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Pufendorf, Samuel von: Einleitung zur Sitten- und Staats-Lehre. Leipzig, 1691.

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neuntes Capitel.
was einen doch alsobald wieder erse-
tzet werden müssen.

§. 16.

Uberdis/ so muß der Bey-
fall
nicht nur in Versprechen/ son-
dern auch in Pacten beyderseittig
seyn/ also/ daß nicht alle in derjenige/
so da verspricht/ sondern auch/ deme
das Verschrechen geschiehet/ darein
willige. Denn wenn des letztern sein
Consens fehlet/ oder wann er das
angebotene Versprechen nicht an-
nehmen wil/ so bleibt die versproche-
ne Sache des Versprechers eigen.
Denn wer den andern das Seinige
anbietet/ der kan es ihm zwar nicht
mit Gewalt aufdringen/ iedoch wil
er es auch nicht auf die Gasse werffen
lassen/ und wenn es demnach der an-
dere nicht annimmt/ so mag hie-
durch des darbietenden Rechte an der
Sache nichts abgehen. Hat iemand
zuvor um etwas angesuchet/ so wird
davor gehalten/ als ob solche Bitte

noch
L 6

neuntes Capitel.
was einen doch alſobald wieder erſe-
tzet werden muͤſſen.

§. 16.

Uberdis/ ſo muß der Bey-
fall
nicht nur in Verſprechen/ ſon-
dern auch in Pacten beyderſeittig
ſeyn/ alſo/ daß nicht alle in derjenige/
ſo da verſpricht/ ſondern auch/ deme
das Verſchrechen geſchiehet/ darein
willige. Denn wenn des letztern ſein
Conſens fehlet/ oder wann er das
angebotene Verſprechen nicht an-
nehmen wil/ ſo bleibt die verſproche-
ne Sache des Verſprechers eigen.
Denn wer den andern das Seinige
anbietet/ der kan es ihm zwar nicht
mit Gewalt aufdringen/ iedoch wil
er es auch nicht auf die Gaſſe werffen
laſſen/ und wenn es demnach der an-
dere nicht annimmt/ ſo mag hie-
durch des darbietenden Rechte an der
Sache nichts abgehen. Hat iemand
zuvor um etwas angeſuchet/ ſo wird
davor gehalten/ als ob ſolche Bitte

noch
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[239/0303] neuntes Capitel. was einen doch alſobald wieder erſe- tzet werden muͤſſen. §. 16. Uberdis/ ſo muß der Bey- fall nicht nur in Verſprechen/ ſon- dern auch in Pacten beyderſeittig ſeyn/ alſo/ daß nicht alle in derjenige/ ſo da verſpricht/ ſondern auch/ deme das Verſchrechen geſchiehet/ darein willige. Denn wenn des letztern ſein Conſens fehlet/ oder wann er das angebotene Verſprechen nicht an- nehmen wil/ ſo bleibt die verſproche- ne Sache des Verſprechers eigen. Denn wer den andern das Seinige anbietet/ der kan es ihm zwar nicht mit Gewalt aufdringen/ iedoch wil er es auch nicht auf die Gaſſe werffen laſſen/ und wenn es demnach der an- dere nicht annimmt/ ſo mag hie- durch des darbietenden Rechte an der Sache nichts abgehen. Hat iemand zuvor um etwas angeſuchet/ ſo wird davor gehalten/ als ob ſolche Bitte noch L 6

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Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zur Sitten- und Staats-Lehre. Leipzig, 1691, S. 239. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1691/303>, abgerufen am 14.12.2019.