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Pufendorf, Samuel von: Einleitung zur Sitten- und Staats-Lehre. Leipzig, 1691.

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Des andern Buchs
§. 6.

Alldieweil aber eines Men-
schen Verstand nicht allemahl vor
Jrrthümern sicher ist/ und zumahl
bey einer solchen Freyheit der Wille
gar leichte zum Bösen verleitet wer-
den kan; so haben etliche Völcker vor
gut angesehen/ die hohe Staats-
Gewalt in gewisse Gräntzen ein-
zuschliessen.
Welches denn auff die
Weise geschiehet/ daß man einem ho-
hen Regenten stracks bey Antragung
des Reichs gewisse Gesetze vorleget/
nach welchen er künfftig einige Stü-
cke der hohen Gewalt außzuüben/
und bey vorfallenden Reichs-Angele-
genheiten und andern Dingen/ die
sich in Vorrath so gleich nicht außma-
chen lassen/ ohne des Volcks Vorbe-
wust und Willen/ oder Beschreibung
dessen Deputirten auff gewisse Land-
oder Reichs-Tage nichts vorzuneh-
men verbunden seyn solle/ um da-
durch alle Gelegenheit/ welche den

Kö-
Des andern Buchs
§. 6.

Alldieweil aber eines Men-
ſchen Verſtand nicht allemahl vor
Jrrthuͤmern ſicher iſt/ und zumahl
bey einer ſolchen Freyheit der Wille
gar leichte zum Boͤſen verleitet wer-
den kan; ſo haben etliche Voͤlcker vor
gut angeſehen/ die hohe Staats-
Gewalt in gewiſſe Graͤntzen ein-
zuſchlieſſen.
Welches denn auff die
Weiſe geſchiehet/ daß man einem ho-
hen Regenten ſtracks bey Antragung
des Reichs gewiſſe Geſetze vorleget/
nach welchen er kuͤnfftig einige Stuͤ-
cke der hohen Gewalt außzuuͤben/
und bey vorfallenden Reichs-Angele-
genheiten und andern Dingen/ die
ſich in Vorrath ſo gleich nicht außma-
chen laſſen/ ohne des Volcks Vorbe-
wuſt und Willen/ oder Beſchreibung
deſſen Deputirten auff gewiſſe Land-
oder Reichs-Tage nichts vorzuneh-
men verbunden ſeyn ſolle/ um da-
durch alle Gelegenheit/ welche den

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[500/0564] Des andern Buchs §. 6. Alldieweil aber eines Men- ſchen Verſtand nicht allemahl vor Jrrthuͤmern ſicher iſt/ und zumahl bey einer ſolchen Freyheit der Wille gar leichte zum Boͤſen verleitet wer- den kan; ſo haben etliche Voͤlcker vor gut angeſehen/ die hohe Staats- Gewalt in gewiſſe Graͤntzen ein- zuſchlieſſen. Welches denn auff die Weiſe geſchiehet/ daß man einem ho- hen Regenten ſtracks bey Antragung des Reichs gewiſſe Geſetze vorleget/ nach welchen er kuͤnfftig einige Stuͤ- cke der hohen Gewalt außzuuͤben/ und bey vorfallenden Reichs-Angele- genheiten und andern Dingen/ die ſich in Vorrath ſo gleich nicht außma- chen laſſen/ ohne des Volcks Vorbe- wuſt und Willen/ oder Beſchreibung deſſen Deputirten auff gewiſſe Land- oder Reichs-Tage nichts vorzuneh- men verbunden ſeyn ſolle/ um da- durch alle Gelegenheit/ welche den Koͤ-

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Zitationshilfe: Pufendorf, Samuel von: Einleitung zur Sitten- und Staats-Lehre. Leipzig, 1691, S. 500. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pufendorf_einleitung_1691/564>, abgerufen am 21.11.2019.