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Pufendorf, Samuel von: Einleitung zur Sitten- und Staats-Lehre. Leipzig, 1691.

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Des ersten Buchs
thums-Herrn geschiehet; Und zwar
werden sodann entweder die sämt-
lichen Hab und Güther/
oder nur
ein gewisses Antheil davon an den
andern verwendet.

§. 10.

Die sämtlichen Habe
und Güther kommen durch Ver-
ordnung derer Gesetze von einen auf
den andern in der Erb-Folge/ so der
Eigenthums-Herr ohne ein Testa-
ment verstirbet. Denn weil beydes
der gemeinen Zuneigung entgegen/
als auch zur Erhaltung guter Ruhe
in den menschlichen Geschechte gantz
nicht zuträglich ist/ wenn dasjenige/
so einer bey Lebezeiten mit grosser
Mühe und Sorgfalt zusammen ge-
bracht hat/ nach des Eigeners To-
de gleichsam vor Herrn-lose geachtet
seyn/ und einen jeden/ der es nur
etwa zuerst anpacken kan/ offen ste-
hen solte; So ist es/ auf Einrathung
der gesunden Vernunfft/ bey allen

Völ-

Des erſten Buchs
thums-Herꝛn geſchiehet; Und zwar
werden ſodann entweder die ſaͤmt-
lichen Hab und Guͤther/
oder nur
ein gewiſſes Antheil davon an den
andern verwendet.

§. 10.

Die ſaͤmtlichen Habe
und Guͤther kommen durch Ver-
ordnung derer Geſetze von einen auf
den andern in der Erb-Folge/ ſo der
Eigenthums-Herr ohne ein Teſta-
ment verſtirbet. Denn weil beydes
der gemeinen Zuneigung entgegen/
als auch zur Erhaltung guter Ruhe
in den menſchlichen Geſchechte gantz
nicht zutraͤglich iſt/ wenn dasjenige/
ſo einer bey Lebezeiten mit groſſer
Muͤhe und Sorgfalt zuſammen ge-
bracht hat/ nach des Eigeners To-
de gleichſam vor Herrn-loſe geachtet
ſeyn/ und einen jeden/ der es nur
etwa zuerſt anpacken kan/ offen ſte-
hen ſolte; So iſt es/ auf Einrathung
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[290/0354] Des erſten Buchs thums-Herꝛn geſchiehet; Und zwar werden ſodann entweder die ſaͤmt- lichen Hab und Guͤther/ oder nur ein gewiſſes Antheil davon an den andern verwendet. §. 10. Die ſaͤmtlichen Habe und Guͤther kommen durch Ver- ordnung derer Geſetze von einen auf den andern in der Erb-Folge/ ſo der Eigenthums-Herr ohne ein Teſta- ment verſtirbet. Denn weil beydes der gemeinen Zuneigung entgegen/ als auch zur Erhaltung guter Ruhe in den menſchlichen Geſchechte gantz nicht zutraͤglich iſt/ wenn dasjenige/ ſo einer bey Lebezeiten mit groſſer Muͤhe und Sorgfalt zuſammen ge- bracht hat/ nach des Eigeners To- de gleichſam vor Herrn-loſe geachtet ſeyn/ und einen jeden/ der es nur etwa zuerſt anpacken kan/ offen ſte- hen ſolte; So iſt es/ auf Einrathung der geſunden Vernunfft/ bey allen Voͤl-

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Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zur Sitten- und Staats-Lehre. Leipzig, 1691, S. 290. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1691/354>, abgerufen am 19.08.2019.