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Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682.

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Das XII. Capitel
Keyserlichem/ bald in Päbstlichem Ha-
bit
sehen/ und zwey Schwerdter/ als ein
Zeichen der geistlichen und weltlichen
Gewalt/ fürtragen ließ.

Päbstli-
che Auto-
ri
tät
wird an-
gefoch-ten.
§. 23.

Allein es haben die Päbste so-
thane unerträgliche Gewalt nicht lange
ruhig besitzen können; sondern es hat
solche so viel Anstösse gehabt/ daß sie
etlicher massen die Pfeiffe einziehen/
und ihre Praetension auf subtilere Weise
Handthieren müssen. Zwar in den
Händeln mit den Henricis und Frideri-
cis
behielten die Päbste wohl endlich die
Ober-Hand; jedoch genossen sie auch
bißweilen schlecht Tractament genug/
und musten viel hören/ was ihnen
zu schlechten Ehren gedeyete/ und dar-
auß Unpartheyische leicht urtheilen kun-
ten/ daß es nicht umb GOttes Ehre/
sondern umb weltliche Hoheit zu thun
wäre. Aber als Bonifacius VIII. Kö-
nig Philippo Pulcro in Franckreich auch
zu Leibe wolte/ nahm dieser seine
Schantze besser in acht/ und versetzte
ihm einen solchen Streich/ der dem
Pabst zu grossem Nachtheil geriethe.
Bey welchem harten Verfahren gegen
dem Pabst/ damit man das Aerger-
nuß des gemeinen Volcks abwendete/

gab

Das XII. Capitel
Keyſerlichem/ bald in Paͤbſtlichem Ha-
bit
ſehen/ und zwey Schwerdter/ als ein
Zeichen der geiſtlichen und weltlichen
Gewalt/ fuͤrtragen ließ.

Paͤbſtli-
che Auto-
ri
taͤt
wird an-
gefoch-ten.
§. 23.

Allein es haben die Paͤbſte ſo-
thane unertraͤgliche Gewalt nicht lange
ruhig beſitzen koͤnnen; ſondern es hat
ſolche ſo viel Anſtoͤſſe gehabt/ daß ſie
etlicher maſſen die Pfeiffe einziehen/
und ihre Prætenſion auf ſubtilere Weiſe
Handthieren muͤſſen. Zwar in den
Haͤndeln mit den Henricis und Frideri-
cis
behielten die Paͤbſte wohl endlich die
Ober-Hand; jedoch genoſſen ſie auch
bißweilen ſchlecht Tractament genug/
und muſten viel hoͤren/ was ihnen
zu ſchlechten Ehren gedeyete/ und dar-
auß Unpartheyiſche leicht urtheilen kun-
ten/ daß es nicht umb GOttes Ehre/
ſondern umb weltliche Hoheit zu thun
waͤre. Aber als Bonifacius VIII. Koͤ-
nig Philippo Pulcro in Franckreich auch
zu Leibe wolte/ nahm dieſer ſeine
Schantze beſſer in acht/ und verſetzte
ihm einen ſolchen Streich/ der dem
Pabſt zu groſſem Nachtheil geriethe.
Bey welchem harten Verfahren gegen
dem Pabſt/ damit man das Aerger-
nuß des gemeinen Volcks abwendete/

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[796/0826] Das XII. Capitel Keyſerlichem/ bald in Paͤbſtlichem Ha- bit ſehen/ und zwey Schwerdter/ als ein Zeichen der geiſtlichen und weltlichen Gewalt/ fuͤrtragen ließ. §. 23. Allein es haben die Paͤbſte ſo- thane unertraͤgliche Gewalt nicht lange ruhig beſitzen koͤnnen; ſondern es hat ſolche ſo viel Anſtoͤſſe gehabt/ daß ſie etlicher maſſen die Pfeiffe einziehen/ und ihre Prætenſion auf ſubtilere Weiſe Handthieren muͤſſen. Zwar in den Haͤndeln mit den Henricis und Frideri- cis behielten die Paͤbſte wohl endlich die Ober-Hand; jedoch genoſſen ſie auch bißweilen ſchlecht Tractament genug/ und muſten viel hoͤren/ was ihnen zu ſchlechten Ehren gedeyete/ und dar- auß Unpartheyiſche leicht urtheilen kun- ten/ daß es nicht umb GOttes Ehre/ ſondern umb weltliche Hoheit zu thun waͤre. Aber als Bonifacius VIII. Koͤ- nig Philippo Pulcro in Franckreich auch zu Leibe wolte/ nahm dieſer ſeine Schantze beſſer in acht/ und verſetzte ihm einen ſolchen Streich/ der dem Pabſt zu groſſem Nachtheil geriethe. Bey welchem harten Verfahren gegen dem Pabſt/ damit man das Aerger- nuß des gemeinen Volcks abwendete/ gab

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Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zu der Historie der Vornehmsten Reiche und Staaten. Frankfurt (Main), 1682, S. 796. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1682/826>, abgerufen am 19.04.2019.