Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pufendorf, Samuel von: Einleitung zur Sitten- und Staats-Lehre. Leipzig, 1691.

Bild:
<< vorherige Seite

Des andern Buchs
Tische und Bette/ ohne daß denen
auf solche Masse Gesonderten erlau-
bet werde/ sich anderwärtig wieder
zu verheyrathen; Welches denn um
dieser Ursache willen geschiehet/ damit
die aus einer gäntzlichen Trennung
zuverhoffende Freyheit zu einen bösen
Leben und Sitten nicht Anlaß gebe;
sondern vielmehr die entzogene Hoff-
nug eines vergnülichern oder andern
Zustandes die boshafftigen Ehegat-
ten zu einen bessern Wandel und
mehrer Verträgligkeit antreibe. Jm
übrigen/ so wird nur der durch Ver-
letzung der ehelichen Pflicht beleidigte
Theil seiner Verbindung entlassen/
welche auf Seiten des andern fortge-
setzet wird/ so fern es jener verlanget/
und sich etwa mit dem Bund-brüchi-
chen wieder auszusohnen gefallen las-
sen solte.

§. 7.

Wo es die bürgerlichen Ge-
setze nicht verhindern/ so können alle

Per-

Des andern Buchs
Tiſche und Bette/ ohne daß denen
auf ſolche Maſſe Geſonderten erlau-
bet werde/ ſich anderwaͤrtig wieder
zu verheyrathen; Welches denn um
dieſer Urſache willen geſchiehet/ damit
die aus einer gaͤntzlichen Trennung
zuverhoffende Freyheit zu einẽ boͤſen
Leben und Sitten nicht Anlaß gebe;
ſondern vielmehr die entzogene Hoff-
nũg eines vergnuͤlichern oder andern
Zuſtandes die boshafftigen Ehegat-
ten zu einen beſſern Wandel und
mehrer Vertraͤgligkeit antreibe. Jm
uͤbrigen/ ſo wird nur der durch Ver-
letzung der ehelichen Pflicht beleidigte
Theil ſeiner Verbindung entlaſſen/
welche auf Seiten des andern fortge-
ſetzet wird/ ſo fern es jener verlanget/
und ſich etwa mit dem Bund-bruͤchi-
chen wieder auszuſohnen gefallen laſ-
ſen ſolte.

§. 7.

Wo es die buͤrgerlichen Ge-
ſetze nicht verhindern/ ſo koͤnnen alle

Per-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0476" n="412"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Des andern Buchs</hi></fw><lb/>
Ti&#x017F;che und Bette/ ohne daß denen<lb/>
auf &#x017F;olche Ma&#x017F;&#x017F;e Ge&#x017F;onderten erlau-<lb/>
bet werde/ &#x017F;ich anderwa&#x0364;rtig wieder<lb/>
zu verheyrathen; Welches denn um<lb/>
die&#x017F;er Ur&#x017F;ache willen ge&#x017F;chiehet/ damit<lb/>
die aus einer ga&#x0364;ntzlichen Trennung<lb/>
zuverhoffende Freyheit zu ein&#x1EBD; bo&#x0364;&#x017F;en<lb/>
Leben und Sitten nicht Anlaß gebe;<lb/>
&#x017F;ondern vielmehr die entzogene Hoff-<lb/>
n&#x0169;g eines vergnu&#x0364;lichern oder andern<lb/>
Zu&#x017F;tandes die boshafftigen Ehegat-<lb/>
ten zu einen be&#x017F;&#x017F;ern Wandel und<lb/>
mehrer Vertra&#x0364;gligkeit antreibe. Jm<lb/>
u&#x0364;brigen/ &#x017F;o wird nur der durch Ver-<lb/>
letzung der ehelichen Pflicht beleidigte<lb/>
Theil &#x017F;einer Verbindung entla&#x017F;&#x017F;en/<lb/>
welche auf Seiten des andern fortge-<lb/>
&#x017F;etzet wird/ &#x017F;o fern es jener verlanget/<lb/>
und &#x017F;ich etwa mit dem Bund-bru&#x0364;chi-<lb/>
chen wieder auszu&#x017F;ohnen gefallen la&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en &#x017F;olte.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 7.</head>
            <p>Wo es die bu&#x0364;rgerlichen Ge-<lb/>
&#x017F;etze nicht verhindern/ &#x017F;o ko&#x0364;nnen <hi rendition="#fr">alle</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">Per-</hi></fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[412/0476] Des andern Buchs Tiſche und Bette/ ohne daß denen auf ſolche Maſſe Geſonderten erlau- bet werde/ ſich anderwaͤrtig wieder zu verheyrathen; Welches denn um dieſer Urſache willen geſchiehet/ damit die aus einer gaͤntzlichen Trennung zuverhoffende Freyheit zu einẽ boͤſen Leben und Sitten nicht Anlaß gebe; ſondern vielmehr die entzogene Hoff- nũg eines vergnuͤlichern oder andern Zuſtandes die boshafftigen Ehegat- ten zu einen beſſern Wandel und mehrer Vertraͤgligkeit antreibe. Jm uͤbrigen/ ſo wird nur der durch Ver- letzung der ehelichen Pflicht beleidigte Theil ſeiner Verbindung entlaſſen/ welche auf Seiten des andern fortge- ſetzet wird/ ſo fern es jener verlanget/ und ſich etwa mit dem Bund-bruͤchi- chen wieder auszuſohnen gefallen laſ- ſen ſolte. §. 7. Wo es die buͤrgerlichen Ge- ſetze nicht verhindern/ ſo koͤnnen alle Per-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1691
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1691/476
Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zur Sitten- und Staats-Lehre. Leipzig, 1691, S. 412. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1691/476>, abgerufen am 19.08.2019.