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Quenstedt, Friedrich August: Handbuch der Mineralogie. Tübingen, 1855.

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VI. Cl. Inflammabilien: Nichtfossile Harze.
Nichtfossile Harze

unterscheidet der Botaniker dreierlei: Hart-, Weich- und Federharze. Die
Federharze (Kautschuck und Guttapercha) werden im Milchsafte ver-
schiedener Pflanzen angetroffen, Kautschuk in der Siphonia elastica, Gutta-
percha stammt von Isonandra Gutta, und wird erst durch Erwärmen stark
elastisch. Der fossile Elaterit pag. 647 darf damit wohl nicht verglichen
werden. Kautschuk enthält keinen Sauerstoff. Weichharze sind schmierig,
wie z. B. der Vogelleim. Zu den Hartharzen gehört vor allen das
Fichtenharz, aus welchem durch Entfernung des flüchtigen Oels das Co-
lofonium (Geigenharz) dargestellt wird. Der Mastix von Pistacia lentis-
cus
soll die Zusammensetzung des Bernsteins haben. Besonders aber ver-
dient der Copal, hauptsächlich von Hymanäenarten in Guinea stammend,
der in großen Mengen im Handel vorkommt, ins Auge gefaßt zu werden.
Derselbe hat ein auffallend bernsteinartiges Aussehen, nur ist er klarer
und durchsichtiger. Er findet sich oft in Flußanschwemmungen, wie Bern-
stein, und hat da schon Veränderungen erlitten. Nach Martius kommen
an der Wurzel der Hymanaea curbaril einer brasilianischen Leguminose
Klumpen von 6--8 Lb Schwere vor, sie sollen aber nie Insekten ent-
halten. Dagegen trifft man an der südafrikanischen Küste Copale, die
von Insekten wimmeln. Manche davon sehen sogar nach der mitvorkom-
menden rothen Erde halbfossil aus. Ich habe z. B. ein Stück von 1
Cubikzoll vor mir, worin wenigstens 200 kleine Ameisen sitzen, ganz wie
im Bernstein. Wenn die Fundorte richtig sind, so würde nicht blos der
ostindische Copal, der aus der Vateria indica fließt, Insekten einschließen.
Jedenfalls zeigen diese Harze, die ebenfalls in Weingeist nicht oder doch
nur schwer löslich sind, wie leicht man durch das äußere Ansehen irre
geführt werden kann. Schrötter (Pogg. Ann. 59. 73) hat die Analyse
mehrerer zusammen gestellt, um chemisch darzulegen, daß Bernstein und
Retinit ebenfalls Harze seien, und daß die Veränderungen, welche sie er-
litten haben, sich weit mehr auf ihre nähern Bestandtheile, das ist auf
die Art und Weise, wie die Atome ihrer Elemente sich unter einander
verbunden haben, als auf die quantitativen Verhältnisse derselben erstrecken:

[Tabelle]

Der Copalfirniß ist sehr wichtig, aber viele Copale muß man, ehe
sie in Alkohol und Terpentinöl gelöst werden können, vorher wie den
Bernstein schmelzen. Die Handelswaare zeigt gewöhnlich auf der Ober-
fläche kleine sechsseitige Warzen, die nach dem Gesetz der Bienenwaben
neben einander stehen, und deren Entstehung ich mir nicht erklären kann.


Quenstedt, Mineralogie. 42
VI. Cl. Inflammabilien: Nichtfoſſile Harze.
Nichtfoſſile Harze

unterſcheidet der Botaniker dreierlei: Hart-, Weich- und Federharze. Die
Federharze (Kautſchuck und Guttapercha) werden im Milchſafte ver-
ſchiedener Pflanzen angetroffen, Kautſchuk in der Siphonia elastica, Gutta-
percha ſtammt von Isonandra Gutta, und wird erſt durch Erwärmen ſtark
elaſtiſch. Der foſſile Elaterit pag. 647 darf damit wohl nicht verglichen
werden. Kautſchuk enthält keinen Sauerſtoff. Weichharze ſind ſchmierig,
wie z. B. der Vogelleim. Zu den Hartharzen gehört vor allen das
Fichtenharz, aus welchem durch Entfernung des flüchtigen Oels das Co-
lofonium (Geigenharz) dargeſtellt wird. Der Maſtix von Pistacia lentis-
cus
ſoll die Zuſammenſetzung des Bernſteins haben. Beſonders aber ver-
dient der Copal, hauptſächlich von Hymanäenarten in Guinea ſtammend,
der in großen Mengen im Handel vorkommt, ins Auge gefaßt zu werden.
Derſelbe hat ein auffallend bernſteinartiges Ausſehen, nur iſt er klarer
und durchſichtiger. Er findet ſich oft in Flußanſchwemmungen, wie Bern-
ſtein, und hat da ſchon Veränderungen erlitten. Nach Martius kommen
an der Wurzel der Hymanaea curbaril einer braſilianiſchen Leguminoſe
Klumpen von 6—8 ℔ Schwere vor, ſie ſollen aber nie Inſekten ent-
halten. Dagegen trifft man an der ſüdafrikaniſchen Küſte Copale, die
von Inſekten wimmeln. Manche davon ſehen ſogar nach der mitvorkom-
menden rothen Erde halbfoſſil aus. Ich habe z. B. ein Stück von 1
Cubikzoll vor mir, worin wenigſtens 200 kleine Ameiſen ſitzen, ganz wie
im Bernſtein. Wenn die Fundorte richtig ſind, ſo würde nicht blos der
oſtindiſche Copal, der aus der Vateria indica fließt, Inſekten einſchließen.
Jedenfalls zeigen dieſe Harze, die ebenfalls in Weingeiſt nicht oder doch
nur ſchwer löslich ſind, wie leicht man durch das äußere Anſehen irre
geführt werden kann. Schrötter (Pogg. Ann. 59. 73) hat die Analyſe
mehrerer zuſammen geſtellt, um chemiſch darzulegen, daß Bernſtein und
Retinit ebenfalls Harze ſeien, und daß die Veränderungen, welche ſie er-
litten haben, ſich weit mehr auf ihre nähern Beſtandtheile, das iſt auf
die Art und Weiſe, wie die Atome ihrer Elemente ſich unter einander
verbunden haben, als auf die quantitativen Verhältniſſe derſelben erſtrecken:

[Tabelle]

Der Copalfirniß iſt ſehr wichtig, aber viele Copale muß man, ehe
ſie in Alkohol und Terpentinöl gelöst werden können, vorher wie den
Bernſtein ſchmelzen. Die Handelswaare zeigt gewöhnlich auf der Ober-
fläche kleine ſechsſeitige Warzen, die nach dem Geſetz der Bienenwaben
neben einander ſtehen, und deren Entſtehung ich mir nicht erklären kann.


Quenſtedt, Mineralogie. 42
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[657/0669] VI. Cl. Inflammabilien: Nichtfoſſile Harze. Nichtfoſſile Harze unterſcheidet der Botaniker dreierlei: Hart-, Weich- und Federharze. Die Federharze (Kautſchuck und Guttapercha) werden im Milchſafte ver- ſchiedener Pflanzen angetroffen, Kautſchuk in der Siphonia elastica, Gutta- percha ſtammt von Isonandra Gutta, und wird erſt durch Erwärmen ſtark elaſtiſch. Der foſſile Elaterit pag. 647 darf damit wohl nicht verglichen werden. Kautſchuk enthält keinen Sauerſtoff. Weichharze ſind ſchmierig, wie z. B. der Vogelleim. Zu den Hartharzen gehört vor allen das Fichtenharz, aus welchem durch Entfernung des flüchtigen Oels das Co- lofonium (Geigenharz) dargeſtellt wird. Der Maſtix von Pistacia lentis- cus ſoll die Zuſammenſetzung des Bernſteins haben. Beſonders aber ver- dient der Copal, hauptſächlich von Hymanäenarten in Guinea ſtammend, der in großen Mengen im Handel vorkommt, ins Auge gefaßt zu werden. Derſelbe hat ein auffallend bernſteinartiges Ausſehen, nur iſt er klarer und durchſichtiger. Er findet ſich oft in Flußanſchwemmungen, wie Bern- ſtein, und hat da ſchon Veränderungen erlitten. Nach Martius kommen an der Wurzel der Hymanaea curbaril einer braſilianiſchen Leguminoſe Klumpen von 6—8 ℔ Schwere vor, ſie ſollen aber nie Inſekten ent- halten. Dagegen trifft man an der ſüdafrikaniſchen Küſte Copale, die von Inſekten wimmeln. Manche davon ſehen ſogar nach der mitvorkom- menden rothen Erde halbfoſſil aus. Ich habe z. B. ein Stück von 1 Cubikzoll vor mir, worin wenigſtens 200 kleine Ameiſen ſitzen, ganz wie im Bernſtein. Wenn die Fundorte richtig ſind, ſo würde nicht blos der oſtindiſche Copal, der aus der Vateria indica fließt, Inſekten einſchließen. Jedenfalls zeigen dieſe Harze, die ebenfalls in Weingeiſt nicht oder doch nur ſchwer löslich ſind, wie leicht man durch das äußere Anſehen irre geführt werden kann. Schrötter (Pogg. Ann. 59. 73) hat die Analyſe mehrerer zuſammen geſtellt, um chemiſch darzulegen, daß Bernſtein und Retinit ebenfalls Harze ſeien, und daß die Veränderungen, welche ſie er- litten haben, ſich weit mehr auf ihre nähern Beſtandtheile, das iſt auf die Art und Weiſe, wie die Atome ihrer Elemente ſich unter einander verbunden haben, als auf die quantitativen Verhältniſſe derſelben erſtrecken: Der Copalfirniß iſt ſehr wichtig, aber viele Copale muß man, ehe ſie in Alkohol und Terpentinöl gelöst werden können, vorher wie den Bernſtein ſchmelzen. Die Handelswaare zeigt gewöhnlich auf der Ober- fläche kleine ſechsſeitige Warzen, die nach dem Geſetz der Bienenwaben neben einander ſtehen, und deren Entſtehung ich mir nicht erklären kann. Quenſtedt, Mineralogie. 42

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Zitationshilfe: Quenstedt, Friedrich August: Handbuch der Mineralogie. Tübingen, 1855. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/quenstedt_mineralogie_1854/669>, S. 657, abgerufen am 21.11.2017.