter die Donationes ad pias
cauſas
den vornehmſten Platz bekah-
men/ GOtt den Himmel abverdienen
koͤnte und muͤſte. Und als die gutwil-
lige Freygebigkeit der Leute die mit dem
Reichthum wachſen/ die Gierigkeit der
Cleriſey nicht erfuͤllen konte/ hat ſie al-
lerhand Aucupia und Griffe ausgeſon-
nen/ den Leuten das Gelde abzuvexi-
ren/ in dem ſie ein Hauffen geiſtliche
unnoͤthige Actus erfunden/ fuͤr dero
Ubung man ihr Geld muͤſſe geben. Da
hat man ohne Maß und Ziel eingefuͤh-
ret die Meſſen fuͤr Lebendige und Todte/

das
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0802" n="772"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Das <hi rendition="#aq">XII.</hi> Capitel</hi></fw><lb/><hi rendition="#aq">bus</hi> abgezwacket/ <hi rendition="#aq">exercir</hi>ten/ auch &#x017F;on-<lb/>
&#x017F;ten &#x017F;ein <hi rendition="#aq">Intere&#x017F;&#x017F;e</hi> flei&#x017F;&#x017F;ig beobachteten.</p><lb/>
            <note place="left">Reich-<lb/>
thum derKirchen.</note>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 17.</head>
            <p>Die&#x017F;e erwach&#x017F;ende Gei&#x017F;tliche<lb/><hi rendition="#aq">Souveraini</hi>ta&#x0364;t gedeyete der hohen Obrig-<lb/>
keit zu de&#x017F;to gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;ern Nachtheil/ je mehr<lb/>
die Kirche an Reichthum und Mann-<lb/>
&#x017F;chafft zugenommen. Und floß zwar<lb/>
das Reichthum der Kirchen Anfangs<lb/>
her von guthertzigen und wohl <hi rendition="#aq">intentio-<lb/>
nir</hi>ten Potentaten/ Herren/ und an-<lb/>
dern/ die da glaubeten/ GOtt einen<lb/>
&#x017F;onderbaren Gefallen daran zu thun/<lb/>
wenn &#x017F;ie viel an die Kirche und Cleri&#x017F;ey<lb/>
verehreten. Welche Freygebigkeit &#x017F;ich<lb/>
&#x017F;ehr vermehrete/ nachdem man den Leu-<lb/>
ten eingebildet/ daß man durch gute<lb/>
Wercke/ darunter die <hi rendition="#aq">Donationes ad pias<lb/>
cau&#x017F;as</hi> den vornehm&#x017F;ten Platz bekah-<lb/>
men/ GOtt den Himmel abverdienen<lb/>
ko&#x0364;nte und mu&#x0364;&#x017F;te. Und als die gutwil-<lb/>
lige Freygebigkeit der Leute die mit dem<lb/>
Reichthum wach&#x017F;en/ die Gierigkeit der<lb/>
Cleri&#x017F;ey nicht erfu&#x0364;llen konte/ hat &#x017F;ie al-<lb/>
lerhand <hi rendition="#aq">Aucupia</hi> und Griffe ausge&#x017F;on-<lb/>
nen/ den Leuten das Gelde abzuvexi-<lb/>
ren/ in dem &#x017F;ie ein Hauffen gei&#x017F;tliche<lb/>
unno&#x0364;thige <hi rendition="#aq">Actus</hi> erfunden/ fu&#x0364;r dero<lb/>
Ubung man ihr Geld mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e geben. Da<lb/>
hat man ohne Maß und Ziel eingefu&#x0364;h-<lb/>
ret die Me&#x017F;&#x017F;en fu&#x0364;r Lebendige und Todte/<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">das</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[772/0802] Das XII. Capitel bus abgezwacket/ exercirten/ auch ſon- ſten ſein Intereſſe fleiſſig beobachteten. §. 17. Dieſe erwachſende Geiſtliche Souverainitaͤt gedeyete der hohen Obrig- keit zu deſto groͤſſern Nachtheil/ je mehr die Kirche an Reichthum und Mann- ſchafft zugenommen. Und floß zwar das Reichthum der Kirchen Anfangs her von guthertzigen und wohl intentio- nirten Potentaten/ Herren/ und an- dern/ die da glaubeten/ GOtt einen ſonderbaren Gefallen daran zu thun/ wenn ſie viel an die Kirche und Cleriſey verehreten. Welche Freygebigkeit ſich ſehr vermehrete/ nachdem man den Leu- ten eingebildet/ daß man durch gute Wercke/ darunter die Donationes ad pias cauſas den vornehmſten Platz bekah- men/ GOtt den Himmel abverdienen koͤnte und muͤſte. Und als die gutwil- lige Freygebigkeit der Leute die mit dem Reichthum wachſen/ die Gierigkeit der Cleriſey nicht erfuͤllen konte/ hat ſie al- lerhand Aucupia und Griffe ausgeſon- nen/ den Leuten das Gelde abzuvexi- ren/ in dem ſie ein Hauffen geiſtliche unnoͤthige Actus erfunden/ fuͤr dero Ubung man ihr Geld muͤſſe geben. Da hat man ohne Maß und Ziel eingefuͤh- ret die Meſſen fuͤr Lebendige und Todte/ das

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/802
Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682, S. 772. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/802>, abgerufen am 23.04.2019.