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Ramdohr, Friedrich Wilhelm Basilius von: Über Mahlerei und Bildhauerarbeit in Rom für Liebhaber des Schönen in der Kunst. T. 1. Leipzig, 1787.

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Villa Borghese.
in der Villa Albani. Winkelmann 10) rechnet die
Beine dieses Apollo unter die schönsten, die sich aus
dem Alterthume auf uns erhalten haben. Die beiden
Hände sind modern.

Ein Faun, als Narciß ergänzt. Man sieht
deutlich, daß er nach dem berühmten Faun zu Florenz
copirt ist. Er trägt sogar die Crotalen 11) unter dem
Fuße. Der Kopf scheint modern.

Bacchus. Ein Arm, eine Hand und ein Bein
modern. Der Körper von großer Schönheit. Die
Vermischung der weiblichen und männlichen Natur,
die den Charakter dieses Gottes ausmacht, wird vor-
züglich an dieser Statue sichtbar.

David von Bernini. Der Meister soll bei
Verfertigung dieser Statue keine geringere Anmaaßung
gehabt haben, als den berühmten Gladiator zu über-
treffen. Allein er hat nichts weiter als einen niedrigen
Lastträger hervorgebracht. Schon der Stellung fehlt
es an Gleichgewicht. Der Ausdruck ist Verzerrung,
die Muskeln sind willkührliche Geschwülste.

Ein junger Faun, dessen Kopf beschädigt ist.
Arme und Füße sind modern.

Zwei Figuren, deren Gewand antik und von
Bronze ist. Die Köpfe und die übrigen Extremitä-
ten sind von Alabaster, modern aber gut.

In die Wände sind mehrere Basreliefs einge-
mauert.

Die
10) G. d. K. S. 375.
11) Ein Instrument in Form einer Klapper, welches
wahrscheinlich dazu diente, den Takt anzugeben.

Villa Borgheſe.
in der Villa Albani. Winkelmann 10) rechnet die
Beine dieſes Apollo unter die ſchoͤnſten, die ſich aus
dem Alterthume auf uns erhalten haben. Die beiden
Haͤnde ſind modern.

Ein Faun, als Narciß ergaͤnzt. Man ſieht
deutlich, daß er nach dem beruͤhmten Faun zu Florenz
copirt iſt. Er traͤgt ſogar die Crotalen 11) unter dem
Fuße. Der Kopf ſcheint modern.

Bacchus. Ein Arm, eine Hand und ein Bein
modern. Der Koͤrper von großer Schoͤnheit. Die
Vermiſchung der weiblichen und maͤnnlichen Natur,
die den Charakter dieſes Gottes ausmacht, wird vor-
zuͤglich an dieſer Statue ſichtbar.

David von Bernini. Der Meiſter ſoll bei
Verfertigung dieſer Statue keine geringere Anmaaßung
gehabt haben, als den beruͤhmten Gladiator zu uͤber-
treffen. Allein er hat nichts weiter als einen niedrigen
Laſttraͤger hervorgebracht. Schon der Stellung fehlt
es an Gleichgewicht. Der Ausdruck iſt Verzerrung,
die Muſkeln ſind willkuͤhrliche Geſchwuͤlſte.

Ein junger Faun, deſſen Kopf beſchaͤdigt iſt.
Arme und Fuͤße ſind modern.

Zwei Figuren, deren Gewand antik und von
Bronze iſt. Die Koͤpfe und die uͤbrigen Extremitaͤ-
ten ſind von Alabaſter, modern aber gut.

In die Waͤnde ſind mehrere Basreliefs einge-
mauert.

Die
10) G. d. K. S. 375.
11) Ein Inſtrument in Form einer Klapper, welches
wahrſcheinlich dazu diente, den Takt anzugeben.
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[322/0344] Villa Borgheſe. in der Villa Albani. Winkelmann 10) rechnet die Beine dieſes Apollo unter die ſchoͤnſten, die ſich aus dem Alterthume auf uns erhalten haben. Die beiden Haͤnde ſind modern. Ein Faun, als Narciß ergaͤnzt. Man ſieht deutlich, daß er nach dem beruͤhmten Faun zu Florenz copirt iſt. Er traͤgt ſogar die Crotalen 11) unter dem Fuße. Der Kopf ſcheint modern. Bacchus. Ein Arm, eine Hand und ein Bein modern. Der Koͤrper von großer Schoͤnheit. Die Vermiſchung der weiblichen und maͤnnlichen Natur, die den Charakter dieſes Gottes ausmacht, wird vor- zuͤglich an dieſer Statue ſichtbar. David von Bernini. Der Meiſter ſoll bei Verfertigung dieſer Statue keine geringere Anmaaßung gehabt haben, als den beruͤhmten Gladiator zu uͤber- treffen. Allein er hat nichts weiter als einen niedrigen Laſttraͤger hervorgebracht. Schon der Stellung fehlt es an Gleichgewicht. Der Ausdruck iſt Verzerrung, die Muſkeln ſind willkuͤhrliche Geſchwuͤlſte. Ein junger Faun, deſſen Kopf beſchaͤdigt iſt. Arme und Fuͤße ſind modern. Zwei Figuren, deren Gewand antik und von Bronze iſt. Die Koͤpfe und die uͤbrigen Extremitaͤ- ten ſind von Alabaſter, modern aber gut. In die Waͤnde ſind mehrere Basreliefs einge- mauert. Die 10) G. d. K. S. 375. 11) Ein Inſtrument in Form einer Klapper, welches wahrſcheinlich dazu diente, den Takt anzugeben.

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Zitationshilfe: Ramdohr, Friedrich Wilhelm Basilius von: Über Mahlerei und Bildhauerarbeit in Rom für Liebhaber des Schönen in der Kunst. T. 1. Leipzig, 1787, S. 322. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_mahlerei01_1787/344>, abgerufen am 17.07.2019.