Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Raabe, Wilhelm: Die Chronik der Sperlingsgasse. Berlin, 1857.

Bild:
<< vorherige Seite

"Gottlob, da ist die Sperlingsgasse!" Welche Ueber-
schwemmung! -- Gute Nacht und keine langen Worte!!
-- Gustav verschwindet mit seiner Mutter hinter ihrer
Hausthür und auch wir erreichen glücklich die unsrige.

"Gott, Herr Wachholder, was habe ich für 'ne Angst
gehabt!" ruft die alte Martha uns von der Treppe
entgegen.

Lischen pustet und ächzt und lacht, hält Arme und
Hände weit ab vom Leibe und wird so schnell als mög-
lich in's Bett geschickt. Gustav ruft natürlich von drü-
ben noch einige Fragen herüber, auf welche wir aber
nicht antworten und der Mondschein-Spaziergang ist zu
Ende. -- --



Der April, der einst mensis novarum hieß, ist der
wahre Monat des Humors. Regen und Sonnenschein,
Lachen und Weinen trägt er in einem Sack, und Regen-
schauer und Sonnenblicke, Gelächter und Thränen brachte
er auch diesmal mit und manch Einer bekam sein Theil
davon. Ich liebe diesen Janusköpfigen Monat, welcher
mit dem einen Gesichte grau und mürrisch in den enden-

„Gottlob, da iſt die Sperlingsgaſſe!“ Welche Ueber-
ſchwemmung! — Gute Nacht und keine langen Worte!!
— Guſtav verſchwindet mit ſeiner Mutter hinter ihrer
Hausthür und auch wir erreichen glücklich die unſrige.

„Gott, Herr Wachholder, was habe ich für ’ne Angſt
gehabt!“ ruft die alte Martha uns von der Treppe
entgegen.

Lischen puſtet und ächzt und lacht, hält Arme und
Hände weit ab vom Leibe und wird ſo ſchnell als mög-
lich in’s Bett geſchickt. Guſtav ruft natürlich von drü-
ben noch einige Fragen herüber, auf welche wir aber
nicht antworten und der Mondſchein-Spaziergang iſt zu
Ende. — —



Der April, der einſt mensis novarum hieß, iſt der
wahre Monat des Humors. Regen und Sonnenſchein,
Lachen und Weinen trägt er in einem Sack, und Regen-
ſchauer und Sonnenblicke, Gelächter und Thränen brachte
er auch diesmal mit und manch Einer bekam ſein Theil
davon. Ich liebe dieſen Janusköpfigen Monat, welcher
mit dem einen Geſichte grau und mürriſch in den enden-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0256" n="246"/>
&#x201E;Gottlob, da i&#x017F;t die Sperlingsga&#x017F;&#x017F;e!&#x201C; Welche Ueber-<lb/>
&#x017F;chwemmung! &#x2014; Gute Nacht und keine langen Worte!!<lb/>
&#x2014; Gu&#x017F;tav ver&#x017F;chwindet mit &#x017F;einer Mutter hinter ihrer<lb/>
Hausthür und auch wir erreichen glücklich die un&#x017F;rige.</p><lb/>
        <p>&#x201E;Gott, Herr Wachholder, was habe ich für &#x2019;ne Ang&#x017F;t<lb/>
gehabt!&#x201C; ruft die alte Martha uns von der Treppe<lb/>
entgegen.</p><lb/>
        <p>Lischen pu&#x017F;tet und ächzt und lacht, hält Arme und<lb/>
Hände weit ab vom Leibe und wird &#x017F;o &#x017F;chnell als mög-<lb/>
lich in&#x2019;s Bett ge&#x017F;chickt. Gu&#x017F;tav ruft natürlich von drü-<lb/>
ben noch einige Fragen herüber, auf welche wir aber<lb/>
nicht antworten und der Mond&#x017F;chein-Spaziergang i&#x017F;t zu<lb/>
Ende. &#x2014; &#x2014;</p><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      </div>
      <div n="1">
        <dateline> <hi rendition="#right">Am 15. April. &#x2014;</hi> </dateline><lb/>
        <p>Der April, der ein&#x017F;t <hi rendition="#aq">mensis novarum</hi> hieß, i&#x017F;t der<lb/>
wahre Monat des Humors. Regen und Sonnen&#x017F;chein,<lb/>
Lachen und Weinen trägt er in einem Sack, und Regen-<lb/>
&#x017F;chauer und Sonnenblicke, Gelächter und Thränen brachte<lb/>
er auch diesmal mit und manch Einer bekam &#x017F;ein Theil<lb/>
davon. Ich liebe die&#x017F;en Janusköpfigen Monat, welcher<lb/>
mit dem einen Ge&#x017F;ichte grau und mürri&#x017F;ch in den enden-<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[246/0256] „Gottlob, da iſt die Sperlingsgaſſe!“ Welche Ueber- ſchwemmung! — Gute Nacht und keine langen Worte!! — Guſtav verſchwindet mit ſeiner Mutter hinter ihrer Hausthür und auch wir erreichen glücklich die unſrige. „Gott, Herr Wachholder, was habe ich für ’ne Angſt gehabt!“ ruft die alte Martha uns von der Treppe entgegen. Lischen puſtet und ächzt und lacht, hält Arme und Hände weit ab vom Leibe und wird ſo ſchnell als mög- lich in’s Bett geſchickt. Guſtav ruft natürlich von drü- ben noch einige Fragen herüber, auf welche wir aber nicht antworten und der Mondſchein-Spaziergang iſt zu Ende. — — Am 15. April. — Der April, der einſt mensis novarum hieß, iſt der wahre Monat des Humors. Regen und Sonnenſchein, Lachen und Weinen trägt er in einem Sack, und Regen- ſchauer und Sonnenblicke, Gelächter und Thränen brachte er auch diesmal mit und manch Einer bekam ſein Theil davon. Ich liebe dieſen Janusköpfigen Monat, welcher mit dem einen Geſichte grau und mürriſch in den enden-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/raabe_sperlingsgasse_1857
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/raabe_sperlingsgasse_1857/256
Zitationshilfe: Raabe, Wilhelm: Die Chronik der Sperlingsgasse. Berlin, 1857, S. 246. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/raabe_sperlingsgasse_1857/256>, abgerufen am 20.06.2018.